Putin wird nicht aufhören, bis er tot oder geschlagen ist

Vladimir Putin Foto: Kreml Lizenz: CC-BY 4.0

Wer glaubt, die Ukraine opfern und dann zur Tagesordnung zurückkehren zu können, irrt.

Niemand weiß, wie lange der Krieg in der Ukraine dauern wird. Dass es den tapfer kämpfenden ukrainischen Truppen ohne massive militärische Hilfe des Westens gelingen wird, die russischen Invasoren zu schlagen ist unwahrscheinlich. Auch wenn ukrainische Truppen beeindruckende Erfolge erzielen konnten, spricht die Ökonomie des Krieges für Putin: Er kann seine Verluste ausgleichen, die Ukraine nicht. Daran ist auch Deutschland schuld, das sich weigert, dem angegriffenen Land Waffen zu liefern. Malte Lehming schrieb im Tagesspiegel: „Die Ukraine kann Russland militärisch nicht Paroli bieten. Sollte sie es mit Hilfe westlicher Waffen versuchen, könnte Putin das als Vorwand nehmen, noch härter zuzuschlagen.“ Da ist sie, die Illusion, dass Wehrlosigkeit weniger Leid verursacht als die Fähigkeit, sich selbst verteidigen zu können. Auch wenn Putin gewinnt: Je länger der Krieg dauert, je höher die Opfer aus russischer Seite sind, umso mehr könnte die Position des russischen Präsidenten geschwächt werden. Ein schneller Waffengang mit wenigen Opfern auf der eigenen Seite wird ihn hingegen stärken.

Wer glaubt, Putin würde nach dem Waffengang in der Ukraine seine Eroberungspolitik beenden, ist naiv. Putin will das Russische Reich wiederherstellen. Die Wirtschaft Russlands ist auf den Export von Bodenschätzen und Agrarprodukten angewiesen. Über beides verfügt nicht nur die Ukraine, sondern viele Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Sie sind seine nächsten Ziele. Doch es sind nicht nur Großmachtträume und Raubwirtschaft, die Putin antreiben. Er weiß, dass er sich an der Spitze des russischen Staaten halten muss, koste es was es wolle: Demokratische Politiker gehen irgendwann in Rente. Diktatoren wie Putin enden mit einer Kugel im Kopf oder, wenn sie Glück haben, vor Gericht.

Der nun in der Ukraine begonnen Krieg Putins gegen den Westen kann durch Verhandlungen und eine Niederlage der Ukraine vielleicht unterbrochen werden. Sein Ende wird er erst finden, wenn Putin tot oder geschlagen ist. Die alte Logik von Macht und Krieg, sie ist wieder da. Und wer sich ihr verweigert, wird zu den Verlierern gehören.

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29 Kommentare

  1. #1 | Lehmbruck sagt am 25. Februar 2022 um 10:27 Uhr

    Dass Deutschland schon bei harten Wirtschaftssanktionen wie SWIFT-Ausschluss ausschert, lässt jedenfalls nichts Gutes erwarten. Natürlich wird das Heizen jetzt teuer. Aber was muss man in der Ukraine denken, dass und solche Sorgen jetzt mehr umtreiben als die Frage,ob es das größte europäische Land noch auf der Landkarte geben wird! Und welchen Respekt flößen wir damit dem Kreml ein? Wir finanzieren Putins kleptokratische Kriegswirtschaft noch mit, weil wir uns noch mehr als andere Länder von russischen Gas abhängig gemacht haben. Dass wir den Russen die Tanks überlassen und North Stream 2 gegen die anderen Europäer durchgesetzt haben, war unentschuldbare geopolitische Stümperei.

  2. #2 | Bochumer sagt am 25. Februar 2022 um 10:29 Uhr

    Es hängt wesentlich von der Reaktion im Westen ab, ob Putin weiter macht. Ich sehe keine Belege, dass er die Nato-Staaten angreifen wird. Auszuschließen ist es nicht, schnelle Aufrüstung tut not.

    Die Rechnung, dass jeder Tote und Tag Krieg Putins Position schwächt, ist richtig. Nur: Will man deswegen, dass Menschen sterben? Es werden mehr Ukrainer als Russen sein. Wir sollten auf jeden Fall sagen, dass jeder russische Dessateur Aufnahme in der EU findet. Das wäre gut, um die Kampfkraft zu schwächen.

