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Ruhrbarone-Autoren zur Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Chefin

Nicht überall herrscht heute nach der AKK-Wahl die pure Begeisterung. Symbol-Foto: Sebastian Weiermann

Beim CDU-Parteitag in Hamburg wählten die Delegierten gerade Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Vorsitzenden. In der Stichwahl erhält die bisherige Generalsekretärin 517 der 999 abgegebenen gültigen Stimmen und setzt sich damit gegen ihren Konkurrenten Friedrich Merz durch, der 482 Unterstützer hatte. Nötig war eine Mehrheit von 500 Stimmen.

Jens Spahn war bereits nach dem ersten Wahlgang ausgeschieden. Kramp-Karrenbauer war hier auf 450, Merz auf 392 und Spahn auf 157 Stimmen gekommen.

Das Team der Ruhrbarone-Autoren kommentiert die Entscheidung der CDU-Delegierten im Folgenden mit einem gewohnt breiten Meinungsspektrum:

Wolfgang Walk: AKK also. Eigentlich ja egal, welcher der Reiter der Apokalypse die CDU ihrem Untergang als Volkspartei entgegen galoppiert. Und genau das wird geschehen.

Unter Spahn, dem auf sehr seltsame, verdruckst aggressive Art wahrscheinlich pragmatischsten der drei, wäre die Partei am ihm eigenen Reaktionär-Opportunismus erstickt. Unter Merz wäre sie an genau dem Sozialdarwinismus verreckt, auf den sich der Höckeflügel der AfD schon gefreut hat, weil er ihm wie eh und je massenhaft Wähler in die Netze getrieben hätte. Wenn Merz schimpft, die AfD sei eine Schande, dann vergisst er, dass es die von ihm bejubelte Marktradikalität ist, die bis heute die meiste soziale Angst erzeugt und genau jenen Boden bereitet, auf dem rassistische Ängste erst gedeihen können.

Jetzt also Kramp-Karrenbauer. Zum ersten Mal in der Geschichte der Republik stirbt eine Partei vor Langeweile. Das immerhin ist neu.

Es rächt sich eigentlich immer, wenn in einer Partei nur geherrscht werden kann, solange potenzielle Nachfolger weggebissen werden. Und darin war Merkel unübertroffen. Als Resultat sitzt jetzt die B-Liga in den Startlöchern. Weder AKK noch Spahn wären in der Partei vor 25 Jahren viel mehr geworden als stellvertretender Bezirksvorsitzender. Zu langweilig, zu durchschaubar und letzten Endes auch zu wenig visionär, für eigentlich nichts wirklich stehend.
Und Merz‘ Zeit ist seit der Finanzkrise abgelaufen, seine Weltsicht gründlich widerlegt, ja desavouiert.

Was hat die CDU rumgestrunzt, als sich direkt drei mögliche Nachfolger für Merkel fanden. Hätte ich nie gedacht, das am Ende der Merkel-Ära zu schreiben: Man wird sie vermissen – und am allermeisten die CDU. Sie wird jetzt mangels Qualität den Weg der SPD gehen.

Und auch das hatte ich nie gedacht, mal ernsthaft zu meinen: Ich hoffe, mit meiner Vorhergesagten Atrophie der konservativen Volkspartei liege ich falsch.

Robin Patzwaldt: Ich bin kein CDU-Anhänger und werde es wohl auch nicht mehr werden. Trotzdem habe auch ich die Entwicklung des heutigen Tages in Hamburg natürlich mit Interesse verfolgt. Ich hätte Friedrich Merz für die beste Lösung gehalten, da ich ihn von den dreien für den mit Abstand charismatischten Kandidaten gehalten habe. AKK und Spahn sind aus meiner Sicht viel zu unscheinbare, blasse Politiker, denen es schwer fallen wird das Interesse an der CDU und der Politik grundsätzlich wieder zu erhöhen. Merz wäre aus meiner Sicht ein neuer Vorsitzender gewesen, über den man in der Bevölkerung zukünftig gesprochen hätte, über dessen Meinungen man hätte vermehrt debattieren und streiten können. Das wird jetzt leider nichts. Und das sind keine gute Nachricht für alle Politikinteressierten in diesem Lande. Außer für die AfD-Anhängerschaft vielleicht.

