Lernresistenter BVB gewinnt mit Dusel in Hoffenheim – und ignoriert schon wieder die Warnsignale

BVB-Trainer Niko Kovac mit kritischem Blick. Foto: Robin Patzwaldt

Eigentlich müsste ich als langjähriger Begleiter des BVB jetzt einfach zufrieden sein. Zwei Spiele, zwei Siege, sechs Punkte – was will der Dortmunder Fußballfan zum Saisonstart 2026/27 eigentlich mehr? Heimsieg gegen den HSV, Auswärtssieg bei der TSG Hoffenheim. Dazu ein 3:2 nach 0:2-Rückstand. Klingt nach Charakter, Moral und einer Mannschaft, die sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lässt.

Und trotzdem ertappe ich mich dabei, dass ich schon wieder genauer hinschaue. Vielleicht sogar genauer, als mir lieb ist.

Denn wer den BVB in den vergangenen Jahren ein bisschen intensiver verfolgt hat, kennt dieses Drehbuch leider zur Genüge: Erst einmal gemütlich ins Spiel hineinfinden, dem Gegner ein paar Meter und Möglichkeiten überlassen, irgendwann feststellen, dass es gerade nicht so läuft – und sich anschließend darüber freuen, dass die eigene Qualität doch noch für die Wende reicht. In Hoffenheim wurde aus diesem Muster diesmal ein Happy End. Aber deswegen ist das Muster noch lange nicht verschwunden.

Natürlich darf man sich über diesen Sieg freuen. Man sollte es sogar. Bei einem Tabellenfünften der Vorsaison drei Punkte mitzunehmen, ist alles andere als selbstverständlich. Nur wäre es beim BVB eben fatal, ausgerechnet aus einem solchen Spiel die falschen Lehren zu ziehen.

Der alte BVB lässt grüßen

Denn bei allem berechtigten Jubel über die drei Punkte blitzte in Hoffenheim auch wieder jener BVB auf, den man in Dortmund eigentlich längst überwunden haben wollte. Die Borussia verschlief den Start beinahe, kam kaum ins Spiel und ließ die Gastgeber zunehmend die Kontrolle übernehmen. Nach dem 0:1 kurz vor der Pause wurde es dann richtig unangenehm.

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich daran zunächst wenig. Hoffenheim erhöhte verdient auf 2:0 und hätte durchaus noch nachlegen können. Dortmund wirkte in dieser Phase nicht wie eine Mannschaft, die unbedingt gewinnen wollte, sondern eher wie eine, die darauf wartete, dass irgendetwas passiert.

Dass dann ausgerechnet Serhou Guirassy den Umschwung einleitete, war natürlich Klasse. Sein Anschlusstreffer und seine Vorlage zum 2:2 zeigten eindrucksvoll, welche individuelle Qualität inzwischen im Kader steckt. Und Fabio Silva bewies als Joker ebenfalls seinen Wert.

Effizienz statt Dominanz

Das Problem ist nur: Aus einem solchen Spiel sollte man nicht vorschnell eine große Charaktergeschichte machen. Ja, der BVB hat nach dem 0:2 zurückgeschlagen. Ja, die Mannschaft hat sich nicht aufgegeben. Aber sie hatte zuvor eben auch sehr viel dazu beigetragen, überhaupt erst in diese missliche Lage zu geraten.

Das 2:2 war bereits ziemlich schmeichelhaft. Und dass anschließend sogar noch das 3:2 durch ein Eigentor fiel, machte den Dortmunder Nachmittag endgültig zu einem ausgesprochen glücklichen. Effizienz ist eine Qualität, keine Frage. Aber wer dauerhaft eine Spitzenmannschaft sein möchte, möglichst bis zum Frühjahr mit den Bayern schritthalten will, sollte sich nicht darauf verlassen, dass der Gegner die entscheidenden Treffer gleich selbst produziert.

Man kann Spiele nicht immer dominieren. Das wäre eine absurde Erwartung. Aber Leidenschaft, Konzentration und Einsatzbereitschaft vom Anpfiff an darf man von einer Mannschaft wie dem BVB sehr wohl erwarten.

Bitte nicht wieder dieselben Floskeln

Genau hier liegt meine Sorge mit Blick auf die kommenden Wochen. In den vergangenen Jahren hat Dortmund immer wieder Punkte und am Ende auch Titelchancen verschenkt, weil man Spiele zunächst verschlief, Rückschläge kassierte und anschließend einem Rückstand hinterherlaufen musste. Besonders im Kampf gegen die Bayern wurde diese Angewohnheit regelmäßig teuer.

Und dann folgen nach solchen Partien die bekannten Interviews: Man müsse daraus lernen, dürfe so nicht auftreten, werde die Dinge analysieren und daran arbeiten. Ich kann diese Sätze ehrlich gesagt kaum noch hören.

Denn irgendwann muss aus der Analyse auch Konsequenz entstehen.

Der Saisonstart des BVB ist nach zwei Spieltagen nahezu perfekt. Das sollte niemand kleinreden. Aber gerade deshalb wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, genauer hinzuschauen. Denn wenn Dortmund aus dem glücklichen 3:2 von Hoffenheim nur die drei Punkte mitnimmt und nicht auch die Warnsignale, könnte die vermeintlich alte Schwäche schneller zurückkehren, als vielen lieb sein dürfte.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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