Wann ist beim BVB die Zeit gekommen, in der nicht nur immer die Trainer gehen müssen?

BVB-Boss Aki Watzke. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Das kam dann doch überraschend. Knapp eine Woche nach dem offiziellen Saisonende trennten sich die Wege von Borussia Dortmund und Trainer Marco Rose. Zuletzt war behauptet worden, der BVB plane weiterhin mit dem Übungsleiter, den man erst vor gut einem Jahr gegen eine stattliche Ablösesumme von Borussia Mönchengladbach losgeeist hatte.

Nach einer auf vielen Ebenen enttäuschenden Spielzeit 2021/22, wurde Rose die Saisonanalyse am Donnerstag offenbar zum Verhängnis, wie eine am Freitagmittag verbreitete Presserklärung des Klubs nahelegt.

Wie dem auch sei, große Teile des Umfelds zweifelten schon länger am Trainer, der schon bei seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer stets mit seinem ‚Schatten‘ Edin Terzic zu kämpfen hatte. Zumindest medial. Der als ‚Technischer Direktor‘ zwischengeparkte Terzic könnte in den kommenden Tagen jetzt auch tatsächlich von Roses Vorgänger zu dessen Nachfolger werden. Die naheliegendste Lösung erscheint derzeit auch am wahrscheinlichsten.

Mathias Sammer, der als externer Berater für den BVB aktiv ist, und ebenfalls schon häufiger als Coach der Borussen gehandelt wurde, mag offenbar nicht wieder ins direkte Rampenlicht rücken. Die zuvor im Traineramt überzeugenden Thomas Tuchel oder gar Jürgen Klopp sind anderweitig gebunden. Vieles deutet daher auf Terzic als neuen und alten Cheftrainer der Schwarzgelben hin.

Doch das ist aus meiner Sicht hier und heute gar nicht der entscheidende Knackpunkt an dieser Debatte. Viel kritischer sehe ich derzeit die Tatsache, dass die Vereinsführung rund um Aki Watzke es seit der Trennung von Thomas Tuchel im Jahre 2017 schlicht nicht verstanden hat, den ‚richtigen‘ Trainer nach Dortmund zu holen.

Egal ob Peter Bosz, Peter Stöger, Lucien Favre oder jetzt auch Marco Rose, immer waren die Ergebnisse der ausgewählten Wunschkandidaten unbefriedigend. Da kommt man fast automatisch auf die Frage, ob hier nicht einmal die Rolle von Watzke, Michael Zorc oder jetzt auch Sebastian Kehl viel kritischer beleuchtet werden sollte.

Wenn unzweifelhaft hochkarätige und allgemein als Fachleute anerkannte Trainer es in ihrer Zeit beim BVB es einfach nicht hinkriegen, mit dem ihnen zur Verfügung gestellten Spielermaterial eine positive Entwicklung in Gang zu setzen, dann liegt die Hauptverantwortung für die unbefriedigenden Jahre beim BVB wohl woanders.

Einerseits liegt diese natürlich bei den Spielern, andererseits aber eben auch bei den Klubverantwortlichen. Am Ende sind es in jedem Fall die Entscheider in den Büros der Chefetage, die die Geschicke des Vereins in die richtige Richtung lenken sollen, die auch den Kader hauptverantwortlich zusammenstellen.

Gelingt es diesen wiederholt und mit wechselndem Personal im Bereich der ihnen untergebenen Angestellten nicht, den angestrebten sportlichen Erfolg sicherzustellen, wäre es vielleicht eher an der Zeit einmal die komplette Führungsebene zu hinterfragen und gegebenenfalls auszutauschen, und nicht immer nur auf neue Trainer oder Spieler zu setzen….

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10 Kommentare

  1. #2 | Martin R. sagt am 20. Mai 2022 um 16:42 Uhr

    Als Terciz gehen mußte trotz seiner Erfolge als Aushilfstrainer, war diese Frage berechtigt.

    Rose mußte gehen, weil er ohne Haaland gar nichts erreicht hätte – und das wäre aus der Zukunft des BVB geworden: gar nichts.

    Hoffentlich bekommt der Bessere jetzt seine Chance !

