Die nuancierte Semantik der „Israelkritiker“

Dunja Hayali; Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Dunja Hayali; Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Am vergangenen Samstag eskalierte eine israelfeindliche Demonstration in Berlin. Antisemitische Parolen, wie z.B. „Tod den Juden“ und „Tod Israel“, wurden skandiert (Berlin: BDS ruft zum Mord an Juden auf).

In einem Beitrag auf Twitter stellte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali (korrekt) fest, dass diese Sprechchöre „nichts mehr mit einer zulässigen Kritik an der israelischen Regierung“ zu tun haben.

Im weiteren Verlauf leistet Dunja Hayali leider mediale Schützenhilfe für Antisemiten.

Legitime Kritik an den Einsatzkräften; Screenshot Twitter
Legitime Kritik an den Einsatzkräften; Screenshot Twitter

„Tod Israel“ vs. „Tod den J*d*n“

Am ersten  Tweet (Screenshot oben) ist nichts auszusetzen.  Leider hat es die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande, das sie sich für ihr Engagement im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verdient hat, nicht bei diesem Beitrag belassen.

In einem weiteren Tweet schreibt Dunja Hayali:

so, erste Frage dank dpa geklärt. beleibt abzuwarten, ob das gerufene mit blick auf die meinungsfreiheit auszuhalten ist, oder doch schon unter volksverhetzung fällt. „Tod Israel ist zb ein unterschied zu „Tod den J*d*n“…also abwarten

Wieso die Moderatorin des ZDF hier das Wort Juden zensiert, es handelt sich nicht um ein Schimpfwort, ist unbekannt. Zumal jeder weiß, welches Wort gemeint ist.

Differenzierte Semantik des Antisemitismus; Screenshot Twitter
Differenzierte Semantik des Antisemitismus; Screenshot Twitter

Was besonders verstörend ist: Die Differenzierung zwischen dem Ausruf „Tod den Juden“ und „Tod Israel“.  Und die Rechtfertigung der Moderatorin:

"Israel etwas zu "wünschen" ist eine zulässige Meinungsäußerung"; Screenshot Twitter
„Israel etwas zu „wünschen“ ist eine zulässige Meinungsäußerung“; Screenshot Twitter

„Was ist Volksverhetzung?! Das ist eine formaljuristische Diskussion. Darum geht es. Äußerungen gegen einen Staat, ohne direkten Aufruf zur Gewalt, sind nicht strafbar.“ rechtfertigt Dunja Hayali diese Differenzierung in einem weiteren Tweet. Und genau das ist Blödsinn. Mit dieser linguistischen Spitzfindigkeit hat im letzten Europawahlkampf die neonazistische Splitterpartei „Die Rechte“ ihre Plakate mit der Aufschrift „Israel ist unser Unglück“ gerechtfertigt. Und auch dieser Slogan, eine Anlehnung an das „Die Juden sind unser Unglück“ (Untertitel des nationalsozialisitschen Hetzblattes „Der Stürmer“!) ist antisemtisch und keine „Israelkritik“:

Der Aufruf Israel zu zerstören oder den Tod zu wünschen ist antisemitisch motiviert! Palästinensische Araber, die einen eigenen Staat im ehemaligen britischen Mandatsgebiet Palästina fordern, rufen auf Demonstrationen selten „Tod Jordanien!“. Was einigermaßen inkonsequent ist, da auch Jordanien im ehemaligen britischen Mandatsgebiet „Palästina“ liegen.

Es ist also der jüdische Staat der bei Demonstrationen, wie der am Samstag in Berlin, das Feindbild ist. Das ist Antisemitismus.

Der Arbeitgeber der Moderatorin hat bisher noch nicht öffentlich reagiert. Der Beitrag auf Twitter ist nach wie vor online.

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