Bayern 7:0 – und Sky feiert die Langeweile

Am Stadion in München. Foto: Robin Patzwaldt

Sie haben es schon wieder getan. Nach dem 5:1 gegen den VfB Stuttgart zum Saisonauftakt hat der FC Bayern München auch sein zweites Heimspiel der Saison 2026/27 zur öffentlichen Machtdemonstration gemacht. Union Berlin durfte am Freitagabend mit 0:7 aus der Allianz Arena nach Hause fahren.

Und natürlich war bei Sky wieder beste Laune angesagt. „Flutlichtfreitag“! Großes Fußballfest! Frank Buschmann und Florian Schmidt-Sommerfeld überschlagen sich förmlich vor Begeisterung, während die Bayern den völlig überforderten Gegner nach Belieben auseinandernehmen.

Ich weiß nicht, wie es anderen Fußballfans geht. Mich packt das nicht.

Natürlich kann man sich über einzelne Traumtore freuen. Man kann Jamal Musiala, Harry Kane oder andere Bayern-Stars für ihre Klasse bewundern. Aber irgendwann muss man sich auch die Frage stellen, was an solchen Spielen eigentlich noch spannend sein soll. Wenn ein Topklub seinen Gegner regelmäßig vor heimischem Publikum mit fünf, sechs oder sieben Toren abschießt, ist das kein besonders überzeugendes Verkaufsargument für eine Liga.

Das Problem ist nicht der FC Bayern

Dabei geht es mir gar nicht darum, dem FC Bayern seine Klasse abzusprechen. Im Gegenteil. Die Münchner machen vieles richtig und haben sich diese Dominanz sportlich erarbeitet.

Das Problem liegt eine Etage höher: bei der Bundesliga als Produkt.

Die Liga verkauft sich jedes Jahr aufs Neue als großes Spektakel. Die Sender basteln Trailer, die Experten schwärmen von der „neuen Saison“ und die Kommentatoren erklären uns, warum diesmal alles besonders spannend wird. Nur: Irgendwann sollte zwischen Werbeversprechen und Realität zumindest noch ein gewisser Zusammenhang bestehen.

Denn aktuell sieht es in München eher nach Betriebssicherheit als nach Nervenkitzel aus.

Noch ist die Bundesliga nicht entschieden. Das 0:0 auf Schalke und der mühsame 2:1-Erfolg in Elversberg zeigen, dass Bayern auswärts durchaus verwundbar sein kann. Aber wenn einer der verbliebenen Konkurrenten irgendwann patzt, dürfte es wieder ziemlich schnell ziemlich gemütlich an der Tabellenspitze werden.

Wir verkaufen die Qualität – und feiern das Transferplus

Und genau hier kommt das größere Problem ins Spiel. Die Bundesliga verliert wirtschaftlich zunehmend den Anschluss an die großen europäischen Ligen.

Rund 659 Millionen Euro haben die deutschen Klubs bislang für neue Spieler ausgegeben. Verkauft wurden Spieler für ungefähr 733 Millionen. Ein Transferplus von rund 73 Millionen Euro.

Klingt prima. Ist es aber wirklich ein Grund zum Feiern?

Eine Fußballliga ist schließlich kein mittelständischer Betrieb, dessen größter Erfolg darin besteht, am Jahresende eine hübsche Bilanz vorzulegen. Fußball lebt von Qualität. Und Qualität kostet Geld.

Während die Premier League in diesem Sommer bereits rund 3,1 Milliarden Euro in neue Spieler investiert hat, entwickelt sich die Bundesliga immer stärker zur Talentbörse. Junge Spieler kommen, werden ausgebildet, bekommen ein Preisschild und verschwinden anschließend Richtung England, Spanien oder Italien.

Und selbst Borussia Dortmund, der deutsche Vizemeister und eigentlich natürliche Bayern-Herausforderer, macht bei diesem Spiel mit. Talente entwickeln und anschließend teuer verkaufen kann wirtschaftlich sinnvoll sein. Nur entsteht so eben nicht automatisch eine Mannschaft, die Europas Topklubs dauerhaft herausfordern kann.

Irgendwann schaltet der Zuschauer einfach ab

Genau deshalb ist das 7:0 gegen Union mehr als nur ein besonders hoher Heimsieg. Es ist ein ziemlich grelles Symptom für die Entwicklung der Bundesliga.

Natürlich soll Bayern gewinnen. Natürlich darf Bayern guten Fußball spielen. Natürlich darf sich ein Fan über spektakuläre Treffer freuen.

Aber eine Liga braucht Wettbewerb. Sie braucht echte Spannung. Sie braucht Spiele, bei denen man nicht schon nach einer halben Stunde das Gefühl bekommt, die wichtigsten Fragen seien beantwortet.

Und da hilft auch das marktschreierische „Buschi-und-Schmiso“-Dauerfeuer nicht weiter. Man kann Langeweile nicht einfach wegkommentieren. Man kann sie höchstens lauter machen.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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