12 Punkte in der Liga, aber nur drei für Klopp: Der BVB hat ein DFB-Problem

BVB-Trainer Niko Kovac. Foto: Robin Patzwaldt

Viel Anlass zum Meckern gibt es beim BVB derzeit tatsächlich nicht. Sechs Pflichtspiele, sechs Siege. Dazu die maximale Ausbeute von zwölf Punkten aus den ersten vier Bundesliga-Partien. Dortmund geht mit einer perfekten Bilanz in die dreiwöchige Länderspielpause. Da könnte man sich eigentlich entspannt zurücklehnen.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Die Siege in Hoffenheim (3:2) und Stuttgart (1:0) waren keineswegs souveräne Spaziergänge. Gegen zwei Mannschaften, die man durchaus zur erweiterten Spitze zählen darf, sind drei Punkte trotzdem ein ordentliches Pfund. Und die Heimauftritte gegen den HSV (2:0) und Paderborn (3:0) waren deutlich überzeugender. Niko Kovac hat seine Mannschaft also zunächst einmal ordentlich in die Spur gebracht.

Nur drei Dortmunder für Klopp

Und trotzdem bleibt da eine Zahl hängen: drei.

Nur Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton und Felix Nmecha gehören aktuell zum Aufgebot von Jürgen Klopp. Drei Dortmunder bei insgesamt 44 nominierten DFB-Spielern. Für einen Vizemeister ist das, vorsichtig formuliert, ziemlich überschaubar.

Natürlich kann man argumentieren, dass die Nationalmannschaft kein BVB-Fanclub ist. Klopp soll schließlich nach Leistung nominieren und nicht nach Vereinszugehörigkeit. Auch Verletzungen, Konkurrenz und taktische Überlegungen spielen eine Rolle. Trotzdem darf man sich in Dortmund durchaus fragen, warum ausgerechnet der eigene Kader bei der ersten Klopp-Auswahl derart dünn vertreten ist.

Früher waren die Länderspielpausen beim BVB oft mit einer halben Mannschaft auf Reisen verbunden. Und damals hatten die Vereine nicht annähernd einen 44 Spieler umfassenden Pool als Grundlage der nationalen Vertretung.

Beier liefert seine Antwort auf dem Platz

Besonders bemerkenswert ist deshalb der Fall Maximilian Beier. Der Dortmunder war im Sommer noch Teil des deutschen WM-Kaders. Jetzt schaute er bei Klopp zunächst in die Röhre. „Das hat mich natürlich geärgert“, gab Beier nach dem Sieg in Stuttgart offen zu.

Seine Antwort hätte kaum besser ausfallen können: Beier erzielte am Samstagabend in Stuttgart den entscheidenden Treffer zum 1:0 und wurde damit zum Matchwinner. Niko Kovac genoss die Pointe sichtlich: „Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Er ist nicht dabei in der Nationalmannschaft – und heute macht er das Tor.“

Kovac ist ohnehin überzeugt von seinem Angreifer. Beier könne praktisch überall spielen, erklärte der BVB-Trainer. „Bei ihm weiß ich immer zu 100 Prozent, was ich bekomme.“ Und genau diese Vielseitigkeit habe ihm schließlich auch das WM-Ticket beschert.

Vielleicht hat Klopp Beier tatsächlich nur vorerst aussortiert. Nach zehn Länderspielen wartet der Dortmunder allerdings noch immer auf sein erstes Tor für Deutschland. Das dürfte sich nur ändern, wenn er weiterhin Argumente liefert.

Ein Spitzenteam muss mehr DFB-Spieler stellen

Genau darin liegt für mich aber der interessantere Punkt. Die zwölf Punkte sind schön. Die sechs Siege sind noch schöner. Doch ein Vizemeister mit XXL-Kader sollte eigentlich mehr als drei Spieler für die Nationalmannschaft stellen können.

Zumal es nicht darum geht, künstlich Dortmunder in die DFB-Auswahl zu drücken. Es geht um die Qualität und den Anspruch des Kaders. Wenn ein Verein dauerhaft ganz oben mitspielen möchte, sollte sich das irgendwann auch in der Nationalmannschaft widerspiegeln.

Aktuell tut es das kaum. Schlotterbeck, Anton und Nmecha – mehr hat Klopp aus Dortmund zunächst nicht mitgenommen. Beier darf sich nun ebenso wie einige andere BVB-Profis fragen, was er noch liefern muss.

Die Ergebnisse stimmen. Das ist die wichtigste Nachricht. Aber vielleicht ist die ungewöhnlich kleine Dortmunder Fraktion in Klopps Aufgebot auch ein kleiner Warnhinweis: Ganz so weit, wie die perfekte Punktausbeute vermuten lässt, ist dieser BVB möglicherweise noch nicht.

In der App öffnen Autorenseite: Robin Patzwaldt
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