
Hamas und Palästinensische Volksfront, iranische Revolutionsgarden und Organisierte Kriminalität. Die Japanische Rote Armee, Revolutionäre Zellen und Putins Sippe, der KGB. Kommt einiges zusammen, wenn Die Linke sondiert. Sie ist auf dem Weg zur Volkspartei.
Wahlparty in Neukölln, Kreuzberg beginnt auf der Straßenseite gegenüber. Die Linke feiert, jeder vierte Berliner hat sie gewählt, in Neukölln jeder Dritte, es feiern mit: ein Clan-Chef, Issa Remmo, und ein Herr Ibrahim Ibrahim, der allerlei Initialwörter mit sich führt. VPNK? PFLP? HAMAS? IRGC? Ein Netzwerk, lose geknüpft oder auch nicht. Beginnen wir mit der
PFLP,
der marxistisch-leninistischen Popular Front for the Liberation of Palestine. Ende 1967 gegründet, nachdem die arabische Welt zur „Befreiung Palästinas“ geblasen und innert sechs Tagen eine blamable Niederlage bezogen hatte. Jetzt die Volksfront, sie stellt sich auf wie von Lenin verordnet, dann von Mao und zwischendurch von Hitler: sowohl als politische Partei wie als Terrorkommando. „Kampf und politische Aktion“, heißt es im Gründungsdokument der PFLP, seien „verschmolzen“, Terror und Parlament seien die beiden „Aspekte“ einer „unified fighting party“, einer vereint kämpfenden Partei. Die politische Organisation, heißt es, müsse über eine militärische Struktur verfügen, die militärische Organisation über eine „ausgereifte politische Struktur“. Ziel: die „Massen“ – die Wähler – „in one direction“ zu mobilisieren, nämlich Israel auszulöschen.
Die prägenden Figuren dieser Zweigleisigkeit, die bis heute gerne als „Flügel“ poetisiert werden: George Habash – säkular, pan-arabisch, spätestens ab 1969 streng auf Moskauer Linie – , er gibt den ideologischen Chef und politischen Führer. Neben ihm Wadi Haddad, seine Rolle ist die des strategischen Denkers, des Machers. Haddad – und nicht der moskau-fromme Habash – steht seinerseits in Diensten des
KGB,
des sowjetischen „Komitees für Staatssicherheit“. 1968 angeworben und ab 1970 bis zu seinem Tod 1978 unter dem Decknamen „NATSIONALIST“ geführt. Moskau liefert Waffen, auch mittelschwere Geräte, es kommt zu gemeinsam geplanten Operationen, entscheidend aber: Während seiner KGB-Jahre hat Haddad zwei bis heute elementare Techniken des Terrors erdacht. Zum einen das
Selbstmord-Kommando:
Flughafen Lod, der heutige Ben-Gurion-Flughafen nahe Tel Aviv, es ist der 30. Mai 1972: Ein dreiköpfiges Kommando der
Japanischen Roten Armee
schießt wahllos auf Reisende, ermordet 26 Menschen, verletzt Dutzende. Beauftragt und ausgebildet hat die japanischen Killer die PFLP, eine Exit-Strategie hat sie nicht geplant. Erstmals nahm Terror von links einen suizidalen Charakter an. Keinen religiös verschwärmten, Suicidal-Bombing ist – als politisches Kalkül – eine linkssäkulare Erfindung, die Botschaft lautet: Es wird gebombt, bis alles in Scherben fällt. Dem Vernichtungsdrang, heißt es bei Adorno – er meinte den der Nazis – sei es gleichgültig, „ob er gegen andere sich richtet oder gegens eigene Subjekt“.
Ähnlich weltzerstörerisch auch die zweite, bis heute dominante Terror-Technik, die Haddad entwickelt hat, die
Internationalisierung des Terrors.
Dafür stehen nicht nur die Japanische Rote Armee und kurz darauf die
Revolutionären Zellen (RZ)
in West-Deutschland – sie waren logistisch und strategisch eng mit der PFLP verbunden – , sondern steht vor allem die Strategie der PFLP, auf spektakuläre Flugzeugentführungen zu setzen. Also nationale Flughäfen und Fluggesellschaften, internationale Verkehrswege und Staaten weltweit zum Operationsraum eines lokalen Konflikts zu machen. Haddads Beitrag zur Globalisierung: Geiseln aus aller Welt einzuspannen in die Terror-Logik.