  3. #3 | Helmut Junge sagt am 25. Februar 2022 um 14:42 Uhr

    Der russische Angriff hat sich enorm verlangsamt. Er stockt. Einige wichtige Brücken sind gesprengt worden. Z.B. über die Seym. Da geht es dann nicht weiter zum Zangenangriff Richtung Kiew, und der Plan geht nicht auf. Zudem scheint der ukrainische Widerstand größer zu sein, als berechnet. Es geht nicht schnell, sondern langsamer als gedacht. Darum gibt es ein Verhandlungsangebot zu Verhandlungen in Minsk.
    Putin hat sich wohl verkalkuliert. Falls das stimmt, wird er ganz sicher von seinen Leuten rasiert.

  4. #4 | Werntreu Golmeran sagt am 25. Februar 2022 um 15:53 Uhr

    # Helmut Junge

    Das kann so oder so ausgehen. Wenn Putin nur ein Viertel so verrückt ist, wie er in unseren Medien dargestellt wird, wird er auch vor einem Bombenkrieg zurückschrecken, wie ihn die Koalition der Willigen im Irak praktiziert hat. Ich hoffe für die Ukrainer, dass er auf atomar angereicherte Munition verzichtet. Zu hoffen, dass er anders als die NATO darauf verzichtet, Krankenhäuser und Schulen zu bombardieren, wäre wohl naiv.

    Vielleicht ist er auch in eine Falle der Chinesen getappt, die – wie beim ersten Golfkrieg die Amerikaner gegenüber Sadat den Eindruck vermittelt haben einen Einmarsch in Kuwait zu tolerieren – gegenüber Putin den Eindruck vermittelt haben, nicht gegen einen Einmarsch in der Ukraine zu haben und ihn jetzt zurückpfeifen bzw. im Regen stehen lassen.

    Kriegszeiten sin Scheisszeiten. Am Ende verdienen daran noch einige wenige Reiche und werden noch reicher und der arme Teil der Bevölkerung muss es bezahlen und die Kinder als Soldaten zur Verfügung stellen.

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 25. Februar 2022 um 16:36 Uhr

    Wenn er auch Kiew nicht so schnell in die Zange nehmen kann, wie vermutet, haben die russischen Truppen im Süden eine wichtige Brücke Richtung Odessa zurückerobert. Auch der Weg nach Mariupol ist umkämpft. Also ist Putin doch noch nicht gescheitert. Ich war wohl vorhin etwas voreilig. Es geht halt alles nur langsamer. Wenn er Odessa kriegen sollte und auch Mariupol, wäre die Ukraine ein Binnenland ohne Zugang zum Meer. Aber bis Odessa gibt es noch einige Brücken, und Mariupol wird stark verteidigt.

  6. #6 | Berthold Grabe sagt am 25. Februar 2022 um 17:07 Uhr

    Die Nato kann nicht eingreifen, aber es ist völkerrechtlich erlaubt und sogar geboten Waffen zu leifenr zur Selbstverteidigung.
    Da versagt Deutschland mal wieder vollständig. Wir konnten zwar die Freiheit anderer im WKII mit Füßen treten, aber soweit, das wir andere davor schützen sind wir leider nie gekommen.

  7. #7 | abraxasrgb sagt am 25. Februar 2022 um 17:09 Uhr

    Räusper … Helmut, die Ukraine ist jetzt schon faktisch ein Binnenland … 😉 Ansonsten ist das „Land“ doch ein Internationaler Intensivpatient, denn es „überlebt“ gerade sozusagen nur durch die internationale Berichterstattung, zu der es vermutlich aus eigener Kraft kaum noch in der Lage wäre.

    Da hat jemand „Schach“ gesetzt, während man sich selbst im „Mensch ärgere Dich nicht“ wähnte(sic!)

    Immerhin wird jetzt klar, was vorher unbeliebt war: Unsere Sicherheitsorgane (innen, wie außen) wurden über mehr als ein Jahrzehnt vernachlässigt oder stark geschwächt bzw. abgeschafft.
    In der Ukraine hat quasi jeder Mann eine militärische Grundausbildung. Wir in Deutschland hingegen leisten uns mal wieder den paradoxen Luxus z.B. privaten Selbstschutz abzubauen, während wir gleichzeitig den staatlichen Schutz verringern. Schizophrenie könnte doch glatt eine deutsche Erfindung sein #scnr

    Die übliche „Personalisierung“ des Bösen auf den/einen Präsidenten, missversteht Gesellschaften völlig falsch … ich weiß zu wenig über die russische Geschichte und Kultur, aber das Muster scheint mir weniger persönlich(Repräsentant), als ideologisch(systemisch) und damit endemisch unausrottbar.