Stefan Laurin: Annegret Kramp-Karrenbauer wird die CDU souverän führen, das ist keine Frage. Sie steht eher für Sicherheit und das bedeutet mehr als ein schlichtes „Weiter so“. Merkel hat jetzt gut Aussichten bis zum Ende der Legislatureperiode weiter zu regieren. Und KK könnte dann Kanzlerin werden – im Saarland hat sie bei wechselnden Koalitionen Flexibilität gezeigt – nicht die unwichtigste Eigenschaft einer Politikerin heute. Verlierer ist die SPD, denn KK wird ihr in einem von Polarisierung geprägten Umfeld kaum Platz zum Überleben lassen.

Simon Ilger: Das Gute an Merz wäre gewesen, dass die CDU ihre durch Merkel gewonnenen Sympathien wieder verloren hätte und man die Partei wieder hätte so verachten können, wie sie es verdient. Wenn Kramp-Karrenbauer den merkelschen Stil nun fortsetzt, ist das für die Menschen zwar besser als eine Merzsche CDU – für meinen inneren Seelenfrieden jedoch weiterhin kompliziert.

Sebastian Weiermann: Langweilig, öde, CDU!

Peter Hesse: Momentan hätte ich am liebsten einen Heiner Geißler in der 2.0-Version für das Amt des CDU-Vorsitzes. Merz ist zu eitel und könnte auch noch ein paar giftige Papiere in der Black-Rock-Schublade liegen haben, AKK ist bislang noch zu farblos – nach einer knappen Stichwahl hat sie sich schlussendlich doch durchgesetzt. Gesundheitsminister Spahn bildet die CDU nicht ab, dafür ist er einfach nicht massentauglich genug. Was bitter ist, dass keiner der dreien bislang etwas Brauchbares zur Selbstzerlegung Großbritanniens gesagt hat, den Gelbwesten-Terror in Frankreich kommentiert hat oder dem dramatischen Finanz-Dilemma in Italien etwas Konstruktives mit auf den Weg geben konnte. Europa zerbröselt vor unseren Augen und scheinbar ist es wichtiger, wie viele Privatflugzeuge ein neoliberaler Millionär aus dem Sauerland besitzt. Die Weltordnung gerät immer mehr aus den Fugen, in dem das transatlantische Bündnis keine tragende Rolle mehr spielt. Sicher, das Amt des CDU-Vorsitzenden ist kein erlernbarer Beruf, den man mit einer IHK-Prüfung ablegen kann. Trotzdem wünsche ich Annegret Kramp Karrenbauer viel handwerkliches Geschick. Denn die Aufgaben, die auf sie zukommen werden, sind schwer.

Sebastian Bartoschek: AKK also. Das Beste: sie kommt aus dem Saarland und ist weder Oskar Lafontaine noch Erich Honecker. Ich mag das Saarland, es ist eines der schönsten Bundesländer. Und es versteht es gut, seinen Politikerausschuss ans restliche Bundesgebiet weiter zu geben.
AKK also. Die Frau, die von einigen als eine Art „Mini-Merkel“ erlebt wird. Kein Neuaufbruch, ein Weiterso, aber mit neuer Kapitänin – oder vielmehr mit dem ersten Offizier, der jetzt die Brücke übernimmt. Dass AKK die Ehe unter homosexuellen Menschen recht unappetitlich und intelligenzfrei mit Inzucht und ähnlichem gleichsetzte, stört heute keinen mehr. Schnee von gestern.
AKK also. Eine Frau. Allein das gilt ja manchem Linken, auch bei den Christdemokraten als qualifizierend. Nun denn. Der wirklich Qualifizierte und wirtschaftsvernünftige Merz kam da nicht in Betracht.
Letztlich ist das Ganze traurig – für die SPD: die AKK-CDU wird wohl kaum klares nicht-sozialdemokratisches Profil in der Mitte und rechts der Mitte bekommen. Ruhe sanft, Andrea. Immerhin eine Frau ist dann noch Vorsitzende einer Volkspartei.

