Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Schluss mit den Sonntagsreden

Großkundgebung in Stuttgart 07.10.2026

Am 7. Oktober 2026 jährt sich das Hamas-Massaker im westlichen Negev zum dritten Mal. Was als beispielloser Zivilisationsbruch begann, hat den Antisemitismus auf deutschen Straßen, im Kulturbetrieb und in den Parlamenten wieder salonfähig gemacht. Während offizielle Stellen das Problem mit folgenlosen Appellen und Betroffenheitsrhetorik begleiten, zieht die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Stuttgart eine harte Trennlinie:

Kein Millimeter Raum für die Helfershelfer des Terrors, uneingeschränkte Solidarität mit Israel.

Am 7. Oktober um 17:00 Uhr veranstaltet die DIG Stuttgart [1] auf dem Stuttgarter Marktplatz die bundesweit größte Kundgebung der Israel-Solidarität. Getragen von einem breiten Bündnis, stehen hier Betroffene, Überlebende und Aktivisten im Mittelpunkt, die die Realität des Terrors und der Hetze benennen. Als Redner sind neben dem Stuttgarter DIG-Vorsitzenden Oliver Vrankovic unter anderem vorgesehen:

Maral Salmassi, 1975 in Teheran geborene deutsch-iranische Publizistin und Aktivistin, ist Gründerin des Berliner „Zera Institute“, das zu Online-Radikalisierung und Präventionsansätzen arbeitet. Sie tritt öffentlich gegen Antisemitismus und Islamismus auf, wobei sie auf der Unterscheidung zwischen politischem Islam als Ideologie und Muslimen als Gläubigen besteht, und setzt sich für Frauen- und Mädchenrechte ein und gegen das rückwärtsgewandte Wirken vermeintlich progressiver Milieus.[2]

Eva Erben, geboren 24.10.1930 überlebte die KZ Theresienstadt, Auschwitz und Todesmärsche. Seit 1948 lebt sie in Israel. Die Holocaustüberlebende tritt bis heute als Mahnerin für Menschlichkeit auf. Für Ihren Einsatz erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.[3]

Adele Raemer ist eine amerikanisch-israelische Bloggerin und Pädagogin, die in Nirim lebt, einem Kibbuz nahe der israelischen Grenze zum Gazastreifen. Adele gründete 2011 die Facebook Gruppe „Life on the border with gaza – things people may not know (but should) und wurde zur inofiziellen Botschafterin des Westlichen Negev. Am 7.10. überlebte sie im Schutzraum ihres Hauses im Kibbutz Nirim.[4]

Aufklärung statt auf Verdrängung

Das Rahmenprogramm Aktionstage für Israel und gegen jeden Antisemitismus  setzt auf Aufklärung statt auf Verdrängung:

Das Spektrum reicht von der Dokumentation 6 Millionen. 6 Familien. 6 Wege[5] ab dem 2. Oktober im Haus der Geschichte über die Filmvorführung von The Road Between Us mit Adele Raemer im Landestheater Tübingen bis hin zur Podiumsdiskussion über den verrohten Kulturbetrieb am 8. Oktober im Stuttgarter StadtPalais mit Hili Perlson, Sharon On, Thorsten Weckherlin und Stephan Trüby.

Das komplette Programm der Aktionstage vom 29.09. – 08.10. hier [6]

Sehen wir uns?

Wer nicht länger darüber hinwegsehen will, wie jüdisches Leben in Deutschland längst durch Schutzgitter, Sicherheitsglas und ständige Polizeipräsenz abgeschirmt werden muss, während auf offener Straße das Existenzrecht Israels verleugnet wird, ist aufgerufen am 7. Oktober nach Stuttgart kommen. Schluss mit den folgenlosen Sonntagsreden und der wohlfeil-betroffenen Begleitmusik von Institutionen, die dem Mob den öffentlichen Raum überlassen.

