
Die Berliner Linke will regieren. Ihre Palästina-LAG kümmert sich derweil um die Rückendeckung für Hannah Bruns und Ferat Koçak. Zwei neue Instagram-Beiträge vom 22. September 2026 zeigen, wie Arbeitsteilung in dieser Partei funktioniert:
Die Spitze sucht Vertrauen, die eigenen Gliederungen erklären, warum die Kritik an den Genossen das eigentliche Problem ist.
Bruns kämpft, die Gliederungen teilen
„Ich werde den Kampf gegen diesen Ausschlussantrag auf mich nehmen und ich werde ihn gewinnen.“ Das steht im Begleittext eines neuen Reels von Hannah Bruns. Viele Genossen teilten ihre Positionen oder fänden zumindest, dass diese in einer sozialistischen Partei Platz haben müssten, erklärt sie.

Instagram führt die Berliner Palästina-LAG, die Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, die Linksjugend Berlin und „Keine Linke ohne Palästinasolidarität“ als Mitautoren. Das sind keine beiläufigen Bildmarkierungen. Die Accounts verbreiten die Kampfansage gemeinsam.
Der Ausschlussantrag ist inzwischen mehr als nur eine Ankündigung: Nach einem Bericht des Tagesspiegels vom 22. September 2026 liegt der Antrag mehrerer Parteimitglieder seit dem 19. September 2026 bei der Landesschiedskommission. Die Zeitung beruft sich auf übereinstimmende Angaben aus Parteikreisen. Über einen Ausschluss ist damit noch nicht entschieden. Die beteiligten Gliederungen sind mit ihrer Solidarität weniger zurückhaltend: Andere Parteien müssen ihre roten Linien verteidigen. Hier bekommen diejenigen Rückendeckung, um deren Aussagen sich der Streit dreht. Bruns forderte 2025, Tel Aviv müsse „wieder in der Hand von Palästina“ liegen. Etwas über ihre frühere Bochumer Parteikarriere, ihren Austritt 2018 und der später bekannt gewordene Entwurf eines Ausschlussantrags stehen hier: (
Antisemitismus bei der Berliner Linken: ‚Nieder mit der Linkspartei‘ – Hannah Bruns, Intifada und Tel Aviv).
Die Berliner LAG bewarb anschließend noch ein Sommercamp-Podium mit Hannah Bruns und Hüseyin Doğru: (
Die Linke Berlin: Antisemitismus im Gepäck, das Freizeitprogramm steht).
Bei Koçak ist die Kritik die Kampagne
Fast zeitgleich erschien eine Solidaritätserklärung für den Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Hintergrund ist die Debatte über einen veröffentlichten Instagram-Chat mit Firas Remmo.

Dabei war die Fraktionsführung schon am Nachmittag einen Schritt weiter: Nach RND/dpa vom 22. September kündigte Sören Pellmann, Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, an, Koçak werde bis zur vollständigen Aufklärung vorerst nicht mehr öffentlich auftreten und nicht an Sitzungen des Bundestags-Innenausschusses teilnehmen. Über weitere Konsequenzen solle danach entschieden werden. Sein Bundestagsmandat legt er damit nicht nieder. Die Fraktionsführung verlangt Transparenz. Die Solidaritätsabteilung liefert vorsorglich einen Sichtschutz.
Der Begleittext bezeichnet die Kritik als Kampagne, die Menschen wegen ihrer Herkunft und ihres Namens unter Generalverdacht stelle. Statt über den Chat solle offenbar über die 59 Prozent für Vergesellschaftung gesprochen werden.
Auch eine Methode der Aufklärung: Bei unangenehmen Fragen einfach die Immobilie wechseln.
Neben der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität und der Berliner LAG sind diesmal auch die NRW-LAG und das Netzwerk Palästinasolidarität Niedersachsen als Mitautoren ausgewiesen. Nicht die gesamte Linkspartei erklärt hier ihre Position, sondern diese beteiligten Accounts. Aber eine Kritik ist nicht schon dadurch erledigt, dass man ihren Adressaten Solidarität erklärt.
Die SPD möchte vorher noch etwas klären
Der Streit betrifft längst die Regierungsbildung. Wie DIE ZEIT am 23. September berichtet, fordern die SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf von der Linken eine klare Abgrenzung von Antisemitismus und organisierter Kriminalität. Elif Eralp und Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner bekennen sich dem Bericht zufolge zum Existenzrecht Israels und zum Schutz jüdischen Lebens. Daran müssen sich auch die eigenen Gliederungen messen lassen. Für eine Regierungspartei wäre das keine Schikane, sondern die Mindestausstattung. Ein Solidaritätsschirm ersetzt keinen politischen Kompass.