  2. #3 | Walter Stach sagt am 20. Mai 2022 um 18:07 Uhr

    Terciz….?

    Wir in den Medien „hochgehandelt“.

    Dass er „gut im Rennen“ zu sein scheint, überrascht nicht. War erwartbar.

    Ein Trainer internationaler Klasse vom Kaliber Klopp/Tuchel ist er nicht.
    Da ich nicht weiß, welche sportlichen Ziele sich der BVB mittelfristig setzt oder setzen wird, vermag ich auch nicht darüber zu spekulieren, ob Terciz „der Richtige“ ist, um BVB-Ziele erreichen zu können.

    Ich halte ihn jedenfalls für gut genug, daß der BVB mit ihm als Trainer auch zukünftig Jahr für Jahr jeweils die Champ.lig erreichen dürfte, dort die sog. Gruppenphase übersteht, auch ‚mal den DFB – Pokal gewinnt und auch ‚mal den FCB besiegt.

    PS
    Bei der Gelegenheit frage ich mich ‚mal wieder, ob seit dem Engagement von Kehl-hauptberuflich- und von Sammer -als Berater- sich die Qualität in der sportlichen Leitung des BVB so verbessert hat, wie seinerzeit durch Watzke und Zorc verkündet. Wer Gegenteiliges zu erkennen glaubt, dürfte damit m.E. nicht völlig daneben liegen.

  3. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 20. Mai 2022 um 18:13 Uhr

    @Walter: Ich habe nichts gegen Terzic. Er scheint ein netter Kerl zu sein, der zum BVB und den Menschen hier in der Region passt. Aber viel mehr sehe ich in ihm nicht. Ihm fehlt es völlig an Erfahrung für einen Top-Klub. Der DFB-Pokal-Sieg 2021 ändert daran nichts. Natürlich kann es mit ihm gut gehen, jedoch sind die Chancen eher gering. Ich frage mich, welchen Plan Watzke & Co. seit 2017überhaupt verfolgen. Ich erkenne keinen. Wer trägt dafür die Verantwortung? Immer wieder kommt man auf den Namen Watzke.

  4. #5 | Walter Stach sagt am 20. Mai 2022 um 18:35 Uhr

    Robin,
    in Sachen Terzic scheinen wir „im wesentlichen“ übereinzustimmen.
    Warten wir ab, ob T. der neue (alte) BVB-Trainer werden wird.

    Dass wir BVB-Fans iTerzic im Falle eines Falles beste Erfolge wünschen, versteht sich von selbst. Auszuschließen ist jedenfalls nicht, daß sich T. als noch relativ junger Mann beim BVB zu einem Spitzentrainer entwickelt -internationaler Qualität-, so wie es Klopp und Tuchel geschafft haben.

  5. #6 | Walter Stach sagt am 20. Mai 2022 um 19:12 Uhr

    Halland Eskapaden……

    Robin,
    während wir BVB-Fans besorgt auf die Trainer-Entlassung blicken , über deren Folgen nachdenken nebst Mutmaßungen über eine denkbare Nachfolge, beweist Halland uns, wie naiv unser Blick und unser Nachdenken sind.

    Er verschenkt wertvolle Uhren für insgesamt mehr als 5oo.ooo Euro (!!) an seine Mitspieler und an ihm nahestehendes BVB-Personal.
    Unglaublich, aber wahr.

    Allerdings sind das Kleinigkeiten gemessen an dem, wie es in der Welt der Superreichen aussieht.

    Wer schon „angefressen“ ist wegen der jüngsten Halland-Eskapade, sollte sich, um nicht völlig auszuflippen, den Artikel “ Die feudale Welt der Superreichen“ ersparen, der im neuesten Spiegel 21/2022 erscheint und vorab bei S+ SPIEGEL online nachzulesen ist. In den Unterzeilen zur Artikel-Überschrift heißt es in der letzten Zeile: “ Stehen wir vor einem neuen Klassenkampf“?

    Mich würde es jedenfalls sehr verwundern, wenn die sog. Unterklasse, wenn die sog. unteren Mittelklasse diesen Kampf nicht angeht. Ansätze dazu zeigen sich bekanntlich in den Wahlergebnissen zu Gunsten von Le Pen, Trump u.a. Wut und Zorn vieler „Nichtprivilegierter „könnten durch Eskapaden wie die von Holland Auftrieb erhalten.