  8. #8 | Berthold Grabe sagt am 25. Februar 2022 um 17:13 Uhr

    Es bleibt auch die Frage was die 900.000 Einberufenen bewirken können, sie können russische Nachschublinien selbst mit mangelndem Gerät und Ausrüstung abschneiden.
    Im Gegensatz zur militärisch völlig inkompetenten Politik schätzt das deutsche Militär diesen Faktor als nicht zu unterschätzen ein. Die Bereitschaft und Entschlossenheit der Einberufenen wird als hoch eingeschätzt.
    Wir werdne in den nächsten Tagen sehen, ob das stimmt.
    Die jüngsten Pressemitteilungen inkl. des Verhandlungsvorschlages Putins lassen jedoch den Schluss zu, das er sich verzockt haben könnte.

  9. #9 | Berthold Grabe sagt am 25. Februar 2022 um 17:16 Uhr

    Nach seinen massiven Lügen gegen westliche Politiker kann es keine Zugeständnisse mehr bei Verhandlungen geben, die nicht überprüfbar oder durchsetzbar sind. Putin ist schlicht nicht mehr verhandlungsfähig.

  10. #10 | Werntreu Golmeran sagt am 25. Februar 2022 um 17:19 Uhr

    Erratum:

    Es muss natürlich heißen:

    …wird er auch NICHT vor einem Bombenkrieg zurückschrecken…

    leider.

  11. #11 | Helmut Junge sagt am 25. Februar 2022 um 19:35 Uhr

    @Werntreu Golmeran, stimmt, Kriegszeiten sind Scheißzeiten. Darum hatte ich mich vor 50 Jahren mit dem Lesen von Kriegstheorien gequält. Ich wollte wissen, wann ich abhauen muß.
    Jetzt bin ich zu alt dazu und muß leider hier bleiben. Aber ich will wissen, was die im Kriegsfall anstellen können. Denn auch Deutschland ist nicht sicher, wenn Putin sich mit Krieg durchsetzt, wo er in Verhandlungen gescheitert ist. Eine so große Stadt wie Kiew einzunehmen, ist allerdings äußerst verlustreich für den Angreifer. Aber er hat etwas Zeit.
    Die Russen und auch die Chinesen verfügen über Hyperschallraketen, die lenkbar sind. Die Flugbahn ist vom Feind nicht berechenbar und sie sind schnell. Sie treffen und zerstören ohne Möglichkeit zur Gegenwehr. Die Amerikaner haben das nicht und sind frühestens 2023 soweit. Die Russen haben im konventionellen Krieg also einen Vorsprung von einem Jahr.
    Dieser technologische Vorsprung scheint so bedeutsam zu sein, daß Putin sich für unüberwindbar hält. Das ist sein Trumpf. Er hat ein Jahr lang Zeit. Danach ist vermutlich wieder ein Gleichgewicht in der Waffentechnologie unterhalb der atomaren Schwelle.
    Wenn ich mich in seinen Kopf hineindenke, wird er versuchen, alle seine Probleme in seinem Sinne zu lösen. Einige hat er nur leicht verschlüsselt genannt. Er will die Nato weg haben. Aus seiner Nähe, aus dem Schwarzen Meeraus Osteuropa und sogar aus dem Mittelmeer. Darum halten ihn viele Politiker für wahnsinnig. Aber er ist es nicht. Die Europäer halten sich technologisch für die Creme der Welt. Das dauert lange, von diesem hohen Roß zu herunter zu kommen. Anfangs haben unsere Mediziner auch über die Masken gelächelt. Wir sind aber technologisch extrem rückständig.
    Eigentlich sind wir sogar technikfeindlich.
    Leisetreten liegt uns aber nicht. Wie können also Politiker wissen, wie hoch das Risiko ist, mit solchen skrupelosen Diktatoren zu verhandeln, die über solche Dinge verfügen, wenn sie nicht wissen wovon der Verhandlungsgegner redet. Und von diesen Diktatorentypen gibt es viele. Einige haben sehr viel Macht.
    Eine grüne Stadträtin, die in ihrer Fraktion über ihren Besuch im Stahlwerk gefragt wurde, was sie denn da so gehört hätte, soll geantwortet haben: "Ach, irgend so einen Kohlenstoff- Bliblablubb".

  12. #12 | Angelika, die usw. sagt am 25. Februar 2022 um 21:18 Uhr

    Niemand zwang Deutschland die Bundeswehr schlecht auszustatten.

    Immer, wenn ich Meldungen dazu las, fühlte ich mich unwohl.

