Rocken mit Rudi & Ralph

 

Jägermeister bläst zur Rock:Liga 2008, mit Gruppenspielen ausgetragen unter anderem in Bochum und Essen.

In der Zeche Bochum treten heute, Mittwoch, 13. Februar, 20.00 Uhr in der Gruppe B Therapy? (Belfast), Dúné (Skive, DK) und Portugal. The Man (Wasilla/Alaska) gegeneinander an, wobei der Auftritt des Indie-Rock-Trios aus Alaska (eigene Stilbeschreibung: Soul / Progressive / Grime) noch am spannendsten ausfallen dürfte.

Therapy? kann man ja schon als leicht verbraucht zählen; deren beste Phase war Mitte der 90er und danach klingen sie immer noch. Jedenfalls passen sie prima in das seit Jahren gepflegte Veranstaltungskonzept der Zeche Bochum, die sich offensichtlich zum Ziel gesetzt hat, abgehalfterten Prog- und Classic-Rock-Rentnern wie Manfred Mann, Wishbone Ash oder gar gleich einem ganzen CLASSIC ROCK PACKAGE auf verbliebene Lebenszeit Asyl zu bieten. Von der anderen grausamen Ausrichtung (Olaf ‚Lasso‘ Henning) sprechen wir lieber nicht.

Gruppe D findet sich erst in ca 6 Wochen, am 24. März (Ostermontag), um 20.00 Uhr in der Zeche Carl in Essen-Altenessen ein. Mit Mediengruppe Telekommander (Berlin), The Electric Soft Parade (Brighton/UK) und Zoot Woman (London) wird es wesentlich elektrolastiger ausfallen, am wenigsten aber noch bei The Electric Soft Parade: deren Ableger Brakes dürfte ein paar Leuten noch von ihrem damaligen Auftritt im Bahnhof Langendreer als Vorprogramm der Editors in bester Erinnerung sein, beispielsweise die liebevolle zehnsekündige Hommage an Dick Cheney.
Meine persönlicher Favorit der Gruppe D: Zoot Woman. Ist mehr Pop als Rock, dafür aber richtig gut. Eine Woche später, am 31. März, kann man sie nochmals in voller Länge im bis dahin frisch renovierten Prime Club in Köln erleben.

Tickets kosten ca 14 EUR an der Abendkasse.

Zu den Regeln: jede Band darf sich 45 Minuten auf der Bühne austoben. Anhand der Applauslautstärke wird abgestimmt; klingt irgendwie nach Poetry-Slam. Aus jeder Gruppe kommt nur der Erste ins Finale. Das findet in Berlin statt, soll hier also nicht weiter interessieren.

Einen klebrigen Beigeschmack hat die Jägermeister-Veranstaltung dann doch: da wären die nachgesagten – selbstverständlich dementierten – engen Verbindungen zwischen Curt Mast – ein Sohn des Firmengründers Wilhelm Mast – und dem Reichsjägermeister Göring, desweiteren der Miss Arschgeweih contest – mittlerweile arg abgeglitten im Trend und deshalb in Sachen Promotion ersetzt durch die Jägerettes, angeworben als „junge dynamische und selbstbewusste Männer und Frauen im Alter von 20-25 Jahren“, ausserdem die ausgesprochen schicken Merchandising-Artikel wie Hirschfellimitat-Bikini und Arschgeweih-String-Tanga, und nicht zu vergessen dieses süssbraune eklige Kräutergebräu, besonders verheerend in Kombination mit Orangensaft.

Auf der Unternehmens-Webseite finden sich dann noch jede Menge Zahlen, Fakten, Fakten, Fakten und Daten wie
„Jägermeister tritt für den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol ein. Jägermeister meint es ernst“.
Wie ernst sie es meinen, das demonstriert bereits eindrucksvoll die Zugangsbeschränkung auf der Infotainment-Homepage: diese verlangt die Eingabe des Heimatlandes sowie des Geburtsdatums. Und tatsächlich: ist man noch keine 18, kommt man partout nicht rein und wird stattdessen begrüsst mit den warmen Worten „Vielen Dank, dass du so ehrlich bist und zugibst, nicht zu unserer Zielgruppe zu gehören!“ Zur Zielgruppe reichen auch die Jäger nicht mehr aus, was bereits in den 60er Jahren erkannt wurde.

In der Unternehmensrubrik Alkohol und Verantwortung findet sich die Marketing-Maßnahme „keine Darsteller unter 25 Jahren in der gesamten Kommunikation“. Ich empfehle dann mal der Marketing-Abteilung, diese Botschaft mit den Jägerettes abzustimmen.
Die Kurzchronik gibt sich wie erwartet kurz; die meisten Akten seien schliesslich im Krieg verbrannt, heißt es. Abschliessend die neue Kommunikationsstrategie:
„In 2002 wurde das gesamte Kommunikationskonzept noch mal leicht nachjustiert: Der neue Claim ACHTUNG WILD! steht für Kantigkeit, Wildheit und Selbstbewusstsein.“
Das macht mich ganz schwindelig. Ob das auch so in der Rock:Liga praktiziert wird? Bin dann mal gespannt auf die nächste Justierung.

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3 Kommentare

  1. #1 | Ulrich Brosa sagt am 13. Februar 2008 um 08:54 Uhr

    „Jägermeister“-Aufkleber und „Jägermeister-Party“ und „Jeder Jaegi 1 Euro“ werden von Neonazis als Erkennungszeichen benutzt.
    https://www.althand.de/jaegermeister.html

  2. #2 | Markus Becker sagt am 13. Februar 2008 um 14:55 Uhr

    Auf der entspr. Wikipedia-Diskussionsseite, Abschnitt Nazivergangenheit, gibt es übrigens noch einen Hinweis zur Ähnlichkeit des Jägermeister-Hirsches mit dem Abzeichen der 31. SS Division. Ist ganz bestimmt reiner Zufall…:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:J%C3%A4germeister

    Mal abgesehen vom lichtumfluteten Kreuz, das dem wilden und hemmungslosen Hubertus erschien, woraufhin er schwupps geleutert und später zum Heiligen und Schutzpatron der Jäger ernannt wurde. Dabei passt „wild und hemmungslos“ doch viel besser zum neuen Claim des Kommunikationskonzepts.

  3. #3 | ch_we sagt am 14. Februar 2008 um 06:15 Uhr

    [url]https://www.zeit.de/2007/20/Jaegermeister-Rockliga[/url] Jaja, ein schön abgehalfterte Veranstaltung.

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