Unruhe in Gelsenkirchen: Was hat der FC Schalke 04 denn erwartet?

Schalke zu Gast in Leverkusen. Foto: Michael Kamps

Es ist wirklich erstaunlich! Noch vor ein paar Wochen feierte man auf Schalke den Trainer Frank Kramer. Dem Coach, der sich direkt nach seiner Verpflichtung im Sommer mit viel Skepsis in Bezug auf seine Person konfrontiert sah, wurde von den Fans nach dem späten 2:2-Unentschiesden der Gelsenkirchener in der Arena gegen Borussia Mönchengladbach frenetisch und lautstark zugejubelt. Und das, obwohl in diesem Heimspiel erst der erste Punkt nach dem Wiederaufstieg der Königsblauen gesichert werden konnte. Der einhellige Tenor war nach dem Schlusspfiff trotzdem, dass Kramer gut zu Schalke passen würde und ein ‚toller Typ‘ sei.

Jetzt, einige Begegnungen später, mehren sich von allen Seiten die Stimmen, dass der aktuelle Übungsleiter in Gelsenkirchen doch besser ausgetauscht werden solle. Das wirft Fragen auf.

Nach dem 0:4 bei Bayer 04 Leverkusen am gestrigen Samstag war das Entsetzen im Lager der Knappen groß. Kein Kampf, keine Leidenschaft, kaum Durchschlagskraft im Sturm. So hatten sich die Anhänger die Leistung ihrer Mannschaft vor dem Anpfiff nicht vorgestellt.

Die deftige Pleite gegen die Werkself war bereits die dritte Liganiederlage in Serie. Nach dem 3:1-Sieg im kleinen Revierderby gegen die VfL Bochum folgten Rückschläge gegen Dortmund (0:1), Augsburg (2:3) und jetzt gegen Leverkusen. Schalke rangiert mit sechs Punkten aus neun Spielen vor den Sonntagsspielen auf Rang 16. Das ist sicherlich kein Grund zur Freude, doch zur Panik besteht auf der anderen Seite auch kein Anlass.

Schon vor Saisonbeginn musste allen im Umfeld des Revierklubs klar sein, dass es für die finanziell angeschlagenen Königsblauen im Jahr nach der Bundesligarückkehr um nichts anderes als den Klassenerhalt gehen kann und wird. So gesehen liegt man in dem Bereich, der zu erwarten war.

Die Abstände an das rettende Ufer sind überschaubar. Hertha BSC liegt einen Punkt vor den Gelsenkirchenern, Bayer 04 deren zwei. Bis zum VfL Wolfsburg sind es seit Samstag drei Zähler. Keine Rückstände, die zu dramatischen Reaktionen verleiten müssten. Und doch wird heute intensiv über die Zukunft des Trainers diskutiert.

Viel Kredit konnte sich Kramer also, trotz des Jubelauftritts im ersten Heimspiel, nicht erarbeiten. Und in der Tat waren die jüngsten Auftritte der Mannschaft nicht leidenschaftlich genug. Doch ob ein Trainerwechsel in dieser Phase die richtige Reaktion wäre? Daran darf gezweifelt werden.

Welcher Coach hätte mit diesem Kader denn gute Aussichten auf bessere Ergebnisse in den kommenden Wochen? Die finanziellen Spielräume sind ja bekanntlich eng, was auch zu der Verpflichtung der angeblichen ‚Billiglösung‘ Kramer führte. Und liegt Kramer derzeit wirklich schon weit hinter den Erwartungen zurück, die man im Vorfeld an die Mannschaft haben durfte? Nicht wirklich. Es gibt also eigentlich von außen betrachtet keinen wirklichen Grund für einen Trainerwechsel.

Und doch forderten alle Schalker Fans mit denen ich seit Samstag gesprochen habe das Aus für Kramer. Ob die Vereinsführung in diesem Punkt ähnlich denkt? Die nächsten Stunden dürften da Klarheit bringen. Ausschließen möchte man hier nichts. Schließlich handelt es sich hier ja um Schalke….

 

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SvG
SvG
1 Jahr zuvor

Eine Tradition gibt es in Schalke wirklich: Möglichst viel Geld verbrennen, indem man Trainer vorzeitig die Arbeit wegnimmt, aber weiter bezahklen muß…

Christian
Christian
1 Jahr zuvor

Man kann ja auf den Übungsleiter Grammozis zurückgreifen, der steht ja noch immer auf der payroll 🙂

Die Abstände zum Wettbewerb sind nicht wirklich groß und entscheidend, allerdings gibt einen die
sportliche Darstellung oft zu denken. Gegen die Mannschaften aus der unmittelbaren Tabellenumgebung
hat man nichts geholt und da stellt sich natürlich die Frage, woher sollen die Punkte kommen?

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[…] war von Saisonbeginn an klar, dass die Schalker, die mit einem vergleichsweise kleinen Budget in der Bundesliga bestehen […]

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