Von einem Dutzend Flugzeugentführungen der PFLP sind hierzulande allenfalls zwei im Gedächtnis geblieben: „Entebbe“ im Juli 1976 – israelische Sicherheitskräfte befreien mehr als 100 Geiseln, die zuvor von den RZ sondiert worden waren wie auf der Rampe von Auschwitz. Und: „Landshut“ im Oktober 1977, da ist es die bundesdeutsche GSG 9, die den PFLP-Terror einbremst und 90 deutsche Urlauber davor bewahrt, exekutiert zu werden.
Weniger gut erinnert: dass es sich um keine Taktik handelt, um „politische Gefangene“ freipressen, sondern um eine Strategie. Es geht um das Doppel von „Kampf und politischer Aktion“, die beiden „Aspekte“ einer „unified fighting party“.

Innerhalb der PFLP kommt es bereits 1970 zum Streit darüber, wie diese beiden „Aspekte“ zusammenspielen: Der moskauhörige Habash sieht seine politische Strategie – die Massen „in one direction“ zu mobilisieren – durch die Terrorstrategie von KGB-Haddads bedroht. Zu einer Abkehr vom Terror hat dieser innerparteiliche Disput allerdings nicht geführt, im Gegenteil:
Im Februar 2002 – nur als ein Beispiel – schickt die PFLP ihre säkularen Suicide-Bombers in eine Pizzeria in Karnei Shomron, im März in ein Hotel in Ariel, im Mai auf einen Markt in Netanya. Im Juni erscheint ein Urgent Appeal to Stop Suicide Bombings in der palästinensischen Zeitung al-Quds, erstunterzeichnet von mehr als 50 palästinensischen Intellektuellen, die darauf drängen, dass die Terror-Strategie der PFLP politische Optionen nicht freibombt, sondern zerschießt. Die PFLP weist den Appell scharf zurück und darauf hin, dass die Mehrheit zumindest der palästinensischen Bevölkerung die Terror-Attacken unterstütze – was seinerzeit allerdings der Fall ist – und schickt ihre Killerkommandos im April 2003 nach Kfar Saba in einen israelischen Bahnhof, im Dezember 2003 an eine Bushaltestelle in Petah Tikva, im November 2004 auf einen Markt in Tel Aviv …
Muqawama, Widerstand
Auch an 10/7, den barbarischen Massakern an Tausenden Israelis im Oktober 2023, hat sich die PFLP – in der EU als Terrororganisation gelistet, in Deutschland bis heute nicht verboten – an der Seite der
Hamas
beteiligt. Was auf ein drittes, das wohl maßgebliche Kennzeichen des modernen Terrors hinweist, auf dessen integrative Kraft. Es ist Haddads eigentliche Idee: dass grenzenloser Terror so überzeuge, wie offene Grenzen überzeugen. Weil sich auf solche Weise Bündnisse schließen ließen mit Leuten, mit denen man kaum mehr teilt als den Vernichtungsdrang: Ideologisch liegen sich die linkssäkulare PFLP und die islamistische Hamas, liegen Klassenkampf und Gotteskrieg weit auseinander.
