Polit-Besuch in Bochum: Heidi Reichinnek war da

Empfang wie bei einem Popstar: Heidi Reichinnek trat heute zusammen mit Batıkağan Pulat für „Die Linke“ auf | Foto: Peter Hesse

Mit ihr erlebt die Partei „Die Linke“ gerade einen wahren „Heidi-Hype“: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Insa war Reichinnek im April die beliebteste Politikerin Deutschlands. Und da zeichnete sich auch bei ihrem Besuch heute Mittag in Bochum ab: Reichinnek wurde von geschätzten 700 Besuchern empfangen wie ein Popstar.

Bis vor einigen Jahren tat sich „Die Linke“ noch schwer, ein klares politisches Profil zu entwickeln und ihre zentralen Themen deutlich zu vermitteln. Besonders im August 2021, als Gregor Gysi in Bochum für „Die Linke“ da war. Der Linkspartei-Politiker vertrat damals bei einem Wahlkampfauftritt in Bochum die Ansicht, die Bundesrepublik verhalte sich seit 1949 wie ein Vasallenstaat der USA. Das gefiel den etwa 70 anwesenden Antiimperialisten – viele bärtige Rentner und Ewig-Gestrige Alt-Kommunisten darunter. Dazu gab die schlechteste Currywurst der Welt. Heute scharten sich 700 Besucher und es war ein bisschen so, als wäre die Lady Gaga der deutschen Bundespolitik aufgetreten.

Auffällig war, wie viele junge Leute im Publikum saßen – und vor allem, wie viele junge Frauen. Reichinnek traf mit ihren Themen den Nerv: bezahlbare Mieten, mehr Geld für Unis und Feminismus in einer von Männern geprägten Gesellschaft. Und warum trägt Heidi Reichinnek eigentlich ein Tattoo von Rosa Luxemburg auf dem Arm? In ihrer Rede erklärte sie: „Rosa Luxemburg hat gezeigt, dass in der Politik Menschen stecken, die für Menschen etwas bewirken wollen. Und dafür sind wir alle da – nicht als Selbstzweck, sondern weil wir etwas für die Menschen erreichen wollen. Und das ist für mich einfach unglaublich wichtig, sie dann auf meinem Arm dabei zu haben.“

Horst Hohmeier von „Die Linke“ Bochum erzählte in seinem Vortrag stolz, dass sich die Mitgliederzahl seiner Partei vor Ort in nur zwölf Monaten vervierfacht hat. Woher kommt dieser Aufwind? Ein Besucher brachte es so auf den Punkt: „Wenn ein Filialleiter im Supermarkt heute fast 60 Stunden die Woche ackert und am Monatsende nur 2.200 Euro brutto sieht, fühlt er sich bei der ehemaligen Arbeiterpartei SPD nicht mehr zu Hause. Solche Leute finden sich inzwischen bei Die Linke besser vertreten.“ Heidi Reichinnek griff den Faden auf – und streute ganz nebenbei ein: „Ich mag das Ruhrgebiet echt gerne, eine meiner besten Freundinnen wohnt in Dortmund.“ Das Publikum reagierte sogar auf solche Randbemerkungen mit großem Applaus. Ob man sie nun feiert oder kritisch sieht – diese Resonanz auf ihre Person ist schon bemerkenswert.

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