    Nun ja …

  13. #13 | Robin Patzwaldt sagt am 25. Februar 2022 um 21:23 Uhr

    Wobei das mit der schlecht ausgestatteten Bundeswehr auch so ein Dauerthema ist, das man als Außenstehender nur schlecht bewerten kann. Schon als meine ehemaligen Mitschüler im Jahre1990 zum Wehrdienst eingezogen waren, wurde laut über die schlechte Ausstattung gejammert. Und auch bei mir in der Feuerwehr, wo ich von 1989 bis 1997 meinen Ersatzdienst abgeleistet habe, wurde ständig gejammert, weil man möglichst viel neue Ausstattung herausschlagen wollte…. Diese Meldungen würde ich also zunächst einmal eher kritisch betrachten, weil sie zum 'Klappern' dazuzugehören scheinen.

  14. #14 | Angelika, die usw. sagt am 25. Februar 2022 um 21:46 Uhr

    #13
    Ich kenne sowas "…möglichst viel Ausstattung herausschlagen…" von der Uni (lange her …), bekam einiges mit, als ich als studentische Hilfskraft arbeitete.

    Aber -> ABER! -> bei der desolaten Ausstattung der Schulen (Digitalisierung u.v.a.m.), bei der maroden Infrastruktur (siehe Artikel über Brücken, hier bei Ruhrbarone) neige ich dazu, all den Klagen der Bundeswehr zu glauben.

  15. #15 | ke sagt am 25. Februar 2022 um 21:48 Uhr

    Bei Putin erinnert mich viel an "Ich sitz in meinem Bonker" von W. Moers. in dem korrupten System lebt es sich gefährlich. Die schlampigen "Sender Gleiwitz" Aktionen zeigen doch, dass hier alles egal ist. Noch nicht einmal eine Kulisse wird glaubwürdig aufgebaut.

    Offen bleibt, wie sich das russische Volk verhält und wie man sich eine Ukraine dauerhaft vorstellt. Irgendwann sind die Vasallen-Regionen im direkten Umfeld nicht mehr unterdrückbar.

    Es bleibt nur zu hoffen, dass Putin nicht alle in seinen Untergang mitreißen wird.
    Dann bleibt offen, wie die asiatischen Großmächte mit Grenzinterpretationen die Signale aufnehmen.

    Es war fahrlässig, sich als Land wie Deutschland erpressbar zu machen. Dabei ausgerechnet auf Putins Rußland zu setzen, ist einfach nur dumm?
    Wer Gasspeicher verkauft und nicht absichert, dass sie auch vor dem Winter gefüllt sind, muss den Kalten Krieg nie erlebt haben.
    Was ist eigentlich mit den Kohlereserven, die wir mal hatten und die auch für die Subventionen des Bergbaus zum Zivilschutz herhalten mussten?

    Insgesamt ist es fatal, dass sich Deutschland in eine Situation gebracht hat, die es sehr einfach erpressbar gemacht hat. Wir haben auch eher hohe absolute Militärausgaben, die in einer Größenordnung mit F und GB liegen. Wo bleibt das Geld?

    Diplomatie, Aufklärung etc. fehlen wohl komplett.
    Der BND Chef ist in Kiew und weiß nicht, dass der Krieg beginnt. Das sagt eigentlich alles bzgl. einer Realitätsverweigerung und dem Mangel an Einschätzungen.

    Insgesamt ist das alles sehr deprimierend.

  16. #16 | Helmut Junge sagt am 25. Februar 2022 um 22:48 Uhr

    @Angelika, die usw., @Robin Patzwaldt, ich glaube, daß die Bundeswehr im Rahmen des Verfügbaren gut ausgestattet ist. Aber in der gesamten Nato gibt es keine brauchbaren Hyperschallraketen. Die Russen verkaufen sie uns auch nicht. Die müssen unsere Wissenschaftler und Ingenieure selber entwickeln. Und das klappt nicht. Das paßt doch zu meiner alten Klage, daß schon unsere Kinder und unsere Jugend nicht technikfreundlich ausgebildet werden. Das war zu meiner Zeit deutlich anders.
    Aber die Chinesen haben diese Waffen auch. Die sind eben sehr technikfreundlich. Wir werden an den vielen Sozialwissenschaftlern, die wir an den Unis ausbilden, noch schwer zu knacken haben, weil die von tuten und blasen zwar keine Ahnung haben, aber als Akademiker gute Posten besetzen, die sie absolut nicht beherrschen. Und erfinden werden die auch nichts. Ich hatte doch vor einigen Jahren drei Artikel über den Beginn der europäischen Kolonialisierung geschrieben. Und ich habe sie auf Erfolge der Technikentwicklung zurückgeführt. Die Potugiesen hatten damals mit wenigen Schiffen die Flotte des ägyptischen Sultans versenken können, weil sie Schiffe hatten, die sich drehen konnten und so den Gegner mit voller Breitseite brschießen konnten. Es ging nie um Mut oder größere Brutalität, sondern um technische Überlegenheit. 80 Jahre später haben die Engländer die Spanische Armada geschlagen, weil ihnen gelungen war, Kanonen aus Eisen zu gießen, die mit größeren Pulvermengen schießen konnten, ohne selber zu bersten. So konnten sie
    die spanischen Schiffe aus sicherer Entfernung zerstören, denn die Bronzekanonen der Spanier konnten nicht so weit schießen. Heute ist es ähnlich. Putin verfügt über Hyperschallraketen, und kann damit Schiffe und andere Objekte zerstören, ohne daß die das auch nur eine Sekunde vorger bemerken. Die Amerikaner arbeiten wie verrückt daran, diesen russischen Vorsprung einzuholen. Die Idee ist früher aufgegeben worden, weil sie esnicht geschafft hatten. Aber wenn sie jetzt Putins Armee angreifen wollten, hätten sie wegen dieser Waffen extreme Verluste. Hyperschallraketen helfen Putin aber nicht bei der Eroberung der Ukraine. Da müssen seine Soldatenschon zu Fuß rein.
    Und dabei sind sie eben nicht geschützter als die Ukrainer. Nur von außen kann ihn niemand stoppen. Es geht also nicht um Waffen, sondern um Waffen, die es in der Nato noch nicht gibt. Da hilft kein Mut und keine Truppenstärke, sondern Erfindungsgeist. Und der hängt mit der Schulbildung und Interesse an Technik zusammen. Und natürlich an der Akzeptanz von Technik in der Bevölkerung.

  17. #17 | SvG sagt am 25. Februar 2022 um 23:27 Uhr

    Lala-Land ist abgebrannt. Politische Macht kommt aus den Läufen von Gewehren, habe ich mal in einem kleinen roten Buch gelesen. Diese und andere grundlegenden, unveränderlichen politischen Wahrheiten wurden in Deutschland zugunsten "neuer Narrative" verleugnet. Daß diese nur Wunschdenken sind, der Kaiser nackt ist, wurde schon während der Unfähigkeit und -willigkeit, die deutschen Grenzen zu schützen, sichtbar. Während der Pandemie zerplatzte die Mär von der deutschen Effektivität, und nun ist auch die Merkel-Steinmeiersche Träumerei von Partnerschaft auf Augenhöhe mit Putin, demnächst Chi-Chi Ping verblasst. Die nehmen alle gerne unser Geld und unser Know-how, dann lachen sie uns aus. Das Geseiere von dem hohen Preis, den u.A. Deutschland Putin zahlen lassen will, ist doch das Pfeifen im Walde.
    Falls Deutschland und der Westen Rußland wirklich treffen will, darf es keinen Handel, kein Öl oder Gas, keine Visaerteilung, keine Oligarchenvereine, keine Studenten usw. mehr geben. Das wird kurzfristig teuer für uns werden, langfristig hilft es uns, uns wieder unabhängig von der kriminellen Mörderbande in Rußland und folgend dann hoffentlich China zu machen.
    Und wenn der machttechnische Unterbau des Kreml nicht mehr bei uns die Dekadenz pflegen darf, wird sich nur vielleicht etwas ändern. Und Gerhard Schröder gehört ausgebürgert.

  18. #18 | Werntreu Golmeran sagt am 26. Februar 2022 um 01:09 Uhr

    @ Helmut Junge

    Sie haben absolut recht, dass unser Schulsystem völlig desaströs ist, was MINT betrifft. Chemie und Informatik auf dem Gymnasium meiner Kinder war schlechter als bei mir in den 80ern. Mathe und Physik ging noch, Technik (Wofür braucht man denn sowas?) einfach inexistent.

    Aber irgendwie ist es schon Paradox, dass die Russen das hinkriegen, obwohl Putin ja immer vorgeworfen wird, Russland sei wirtschaftlich und technologisch überall hinterher.

    Und nach dem, was ich von einem Bekannten erfahren habe, der Russe ist, zahlen die den Ingenieuren in der russischen Rüstungsindustrie alles andere als Spitzengehälter.

    Aktuell habe ich die Sorge, dass – wie bei Corona – in Panik Aktionismus-Anschaffungen für die BW getätigt werden ohne auf die Qualität und den Preis zu schauen, wobei sich dann wieder die üblichen Typen die eigenen Taschen vollstopfen.

    In den USA mögen diese Ultraschall-"Bliblablubbs" vielleicht eine Art Sputnik-Schock ausgelöst haben, hier in der BRD wird man den Knall aber wahrscheinlich nicht gehört haben.

