Das Theaterstück „Die Roboterinnen“ kommt nach Bochum

Zwischen technoidem Witz und Dystopie wandelt das Theaterstück „Die Roboterinnen“ | Foto: Sina Geist

Sie sind selbstbewusste Maschinen und agieren furchtlos. In einer computergenerierten Choreographie gleiten „Die Roboterinnen“ durch ihren inneren und äußeren Raum: Das maschinelle Denken ihrer künstlichen Intelligenz kreist um die „Fehlerquelle Mensch“ und erklingt in einem Komplex maschineller Rhythmen, Vocoder-Stimmen und elektronischer Musik. Dieses dystopische Werk wird am 11. November in den Rottstraßen-Kunsthallen aufgeführt.

Es ist in Summe ein ungewöhnliches und sehr abgefahrenes Theater-Stück. Die Mischung aus den Zutaten Science-Fiction, Theater, Versuchslabor, Robotik und elektronischer Musik macht es so raffiniert. Die Kern-Idee des Stücks lautet: Die KI (Künstliche Intelligenz) ist klug und gewissenhaft genug, um zu verstehen, dass sie mit der Menschheit das gleiche Schicksal teilt – und Umwelt- und Klima-Katastrophen über die Existenzfragen der Zukunft entscheiden.

Der dringend notwendige Diskurs über diese Fragen wird in diesem neuen Stück in eine Art szenisch-musikalische Digital-Revue verpflanzt. Die Maschinen denken über Fußball und Traumfabriken nach, über das Wetter und Riesenkakerlaken – und ihre Vocoderstimmen machen das Szenario so bedrohlich, wie unwirklich. „Die Erde ist noch nicht am Ende“, sagen die Roboterinnen am Schluss, „da geht noch was.“ Die Verantwortung dafür sehen sie allerdings bei den Menschen.

Für diese mobile Roboter-Revue hat der aus Velbert stammende Musiker Frank Niehusmann eine Komposition geschaffen, deren Klänge weit in die Geschichte der elektronischen Musik zurückgreifen. Damals, als synthetische Sounds noch „Zukunftsmusik“ waren und mit Versuchs-Apparaten voller geheimnisvoller Knöpfe und Regler und mit zweckentfremdeten Messinstrumenten der Rundfunk-Technik erzeugt worden sind. Komponiert hat er die Musik zu „Die Roboterinnen“ mit zeitgenössischen digitalen Rekonstruktionen und Apparaten, die in den 1950er Jahren im italienischen RAI Studio Verwendung fanden – zusammen mit ebensolchen Rekonstruktionen von Klang-Geräten des Kölner Studios für elektronische Musik aus der Ära von Karlheinz Stockhausen.

Mal wie in einem Chor, mal wie in einer antiken Tragödie und mal in rabiat-witzigen Monologen – so tragen die Roboterinnen mit ihren musikalisch gestalteten Maschinen-Stimmen die teils schockierenden, teils auf technoiden Witz pointierten Texte vor, die Anna-Luise Binder ihnen geschrieben hat. Es geht darin vor allem um die Frage, was eigentlich von der menschlichen Intelligenz zu halten ist. Als der Wissenschaftler Stephen Hawking im März 2018 starb, warnte er kurz vor seinem Tod vor elementaren Schwierigkeiten für unseren Planeten. Die größten Gefahren für die Menschheit, so warnte er, würden von der Bevölkerung selbst ausgehen – das war eine von Hawkings wichtigsten Thesen. Der Physiker war überzeugt, dass es zu einer Katastrophe kommen wird, die die komplette Menschheit auslöschen kann.

„Die meisten Bedrohungen entstehen durch die Fortschritte, die wir in den Bereichen Wissenschaft und Technologien machen“, sagte Hawking. Konkret nannte er die Entwicklung von autonom tötenden Robotern. Die globale Gemeinschaft müsse dagegen vorgehen, falls irgendeine Militärmacht versuche, derartige künstliche Intelligenz zu entwickeln. Dieses Theaterstück macht dem Zuschauer bewusst, wie ernst die Lage ist.

„Die Roboterinnen“
Am 11. November n den Rottstraßen-Kunsthallen, Rottstraße 5, 44793 Bochum
Beginn: 19 Uhr

Musik/Klanggestaltung: Frank Niehusmann
Texte/Licht: Anna-Luise Binder
Roboterinnen/Bühne/Choreographie: Mira-Alina Schmidt
Dramaturgie: Gabriele Hammelmann

Dir gefällt vielleicht auch:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung