Die andere Gaza-Flottille: Warum dieser Fall keine Schlagzeilen machte

Eine Fahne der "Global Sumud Flotila". Foto: Brahim Guedich, Wikimedia Commons, CC BY 4.0
Eine Fahne der „Global Sumud Flotila“. Foto: Brahim Guedich, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Während eine Flottille mit Greta Thunberg an Bord internationale Schlagzeilen machte, blieb ein zeitgleich gestarteter Landkonvoi mit demselben Ziel in der deutschen Öffentlichkeit nahezu unsichtbar. Beide gaben vor, Hilfsgüter nach Gaza zu transportieren – doch nur eines der beiden Ereignisse prägte die Nachrichtenlage.

Am 15. Mai 2026 startete ein Konvoi der „Maghreb-Sumud-Organisation“ in Mauretanien. Ziel war es, mehrere nordafrikanische Länder zu durchqueren, bis der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza erreicht wird. Dort sollten Hilfsgüter übergeben werden. Die 230 Teilnehmer waren Staatsbürger von mehr als 20 Ländern.

Der Tag des Beginns wurde nicht zufällig gewählt. Er fiel auf den Tag der „Nakba“ (arabisch für „Katastrophe“ oder „Unglück“). Als „Nakba“ bezeichnen „Palästinenser“ und ihre Verbündeten die Vertreibung der arabischen Einwohner aus dem heutigen israelischen Staatsgebiet. Verschwiegen wird dabei, dass dies eine Folge eines Krieges war, der von den umliegenden arabischen Staaten begonnen und verloren wurde.

Nach der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel am 14. Mai 1948 rückten am Tag darauf reguläre militärische Einheiten einer Allianz, die von den arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Jordanien und Irak gebildet worden war, in das ehemalige britische Mandatsgebiet ein und griffen den neuen Staat der Holocaust-Überlebenden an.
Ziel der Allianz, die den UN-Teilungsplan, der einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat vorsah (heute als „Zweistaatenlösung“ bekannt), ablehnte, war die Beseitigung des neuen jüdischen Schutzraums – also das zu Ende zu bringen, was die Nationalsozialisten wenige Jahre zuvor begonnen hatten. Der Krieg endete mit einem eindeutigen Sieg der Israelis, die dem Teilungsplan zugestimmt hatten.
In Folge verließen rund 750.000 Araber den neuen jüdischen Staat. Dabei kann natürlich nicht von Freiwilligkeit gesprochen werden. Doch genauso wie den Grund der Vertreibung verschweigt das „palästinensische“ Narrativ auch, dass etwa ebenso viele Juden aus den arabischen Staaten vertrieben wurden und sich überwiegend in Israel niederließen.
1998 wurde der „Nakba-Tag“ offiziell von Yasser Arafat, dem im ägyptischen Kairo geborenen Vorsitzenden der „palästinensischen“ Terrororganisation „PLO“, eingeführt.

Der Konvoi passierte Tunesien und den Westen Libyens weitgehend problemlos. Vor Sirte stoppte die Fahrt, weil das Gebiet von den Truppen des ostlibyschen Machthabers Khalifa Haftar kontrolliert wird. Eine Delegation von zehn Aktivisten fuhr am 24. Mai 2026 zu einem Kontrollpunkt, um die Weiterfahrt auszuhandeln. Stattdessen wurden sie von Kräften der „Libyan Arab Armed Forces“ (LAAF) festgenommen. Laut „Amnesty International“ verschwanden acht von ihnen zunächst für mehrere Tage spurlos.

Der übrige Konvoi wurde zur Umkehr gezwungen, da er laut ostlibyschen Behörden nicht über die erforderlichen Genehmigungen verfügt hatte. Laut „Sumud“ seien die Aktivisten in einem isolierten, nicht-zivilen Gefängniskomplex festgehalten worden, der von Einheimischen als „schwarzer Ort“ bezeichnet wird. Sie hätten keinen Kontakt zur Außenwelt oder medizinische Behandlung.

Die Inhaftierten traten in einen Hungerstreik ein, einige davon sogar in einen trockenen. Mehrere diplomatische Vertretungen, insbesondere Italiens und Spaniens, bemühen sich um konsularischen Zugang. „Amnesty International“ fordert die sofortige Freilassung und spricht von willkürlicher Inhaftierung sowie „enforced disappearance“.

In einer Pressemitteilung vom 11. Juni 2026 berichtete die „Global Sumud Flotilla“, dass die Haft um weitere 30 Tage verlängert wurde. Die Aktivisten werden also weiterhin festgehalten.
Es verwundert, dass man in den Medien nichts von diesem Fall lesen konnte. Weder bei der Tagesschau, ZDF heute, dem Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, der FAZ oder der Zeit wurde über das Schicksal der Aktivisten berichtet.

Zeitgleich mit dem Land-Konvoi nach Gaza startete auch eine Flottille, die die Seeblockade durchbrechen und Gaza erreichen wollte. Beide Unternehmungen wurden von der „Global Sumud Flotilla“ organisiert. Die aus ca. 50 Booten bestehende Flottille wurde in internationalen Gewässern bei Zypern von israelischen Kräften gestoppt. Das israelische Außenministerium wies die Flottille-Aktivisten aus und schickte sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurück.

Alle großen Medienhäuser berichteten über die Gaza-Flottille. Die Tagesschau veröffentlichte Artikel mit Schlagzeilen wie „Abschiebung aus Israel – Deutsche Gaza-Aktivisten waren verletzt“ oder „In Israel misshandelt? Gaza-Aktivisten landen in Hannover“. Der Spiegel titelte beispielsweise „Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte werfen Israel Misshandlungen vor“. Die Süddeutsche Zeitung schrieb „Deutsche Gaza-Aktivisten verletzt – Auswärtiges Amt fordert Aufklärung“. Die Zeit veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel „Israels Armee stoppt Boote der Global Sumud Flotilla“.

Warum war es um den Land-Konvoi der „Global Sumud Flotilla“ in der deutschen Presse totenstill, während alle Medienhäuser ausgiebig über die Aktivisten berichteten, die versuchten, Gaza auf dem Seeweg zu erreichen?

Wenn man sich vor Augen führt, dass die Flottille von der israelischen Armee gestoppt wurde und die Aktivisten des Konvois von Kräften einer libyschen Militärdiktatur festgehalten werden, macht das Sinn. Das Ziel der „Global Sumud Flotilla“ war es nie, Gaza zu erreichen. Stattdessen galt es, auf dem Weg dorthin den israelischen Staat zu delegitimieren und zu dämonisieren. Mit Blick auf die Behandlung der Aktivisten des Land-Konvois durch die Organisation und durch die Presse wird klar, dass hier mit doppelten Standards hantiert wird.

Es gilt die alte Formel „No Jews – No News“.

 

 

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