
Am 20. September 2026 fanden nicht nur zwei bemerkenswerte Wahlen in Deutschland statt, in Hamburg trafen sich die Frauenheldinnen für ihre Protestaktion „Transmedizin macht krank – ein Leben lang“. Die Grüne Jugend und die Jusos hatten reißerisch zu einer Gegendemonstration gegen die „schlimmen TERFs“ aufgerufen. So kamen dann auch ca. 200 laut pfeifende und schreiende Gegendemonstranten, um die etwa 30 mutigen Frauen und Männer, die sich gegen den „progressiven“ Mainstream von der freien Wählbarkeit des Geschlechtes stellen, einzuschüchtern.
Die „TERFs“ (abwertende Abkürzung für TransExklusive RadikalFeministinnen) wurden mit großen Stoffbannern abgeschirmt, Gespräche mit Passanten unmöglich gemacht. Die Reden wurden von Trillerpfeifen und Sprechchören übertönt, Broschüren zu Boden geworfen. Nettigkeiten wie „Alle wollen dasselbe: TERFs in die Elbe“ und „Maul halten“ wurden skandiert. Sogar zu Unflätigkeiten wie Bespucken kam es. Die Polizei war zwar da, zahlenmäßig ziemlich schwach konnte sie allerdings nur das Allerschlimmste verhindern. Hier kann man sich die Veranstaltung im Livestream anschauen.
https://www.youtube.com/watch?v=Uvwz0oBNsR8&t=1020s
Ab Minute 17 ist gut zu hören und zu sehen, wie die durch die Grüne Jugend und die Jusos mobilisierten Transaktivisten die Veranstaltung komplett stören. Leider gehen die interessanten Redebeiträge in dem Lärm teilweise unter. Und genau das war der Zweck dieser Störveranstaltung. „TERFs“ sollen mundtot gemacht werden. Niemand darf die Transideologie infrage stellen. Selbst die erschreckenden Berichte und Erfahrungen eines betroffenen Detransitionierers soll niemand hören. Es ist die Wahrheit, die Realität, die die Gegendemonstranten nicht ertragen können. Aufrufe zum friedlichen Diskurs werden von den Gegendemonstranten ignoriert. Deshalb waren die Störer ja auch nicht gekommen. Das was die Redner und Rednerinnen zu sagen haben, war keineswegs menschenfeindlich. Im Gegenteil. Die Transmedizin vor allem an Kindern ist keineswegs unumstritten. Sie ist durch eine Ideologie beeinflusst und nicht ausreichend durch Daten gestützt. Hinzu kommt, dass Kritiker, wie hier zu sehen, extrem durch Transaktivisten eingeschüchtert werden.
Ob es an den aggressiven Störern, dem Regen oder daran lag, dass ich persönlich nicht anwesend sein konnte, meine Rede zum Thema Pubertätsblocker und Hormontherapie wurde leider nicht mehr vorgelesen. Deshalb möchte ich sie hier veröffentlichen:
„Liebe Freunde, Interessierte und Mitstreiter.
Immer wieder erleben wir Veranstaltungen auf denen eine Form der Medizin gefeiert wird, die hochproblematisch ist. Ärzte und anderes medizinisches Fachpersonal bestätigen sich gegenseitig, darin, dass nur sie allein richtigliegen, wenn es um die Behandlung von Patienten mit Geschlechtsdysphorie geht. In Leitlinien und Fachliteratur versucht man eine Dominanz zu erlangen, die weder den gängigen Standards der Medizin noch den Bedürfnissen der Patienten gerecht wird.
Der affirmative Ansatz bei der Behandlung der Geschlechtsdysphorie, der mittlerweile als Goldstandard verkauft wird, ist eher auf ideologisch geprägte Ansichten als auf datenbasierte medizinische Erfolge begründet. Affirmativ bedeutet die Eigendiagnose darf nicht in Frage gestellt werden. Jedes Kind das behauptet, lieber im anderen Geschlecht zu leben, wird in diesem Wunsch ausschließlich unterstützt. Aber vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieser Ansatz stark umstritten. Es fehlt jegliche Datengrundlage, die für diese Herangehensweise an ein Unbehagen mit dem eigenen biologischen Geschlecht als einzige und immer richtige Methode spricht. Nur weil Kritiker mundtot gemacht werden, hat man noch lange nicht Recht.
