Die DFB-Auswahl erinnert fatal an die enttäuschenden letzten Monate unter Bundestrainer Jogi Löw

Das Stadion in Leipzig. Archiv-Foto: Daniel Jentsch

Wer sich am Freitag auf einen vergnüglichen Fußballabend mit der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft gefreut hatte, der sah sich am Ende bitter enttäuscht. Mit 0:1 verloren die DFB-Kicker in Leipzig ihr Heimspiel gegen Ungarn und setzten damit eine der letzten Möglichkeiten frisches Selbstvertrauen zu sammeln vor der Ende des Jahres anstehenden Fußball-WM in Katar gründlich in den Sand.

Dass sie dabei auch alle theoretischen Chancen auf den Gruppensieg in der Nations League verspielten, mag aus Sicht vieler Fans dabei schon ärgerlich genug gewesen sein, viel betrüblicher dürfte jedoch die Art und Weise gewesen sein, in der die Nationalmannschaft bei der ersten Niederlage unter Bundestrainer Hansi Flick über weite Phasen der Begegnung hinweg auftrat. Kein Schwung, kein Kampfgeist, keine Eingespieltheit. Und das rund zwei Monate vor der WM. Der Abend weckte so unschöne Erinnerungen an die finale Phase der Amtszeit von Flick-Vorgänger Jogi Löw. Und das ausgerechnet jetzt, wo der DFB durch den Trainerwechsel doch eine neue, wieder deutlich erfolgreichere Ära einleiten wollte.

Natürlich darf man ein solches Spiel für sich betrachtet nicht überbewerten. Und obwohl Gegner Ungarn selber gar nicht für die anstehende Weltmeisterschaft qualifiziert ist, demnach nicht zur Fußballelite auf diesem Planeten zählt, haben auch schon ganz andere Teams zuletzt gegen diesen Gegner verloren. Genannt sei da nur England, das gegen die Ungarn kürzlich sogar mit 0:4 unterlag.

Unabhängig vom Ergebnis und der schwachen Leistung am Freitag präsentierte sich die deutsche Elf aber auch schon in den Auftritten vor diesem Kräftemessen am fünften Spieltag der Nations League häufig vergleichsweise uninspiriert. Wie auch schon unter Löw schwankten die Leistungen zuletzt immer noch sehr.

Eine wirkliche Aufwärtsentwicklung ist auch unter Flick nicht zu sehen. Nicht umsonst ist der Gruppensieg in der Nations League mit einer Bilanz von einem Sieg, drei Unentschieden und jetzt eben auch dieser Pleite nach fünf Spieltagen enttäuschend. Vier Punkte Rückstand und deren zwei auf Italien entspricht längst nicht dem, was eine Mannschaft, die nach eigenem Bekunden in Katar um den Titel mitspielen will, zeigen sollte bzw. müsste.

Am Montag geht es für die Flick-Truppe auswärts gegen die bereits jetzt als Gruppenletzter feststehenden Engländer. Mit der Leistung vom Freitag dürfte es aber auch in Wembley vermutlich sehr schwer werden, den zweiten Sieg in der Gruppenphase einzufahren. Und für das jetzt schon angeschlagene Selbstvertrauen der Deutschen wäre eine neuerliche Pleite fatal…. War das Spiel in Leipzig vielleicht ein Weckruf zur rechten Zeit? Man darf gespannt sein, wie sich die DFB-Auswahl am Montagabend in London präsentieren wird.

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7 Kommentare

  1. #1 | Helmut Junge sagt am 24. September 2022 um 16:31 Uhr

    Ich habe das Spiel gestern Abend ähnlich gesehen wie du Robin. Keine Entwicklung seit Loew.

  2. #2 | Walter Stach sagt am 24. September 2022 um 19:25 Uhr

    Robin, Helmut

    einverstanden.

    Hatte Ihr Anderes ( (Besseres) erwartet ? Wenn Ja, dann frage ich nach dem Warum..

    Ich habe kurz vor diesem Länderspiel teilweise die U 23 gegen Frankreich spielen sehen – „hochverdient 1:0 für Frankreich-. . Spielerisch u.a. in Sachen technische Fähiegkeiten7Fertigkeiten, in Sachen Schnelligkeit und Zweikampfführung, in Sachen der sog. Spielintelligenz- .lagen „Welten“ zwischen der überragenden Leistung der französischen gegenüber dem was der „deutsche Nachwuchs“ zu bieten hatten.
    Was läuft da -grundsätzlich und seit Langem?- schief in der deutschen Fußball-Welt?
    .

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 24. September 2022 um 20:45 Uhr

    @Walter: Der nach der WM 2018 in Russland angekündigte Umbruch im DFB wurde zu lange hinausgeschoben. Streng genommen wurde er trotz des Trainerwechsels noch immer nicht vollzogen. Trotzdem hätte ich gestern nicht mit einer soooo schwachen Leistung gerechnet. Einfach deshalb, weil es kurz vor der WM nicht mehr viele Möglichkeiten für die Spieler gibt sich zu zeigen….

  4. #4 | ke sagt am 24. September 2022 um 21:20 Uhr

    Kann mir nicht vorstellen, dass diese Kirmes Cups mit Reisen etc. wirklich zu motivierten Spielern führen.
    Aktuell haben die Vereine doch genügend Herausforderungen/Probleme und die Saison ist lang.

    Kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Spiel der Mannschaft gesehen habe.

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 24. September 2022 um 21:35 Uhr

    @KE: „Kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Spiel der Mannschaft gesehen habe.“

    Ich bin ja auch eher ein Fan des Vereinsfußballs. Aber hin und wieder schaue ich eben auch Nationalmannschaften an. Und wenn, dann will ich ein unterhaltsames Spiel sehen. Das war gestern leider so gar nicht der Fall. Dafür war Deutschland einfach zu schlecht. Und dafür macht die Bundesliga dann Pause… 😉

  6. #6 | Walter Stach sagt am 25. September 2022 um 16:10 Uhr

    400..000 E pro Spieler, wenn Deutschland Weltmeister wird -höre und lese ich so eben..

    Ein Meinungsstreit darüber könnte naheliegen, erscheint mir jedoch als zwecklose, sinnlose Zeitvergeudung u.a. mit Blick auf die Millionäre im DFB-Trikot, die ggfls. die 400.000 kommentarlos als Taschengeld „einstecken“ würden.

  7. #7 | Präsentiert sich so ein ernsthafter Anwärter auf die Weltmeisterschaft? | Ruhrbarone sagt am 27. September 2022 um 11:40 Uhr

    […] ernsthaft um den Titel spielen zu können, offenbart diese Mannschaft derzeit einfach (noch) viel zu viele Schwächen, die sich von der Abwehr bis in den Sturm erstrecken. Es scheint jede Menge Arbeit vonnöten zu […]

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