  19. #19 | Olaf Schönfeldt sagt am 26. Februar 2022 um 07:47 Uhr

    Ich glaube hochtrabendes blabla hilft jetzt keinem mehr.. es sterben Menschen, Europäer, jetzt schäme ich mich als Deutscher, wir sollten uns an der Seite unserer Mitmenschen in der Ukraine zeigen.. die Politik ist gescheitert, erwartungsgemäß.
    Wenn sich die meisten freiheitsliebenden Menschen auf den Weg machen würden.
    Ein moderner Kreuzzug der Gegenwart. Handeln ist das Gebot der Stunde.
    Jeder der jetzt nur zuschaut, der weiß wie es sich anfühlte Hitler an allem gewähren zu lassen. Die Schuld durch Unterlassung. Unserer Berichterstattung geht es nur um Quoten. Worum geht es dem Betrachter?

  20. #20 | Helmut Junge sagt am 26. Februar 2022 um 10:38 Uhr

    Ich kann mir nicht helfen, aber die russische Invasionsarmee steckt fest. Und das trotz der enormen Waffenüberlegenheit. Offenbar sind sie von viel weniger Widerstand ausgegangen. Da wurden ein paar Brücken gesprengt, und die Truppen kommen nicht vorwärts.
    Ich mache mir allmählich darüber Gedanken, was Herr Putin tun wird, wenn er nichts erreicht. Denn dann steht er nackt da. Ganz nackt.
    Was also könnte in einem solchen Fall geschehen?
    Für mich steht fest, daß er noch viele Kommandos geben wird, die aber große Verluste für seine eigenen Soldaten bringen werden. Dann geht es vielleicht doch noch weiter mit seinem Vormarsch. Und es wird noch mehr Infrastruktur in der Ukraine zerstört. Putin wird nicht aufgeben, nur weil seine Armee feststeckt. Nein das wird er nicht. Es gibt zur Zeit einige spektakuläre, aber sinnlose Luftlande operationen in der Westukraine. Diese Leute sind dann hunderte Km von ihren Truppen entfernt, und kommen nicht weg. Machen seine Soldaten das alles mit? Ich schätze, daß er jetzt bald Angst kriegen wird. Um sich selber. Es werden im Falle des Versagens in Moskau eher noch Köpfe rollen, von Leuten, denen er die Schuld zuweisen wird. Und er wird seine Drohungen an die Welt noch steigern. Er muß ja immer noch einen draufsetzen und Stärke zeigen. Ich habe sowieso das Gefühl, daß er seinen Generälen die Kriegsstrategie vorgibt. So bescheuert kommt die mir vor. Vielleicht wird ihm mit seinen Generälen das passieren, was er den ukrainischen Generälen empfiehlt.

  21. #21 | Nansy sagt am 26. Februar 2022 um 10:38 Uhr

    Herlmut Junge #16:
    "….ich glaube, daß die Bundeswehr im Rahmen des Verfügbaren gut ausgestattet ist."

    Verfügbar wäre vieles, einsetzbar ist wenig. Aus dem Rüstungsbericht des Generalinspekteurs vom 13. Januar 2022:
    „Die materielle Einsatzbereitschaft aller 71 Hauptwaffensysteme hat sich im Berichtszeitraum insgesamt verstetigt und in einigen Bereichen leicht verbessert. Sie liegt mit durchschnittlich 77% geringfügig über den 76% aus dem letzten Bericht. Unsere Zielgröße von 70% durchschnittlicher materieller Einsatzbereitschaft übertrafen hierbei 38 Hauptwaffensysteme, 11 lagen unter 50% (davon 6 Altsysteme). Die durchschnittliche materielle Einsatzbereitschaft von Kampffahrzeugen lag bei 71%, für Kampfeinheiten der Marine bei 72%, für die Kampf- und Transportflugzeuge bei 65%, für alle Unterstützungsfahrzeuge (Logistik, Sanität und CIR) bei 82% und bei den Hubschraubern weiterhin bei 40%.“
    Und die Informationen aus meiner Familie (Bundeswehr) lassen diese Aufstellung noch als geschönt erscheinen. Generalleutnant und Heeresinspekteur Alfons Mais: "Die Bundeswehr ist blank“.
    Wer nun geglaubt hatte, Putins Krieg in Europa hätte die Putin-Versteher und Friedensaufrufer endgültig auf den Boden der Realtät zurückgeholt, wird heute Morgen schon eines besseren belehrt: SPD Fraktionschef Mützenich stellt sich gegen höhere Militärausgaben! Unter rot-grüner "Führung" wird sich nichts ändern, und die CDU ist nicht mehr wahrnehmbar.
    Und nur als Ergänzung zum Elend unserer Regierung: SPD-Minister "Klabauterbach" verurteilt Putin und den Angriff auf die Ukraine. Aber: Die Pandemie müsse bekämpft und weitere Pandemien müssten verhindert werden. Es gäbe „Besseres zu tun, als sich mit den Großmachtfantasien von Putin zu beschäftigen“
    Mehr muss man über den Zustand unserer Wehrhaftigkeit nicht mehr sagen! Armes Deutschland.