Die Schnittmenge, die sie teilen, ist „Widerstand“, muqāwama. Ein ideologisch offenes Konzept, von der Hamas – Ḥarakat al-Muqāwama al-Islāmiyya, „Islamische Widerstandsbewegung“ – nach und nach ausgespielt:
In ihrer politischen Kommunikation – dies das Ergebnis einer Diskursanalyse von Imad Alsos – hat Hamas den djihad, den religiösen Opferkrieg, nach und nach durch muqawama ersetzt. Zum Widerstand zählen Terror-Angriffe nun ebenso wie Wahlen, zählt die Aufzucht von „Kinder-Märtyrern“ ebenso wie gewaltfreier Protest – Hamas und PFLP sitzen der scheinbar gewaltfreien BDS-Kampagne vor – , zählt ein Selbstmord-Attentat, sei es säkular oder religiös befeuert, ebenso wie sumud, die „Widerstandskraft“, die auch ein Weltkirchenrat (WCC) anrufen und abfeiern kann: „Gütiger Gott, wir beten um Sumud …“, „We are all Sumud …“
Und eben hier, in dieser Wolke des Widerstands, in der sich Säkulare und Fromme zusammenfinden, Linke und Islamisten, kommen die
Iranischen Revolutionsgarden (IRGC)
ins Spiel: Am 7. Oktober 2023 fällt Hamas, eng verzahnt mit den IRGC, gemeinsam mit der PFLP in Israel ein. Mitte März 2024 trifft sich die linke PFLP in Beirut mit gleich drei islamistischen Terror-Banden: mit Hamas, Islamischen Dschihad und Ansar Allah, der Huthi-Truppe. Medienberichten zufolge geht es um „mechanisms to coordinate their actions of resistance“, um koordinierten „Widerstand“. Im Mai darauf sitzen die führenden Köpfe von PFLP, Hamas, Islamischem Dschihad, der Hisbollah und den Huthis in Teheran an einem Tisch zusammen mit den Revolutionsgarden, die den entscheidenden Machtblock bilden im iranischen System. Die IRGC bezeichnet die Terror-Runde, die sie sich eingeladen hat, als „Widerstandsfront“.
„Dramatischer Strategiewechsel“
Die bis nach Deutschland reicht. Hier ist es derzeit die Hamas, die ihren Terror internationalisiert. Der Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler, Senior Director des Counter Extremism Project (CEP), warnt seit 10/7 vor einem „Strategiewechsel“ der Hamas, die ihren Terror nach Europa zu tragen scheine. Peter R. Neumann, Professor für Security Studies am King’s College London, spricht von einem „dramatischen Strategiewechsel“.
Der darin besteht, dass Hamas die Strategie der PFLP übernimmt, wie sie Haddad vor knapp einem halben Jahrhundert entworfen hat. Derzeit werden bei der Generalbundesanwaltschaft (GBA) drei Verfahren geführt,
- das erste zählt zum Hamas-Komplex, der GBA ermittelt gegen mehrere mutmaßliche Hamas-Mitglieder – unter ihnen ein Kreuzberger Gastronom – , die im Dezember 2023 festgenommen worden waren. Vorgeworfen wird ihnen, ein Waffendepot angelegt und eine terroristische Infrastruktur aufgebaut zu haben. Konkrete Attentatspläne sind bisher nicht bekannt.
- Zum Hamas-Komplex zählt auch das zweite Verfahren: Im September erhob der GBA Anklage gegen sieben weitere Hamas-Mitglieder, sie sollen „spätestens seit Juli 2025“ im Auftrag führender Hamas-Kader ein transnationales Netzwerk aufgebaut haben, um Mordanschläge auf Repräsentanten Israels, auf Juden und pro-israelische Personen in Deutschland und Österreich zu verüben. Geplant gewesen seien die Attacken für oder rund um den 7. Oktober 2025, darauf deute ein bereits abgedrehtes Bekennervideo hin. Die Idee offenbar: ein zweites 10/7, diesmal in Europa.
- Das dritte derzeitige Verfahren des GBA betrifft den Iran-Komplex: Angeklagt sind zwei Männer afghanischer Herkunft, sie sollen – im unmittelbaren Auftrag der Revolutionsgarden – die Ermordung von Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, und die von Volker Beck, dem Vorsitzenden der Deutsch-israelischen Gesellschaft, vorbereitet haben.
Dass es die iranischen Revolutionsgarden seien, die den Auftrag zum Doppel-Mord erteilt haben sollen, ist eine Konstellation, die einen weiteren Verweis in diesem Terror-Gemenge zulässt, den auf
Organisierte Kriminalität.
Europaweit nutzen die Revolutionsgarden Strukturen organisierter Kriminalität, um Terror zu verbreiten, das ist bekannt. Die Anschläge auf die Synagogen in Bochum und Essen im November 2022, so hat es das OLG Düsseldorf in seinem Urteil gegen einen der Brandstifter, den Kleinkriminellen Babak J. festgestellt, sind im direkten Auftrag „staatlicher iranischer Stellen“ geplant worden. Für die Planung und Durchführung wurden lokale Strukturen der organisierten Kriminalität genutzt, in diesem Fall die der Hells Angels. Es war der Boss des Mönchengladbacher Hells Angels-Chapter, Ramin Yektaparast, der gottergebene Mullahs, wirtschaftsfromme Revolutionsgarden und Kleinkriminelle im Ruhrgebiet vermittelt hat. Yektaparast unterhielt seinerseits, Medienberichten zufolge, freundschaftliche Kontakte zum Berliner Abou-Chaker-Clan.