Nicht nur, dass Kinder und Jugendliche möglicher Weise falsch behandelt und deshalb nicht von ihrem Leiden befreit werden, es wird auch ein irreversibler Schaden angerichtet, wenn die Therapie in die falsche Richtung geht. Der affirmative Ansatz bei der Behandlung der Geschlechtsdysphorie ist genau solch eine Einbahnstraße. Dadurch, dass die Eigendiagnose des Kindes nicht infrage gestellt werden darf, sind alternative Behandlungsformen wie z.B. Psychotherapie von vornherein ausgeschlossen.
Auch eine Differentialdiagnose, die bei allen Erkrankungen üblich ist und selbstverständlich von guten Ärzten auch durchgeführt wird, ist bei Geschlechtsdysphorie nicht möglich, wenn der affirmative Ansatz gilt. Eine Differentialdiagnose dient dazu, sicher zu stellen, dass eine Diagnose auch wirklich richtig ist. Dazu werden andere mögliche Ursachen geprüft und ausgeschlossen. So werden Diagnosen in der modernen Medizin gestellt. Aber nicht bei Geschlechtsdysphorie. Zumindest nicht beim dem von Transaktivisten propagierten affirmativen Ansatz. Eine eindeutige Diagnosestellung ist ausgesprochen wichtig, um eine erfolgreiche Behandlung einer Erkrankung durchzuführen. Nun könnte man argumentieren, dass Geschlechtsdysphorie keine Krankheit sei, da Geschlecht ja nur eine Empfindung ist. Dann frage ich mich allerdings, warum man dann medizinische Therapien einsetzt, die keineswegs harmlos sind.
Beim affirmativen Ansatz gibt es keine Differentialdiagnose. Es gibt nur die Bestätigung der Eigendiagnose. Zementiert wird diese dann durch invasive Maßnahmen wie einer Behandlung von Kindern mit Pubertätsblockern, der dann eine Behandlung mit gegengeschlechtlichen Hormonen und schließlich auch die Amputation gesunder Körperteile folgt.
Als Apothekerin kenne ich die Risiken und Nebenwirkungen dieser Hormonblocker und auch die einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie. Es gibt nicht ein einziges zugelassenes Arzneimittel für diese Anwendung. Warum? Weil kaum klinische Daten vorliegen, die ausreichen um eine solche Zulassung von der zuständigen Behörde zu bekommen. Jede Anwendung von Pubertätsblockern oder Hormonen im Zusammenhang mit einer Geschlechtsdysphorie ist Grauzone und nur durch die Therapiefreiheit des jeweiligen Arztes gedeckt. Diese Tatsache wird jedoch heruntergespielt und angebliche Erfolge hervorgehoben ohne vernünftige Nutzen-Risiko-Bewertung. Normalerweise erfolgt diese Bewertung bei Arzneimitteln bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Dafür sind umfassende kontrollierte Studien notwendig. Nur wenn für ein Medikament in solchen klinischen Studien nachgewiesen werden kann, dass es mehr Nutzen als Schaden anrichtet, bekommt es eine Zulassung und gelangt auf den Markt. Diese Zulassung ist an bestimmte Anwendungsgebiete geknüpft, bei denen die Arzneimittel in den klinischen Studien eingesetzt und geprüft werden.
Pubertätsblocker und Hormone, die zur Behandlung einer Geschlechtsdysphorie eingesetzt werden, sind für ganz andere Erkrankungen zugelassen und werden hier immer zweckentfremdet eingesetzt. Die Datenlage zum Nutzen-Risiko-Profil ist katastrophal schlecht und wird sich wohl auch kaum verbessern, da kontrollierte Studien aus ethischen Gründen abgelehnt werden.
Trotzdem sind Risiken und Nebenwirkungen von Pubertätsblockern und gegengeschlechtlichen Hormonen bekannt. In Fachkreisen werden sie oft heruntergespielt, obwohl die Schäden massiv und irreversibel sein können.
Mit Pubertätsblockern versucht man zu verhindern, dass sich die in der Pubertät deutlich erkennbar werdenden Merkmale des jeweiligen biologischen Geschlechts überhaupt ausbilden. Man versucht diesen natürlichen Vorgang der Bildung der sekundären Geschlechtsmerkmale hinauszuzögern. Einerseits soll so Zeit gewonnen werden für eine Entscheidung über geschlechtsangleichenden Maßnahmen, andererseits bereitet man so gezielt auf eine Transition vor. Diese Behandlung findet an Kindern statt und ist invasiv, denn die blockierenden Hormone werden unter die Haut oder in den Muskel gespritzt. Sie ist auch keineswegs frei von Nebenwirkungen. Die Medikamente wurden ursprünglich zur Behandlung von hormonabhängigen Krebserkrankungen entwickelt. Für diese Anwendung sind sie auch in Deutschland bzw. Europa zugelassen. Bei Kindern sind diese Medikamente ausschließlich zur Behandlung einer vorzeitigen Pubertät zugelassen. Die Verzögerung einer normalen Pubertät mit diesen Pubertätsblockern zum Ziel einer darauf folgenden hormonellen Geschlechtsangleichung sind immer ein Off-Label-Use, also eine Behandlung außerhalb der gesetzlich zugelassenen Indikation. Hier entscheidet der Arzt alleine über die Behandlung, denn die Medikamente wurden nicht als Pubertätsblockern bei körperlich gesunden Kindern entwickelt und zugelassen.
