
Manche Menschen reservieren für den Wahlabend einen Tisch. Die AfD in Lünen und Dortmund reserviert gleich das Amt des Ministerpräsidenten.
Der Konjunktiv hat heute frei
Für diesen Sonntag, den 6. September 2026, lädt sie ab 14 Uhr zur Wahlparty nach Lünen ins Bürgerhaus Brambauer an der Yorckstraße 19.
Schon in der Einladung vom 22. August 2026 heißt es:
„Zur Wahlparty für Ulrich Siegmund – den ersten AfD-Ministerpräsidenten“.
Das ist vorausschauende Veranstaltungsplanung. Der Raum ist benannt, die Uhrzeit steht, der Regierungschef auch. Fehlt eigentlich nur noch die Oblast Sachsen-Anhalt.
Dort wird heute ein neuer Landtag gewählt. Wer anschließend Ministerpräsident wird, entscheiden die Abgeordneten in einer eigenen, geheimen Abstimmung. So sieht es die Landesverfassung vor. Ein Spitzenplatz beim Wahlergebnis allein ist noch keine Ernennungsurkunde. Auch ein besonders entschlossen gestalteter Partyaufruf ersetzt die Wahl im Parlament nicht. Selbst dann nicht, wenn Dortmund mitmacht.
Die Einladung hat diese lästigen und komplett überschätzten Zwischenschritte bereits hinter sich gelassen. Während die Wahlberechtigten noch entscheiden dürfen, ist Siegmund im Kreis Unna sprachlich schon befördert. Man möchte den Menschen schließlich etwas bieten. Eine Wahlparty für einen Kandidaten kann jeder organisieren. Eine für einen Ministerpräsidenten, den es noch nicht gibt, verlangt Vertrauen. Oder einen sehr sparsamen Umgang mit dem Konjunktiv.
Am 4. September 2026 folgte auf Facebook ein weiterer Beitrag des AfD-Kreisverbands Unna und von Denis Fellner. Darin wird Siegmund viel Glück gewünscht. Durch seinen Einsatz im Wahlkampf habe er unabhängig vom Ausgang der Wahl bereits gewonnen.

Auch das ist praktisch: Gewinnt er, hat er gewonnen. Gewinnt er nicht, hat er ebenfalls gewonnen. Andere Parteien warten auf die Auszählung. Hier lässt sich der Glückwunsch schon einmal vorbereiten; die Überschrift bleibt in jedem Fall verwendbar.
Siegmund muss sich zumindest um seine Rolle auf der Einladung keine Sorgen machen. Ob es später auch für den Dienstwagen reicht, steht auf einem anderen Blatt.
Für den Weg in die Staatskanzlei braucht Siegmund noch ein Wahlergebnis und eine Mehrheit im Landtag. Für den Weg auf die Einladung reichte sein Name.
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