Krise bei VW: Wenn der deutsche Neuwagen zum Luxus wird

Volkswagenwerk in Wolfsburg Quelle: Wikipedia, Foto: Vanellus Foto, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der VW-Konzern steckt tief in der Krise, bei Opel sieht es ebenfalls alles andere als rosig aus. Zwei Namen, die über Jahrzehnte für deutsche Automobilindustrie standen, kämpfen mit Absatzproblemen, hohen Kosten, Stellenabbau und der schwierigen Transformation in eine neue automobile Welt. Inzwischen werden bei Volkswagen Sanierungspläne präsentiert, Werke stehen zur Debatte und Zehntausende Arbeitsplätze sind gefährdet.

Da wird über Elektromobilität gesprochen, über China, Software, Bürokratie, Lieferketten und Managementfehler. Alles wichtige Themen. Aber manchmal lohnt es sich, die Perspektive zu wechseln. Weg von den Vorstandsetagen, weg von den großen Studien und hin zum ganz normalen Kunden, der irgendwann vor einem Autohaus steht und sich fragt: Was bekomme ich eigentlich für mein Geld?

Genau diese Frage hat auch unsere Familie beschäftigt. Wir sind über Jahrzehnte immer wieder VW und Opel gefahren. Nicht, weil ein Golf oder Corsa irgendein Statussymbol gewesen wäre. Im Gegenteil. Wir kauften diese Autos aus Sympathie, aus Gewohnheit und weil wir mit den Marken grundsätzlich zufrieden waren.

Doch irgendwann war diese Sympathie nicht mehr stark genug.

15.300 Euro gegenüber gut 20.000 Euro

Ein Blick auf unsere eigenen Erfahrungen macht das Problem ziemlich plastisch. Im Jahr 2009 haben wir zwei Neuwagen gekauft. Einen VW Golf für 14.300 Euro bei Werksabholung in Wolfsburg und einen Opel Corsa für rund 10.000 Euro beim Opel-Händler in der Nachbarstadt.

Natürlich kann man jetzt einwenden, dass ein heutiger Golf nicht mit einem Golf von 2009 vergleichbar ist. Die Fahrzeuge sind technisch weiterentwickelt, verfügen über mehr Sicherheitsausstattung, Assistenzsysteme und Komfort. Das stimmt zweifellos.

Nur: Wer wenig fährt, keine riesigen Displays benötigt und sein Auto vor allem dafür haben möchte, zuverlässig von A nach B zu kommen, schaut irgendwann nicht mehr auf die Hochglanzprospekte, sondern auf den Preis.

Als wir 2025 im Familienkreis wieder über einen Neuwagen nachdachten, war der Golf deshalb direkt raus. Mehr als 26.000 Euro sollte er kosten. Der Corsa lag bei ungefähr 20.000 Euro. Ein VW Polo war preislich auch keine wirkliche Alternative und bewegte sich sogar noch leicht oberhalb des Opel.

Unsere Rechnung war daher ziemlich simpel: Warum sollten wir für einen Kleinwagen rund 20.000 Euro ausgeben, wenn wir für deutlich weniger Geld ein Fahrzeug bekommen konnten, das unseren tatsächlichen Bedürfnissen und Ansprüchen genau so gut genügt?

Am Ende wurde es dann ein Toyota Aygo als Tageszulassung für vergleichsweise günstige 15.300 Euro, mit dem wir übrigens bis heute vollauf zufrieden sind.

Rund 5.000 Euro Unterschied zum Corsa oder Polo. Bei einem Kleinwagen ist das kein Trinkgeld. Das ist eine Menge Geld.

Da kann der Vorstand noch so viel sanieren

Und genau hier wird die aktuelle Debatte über Volkswagen für mich interessant. Der VW-Aufsichtsrat hat inzwischen einen umstrittenen Sanierungsplan gebilligt. Weitere rund 50.000 Stellen sollen perspektivisch wegfallen, für vier Werke – Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm – ist die langfristige Zukunft zumindest offen. Gleichzeitig verspricht der Konzern Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe und will seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Das klingt gewaltig. Und wahrscheinlich ist vieles davon aus Sicht eines Weltkonzerns tatsächlich notwendig.

Aber bei allem Respekt vor solchen Milliardenplänen: Wenn am Ende ein Kunde im Autohaus steht und feststellt, dass ein deutscher Kleinwagen mehrere tausend Euro mehr kostet als ein vergleichbares japanisches Modell, dann hilft ihm die schönste Transformationsstrategie herzlich wenig.

Die Reaktionen auf die VW-Krise wirken bisweilen so, als müsse man ein kompliziertes Rätsel lösen. Dabei könnte ein Teil der Antwort ziemlich banal sein: Die deutschen Hersteller sind für viele Kunden schlicht zu teuer geworden.

Das ist natürlich keine vollständige Erklärung für die Krise. Volkswagen ist ein globaler Konzern, und die Probleme sind wesentlich komplexer als ein Preisvergleich zwischen Polo, Corsa und Aygo. Aber der in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegene Preis ist eben ein Faktor, über den in den großen Strategiedebatten erstaunlich wenig gesprochen wird.

In der App öffnen Autorenseite: Robin Patzwaldt
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