
Danger Dan ist vom ZDF wegen seinem Song „Keine Angst“ ausgeladen worden. Im Songtext beschreibt er das Gefühl, dass der demokratische Rechtsstaat rechtsextreme Gewalt und ihre Unterstützer häufig nicht wirksam genug bekämpft. Dieses Unbehagen teilen viele Menschen. Kunst muss nicht eindeutig sein und darf provozieren. Gerade deshalb sollte aber auch über ihre möglichen Wirkungen gesprochen werden. Eine kritische Betrachtung.
Dieser Danger Dan-Song ist ein Ausdruck von Frustration und Ohnmacht. Dennoch wirft der Text eine schwierige Frage auf: Was geschieht, wenn politische Gewalt gegen Rechtsextremisten nicht nur als Reaktion in einer konkreten Bedrohungssituation, sondern als moralisch legitimes Mittel erscheint? Kunst muss nicht eindeutig sein und darf provozieren. Gerade deshalb sollte aber auch über ihre möglichen Wirkungen gesprochen werden.
Gewalt als verständliche Antwort?
Problematisch wird es dort, wo die Grenze zwischen Notwehr und präventiver oder vergeltender Gewalt verschwimmt. Ein demokratischer Rechtsstaat lebt davon, dass auch schwerste politische Konflikte grundsätzlich innerhalb des Rechts ausgetragen werden. Wenn sich immer mehr Menschen angewöhnen, Gewalt als verständliche oder sogar notwendige Antwort auf politische Gegner zu betrachten, verändert das den öffentlichen Maßstab dessen, was als legitim gilt.
Das Lied ist als eine Art Handlungsanleitung für antifaschistischen Widerstand aufgebaut. Danger Dan beschreibt, wie sich Menschen organisieren, vernetzen und gegen rechte Strukturen vorgehen könnten. Dabei geht es nicht nur um Demonstrationen oder Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch um konspiratives Verhalten: Er spricht etwa davon, Überwachung zu vermeiden, Spuren zu hinterlassen oder eben nicht zu hinterlassen, rechte Netzwerke zu recherchieren und ihre Aktivitäten öffentlich zu machen.
Der umstrittenste Teil des Songs besteht darin, dass einige Zeilen mehrdeutig sind. Formulierungen wie „Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“ oder „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren“ können als Metaphern verstanden werden, sie können aber auch als Billigung körperlicher Gewalt gegen Rechtsextremisten gelesen werden. Hinzu kommt der Gruß an „Lina, Gucci, Maja und Nanuk“, den viele als Bezug auf Personen verstehen, die mit militanten antifaschistischen Aktionen in Verbindung gebracht werden. Diese Passagen waren ein wesentlicher Grund dafür, dass das ZDF den geplanten Auftritt von Danger Dan und Igor Levit bei der politischen Satiresendung „Die Anstalt“ absagte.
Der Historiker und DDR-Forscher Ilko-Sascha Kowalczuk schrieb gestern eine längere Passage zu diesem viel diskutierten Danger Dan-Song bei facebook, wo er seine Gedanken ausführt: „In den Argumenten gegen die AfD ging es immer darum, zu kritisieren, dass die das bislang Unsagbare sagbar machten und das Unsagbare immer mehr in die Mitte der Gesellschaft drückten. Mit Gewalt ist das ganz ähnlich! Wer sie zur Normalität aus welchen Gründen auch immer erklärt und erhebt, wird mitschuldig an der Destruktion der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Offenbar ist vielen nicht bewusst, wie stark die alltägliche Gewalt in der Weimarer Republik zur Normalisierung von Gewalt beitrug und am Ende SA wie RFB die Republik so stark verändert hatten, dass die Übertragung der Macht an die Nazis gar nicht mehr als Systembruch erschien, sondern viele zunächst hofften, nun würde sich die Gesellschaft endlich wieder beruhigen. Wer heute Gewalt sät, die über konkrete, im StGb definierte Notwehr hinausgeht, wird eine Gewalt ernten, die nicht ihn und sie selbst hinwegfegen wird, sondern uns alle.“
Rechtsstaatliche Prinzipien müssen aufrecht gehalten werden
Die Geschichte zeigt, dass politische Gewalt selten isoliert bleibt. Wo Gewalt als normales Mittel politischer Auseinandersetzung akzeptiert wird, entstehen Eskalationsspiralen, die am Ende häufig gerade den Feinden der Demokratie nutzen. Deshalb lohnt es sich, auch bei Kunstwerken kritisch zu fragen, welche Formen politischen Handelns sie nahelegen – ohne ihnen deshalb pauschal Gewaltverherrlichung zu unterstellen.
