Schalke ist wieder da – aber noch nicht wirklich angekommen

Wohin geht die Reise des FC Schalke 04? Foto: Michael Kamps

Tja, was fangen wir jetzt mit diesem Saisonauftakt der Schalker an? Nach Jahren der Zweitklassigkeit war die Vorfreude in Gelsenkirchen riesig. Endlich wieder Bundesliga, endlich wieder große Gegner, endlich wieder diese besondere Atmosphäre rund um den FC Schalke 04. Und dann das: 0:3 beim FC Augsburg.

Natürlich ist eine Niederlage bei einem etablierten Bundesligisten kein Weltuntergang. Augsburg gehört schließlich nicht zu den Mannschaften, gegen die ein Aufsteiger automatisch drei Punkte einplanen darf. Trotzdem ist das Ergebnis ein Dämpfer. Und zwar ein ziemlich deutlicher. Denn gerade Aufsteiger können es sich normalerweise nicht leisten, die ersten Spiele einer Saison zu verschlafen. Wer nach oben kommt, braucht Punkte, Selbstvertrauen und möglichst schnell das Gefühl, tatsächlich in dieser Liga mithalten zu können.

Davon war in Augsburg zumindest nach der Pause nicht mehr viel zu sehen.

Vor der Pause war noch Hoffnung da

Dabei hätte die Geschichte durchaus anders beginnen können. Schalke hatte seine Möglichkeiten. Moussa Sylla scheiterte früh, Torhüter Finn Dahmen musste sich gegen einen Kopfball von Ron Schallenberg mächtig strecken. Auch später gab es Situationen, in denen die Königsblauen gefährlich in die Tiefe kamen.

Doch genau das ist eben auch eine Qualität, die man sich als Bundesligist leisten können muss: Chancen nutzen.

Augsburg machte es vor. Nach einem Schalker Ballverlust ging es schnell, und Michael Gregoritsch musste nach Vorarbeit von Samuel Kade nur noch den Fuß hinhalten. 1:0. Schalke hatte zwar nicht katastrophal gespielt, lag aber trotzdem zurück.

Und spätestens nach der Pause kippte die Partie endgültig. Augsburg wurde gefährlicher, Schalke verlor zunehmend den Zugriff. Dann flog Schallenberg nach einer Notbremse vom Platz – und damit war die Messe eigentlich gelesen.

Ein Mann weniger, aber kein Aufbäumen

Was mich an dieser Niederlage besonders stört, ist deshalb nicht einmal die Rote Karte. In Unterzahl kann man gegen einen Bundesligisten natürlich verlieren. Entscheidend ist vielmehr, wie eine Mannschaft damit umgeht.

Und Schalke wirkte nach dem Platzverweis erstaunlich hilflos.

Augsburg rollte Angriff um Angriff auf das Schalker Tor zu. Karius hielt seine Mannschaft zunächst noch im Spiel, ehe Kade nach einem Fehler im Spielaufbau auf 2:0 erhöhte. Das 3:0 in der Nachspielzeit war dann nur noch die Zugabe.

Natürlich darf man daraus nach einem Spiel keine großen Saisonprognosen ableiten. Aber ein Aufsteiger sollte sich gerade zu Beginn einer neuen Spielklasse möglichst schnell Respekt verschaffen. Der ebenfalls aufgestiegene SV Elversberg hat gezeigt, wie das geht: 3:2 gegen Bayer Leverkusen – ein echtes Ausrufezeichen. Schalke dagegen hat erst einmal eine ziemlich bittere Pille geschluckt.

Und jetzt kommt ausgerechnet Bayern

Und damit sind wir bei dem Problem, das diese Niederlage noch unangenehmer macht: Am kommenden Wochenende kommt der FC Bayern München nach Gelsenkirchen.

Ausgerechnet Bayern.

Viel härter kann der nächste Prüfstein kaum ausfallen. Nach einem gelungenen Auftakt hätte Schalke mit breiter Brust in diese Partie gehen können. Stattdessen steht zunächst einmal die Erkenntnis, dass die Bundesliga tatsächlich kein nostalgischer Spaziergang durch bessere Zeiten ist.

Die Euphorie rund um die Rückkehr ist deshalb keineswegs vorbei. Aber sie hat in Augsburg ihren ersten Kratzer bekommen. Das ist vielleicht sogar ganz gesund. Denn Schalke muss schnell wieder lernen, dass Bundesliga nicht bedeutet, automatisch wieder dort zu sein, wo man sich selbst gerne sehen würde.

Noch ist überhaupt nichts passiert. Ein Spiel, eine Niederlage, null Punkte. Mehr nicht.

Aber wenn Schalke am Ende wirklich die Klasse halten will, sollte diese 0:3-Niederlage nicht einfach als kleiner Betriebsunfall abgehakt werden. Sie war vielmehr eine ziemlich deutliche Erinnerung daran, wie weit der Weg zurück in die Bundesliga-Normalität noch ist.

Und am Samstag wartet Bayern. Willkommen zurück, Schalke.

In der App öffnen Autorenseite: Robin Patzwaldt
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