Neben häufigen Nebenwirkungen wie emotionale Labilität, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Anke, Hitzewallungen, Schwindel und Reizungen an der Einstichstelle können auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten. Pubertätsblocker verringern die Knochendichte. Mehrere Studien belegen Knochenbrüche, ständige Knochenschmerzen und schwere Osteoporose bei Kindern. Osteoporose ist eine ausgeprägte Verringerung der Knochendichte, die normalerweise nur bei alten Leuten auftritt. Es gibt auch Hinweise auf negative Auswirkungen auf kognitive und emotionale Entwicklung, die sexuelle Funktion sowie Unfruchtbarkeit. Diskutiert wird auch ein Risiko, dass sich der Körper im Erwachsenenalter sich nicht vollständig entwickeln kann.
Auch die dann in der Regel folgende Hormontherapie zur Geschlechtsangleichung ist immer ein Off-Label-Use ohne jede Datengrundlage und ohne Möglichkeit einer objektiven Nutzen-Risiko-Analyse. Neben der erwartbaren Unfruchtbarkeit, besteht immer ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberschäden, Gewichtzunahme und Depressionen. Bei Mädchen bekommen 11-17% die gefährliche Blutbildveränderung Erythrozytose. Bei den Jungs können Tumoren im Bereich der Hirnhäute auftreten und das Risiko für Brustkrebs ist 46fach erhöht.
Medikamentöse Pubertätsverzögerung und Behandlung mit gegengeschlechtlichen Hormonen darf besonders für Kinder und Jugendliche nicht die einzige Therapieoption für ein Unbehagen mit dem eigenen Körper und Geschlecht sein. Nur 12–27 % dieser Kinder und Jugendlichen leiden dauerhaft unter Geschlechtsdysphorie. Aus meiner Zeit als Lehrerin an einer Regelschule weiß ich, dass Kinder und Jugendliche sich in der Pubertät oft in ihrem Geschlecht nicht wohlfühlten. Sie sind mit den körperlichen Veränderungen in dieser Zeit oft überfordert. Für die meisten ist dies aber eine vorübergehende Phase. Sie freunden sich schließlich mit ihrem biologischen Geschlecht an und akzeptieren es für sich. Wie schädlich ist es, wenn alle diese verunsicherten Kinder in eine Richtung gedrängt werden, die mit dauerhafter Hormontherapie, Unfruchtbarkeit und Amputationen verbunden ist?
Leider wird diesen unsicheren Kindern von Transaktivisten, die bedauerlicher Weise auch unter den Ärzten und Psychologen zu finden sind, immer noch eingeredet, dass man sich sein Geschlecht aussuchen kann und dass es ganz normal wäre, mit Medikamenten und Operationen nachzuhelfen.
Die Risiken werden dabei von Transaktivisten heruntergespielt und teilweise sogar verneint. Irreversible Folgen wie Unfruchtbarkeit und bleibende äußerliche Veränderungen werden kleingeredet und für unwichtig erklärt.
Jede Hormontherapie ist ein massiver Eingriff in den Körper, der eine umfassende Aufklärung und Überwachung zu individuellen Risiken erfordert. Der affirmative Ansatz, bei dem eine Differenzialdiagnose und ein Prüfen anderer möglicher Ursachen für die Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschlecht nicht möglich ist, um es korrekt auszudrücken, gar nicht erfolgen darf, steht völlig konträr zur normalen Praxis einer vernünftigen Arzneimitteltherapie. Diese erfordert nämlich eine strenge Indikationsstellung. Niemand verordnet normalerweise rezeptpflichtige Arzneimittel ohne eine sorgsame Risiko-Nutzen-Analyse.