Die Parteispitze kann ja weiter Abgrenzung versprechen.
Ihre Gliederungen kümmern sich um die Anschlussverwendung der roten Linien.
Was bisher geschah
- Die Linke Neukölln: Beim Islamismus endet die Solidarität
Die Reaktion auf den CSD-Angriff. - Wahl-O-Mat Berlin: Müll, Feuerwerk, 38 Thesen – und kein Antisemitismus
Eine Leerstelle im Fragenkatalog. - „Death to the IDF“, ein „Sprengsatz auf den Bundestag“ und andere musikalische Perlen: Die stabile Künstlerauswahl der Linken in Berlin-Neukölln
Dahabflex und sein öffentliches Repertoire. - Judenhass im Wahlkampf: Die Linke Berlin-Neukölln distanziert sich – von der Distanzierung
Die Reaktionen auf Eralps Kritik. - Vor „Death to the IDF“ war Nakba: Die späte Überraschung der Linkspartei in Berlin
Emdes Positionen vor dem Konzertstreit. - Antisemitismus bei der Berliner Linken: ‚Nieder mit der Linkspartei‘ – Hannah Bruns, Intifada und Tel Aviv
Bruns’ Aussagen und die Reaktionen. - Die Linke Berlin: Elif Eralps Festnahmeplan für Netanjahu steht, die Rechtskunde folgt
Die juristische Begründung im Faktencheck. - Die Linke Berlin: Einige Genossen warnen, Dahabflex schmollt, Linksjugend Neukölln eskaliert
Shalom-Kritik und Neuköllner Gegenwehr. - Die Linke Berlin: Kaum ist ein Skandal erklärt, wird der nächste solidarisch umarmt
Solidarität mit dem verbotenen Verein. - Die Linke Berlin: Terror braucht Kontext, Intifada bekommt Herzchen
Digitale Rückendeckung für Intifada-Rhetorik. - Die Linke Berlin: Die rote Linie zum Hamas-Umfeld steht auf Rollen
Der gemeinsame Demoaufruf mit VPNK. - Die Linke Berlin: Antisemitismus im Gepäck, das Freizeitprogramm steht
Camp-Werbung und Positionen angekündigter Gäste. - SPD Berlin: Zehn Fragen zum Antisemitismus – keine Antwort
Die damalige Anfrage an die SPD. - Die Linke Berlin: Die Selbstzerlegung braucht keine Bühne mehr
Regierungsanspruch trifft Oppositionsforderung. - Die Linke Berlin: Gemeinsam. Gegeneinander.
Widersprüchliche Positionen zur Regierungsbeteiligung. - VW in Osnabrück: Die IG Metall kämpft um Jobs – Linken-MdB und Aktivisten fallen ihr in den Rücken
Die Palästina-LAG gegen das Rafael-Projekt. - Die Linke Berlin: Israelhass frisst den Wahlkampf
Israeldebatte und Regierungsstreit verschärfen sich. - Die Linke Berlin: Elif Eralp entdeckt die Müllabfuhr
Sperrmüllversprechen und Wohnungsbaupläne im Vergleich. - Die Linke Berlin: Feind, Todfeind, Parteifreund
Eralps Regierungsziel und Emdes Gegenposition. - Die Linke Berlin: Spitzel-Vorwürfe gegen die WELT, neue Sticker und der Kampf um die Macht
Medienvorwürfe und die neue Sticker-Affäre. - Heute wählt Berlin: Die Palästina-LAG setzt auf Druck gegen „ranghohe Kader“ der Linkspartei
Wahlempfehlungen und Mobilisierung am Wahlwochenende. - Die Linke gewinnt Berlin: Regieren würde jetzt nur die Haltung versauen
Oppositionsforderungen, innerparteilicher Streit und Koçaks Kontaktpflege. - Die Linke will ins Rote Rathaus. Ihre Palästina-LAG bevorzugt betreutes Regieren.
Die LAG und die Bedingungen möglicher Koalitionspartner. - Erfolgreiche Wahl-Intifada
- Berlin, Berlin… es wächst zusammen, was zusammen gehört
Einloggen, um Themen zu beobachten. Einloggen