Die Großkundgebung auf dem Marktplatz setzt einen notwendigen Gegenpunkt. Sie macht unmissverständlich klar, dass die Solidarität mit dem Staat Israel, seiner Bevölkerung und den bedrohten jüdischen Gemeinden in Deutschland nicht verhandelbar ist.

Es geht darum, Präsenz zu zeigen, wenn die Feinde des jüdischen Lebens versuchen, den öffentlichen Raum zu besetzen. Sehen wir uns am 7. Oktober um 17:00 Uhr auf den Stuttgarter Marktplatz – laut, solidarisch und ohne falsche Kompromisse.

Oliver Vrankovic, DIG Stuttgart, im Interview

Oliver Vrankovic, Jahrgang 1979, ist Sozialpädagoge und lebt seit 2007 in Israel. Er arbeitet als Pflegehelfer im Elternheim Pinkhas Rozen in Ramat Gan – einer 1932 als Zufluchtsort für vor der nationalsozialistischen Verfolgung geflüchtete Einwanderer aus Mitteleuropa gegründeten Einrichtung – und pendelt zwischen Ramla und Stuttgart.

Bild: Oliver Vrankovic, mit freundlicher Genehmigung

Ruhrbarone: Oliver, am 7. Oktober organisiert ihr in Stuttgart eine Großkundgebung, um ein deutliches Zeichen der Solidarität mit Israel zu setzen. Warum ist es gerade jetzt, drei Jahre nach dem Massaker, so entscheidend, den öffentlichen Raum nicht dem Mob zu überlassen?

Oliver Vrankovic: Die Erinnerung an die Judenvernichtung im Westlichen Negev am 7.10. scheint uns in Deutschland zunehmend zu verblassen. Israelfeindliche Akteure propagieren eine Nacherzählung, die die Geschehnisse am 7.10. und die Notwendigkeit des israelischen Verteidigungskrieg um seine Existenz ausblendet, Opfer und Täter vertauscht und mit dem Leid in Gaza gegen den jüdischen Staat agitiert.
Das Leid in Gaza ist real. Der einzige Weg, es zu beenden, ist, dass sie aufhören, die Juden zu vernichten. Punkt.
Es gibt keinen Völkermord in Gaza. Palästinenser sind Täter und ihr Leid ist dem geschuldet. Das ist die Realität. Diese benennen wir.

Ruhrbarone:Es bleibt aber nicht bei dieser einen Kundgebung auf dem Marktplatz. Ihr habt ein umfangreiches Rahmenprogramm für die Tage davor und danach auf die Beine gestellt. Welches Ziel verfolgt ihr mit diesen zusätzlichen Aktionstagen?

Oliver Vrankovic: Vertiefende Aufklärung, Auseinandersetzung und konkrete Solidarität sind um die Kundgebung gruppiert. Eine breite Palette von Vortragsveranstaltungen, Filmvorführungen, Benefizkonzert, Gebetsnacht und Podiumsdiskussion. Dabei soll die Israelsolidarität auch inhaltlich gestärkt und der Kampf gegen den Antisemitismus konkretisiert werden. Wichtig ist uns auch, alle Zweige der Israelsolidarität zu adressieren.

Ruhrbarone: Bei Gedenk- und Solidaritätsveranstaltungen dieser Größenordnung drängen sich oft Vertreter aus der Lokal- und Landespolitik in die erste Reihe. Wie sieht das bei euch aus – ist die offizielle Politik involviert?

Oliver Vrankovic: Keine Politik, keine Sonntagsreden, keine Kompromisse. Die DIG Stuttgart agiert unabhängig von der Politik. Wir verzichten auf Förderung (auch vom Auswärtigen Amt) um uns allein so positionieren zu können wir wir es für richtig halten. Lieber hundert Stunden in die Beschaffung der Mittel, als uns zu verkaufen.