Eine demokratische Gesellschaft braucht entschlossenen Widerstand gegen Rechtsextremismus. Sie braucht aber ebenso die Bereitschaft, darüber zu streiten, welche Mittel diesem Anspruch gerecht werden. Gerade diese Debatte stärkt den Rechtsstaat mehr als die vorschnelle Einteilung in diejenigen, die angeblich „zu weich“ oder „zu radikal“ seien. Dabei geht es nicht um eine Gleichsetzung von Rechtsextremismus und antifaschistischem Engagement. Rechtsextreme Ideologien richten sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und gegen die Gleichwertigkeit aller Menschen. Das unterscheidet sie grundlegend von den Motiven vieler Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Gerade deshalb sollte der demokratische Widerstand seine Stärke nicht darin zeigen, ähnliche Mittel anzuwenden, sondern darin, rechtsstaatliche Prinzipien auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Einloggen, um Themen zu beobachten. Einloggen
Wer meint, er müsste gegen politische Gewalt notfalls auch selbst Gewalt anwenden, sollte zur Polizei gehen. Dort ist sie sie klar gesetzlich geregelt und durch die Gewaltenteilung demokratisch legitimiert. Alles andere ist politisches Banditentum das sich nur nach eigenem politischen Gusto und dem Stand er eigenen Aggressivität richtet. Egal ob individuell oder kollektiv.
Ihr emphatisches Besingen verkauft sich zur Zeit gut und findet deswegen auch die entsprechenden Sänger und Sängerinnen und die,die medial gerne auf den Zug aufspringen. Und natürlich verteidigen alle die Demokratie und brutal sind immer nur die anderen. Nur ändern tut sich nichts außer die Demokratie selbst, und das zum Schlechten.
„der Faschismus ist da und wir sind die einzigen, die ihn verhindern können“ ist die volle Überzeugung einer großen Masse von Bürgern links der Mitte.
Sie wollen sich auf das GG berufen, um Gewalt auszuüben, sie sind der Meinung, damit das GG und den Staat zu verteidigen. Das ist auch die Auffassung der Hammerbande und weiteren „Sportgruppen“. Damit rechtfertigen sie, von ihnen „als rechts gelesene“ Personen unvermittelt anzugreifen und auch schwer zu verletzen.
Sie wähnen sich im Krieg und da der Staat dieser Auffassung nicht folgt, glauben sie, sie sind berechtigt, das Gewaltmonopol selbst in die Hand zu nehmen.
Die Ironie, dass Gewalt und Gefahr für den Staat damit von ihnen ausgeht, sehen sie nicht und wenn man es ihnen vorhält, verweisen sie auf 1933. Das Weltbild ist komplett geschlossen, da kommt niemand mehr durch. Die Sendung „Die Anstalt“ ist deswegen sehenswert, weil sie Weltbild, Argumente und Lösungen auf engstem Raum zusammenfasst und präsentiert. Andere Ansichten werden nicht präsentiert. Es wird nicht überprüft. Die eigene Prämisse wird gesetzt und daraus werden die angeblich notwendige Schlüsse gezogen. Widerspruch zwecklos, man ist im Widerstand. Es ist ernst, ja. Aber deswegen, weil sich eine ziemlich große Minderheit dazu berufen fühlt, ihre Agenda mit Gewalt durchzusetzen und das damit rechtfertigt, dadurch die Gewalt der anderen Seite zu verhindern.
Das ist irre. Und wir verlieren damit die demokratische Linke, die ebenso wie die demokratische Rechte in einem Staat gebraucht wird. Es gibt kein Austarieren mehr, das wird als rechts geframed. Alles, außer die eigene Meinung, ist rechts.
DAS erinnert mich an 1933!
Nachdem den Beitrag zweimal durchgelesen habe, frage ich immer noch, was wird denn nun betrachtet?
Die einzig textnahe Kritik zu „Keine Angst“ habe ich bislang in der TAZ gefunden:
https://taz.de/Debatte-um-Liedtext/!6197164/
Die anderen Beiträge dazu bei TAZ, Zeit oder auch FAZ schwadronieren über den Song ohne sich wirklich mit ihm belegt auseinander zu setzen.
Zur Betrachtung wird so nicht mehr als die Befindlichkeit der jeweiligen Autoren angeboten, eine fundierte Kritik an der Entscheidung des ZDF bleibt aus.
Nach der Lektüre der Kritik von Bax kommt man zu einem neuen Urteil: bei weiten Teilen der Linken ist nur noch eine selbstverliebte Verblödung progressiv.
Die Kritik der Leser der TAZ scheut, obwohl Bax ganz überwiegend zustimmend, dieses Urteil.