Man fragt sich, wie Ärzte es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, gesunden Kinder zu erklären, dass sie mit Spritzen und Tabletten einfach so in das andere Geschlecht wechseln könnten, dass man kleinen Jungen erzählt, der Penis gehöre dort nicht hin und er wird dann entfernt, dass Mädchen die Brüste amputiert werden und dass das alles völlig normal sei… Wie kann man das mit dem Eid verbinden, den man als Arzt einmal abgelegt hat. Das biologische Geschlecht ist nicht wechselbar. Eine Transition ist nur eine kosmetische Veränderung, die lediglich den äußeren Schein erwecken kann, dass eine Person das andere Geschlecht hätte. Sie ist mit lebenslanger Hormontherapie mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Einmal entfernte Körperteile können nie wieder in den ursprünglichen funktionalen Zustand gebracht werden. Arzneimittel, die nie richtig für diese Anwendung geprüft und zugelassen wurden, können irreversible Schäden verursachen. Der Preis für den Geschlechterwechsel sind Unfruchtbarkeit und andere zum Teil schwerwiegende Folgeschäden von Medikamenten und Operationen. Das muss bei einer Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie bedacht und abgewogen werden. Warum gelten für diese Kinder die medizinischen Standards und ethischen Grundsätze nicht?“
In folgendem Video erkläre ich ausführlich, warum die Therapie mit gegengeschlechtlichen Hormonen und Pubertätsblockern gefährlich sein kann:
https://www.youtube.com/watch?v=NeeswWVoQlg
Einloggen, um Themen zu beobachten. Einloggen
Ich unterstütze die mutigen Frauen von Frauenheldinnen seit ihrer Gründung. Das bin ich meinen Enkelinnen und ihren Freundinnen schuldig.
Ist das wirklich so? Ich hab das eben bei einer kurzen Recherche nicht gefunden.
Was auf jeden Fall da ist, sind junge Menschen, die mit ihrem Geschlecht hadern, und denen geholfen werden sollte, es gibt also einen impliziten Therapieauftrag. Das ist die angewandte Seite. Auf der wissenschaftlichen Seite gibt es zwei Lager, keine unnormale Situation. Entgegen der Darstellung hier reden die aber miteinander. Was untypisch für Wissenschaft allgemein ist, ist, dass das Thema von verschiedenen Seiten ideologisch besetzt ist, so dass etwas versucht wird, was wir zb. in der Krebstherapie oder der Herzchirurgie nicht erleben: Das lautstarke Herumtröten von Gruppen außerhalb der Medizin.
Mein Vorschlag würde nicht dahin gehen, eine der beiden Gruppen in die Elbe zu schmeißen, ich würde sie beide in einen Sack stecken und den erst wieder aufmachen, wenn Ruhe eingekehrt ist – sie sind beide gleich hilfreich für den fachlichen Dialog innerhalb der Medizin.
Der findet nämlich durchaus statt, aber es liegt am geringen Alter dieser Forschung, dass er noch nicht entscheidbar ist. Dass dieser Dialog stattfindet, ist schon daran erkennbar, dass die unterschiedlichen Leitlinien, die im Moment unterwegs sind, kein vorgestelltes S3 tragen. Sie behaupten also nicht, evidenzbasiert zu sein, und tragen deshalb ein vorgestelltes S2k, was nichts anderes als „konsensbasiert“ bedeutet – die Seiten sind sich also bewusst, den Stein der Weisen noch nicht gefunden zu haben. Entsprechend vorsichtig sind diese Leitfäden auch formuliert.
Wer etwas über den Zwischenstand wissen möchte, findet hier eine relativ neue Zusammenschau:
https://www.researchgate.net/publication/414383472_Geschlechtsdysphorie_im_Jugendalter_Konzeptuelle_diagnostische_und_normative_Spannungsfelder_in_der_klinischen_Versorgung
Das Problem, das beide Seiten haben, ist die Unsicherheit der Prognose, sowohl in der Behandlung wie auch im Abwarten: Beides kann schädlich sein. Und es gibt für beide Seiten keine andere Information als die Selbstauskunft des Patienten.
Danke, liebe Antje Jelinek, für den Bericht und für deine Rede! Gegen 13 Uhr hatte es so zu schütten begonnen, dass wir auf das Verlesen der restlichen Reden und Grußworte verzichtet haben.