  22. #22 | Werntreu Golmeran sagt am 26. Februar 2022 um 11:52 Uhr

    #20

    Leider ist die Berichterstattung über das tatsächliche Kriegsgeschehen sehr schlecht. Es geht vor allem um Stimmung und wemig um Fakten.
    Nachdem der Angriff von Putin gestartet worden ist, sind die Folgen von einzelnen Entwicklungen fast nicht mehr einzuschätzen. Wie Sie sagen, es kann einen kurzen Krieg geben, einen lsngen und verlustreichen, es kann sein, dass Putin mit dem Rücken zur Wand Atomwaffen einsetzt, die dann im Zweifel Westeuropa treffen.

    Und die USA werden dann auch je nach Stand der Dinge ihre Chancen in Syrien neu sbschätzen, ebenso Erdogan. Wenn wir Pech haben, gibt das eine Kettenreaktion und Zum Schluss gewinnen die Chinesen, indem sie sich das alles in Ruhe ansehen

  23. #23 | Helmut Junge sagt am 26. Februar 2022 um 12:30 Uhr

    @Werntreu Golmeran, das Problem mit dieser faktenfreien Betroffenheitsjournalistik stört mich nicht. Ich habe meine Informationen aus einer interaktiven Karte, die alle paar Minuten erneuert wird.
    Leider ist die zur Zeit so ausgelastet, daß man oft mehrmals anklicken muß.
    https://liveuamap.com/

  24. #24 | Werntreu Golmeran sagt am 26. Februar 2022 um 12:53 Uhr

    @ Helmut Junge

    Vielen Dank für den Link!

  25. #25 | Werntreu Golmeran sagt am 26. Februar 2022 um 13:43 Uhr

    Hallo Herr Junge,

    hab mir die Karte mal angeschaut und ich werde nicht ganz schlau aus dem was da vorgeht.

    Da wird eine Brücke vor Odessa gesprengt. Glauben die Ukrainer, dass dann Odessa schwerer eingenommen werden kann? Das führt doch letztlich nur dazu, dass es etwas länger dauert oder Putin die Stadt von See aus in Schutt und Asche bombt. Oder glaubt man doch daran, dass Putin rational handelt und davor zurückschreckt, weil es wohl auch in Russland nicht gut ankäme?

    Interessant wäre es, jetzt darüber nachzudenken, wie man Georgien und Moldawien schützen kann. Was ist mit Aserbaidschan? Wenn man Putin stoppen will, könnte man die Staaten in die NATO aufnehmen. Die Strategen in Brüssel und im Pentagon wissen aber, dass das richtig Krieg bedeuten würde oder dass dann im Gegenzug die Ukraine verloren wäre. Es wird wahrscheinlich also nichts passieren und wenn Putin dann weiterzieht, werden die selben Diskussionen wie heute geführt.

    Und was ist mit Kasachstan?

    Alles sehr spannend!

  26. #26 | H.S. sagt am 26. Februar 2022 um 14:01 Uhr

    Putin wird sich alle! Staaten die vor der NATO-Osterweiterung unter Einfluss der Sowjetunion standen zurückholen. Und er wird es jetzt zeitnah tun! Was will die NATO ihm entgegensetzen wenn er zur Abschreckung eine! Atombombe in Europa zündet, wenn man ihn versucht aufzuhalten? Auch Atombomben zünden? Dann ist Europa total zerstört und tot! Ich glaube nicht, dass die NATO dieses Risiko eingehen wird! Das ist das gefährliche Szenario, dass ins bevorsteht, leider!

  27. #27 | Thomas Klein sagt am 26. Februar 2022 um 14:35 Uhr

    Kugel im Kopf hört sich gut an. Noch besser ist ein ordentliches Gerichtsverfahren, gerne mit einer Verurteilung zum Tode und einer öffentlichen Hinrichtung. Vielleicht würde das als Abschreckung für Diktatoren Kollegen dienen.

