
Claudia Wittig sieht Möglichkeiten für gemeinsame Projekte mit der AfD. Diether Dehm hätte am liebsten gleich eine Koalition. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben beide öffentlich beschrieben, welche Zusammenarbeit sie sich vorstellen.
Ganz dasselbe ist es nicht. Harmloses Wahlkampfgeplauder allerdings auch nicht.
Für Russland geht noch was
Wittig, neben Thomas Schulze Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt, diskutierte am 4. September 2026 beim Magdeburger Friedensfestival (Motto 2026: „Stolpersteine gegen Kriegstreiber“) mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Oliver Kirchner. Gestern zog sie auf X ihr Fazit:
„Das eine oder andere gemeinsame Projekt ist aber drin: Frieden mit Russland zum Beispiel.“
Zuvor hatte Wittig ihre Differenz zur AfD beschrieben: Konsequente Friedenspolitik setze voraus, die wirtschaftliche Profitlogik zu verstehen. Das Gespräch über Militarisierung kündigte sie als Video an. Ihr vorläufiges Ergebnis lieferte sie bereits mit: Die Unterschiede sollen gemeinsame Projekte nicht ausschließen.

Dehm will gleich die Koalition
Der Moderator ging weiter. Diether Dehm, früherer Bundestagsabgeordneter der Linken, verlangte am 4. September auf X:
„BSW muss in den Landtag (schwer genug) und mit Afd koalieren!“
Dehm spricht damit nicht für die Partei. Ein aktuelles Veranstaltungsprogramm für September 2026 führt ihn als parteilos. Seine Forderung ist kein Koalitionsbeschluss des BSW und keine Erklärung Wittigs. Andere Moderatoren fassen die Debatte zusammen. Dehm schreibt gleich den Koalitionswunschzettel.

Wittig lehnt eine Koalition mit der AfD derzeit ausdrücklich ab. Nach dem Bericht der Berliner Zeitung vom 5. September begründete sie das mit mangelndem Vertrauen in die Partei. Für wechselnde Mehrheiten bleibt sie offen. Auch bei Wehrpflicht und Verteidigungsausgaben dokumentiert der Bericht Unterschiede zwischen Wittig und Kirchner.
Eine gemeinsame Regierung und gemeinsame Anträge sind nicht dasselbe. Politische Zusammenarbeit wäre beides. Wittigs Absage an eine Koalition ist deshalb wichtig. Eine Absage an gemeinsame Projekte ist sie nicht.
Ein anderes Treffen mit Kirchner hatte Wittig zuvor abgesagt: das für den 22. August angekündigte Podium beim Sommerfest des Magazins Compact. Laut BSW-Sprecherin Caroline Heptner gegenüber der Leipziger Zeitung war die Entscheidung schon Ende Juli gefallen. Sie verwies auf Kritik aus der eigenen Partei und das bei der Zusage noch unbekannte, AfD-freundliche Veranstaltungsmotto. Gespräche mit der AfD wollte das BSW ausdrücklich weiterführen, nur unter anderen Bedingungen.
Der Auftritt in Magdeburg ist also kein Bruch einer allgemeinen Gesprächsabsage. Interessant ist vielmehr Wittigs eigenes Fazit: Sie sieht nicht bloß einen Gesprächspartner, sondern Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.
Die Richtung ist bekannt. Bereits am 20. August 2026 berichteten die Ruhrbarone über die BSW-Forderung nach einer Bundesratsinitiative gegen Energiesanktionen gegen Russland. Jetzt nennt Wittig die Russlandpolitik als mögliches gemeinsames Projekt mit der AfD.
Dehm, ganz der Romantiker, träumt von der politischen Hochzeit. Wittig denkt über gemeinsame Projekte nach. Das ist ein Unterschied.
Nur sollte man den fehlenden Trauschein nicht mit dem Wunsch verwechseln, lieber getrennte Wege zu gehen.
Einloggen, um Themen zu beobachten. Einloggen