Da haben wir den Salat! – Kaum geht’s los, nerven die Bayern schon wieder

BVB gegen Bayern im DFB-Supercup. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Da haben wir also den Salat! Wer vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison noch ein wenig von Spannung, Überraschungen und vielleicht sogar einem neuen Meister geträumt hatte, dürfte nach dem Supercup am Samstag erst einmal ernüchtert sein. Der FC Bayern gewinnt 2:1 im Westfalenstadion gegen Borussia Dortmund – und irgendwie fühlt sich das Ergebnis schon wieder verdammt bekannt an.

Natürlich: Der BVB hat sich ordentlich verkauft. Das Spiel war eng, mit etwas mehr Glück hätte Dortmund auch als Sieger vom Platz gehen können. Aber genau das ist ja das Problem. Wenn selbst der Vizemeister vor eigenem Publikum nicht mehr in der Lage ist, den Branchenprimus wirklich in Verlegenheit zu bringen, wann soll es dann eigentlich noch passieren?

Ricken kündigt an, Bayern feiert trotzdem

Besonders hübsch wirkt im Rückblick die Ansage von BVB-Boss Lars Ricken. Der hatte vor dem Spiel sinngemäß klargemacht, dass er die Bayern in Dortmund nicht feiern sehen wolle. Große Klappe, große Ambitionen – und am Ende feiert natürlich der Rekordmeister.

Das ist im Fußball zwar Alltag, aber irgendwie auch ein ziemlich passendes Symbol für die aktuelle Kräfteverteilung. Dortmund darf vorher ein bisschen auf dicke Hose machen, Bayern gewinnt anschließend den Pokal. Und irgendwo zwischen vollmundiger Kampfansage und Münchner Siegerfoto liegt die ernüchternde Realität.

Man könnte es auch etwas böser formulieren: Ricken wollte den Bayern die Party verderben. Stattdessen durfte er ihnen beim Feiern zuschauen. Herzlich willkommen in der neuen Bundesliga-Saison!

Eine Milliarde gegen 529 Millionen

Nun wäre es allerdings ziemlich unfair, die Niederlage allein den Dortmundern anzulasten. Ein Blick auf die Kaderwerte zeigt schließlich, wie ungleich die Voraussetzungen inzwischen sind. Laut Transfermarkt.de stand beim Supercup ein Dortmunder Kaderwert von rund 529 Millionen Euro einem Münchner Aufgebot von sage und schreibe 1,08 Milliarden Euro gegenüber.

Das ist nicht einfach ein kleiner Unterschied. Das ist eine andere Hausnummer. Bayern hat praktisch doppelt so viel Kapital auf dem Platz stehen. Und wer angesichts solcher Verhältnisse erwartet, dass Dortmund oder irgendein anderer Bundesligist die Münchner mal eben regelmäßig vom Thron stößt, glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann als neuen DFL-Chef.

Natürlich kann Fußball solche Unterschiede überlisten. Ein einzelnes Spiel sowieso. Genau deshalb gibt es ja die schönen Geschichten von Außenseitern und Überraschungen. Nur: Für eine komplette Saison braucht es eben mehr als einen glücklichen Abend.

Und wer soll Bayern bitte stoppen?

Damit sind wir beim eigentlichen Ärgernis. Der Supercup war vielleicht nur ein Spiel. Aber er hat einen ziemlich unangenehmen Vorgeschmack darauf geliefert, was uns in den kommenden Monaten erwarten könnte.

Wer soll Bayern stoppen? Dortmund? Offenbar eher nicht. Leverkusen? Wohl kaum. Leipzig? Irgendwann vielleicht. Ein Überraschungsteam? Wäre schön. Aber wer soll über 34 Spieltage konstant besser sein als die Münchner?

Eben. Wieder keiner.

Und genau deshalb fällt es mir nach diesem 2:1 noch schwerer, an eine wirklich spannende Bundesliga-Saison zu glauben. Für einen Führungswechsel reicht schließlich nicht eine einzelne Bayern-Pleite. Es braucht einen Konkurrenten, der selbst nahezu fehlerfrei durch die Saison marschiert. Und genau daran scheitert die Konkurrenz seit Jahren.

Der Supercup hat deshalb vielleicht mehr gezeigt als nur einen Pokalsieger. Er hat uns daran erinnert, wie die Bundesliga inzwischen funktioniert: Bayern gewinnt, Dortmund gratuliert – und wir dürfen uns anschließend einreden, dass es dieses Jahr bestimmt ganz anders kommt.

Ich würde es ja gerne glauben. Aber nach Samstag fällt mir das verdammt schwer.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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thomas weigle
thomas weigle
24 Tage vor

Gestern las ich unter der Überschrift „Wie Ghandi gegen die Bayern“, wie man diese kleinkriegt, also: die anderen BL-Vereine erklären verbindlich gegen die Bayern für 10 Jahre sämtliche Angriffsbemühungen zu unterlassen und in jedem Spiel 27 Eigentore zu schießen. Das allerdings halte ich für übertrieben, 25 Eigentore tun es auch.
„Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht,“ sagte einst ein gewisser Sepp H. Wenn sie aber es wissen, wer geht dann noch zu einem Bayernspiel, welche Firma sponsert dann die Bayern noch, wirbt mit ihnen?
„Auf alle Fälle würden die Einnahmen des Branchenprimus rasch gg. Null tendieren….und wenn dieser Zustand erreicht ist, wiederholen wir das mit Borussia Dortmund.Glück auf!“
HG Butzko in dem tw. sehr vergnüglichen Buch( Titelidee allerdings bei Loriot geklaut) „Ein Leben ohne Fußball ist möglich, aber sinnlos.“ S.134/135

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[…] dass Dortmund zuletzt sogar wieder demonstrativ auf Augenhöhe mit München wirken wollte. Doch der Supercup in der Vorwoche und nun der Bundesliga-Auftakt haben zumindest sportlich schnell daran erinnert, wer derzeit den […]

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