In Bochum gibt es überdies Hinweise darauf, dass auch der
Al-Zein-Clan,
einer der großen arabischen Clans, der sowohl in Berlin wie im Ruhrgebiet agiert, eingebunden sein könnte in dieses Gemenge des „Widerstands“.
Was sich hier zeigt: dass den Strukturen organisierter Kriminalität eine Scharnierfunktion zukommen kann. Politisch indifferent, solange die Kasse stimmt, eignen sich organisierte Clans gerade deshalb – und das ist gerichtsfest seit dem 19. Dezember 2023, dem Tag, an dem das OLG Düsseldorf sein Urteil gegen Babak J. gesprochen hat – als Drehtür dafür, um die Politik dem Terror und Terror zur Politik hin zu öffnen.
Eine Drehtür
Und jetzt zurück zu Die Linke, zur Wahlparty ihres Bezirksverbands Neukölln. Ein Stelldichein. Issa Remmo, Patriarch des
Remmo-Clans,
posiert für Fotos. Dessen Sohn Yasin wiederum, so hat es die BZ berichtet, ist mit einer Enkeltochter von Zaki Al-Zein, dem Patriarchen des
Al-Zein-Clans
verheiratet. Für sich genommen heißt das nichts, nur gilt es, die Scharnierfunktion zu kennen, die kriminelle Clans – nicht nur in Deutschland – übernommen haben und jederzeit übernehmen können. Nur ein Foto weiter: führende Politiker der Die Linke Seite an Seite mit Ibrahim Ibrahim, dem Repräsentanten des
Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK).
In dem organisieren sich „Anhängerinnen und Anhänger der islamistischen Hamas gemeinsam mit der säkularen PFLP“, heißt es im Sitzungsprotokoll des Berliner Ausschusses für Verfassungsschutz im November 2025. Das „der Hamas zuzurechnende Personengeflecht“, so der Leiter des Berliner Verfassungsschutzes, Michael Fischer (SPD), habe sich „regelmäßig im Organisationsteam und sowohl als Redner als auch als Teilnehmende bei Versammlungen des VPNK feststellen lassen“.
Ähnlich bei Versammlungen der Die Linke. Im Sommer 2025 – also zeitgleich zu der beginnenden Terrorplanung jener sieben Hamas-Mitglieder, gegen die der GBA derzeit ermittelt; Politik und Terror gehen hier, rein zeitlich gesehen, Hand in Hand – zeitgleich steht Ibrahim Ibrahim wiederholt auf Bühnen der Die Linke, liefert „Redebeiträge“ über „Widerstand“ und lädt Politiker der Die Linke auf seine Bühnen ein. Die ihrerseits erklärt, sie und das VPNK leisteten gemeinsam „Widerstand“ und ließen sich „nicht spalten“, die „Vertreter*innen des VPNK“ besäßen „unser vollstes Vertrauen und wir wissen sie in allen Grundsätzen an unserer Seite“. Nach dem Wahlsieg der Die Linke fordert Ibrahim öffentlich, die „Zusammenarbeit fortzusetzen“.
„Wir kämpfen gemeinsam“
Spätestens das wäre die Neu-Auflage der Strategie, die Habash und Haddad für die PFLP entwickelt und Hamas übernommen hat: „Kampf und politische Aktion“ als die beiden „Aspekte“ einer „unified fighting party“.