Karim Dabbouz: Zu so einer dummen Wahl lässt sich nichts Intelligentes sagen.

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11 Kommentare zu “Ruhrbarone-Autoren zur Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Chefin

  • #1
    ke

    Who the fuck is AKK?
    Ich habe die CDU-Vorsitzende bisher -abgesehen vom unausprechlichen Namen- überhaupt nicht wahrgenommen.

    Jetzt haben sich die anderen Parteien so gefreut, dass mit Merz ein Kandidat mit Profil und klarer Kante kommen würde, ohne dass sie mit einer ängstlichen CDU gerechnet hatten, die lieber lieber langsam verblassen will.

    Vermutlich werden das weitere Jahre sein, die die CDU für mich nicht wählbar ist. Aber man weiß ja nicht, was noch passiert. Ein so ängstlicher Haufen muss dringend harte Oppositionsbänke erfahren. Aber vielleicht entwickelt sich die CDU mit der "Unaussprechlichen" noch.

    Es bleibt dabei, Finanzexperten sind den Politikern unheimlich. Wenn er dann noch aus der Wirtschaft kommt. Dabei gibt es doch so tolle Jobs bei Städten, Kreisen, Verbänden, …

  • #2
    Robert Müser

    Tja,
    die CDU möchte wohl gerne weiter in ihren Abstieg geführt werden. Ich denke es könnte klappen ..

  • #3
    Bochumer

    Etwa 0,2 Prozent in Deutschland haben ein Einkommen wie Fritze Merz. Dennoch zählt er sich zur "gehobenen Mittelschicht". Wer so wenig Ahnung von der Lage im Land hat, ist ungeeignet.
    Allerdings dürfte er mit seiner Ahnungslosigkeit nicht allein sein: Unsere gesamte Elite hat eine echte Schlagseite. Das Problem unserer repräsentativen Demokratie sind ihre Repräsentanten.

  • #4
    UIrich

    Für mich war Friedrich Merz vor einigen Wochen noch klarer Favorit als Merkel-Nachfolger. Nicht weil er der beste Kandidat wäre, sondern weil er die ideale Projektionsfläche für diejenigen in der CDU war die einer scheinbar besseren Vergangenheit nachhängen. Aber der Mann ist mal wieder über die eigenen Füße gestolpert. Aussagen zur AfD, zu Polizisten statt Türstehern vor Berliner Clubs, Subventionen in einstelliger Milliardenhöhe für die Altersvorsorge in Aktien, Streichung des Asylrechts aus dem Grundgesetz, etc.

    Angela Merkels große Stärke ist dass sie selbst kaum vermeidbare Fehler macht und abwarten kann bis ihre Gegner eben diese Fehler machen und sich selbst aus dem Spiel nehmen. Friedrich Merz hat nicht zufällig gegen Merz den Kürzeren gezogen als es um den Vorsitz in der Unionsfraktion im Bundestag ging. Und er hat jetzt auch nicht zufällig gegen die Merkel-Vertraute AKK verloren. Hätte er sich selbst so im Griff wie Merkel es hat wäre er jetzt CDU-Vorsitzender.

  • #5
    Ke

    #4 Ulrich
    Gut, dass in Deutschland Geldverdienen nur anerkannt wird, wenn man als junger Mann einem Lederball hinterher rennt und dabei Millionengagen erhält, obwohl man nicht zu den Top 200 der Welt gehört, ist leider bekannt. Das führt zu absurden Vorstellungen bzgl der gehobenen Mittelschicht.

    Die anderen Aussagen sind für mich auch nicht nachvollziehbar. Das ist einfach nur schlecht. Gibt es da keine Berater etc?

