Wie die Bayern dem BVB schon vor dem ersten Saisonspiel den nächsten Leberhaken verpassten

Am Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

Die Bayern haben am Freitag zum Auftakt der Bundesliga-Saison 2026/27 den VfB Stuttgart mit 5:1 aus der Münchner Arena geschossen. Dass der Rekordmeister damit gleich wieder ein kräftiges Signal an die Konkurrenz sendet? Geschenkt. Dass Frank Buschmann und Florian Schmidt-Sommerfeld bei Sky anschließend bemüht waren, aus der ziemlich einseitigen Angelegenheit ein großes „Flutlichtfreitag“-Spektakel zu machen? Ebenfalls geschenkt.

Viel interessanter war eine Szene unmittelbar vor dem Anpfiff. Da wurde Vincent Kompany auf dem Rasen als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Kompany? Genau der Mann, über den im Sommer 2024 vielerorts gelächelt wurde. Die vermeintliche Notlösung, angeblich nur die fünfte, sechste oder gar siebte Wahl der Münchner.

Und wer stand damals besonders gerne auf der Seite der Spötter? Auch in Dortmund dürfte man sich an diese Zeit noch erinnern.

In Dortmund wurde schon gefeiert

Denn während München damals angeblich verzweifelt nach einer Lösung suchte, sonnte sich der BVB in seiner eigenen vermeintlichen Genialität. Nuri Sahin wurde zum Cheftrainer befördert. Eine mutige Entscheidung, hieß es. Eine neue Generation. Ein Fußballlehrer mit Stallgeruch, Vereinsgeschichte und Zukunftsperspektive.

Kompany dagegen? Ein Risiko. Zu unerfahren. Eine Verlegenheitslösung.

Nun, rund zwei Jahre später, wirkt diese damalige Bewertung fast schon wie eine besonders amüsante Fußnote der Fußballgeschichte. Sahin ist beim BVB längst Geschichte. Kompany hingegen steht auf dem Rasen der Allianz Arena und bekommt eine persönliche Auszeichnung überreicht, während seine Mannschaft anschließend einen Champions-League-Teilnehmer nach allen Regeln der Kunst zerlegt.

Manchmal schreibt der Fußball seine Pointen tatsächlich selbst.

Der BVB muss sehr genau hinschauen

Natürlich ist eine Auszeichnung vor einem Bundesliga-Spiel noch kein Meistertitel. Und ein 5:1 gegen Stuttgart entscheidet ebenfalls keine Saison. Aber darum geht es gar nicht. Es geht um die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre.

Kompany hat aus der angeblichen Notlösung eine Erfolgsgeschichte gemacht. Die Bayern haben ihre nationale Selbstverständlichkeit zurückgewonnen. Und der BVB? Der muss weiterhin erklären, warum aus vielen großen Versprechen so selten nachhaltige Realität wird.

Besonders bitter dürfte dabei sein, dass Dortmund zuletzt sogar wieder demonstrativ auf Augenhöhe mit München wirken wollte. Doch der Supercup in der Vorwoche und nun der Bundesliga-Auftakt haben zumindest sportlich schnell daran erinnert, wer derzeit den Ton angibt.

In München reicht offenbar eine angebliche B-Lösung, um wieder ganz oben zu stehen. In Dortmund wird dagegen gerne aus einer mutigen A-Lösung eine Trainerentscheidung für die Geschichtsbücher – allerdings nicht immer in dem Sinne, den man sich ursprünglich erhofft hatte.

Wer zuletzt lacht …

Vielleicht sollten sich die Dortmunder deshalb noch einmal an den Sommer 2024 erinnern. Damals war Kompany der Trainer, über den man lachen konnte. Heute ist er der Trainer des Jahres.

Sahin sollte beim BVB dagegen die Zukunft verkörpern. Heute ist er vor allem ein Beispiel dafür, wie schnell sich Fußballromantik erledigen kann, wenn die Ergebnisse nicht mitspielen.

Das ist der eigentliche Leberhaken, den Bayern dem BVB bereits vor dem offiziellen Saisonstart verpasst haben: Nicht das 5:1 gegen Stuttgart allein. Sondern die Erinnerung daran, wie grandios man sich in Dortmund vor zwei Jahren über die angebliche Münchner Fehlentscheidung amüsiert hat.

Kompany lacht inzwischen ziemlich weit oben. Und Dortmund sollte vielleicht besser nicht darauf hoffen, dass er damit so schnell wieder aufhört.

In der App öffnen Autorenseite: Robin Patzwaldt
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