Ruhrbarone: Ein Programm, wie ihr es auf die Beine stellt, erfordert enorme Ressourcen. Wie habt ihr das organisatorisch und finanziell überhaupt gestemmt bekommen?

Oliver Vrankovic: Sehr viel Arbeit. Zentral für das Zustandekommen ist das breite Bündnis, das wir schmieden konnten und das und mehr Möglichkeiten öffnet als wir allein als beitrags- und spendenfinanzierter Verein haben.

Ruhrbarone: Der Text eures Aufrufs spricht eine sehr deutliche Sprache und distanziert sich von der grassierenden Betroffenheitsrhetorik. Welchen Charakter erwartest du für die Kundgebung und die Aktionstage – geht es um Versöhnung und einen leisen Dialog oder sucht ihr ganz bewusst die Konfrontation?

Oliver Vrankovic: Entschlossen und eindeutig für Israel und gegen jeden Antisemitismus. Wir haben eine direkt Betroffene des 7/10 zu Gast. Die DIG Stuttgart hat seit dem 7/10 Dutzende israelische Stimmen in verschiedenen Formaten präsentiert. Letztes Jahr wurden Statements der Angehörigen von Geiseln verlesen. Manche haben uns für die Kundgebung auch in diesem Jahr viel Erfolg gewünscht. Wir sind verpflichtet. Den Israelis. Der israelischen Bevölkerung. Und allen in der Region und im Land und in Deutschland lebenden Juden. Bei der Solidarität mit Israel und der Ermöglichung jüdischen Lebens in der Öffentlichkeit gibt es keine Kompromisse.

Ruhrbarone: Am 8. Oktober veranstaltet ihr eine Podiumsdiskussion über den ‚verrohten Kulturbetrieb‘. Da muss ich natürlich nachhaken: Ist das eine direkte Reaktion auf die Vorfälle beim Württembergischen Kunstverein (WKV) und steht das im Zusammenhang mit dem damaligen Symposium? [7]

Oliver Vrankovic: Hier möchte ich der Antwort den Dank an die Ruhrbarone voranstellen, mit denen wir seiner Zeit die städtische Förderung des Symposium verhindern konnten. Die Kampagne gegen das Symposium war nicht nur äußerst erfolgreich sondern hat die DIG Stuttgart auch vielen Student*innen näher gebracht, denen es wichtig war, sich bei dieser Kampagne mit zu beteiligen. Das Thema Antisemitismus im Kulturbetrieb traf da bei vielen Menschen einen Nerv. Bald nach dem Symposium war klar, dass wir es nicht beim Verhindern der städtischen Förderung des antiisraelischen Event belassen, sondern mit einer eigenen Veranstaltung über den Antisemitismus im Kulturbetrieb aufklären. Wir konnten die GCJZ (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit) als Partner gewinnen und werden die Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen, alle mit großer Expertise und Erfahrung, im StadtPalais, einem renommierten Kulturbau, durchführen.

Ruhrbarone: Danke lieber Oliver, Mazal Tov!

Verweise

[1] DIG Stuttgart e.V. – https://www.dig-stuttgart.net/

[2] Maral Salmassi – https://de.wikipedia.org/wiki/Maral_Salmassi

[3] Eva Erben – https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Erben

[4] Adele Raemer – https://en.wikipedia.org/wiki/Adele_Raemer

[5] 6 Millionen. 6 Familien. 6 Wege – https://www.langenachtderdemokratie-bw.de/veranstaltungen/6-millionen-6-familien-6-wege-aus-stuttgart-den-holocaust

[6] Klare Ansagen statt Sonntagsreden: Veranstaltungsprogramm (PDF) – 2026-10-07 Solidarität

[7]  Ruhrbarone:  Israelhass und Geldsorgen – https://www.ruhrbarone.de/israelhass-und-geldsorgen-flachkaraetertreffen-in-stuttgart/255549/

 

Autorenseite: Achim Chajim Hecht
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