Eine strategische Zweigleisigkeit dieser Art – eine, die „Kampf“ als Terror begreift – ist in Die Linke öffentlich nicht diskutiert und nirgends ausformuliert, ist aber angelegt. In ihren programmatischen Texten geht es der Die Linke wieder und wieder um „Widerstand“ und „aktive Gegenwehr“, ums „Kämpfen“ und um „Kampfformen“, um „Gegenmacht“ und dass man „Veränderungen erzwingen“ müsse. Im Linken-Programm, Stand 2024, geht es um die „Mobilisierung von gesellschaftlichem Widerstand“, um die „Entstehung und Durchsetzung von Klassenmacht“ und darum, „Menschen (zu) ermutigen, sich gegen Politik zur Wehr zu setzen“. Noch ein Blick nach Neukölln in die – so lautet die Wahlstrategie des dortigen Bezirksverbandes – „Herzkammer des Widerstands“: Auftrag der Die Linke sei es, den „Widerstand“ zu „organisieren“, mit dem „Soli-Kiez-Event“ im August 2025 beispielsweise schaffe man Raum für „Widerstand“ – und im unmittelbaren Anschluss: „Selbstverständlich ist die palästinensische Community dabei, unter anderem vertreten durch das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“. Und gleich das Echo von der anderen Seite des Raumes, das VPNK erklärt: „Ihr Widerstand ist unser Widerstand.“
Es ist recht genau das, was Hamas muqawama nennt. Die Neuköllner Linke wird, gerade weil sie sich kämpferisch gibt und widerständisch, zur integrativen Kraft, einer „unified fighting party“. Während die Volksparteien zerbröseln, stellt sie sich – in Neukölln von jedem Dritten gewählt – als neue Volkspartei auf, die tatsächlich imstande ist, gröbste ideologische Differenzen und politische Ziele, die weit auseinanderliegen, mit dem Konzept der muqawama zu überdachen. „Wir kämpfen gemeinsam für unsere Ziele“, schreibt Firas Remmo, Sohn des Clan-Chefs, an Die Linke.
Vom Talk zur Tat
Kein Netzwerk, dieses terror-affine Gemenge. Aber eines, das alle Voraussetzungen bietet, jederzeit zum Netzwerk zu werden. Derzeit mutet es eher an wie eine Wolke, nur ist es gerade diese Wolke des Widerstands, ihre Unschärfe und Nebulosität, in der moderner Anti-Zionismus seine politische Funktion gewinnt. Vor knapp vierzig Jahren – PFLP mordete, Hamas gab es noch nicht, Die Linke hieß SED – hat Shulamit Volkov, israelische Historikerin, den Anti-Zionismus der politischen Linken vom herkömmlichen, dem rechten Anti-Semitismus abgesetzt. Und beide Phänomene dann als unterschiedene in Beziehung zueinander gesetzt: Die „Funktion dieses Anti-Zionismus in der Gesamtkultur der Linken“, schrieb Volkov 1984/85, erinnere „an die Rolle, die der Anti-Semitismus in der rechten Kultur im späten 19. Jahrhundert gespielt hat“. Volkov nennt es eine „Parallele“, sie liege darin, dass auch der Anti-Zionismus heute zum „Erkennungszeichen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten, subkulturellen Milieu“ geworden sei und darum zu einem „Loyalitätstest“. Und als solcher Loyalitätstest zum festen Bestandteil eines politischen „Pauschalangebots“.
Entscheidend dabei – es ist Volkovs Punkt, er ist politisch entscheidend – , dass der Anti-Zionismus heute genau wie der Anti-Semitismus einst „eine Art Symbolcharakter“ angenommen habe. Nie ist etwas 1:1 gemeint, alles immer irgendwie anders.
Der Übergang von diesem kulturellen Code zur direkten Aktion, vom Talk zur Tat, sei das wesentlich Neue gewesen, das die Nazis dem politischen Anti-Semitismus zugefügt haben, so Volkov. Politik plus Terror. „Das alte geschriebene Zeug“, schreibt Volkov über den politischen Anti-Semitismus des 19. Jahrhunderts, sei dadurch zu einem „ganz neuen Material“ geworden, „explosiv, gefährlich, direkt in die Katastrophe führend“. Und: „Die Veränderung geschah allmählich und kaum wahrnehmbar.“
Darin liegt die Parallele zu der Die Linke heute, zu deren Neuköllner Bezirksverband. Das alte geschriebene Zeug – die Erklärungen der Die Linke zum Existenzrecht Israels, die Aktionspläne gegen Antisemitismus, aber eben auch das Dauergerede von „Widerstand“ und „Kampf“ und „Befreiung“ – gibt es weiterhin, nur seine Bedeutung verschiebt sich. Eine Drehtür öffnet sich, die Politik und Terror vermittelt, den kulturellen Code mit der direkten Aktion. Nicht gegen Vonovia, gegen Juden.
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