  28. #28 | Stefan Laurin sagt am 26. Februar 2022 um 16:37 Uhr

    @H.S.: Am Ende des Tages werden wir vielleicht Atomwaffen einsetzen müssen. Das ist das eben so. Entscheidend ist alleine: Putin darf nicht siegen.

  29. #29 | Christian Scharlau sagt am 26. Februar 2022 um 18:29 Uhr

    @ #28: Genau richtig. Und gerade damit wir nicht eines Tages vor der Wahl stehen, Atomraketen einzusetzen oder Putlers Panzers durchs Brandenburger Tor rollen zu lassen, wäre die einzig richtige, eigentlich, wie heißt das heute so schön, "alternativlose" Entscheidung JETZT ein wirklich MAXIMALES Sanktionspaket, mit sofortigem Ausschluß vom SWIFT-System und einer weitestmöglichen Isolierung des Verbrecherstaates.

    Klar würde das auch die russische Bevölkerung treffen – aber im Gegensatz zu unserer freundlichen Außenministerin glaube ich, daß das auch absolut notwendig ist. Putlers verbrecherische Expansionspolitik ist in Rußland seit 22 Jahren auch deshalb so populär in weiten Teilen der Bevölkerung, weil man dort das Gefühl hat, Rußland könne sich einen ehemals russisch/sowjetisch beherrschten Landstrich nach dem anderen (Tschetschenien, Teile Georgiens, die Krim, das Donbass) wieder einverleiben, ohne daß das für einen selbst irgendwelche spürbaren Konsequenzen hätte.

    Es gibt in Rußland eine Opposition gegen den Krieg.

    Es gibt Menschen, die versuchen zu demonstrieren und die von der allgegenwärtigen Staatssicherheit meistens schon verhaftet werden, bevor sie auch nur ihre Wohnung verlassen können.

    Es gibt "Kulturschaffende" mit Kultstatus wie etwa die Russian-Rock-Gruppe DDT, die im Internet gegen den Krieg protestiert und ein Musikvideo veröffentlicht hat, das "den Psychopathen gewidmet [ist], die versuchen, die Welt in einen großen Krieg zu stürzen" – und sie meinen damit definitiv NICHT John Biden, wie das ja immer noch die Lesart von Putlers treuen Vasallen bei DieLinkeAfDDieFriedensbewegung ist.

    Es gibt tatsächlich offenbar auch eine wachsende Zahl von Russen, die ziemlich verstört sind von Putlers denkwürdigem Fernsehauftritt Anfang der Woche mit der De-facto-Ankündigung des Einmarsches. Verstört nicht so sehr von der Ankündigung des Verbrechens (die Eroberung und Wiedereinverleibung der Ukraine an sich wäre sicher für die allermeisten Russen ein Grund zum ausgelassenen Feiern), sondern davon, daß der Präsident, den alle als absolut eiskalt-rational kalkulierenden und auch so auftretenden Machtpolitiker kennen und – im Falle der meisten Russen – lieben, plötzlich wie eine billige Hitler-Karikatur zu sehen war, der eine Rede hielt, deren Beschreibung von "wirr" bis "bizarre" (der britische Guardian) reichen, und dessen Stimme sich dabei immer wieder ins Kreischende überschlug.

    Ja, es gibt sie, diese Russen, die gegen den Krieg sind oder doch zumindest Zweifel haben. Aber sie sind – davon bin ich mit Viktor Erofeev, einem der bekanntesten russischen Schriftsteller (und Kriegsgegner), fest überzeugt – einstweilen eine kleine Minderheit im Land. In Rußland hat sich bereits in den 1990ern eine aggressiv neoimperialistische Geisteshaltung durchgesetzt, deren Anliegen es war, das Sowjetreich wiederherzustellen. Mir sind viele russische Kontakte bereits vor Putler verlorengegangen, als vermeintlich zivilisierte, gebildete Menschen plötzlich zu geifernden großrussischen Nationalisten mutierten., mit denen ich lieber nichts mehr zu tun hatte. Insofern kann man ach nicht davon sprechen, daß Putler und seine Propaganda die Russen zum Bösen "verführt" hätte n- sondern er ist umgekehrt das passende Monster, das sich eine zutiefst aggressiv revanchistische Einstellung bei einer großen Mehrheit der Bevölkerung geschaffen hat. Und DIESER Mehrheit muß man aufzeigen, daß man nicht ohne Konsequenzen ein Völkerrechtsverbrechen nach dem anderen begehen kann, und wenn der Staub sich gelegt hat, ist wieder "Friede-Freude-Eierkuchen", und der Rubel rollt. DESHALB müssen die jetzt notwendigen Sanktionen wirklich einschneidend sein – und zwar AUCH für die Bevölkerung.

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