    Es fehlen politische Talente trotz der vielen Politikwissenschaftler, und die vielen PR Berater sind offensichtlich auch in einer Parallelwelt. Das gilt sogar in seltenen Fällen für die Ehefrau als PR Beraterin.

  • #6
    Klaus Lohmann

    Saarland, ach Saarland… ’s Annegret (sic!) spielt mit ihren reaktionären Ausfällen ala Homo-Ehe genau die Rolle, die Gerd Dudenhöffer mit seiner "Familie Heinz Becker" als saarländischen Menschenschlag verkörperte (und wer seine Soloprogramme mit dieser Rolle gesehen hat, dem ist da öfters das Lachen im Hals stecken geblieben). Ob es damit die AfD schwächt, muss bezweifelt werden, denn das ist ein zu plumper Fishing-Versuch. Und ob es als innerparteilich anerkannte Integratorin nun eine Spaltung der CDU in Gemäßigt und Rechtsaußen verhindern kann, bleibt abzuwarten.

  • #7
  • #8
    Helmut Junge

    Daß Merz damals von Merkel so problemlos beseitigt werden konnte, und bisher all die Jahre nicht wieder hoch kam, zeigt mir, daß er eine politische Null gegenüber cleveren Politikern zu sein scheint.
    Gegen die angebliche Merkel 2.0 hat er trotz massiver unterstützung durch konservative Medien, auch verloren. Es kommen bewegte Zeiten mit sozialen Spannungen auf uns zu, denen Merz vermutlich schon deshalb nicht gewachsen wäre, weil er kein Gefühl dafür hat. . Der CDU bleibt also ein Desaster mit Merz erspart. Aber ob AKK geeignet ist, wer soll das wissen? Ich bin aber kein CDU-Anhänger. Deshalb habe ich die Berichterstattung im Vorfeld dieser Wahl als pure Wahlwerbung betrachtet, und bin froh, daß das endlich vorbei ist. Können wir jetzt wieder unseren Blickauf Wesentlichen lenken?

  • #9
    discipulussenecae

    Ich verstehe nicht, warum jetzt so lamentiert wird: Ein Wahlkampf in fast allen Parteibezirken, jede(r) Kandidat(i)n kann sich vorstellen und für die eigenen Ideen werben. Und am Ende wird die Frau gewählt – ganz ohne Quotendruck oder Staatsfeminismus. Eine bekennend katholische, seit 34 Jahren verheiratete Mutter von drei Kindern. Das paßt so gar nicht in die rot-rot-grüne Vorstellung einer Führungsfrau. Genauso wenig, wie eine geschiedene, wiederverheiratete, kinderlose ostdeutsche bekennende Protestantin damals in das CDU-Weltbild gepaßt hat.

    Und diese Größe wünsche ich auch einmal den rot-rot-grünen quoten- und vorschriftenfixierten Besserwisser(inne)n … Mit ganz vielen (!!!!!)

  • #10
    ke

    @9 discipulussenecae
    Es wurde schon darauf hingewiesen, dass Herr Merz bei der Wählergruppen Frauen keine Chance haben soll.
    Die Schlagzeile: "Männer wählen Merkel nicht" wäre wahrscheinlich direkt als Beispiele für Diskriminierung genutzt worden.

    Die Merkel FDP-CDU Koalition war doch ein Traum für jeden Quotenfreund. (Westerwelle, Schäuble, Merkel, Rösler, …)
    Das schaffen die Quotenfetischisten auch nach Jahren Quotendiskussion/-optimierung nicht.

    Dann bleibt natürlich noch der HInweis, dass Frauen in allen Parteien deutlich unterrepräsentiert sind. D.h. bei Gleichverteilung der Fähigkeiten müssten immer mehr Männer an der Spitze sein, wenn nicht quotiert wird.

  • #11
    Arnold Voss

    Das Wahlergebnis zeigt nur, dass die CDU gespalten ist. Genauso wie die SPD und die Linke. Der Prozess der Neuorganisation der deutschen Parteienlandschaft ist noch lange nicht abgeschlossen.

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