    Eine „Neiddebatte“ ?
    Nein, wohl aber Ausdruck meines Unverständnisses über das Ausmaß an Gleichgültigkeit der Menschen weltweit über den stetig jenseits für mich nachvollziebarer Größenordnungen und wider jede Vernunft permanent wachsenden Reichtumes einiger Weniger einhergehend mit deren wachsender Macht in Gesellschaften und Staaten.. Was die ganz Großen können und folgenlos zu dürfen scheinen, demonstriert im kleinen Halland -ebenfalls ohne Widerspruch und folgenlos.

    „Irgend etwas“ stimmt hier nicht!!

  6. #7 | Franz Przechowski sagt am 20. Mai 2022 um 21:37 Uhr

    Willkommen auf der Achterbahn! Den Schalkern ähnlich, die sich bekanntlich zwischen 2008 und 2021 um Kopf und Kragen gebracht haben, weil Selbstüberschätzung der Vereinsführung gepaart mit anfangs noch viel Geld dazu führte, dass es in der vereinseigenen Echokammer wohlig warm und soooo bequem blieb. Fehleinschätzungen wurden mit Geld glattgebügelt. Sportliche Erfolge wurden hochgejazzt (…nur das der FCB 10x in Folge Meister wurde) . Fans als folgsame Idioten als Folklore für das mediale Marketing (aus)genutzt. Über wen ich denn jetzt gerade schreibe? Über S04 UND BvB! Die Geschichte lehrt, dass beide Vereine für Hochs und Niedergang im Turnus von 2 Dekaden notorisch anfällig sind. Die Schalker sind aktuell mit der Fresse nach dem brutalen Aufschlag auf den Betonboden der Realität in der Phase der Besinnung auf bessere Zeiten. Nach Jahren in der CL drohte der Pleitegeier und lehrte Demut. Dem BvB steht das womöglich noch bevor. Wer, wie ich schon an anderer Stelle vorgerechnet habe, für die Arbeitsleistung eines Trainers in nur 12 Monaten gleich € 18 Mio. verbrennt, der löst gerade ein Ticket für eine Achterbahnfahrt a´la S04. Für den BvB wäre es auch nicht neu. Man steht wieder vorne in der Reihe am Kassenhäuschen zur Achterbahn.

  7. #8 | Robin Patzwaldt sagt am 20. Mai 2022 um 21:42 Uhr

    @Franz: Ganz so dramatisch sehe ich das beim BVB nicht. Aber grundsätzlich hast du Recht. Es ist erschreckend, wie wenig Konzept da zu erkennen ist, wie viel offenbar von Zufällen abhängig ist. Die Personalpolitik des BVB ist auf so vielen ebenen kritikwürdig, dass es einem Wunder gleicht, dass wir hier noch immer vom Vizemeister reden.

  8. #9 | Walter Stach sagt am 21. Mai 2022 um 19:24 Uhr

    Robin -8-

    Ich stimme zu, wenn Du feststellst, die Lage nicht so dramatisch zu sehen wie……

    Der BVB ist finanziell immer noch meilenweit von dem nach wie vor katastrophalen Finanzzustand von SO 4 entfernt.

    Solange es Jahr für Jahr zu einem 2. Platz bzw. für Platz 2 bis 4- in der Bundesliga reicht und damit für einen Platz in der Champ.Lig -nebst entsprechendem „Kleingeld“- jammern wir BVB- Fans auf relativ hohem Niveau .Insofern scheint es „fast egal “ zu sein, wer Cheftrainer des BVB ist ; das ist eine ironisch-zynische Bemerkung!

  9. #10 | Edin Terzic und dem BVB droht einmal mehr die 'Maulhelden-Falle' | Ruhrbarone sagt am 25. Mai 2022 um 07:40 Uhr

    […] sicherlich besser in andere Notwendigkeiten investiert hätte, stellte sich am Ende als teures Missverständnis heraus. Dass mit Terzic jetzt ausgerechnet der Coach der neue Heilsbringer der Borussia werden […]

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