Also die angegebene Quelle belegt doch meine Aussage, dass der affirmative Ansatz (immernoch) als Goldstandard verkauft wird. Dass jetzt zaghaft Stimmen laut werden, die ihm zumindest eine andere Herangehensweise gegenüberstellen, ist ein Anfang. Was im Kommentar von Frank Wohlgemuth völlig falsch dargestellt wird, ist eine Diskussion auf Augehöhe, die so in der Fachwelt in Deutschland nach wie vor leider nicht existiert. Ja, es gibt zwei Gruppen. Die eine ist laut und aktivistisch und von Politik und Mainstreammedien großzügig unterstützt, die andere hat schlicht ihren klaren Verstand und ihren medizinischen Ethos nicht vergessen, wird aber eingeschüchtert und niedergebrüllt. Das ist bis heute so, wie man auch in dem Livestream gut sehen kann. Auch zu sehen auf der Veranstaltung: Betroffene und Ärzte, die sehr großen Mut aufbringen müssen, um ihre Bedenken gegen den affirmativen Ansatz und die ernsthaften Schäden, die eine falsche Behandlung nach sich zieht, zu äußern. In der angegebenen Quelle wird übrigens auch erwähnt: das bewusste Falschverstehen der Konversionsthterapie, die zu Recht bei Homosexuellen verboten ist. Wenn jedoch ein Unbehagen mit dem eigenen biologischen Geschlecht invasive zum Teil drastische medizinische Maßnahmen erfordert, muss es als medizisches Problem mit Kranheitswert gesehen werden. Es braucht eine fundierte Differentialdiagnose, und ja auch wenn die zum großen Teil aus der Selbstauskunft des Patienten besteht, muss sie erfolgen dürfen. Genauso müssen klinische Daten erhoben werden und das geht eben nur mit einer Plazebogruppe. Solange dies abgelehnt und ohne Datenbbasis herumtherapiert wird, wird es keine Einigung geben können. Aber die Case Review hat zumindest im Ausland für ein gewisses Umdenken gesorgt. Davon sind wir allerdings in Deutschland noch weit entfernt.
@ Antje Jelinek
Ist das so?
Ich kann das da nicht rauslesen. Ich würde allerdings auch nicht behaupten, dass die eine Seite im Gegensatz zur anderen keinen klaren Verstand mehr hat und ihren medizinischen Ethos vergessen hat – das klingt auch schon ein bisschen nach dem Besitz der Wahrheit, man könnte auch sagen, nach einer vielleicht verzerrten Wahrnehmung.
Was die Sache mit der Konversionstherapie angeht – das lässt sich nicht so ohne weiteres wegwischen, wenn da jemand davon ausgeht, man könne eine Geschlechtsinkongruenz rein psychotherapeutisch behandeln bzw. „heilen“.
Bei der fundierten Differenzialdiagnose sind sich eigentlich auch alle im Wesentlichen einig, wobei auch da klar ist – auch dabei bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Selbstauskunft des Patienten zu verlassen. Oder was genau schwebt ihnen bei den kleinen Teilen vor, wenn Sie schreiben, dass auch die „fundierte Differentialdiagnose … zum großen Teil aus der Selbstauskunft des Patienten besteht“?
Die ganz große Frage, die sich mir stellt, ist allerdings, was Sie sich bei den klinischen Daten, die erhoben werden sollen (dagegen gibt es keinen Einwand), unter einer Placebogruppe vorstellen. Auf die Antwort auf diese Frage bin ich wirklich gespannt.
Eine Geschlechtsinkongruenz ist nicht selten vorübergehend. Und tatsächlich wäre Psychotherapie ein Maßnahme. Sie wird nur beim affirmativen Behandlungansatz von vornherein ausgeschlossen. Und genau das lässt mich an Ethos und Verstand der Fachleute zweifeln, die diesen ausschließlich propagieren. Und ja das gilt immernoch als die beste Herangeghensweise in Deutschland. Die SK2-Leitlinie für Kinder und Jugendliche beweist es doch und sie ist noch nicht allzu alt. Und genau das klang auch in dem Fachartikel an. Dieser Text ist ein zaghaftes Heranwagen an den affrimativen Ansatz, ihn nicht mehr als die Ultimaratio zu betrachten. Zur Konversionstehrapie: Was ist die Amputation von gesunden Körperteilen und eine lebenslange Hormontherapie mit all ihren Nebewirkungen? Keine Therapie? Ist das keine Konversionstherapie? Plazebo war verkürzt formuliert des Verständnisses wegen. Gemeint sind Kontrollgruppen ohne hormonelle Therapie nach Zufall ausgewählt und geheim (kontrollierte, randomisierte Doppelblindstudien). Das heißt die Hälfe der Patienten bekommt Plazebo und weder Arzt noch Patient wissen wer. Das wird aber bezüglich der Behandlung von Geschlechtsdysphoie abgelehnt aus etheischen Gründen.
[…] persönlichen Perspektive waren auch noch andere Beiträge vorgesehen, die aus medizinischer und pharmazeutischer Sicht darlegen sollten, was an einer Medikalisierung von Minderjährigen, die unter ihren biologischen […]