Wie viele Bäcker sich gerade selbst entbehrlich machen

Frühstück. Foto: Robin Patzwaldt

Manch einer wird die folgenden Zeilen wohl als typischen Sommerloch-Beitrag abtun. Ganz falsch wäre das nicht. Schließlich sind die Nachrichtenlagen derzeit überschaubar genug, um sich auch einmal den kleinen Dingen des Alltags zu widmen.

Allerdings beschäftigt mich dieses Thema schon seit Monaten. Und je häufiger ich morgens Brötchen hole, desto mehr drängt sich mir eine Frage auf: Warum lässt die Qualität vieler Backwaren so deutlich nach, obwohl die Preise gleichzeitig immer neue Rekordhöhen erreichen?

Vor einigen Jahren schien die Sache noch eindeutig. Als Discounter und Supermärkte flächendeckend ihre Backstationen einführten, war das Versprechen simpel: günstig, schnell und ausreichend. Dafür musste man allerdings geschmackliche Abstriche machen. Die Brötchen waren oft blass, die Kruste beliebig und spätestens nach einer Stunde erinnerten sie eher an Gummi als an frisches Brot. Wer Wert auf echtes Handwerk legte, ging weiterhin zum Bäcker. Der Preisunterschied war erheblich – aber eben auch der Qualitätsunterschied.

Das Handwerk lebt vor allem von seinem guten Ruf

Heute sieht die Lage leider anders aus. Nicht etwa, weil Lidl, Aldi oder Netto plötzlich das Bäckerhandwerk perfektioniert hätten. Nein, vielmehr scheinen viele traditionelle Bäckereien selbst den Anspruch aufgegeben zu haben, deutlich besser zu sein als die industrielle Konkurrenz.

Ich kaufe meine Backwaren regelmäßig bei unterschiedlichen Betrieben. Drei oder vier verschiedene Bäcker stehen jede Woche auf dem Programm. Es handelt sich also nicht um einen Einzelfall oder einen bestimmten Laden. Freunde und Bekannte berichten mir ähnliches aus anderen Städten. Das Problem zieht sich also inzwischen durch viele Betriebe – zumindest nach meinem Eindruck. Brötchen wirken oft kleiner als früher, sind innen erstaunlich trocken oder außen bereits nach kurzer Zeit zäh. Croissants erinnern gelegentlich eher an luftig geformte Margarine, und manche Brote verlieren schon am nächsten Tag jede Frische.

Gleichzeitig erzählen uns die Bäcker in Interviews und Werbekampagnen weiterhin leidenschaftlich vom traditionellen Handwerk, von langen Teigruhen, regionalen Zutaten und liebevoller Handarbeit. Das klingt wunderbar. Nur: Immer häufiger schmeckt man davon herzlich wenig.

Verständnis hat Grenzen

Natürlich kenne ich die Argumente. Energie ist teurer geworden. Mehl kostet mehr. Löhne steigen. Mieten ebenfalls. Niemand erwartet ernsthaft, dass handwerklich hergestellte Backwaren zum Dumpingpreis verkauft werden können. Das wäre weder realistisch noch fair.

Aber höhere Kosten rechtfertigen steigende Preise – nicht sinkende Qualität.

Genau hier liegt das eigentliche Problem. Wer seinen Kunden immer mehr Geld abverlangt, muss ihnen auch weiterhin ein Produkt bieten, das diesen Aufpreis rechtfertigt. Tut er das nicht, wird der Preis irgendwann zum Bumerang. Denn weshalb sollte jemand für sechs Brötchen beim Handwerksbäcker fast das Dreifache bezahlen, wenn der Unterschied zum Aufbackprodukt aus dem Supermarkt kaum noch festzustellen ist?

Das scheinbar triviale Thema ist aus meine Sicht also durchaus spannend genug, um es hier und heute einmal zu thematisieren. 🙂

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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Alf
Gast
Alf
6 Tage vor

Ich kann nicht klagen. Unsere Mölmsche Bäckerei, aber auch der Konkurrent aus Oberhausen, beides Großbäckereien, bieten immer noch die Waren zu vernünftigen Preisen an, in einer sehr guten Qualität. Die Brötchen haben immer noch eine normale Größe. Bei beiden Bäckereien werden die Brötchen im Angebot, fünf Stück, für 2,10 € angeboten.

Peter Pasetti
Peter Pasetti
6 Tage vor

Unser täglich Brot ist eines der wichtigsten Themen! Es gibt nur noch sehr wenige Betriebe, die gute Qualität liefern, aber dass es sie gibt und sie am Markt bestehen können (ohne großartig teurer zu sein als die ganzen Massen-Filialen), deutet darauf hin, dass es möglich ist. Der Verbraucher ist m.E. nach halt einfach abgestumpft und es ist ihm egal, was er isst, solange er nur das Gefühl hat, beim Bäcker seines Vertrauens zu kaufen. Oder halt dem nächstbesten.

Frank Wohlgemuth
Frank Wohlgemuth
4 Tage vor

Ich esse sehr gerne Brot, wenn es gut ist. Während meiner Studienzeit habe ich selbst Sauerteigbrot gebacken, weil ich mir das Brot vom Bäcker nicht leisten konnte. Heute könnte ich es mir leisten und kaufe mein Brot beim Discounter oder im Supermarkt (nur 2 bestimmte Sorten), weil das Sauerteigbrote einer Qualität sind, die ich hier beim Bäcker nicht bekomme.

Diese Qualität ist auch ganz einfach festzustellen: Ein richtiges Sauerteigbrot schmeckt auch nach einer Woche noch so, dass eigentlich ein bisschen Butter darauf reicht, um es richtig lecker zu machen.

Eine der möglichen Ursachen für diese Misere habe ich durch einen alten Bäcker im Schönbuch erfahren, der demnächst zumachen muss, wenn sein Vater! nicht mehr mithelfen kann: Der letzte, der sich als Lehrling bewarb, hatte folgende Vorstellungen: Freitag, Samstag, Sonntag und Montag frei, und Arbeitsanfang nicht vor 8:00.

In St. Peter Ording war ich so verwegen, in einer der Filialen des örtlichen Großbäckers zu fragen, ob sie auch Sauerteigbrote haben. „Natürlich, nur! Wir sind hier auf dem Land, da wird noch so gebacken wie früher!“ Am nächsten Tag hab ich geschmeckt, dass es sich um eine Backmischung mit Säuerungsmitteln handeln musste. Da kaufe ich nicht nochmal, aber ich habe mich gefragt, ob dieser Verkäufer mich bewusst belogen hat, oder ob er es einfach nicht weiß.

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[…] ihr habt es so gewollt! Nachdem mein Text über die aus meiner Sicht teilweise erschreckenden Qualitätsverluste bei den Handwerksbäckern in dieser Woche erstaunlich viel Aufmerksamkeit und Zustimmung bekommen hat, lege ich heute noch […]

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