
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, fragte am Donnerstag auf Instagram: „Erster Fall von Wahlfälschung in Sachsen-Anhalt?“ Bis Freitagabend hatte dieser Beitrag rund 92.000 Likes erhalten.
Ein Fragezeichen ist im politischen Marketing ein hübsches Werkzeug: Es verbreitet eine Behauptung und bewahrt den Absender vor dem lästigen Zwang, sie auch zu belegen.
92.000 Likes für ein Fragezeichen
In dem gemeinsam mit dem AfD-Bundesverband veröffentlichten Reel fordert Siegmund seine Zuschauer auf, zusammen mit ihren Verwandten nach weiteren möglichen Fällen zu sehen. Der Beitrag verweist auf einen Bericht über die Strafanzeige im Dessauer Fall.

Ermittler finden keine Manipulation
Am Freitag folgte die weniger aufregende Nachricht. Polizei und Staatsanwaltschaft fanden nach dem bisherigen Stand ihrer Ermittlungen keine Anhaltspunkte für eine Manipulation der Briefwahl in der Dessauer Seniorenresidenz. Der Gesundheitszustand der 95-Jährigen entspreche nicht der Darstellung in der Strafanzeige.
Auch bei 18 weiteren Bewohnern gebe es keinen entsprechenden Verdacht. Hinweise auf vernichtete Wahlunterlagen fanden die Ermittler ebenfalls nicht.
Nach dem bisherigen Stand der unverzüglichen Ermittlungen konnten keine Anhaltspunkte für eine Manipulation der Briefwahl in der Seniorenresidenz betreffend die 95-jährige Bewohnerin festgestellt werden, deren gesundheitlicher Zustand sich nicht wie in der Strafanzeige beschrieben darstellte. Auch im Hinblick auf die weiteren 18 Bewohner, die ebenfalls ihr Recht auf Briefwahl vor Ort wahrnahmen, haben sich keine entsprechenden Verdachtsmomente ergeben. Ebenso ließ sich der Verdacht einer Vernichtung von Dokumenten, die im Zusammenhang mit der Wahl stehen, anlässlich der Ermittlungen in der Seniorenresidenz nicht erhärten. (Quelle: Polizei Sachsen-Anhalt)
Der Verdacht hatte sich damit nicht bewahrheitet. Für rund 92.000 Likes (Stand: 4. September 2026, 23:40:06 Uhr) hatte es trotzdem gereicht.
Die private Wahlaufsicht
Bereits am Donnerstagabend rief Siegmund auf X zur Wahlbeobachtung auf und dankte dem Verein „Ein Prozent“ ausdrücklich für die Erstellung einer interaktiven Karte. Das Projekt will möglichst viele Wahllokale abdecken.

Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz führt „Ein Prozent“ im Phänomenbereich Rechtsextremismus. Der Verein verbreite die Vorstellung, Wahlen würden staatlicherseits zum Nachteil nicht regierungskonformer Parteien manipuliert.
Die Landeswahlleiterin weist derweil darauf hin, dass ohnehin jede Person die Abläufe und die Auszählung beobachten darf. Eine Anmeldung oder Registrierung ist dafür nicht erforderlich.
Die Polizei fand keinerlei Anhaltspunkte für einen Wahlbetrug.
Das Misstrauen hatte seinen Dienst da längst getan.
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