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Ruhrmetal

Kreator beim Reload Festival 2015 Foto: Frank Schwichtenberg Lizenz: CC BY-SA 3.0


Ich kenne nicht alle Artikel der Ruhrbarone. Auffällig ist, dass der Blog ein für das Ruhrgebiet wichtige Alltagskultur vernachlässigt. Immerhin wird über Fußball berichtet, aber nicht über für den Pott so wichtige Erscheinung wie Metal – eigentlich ein Rätsel. Zumal die Ruhrbarone ja versuchen immer auch die in der Industrie arbeitenden Menschen im Blick zu haben, denn Metal ist ihre Musik. 

Beim Zappen auf YouTube sind mir kürzlich zwei Metalbands aus Essen und Gelsenkirchen untergekommen: Kreator und Sodom. Beide aus Arbeiterstadtteilen stammend, haben sie einen weltweiten Siegeszug hingelegt, vorne weg Kreator, der ihnen Reichtum und Fame eingebracht und viele spätere Metalbands inspiriert hat, insbesondere den Blackmetal, der ohne sie so gar nicht hätte entstehen können – aber wer weiß das schon?

Vielleicht liegt das ja daran, dass Metal im allgemeinen bei Intellektuellen verpönt ist, insbesondere bei Linksintellektuellen. So richtig klar ist mir dieses Phänomen nicht, handelt es sich beim Metal um eine komplexe Musik, die als Musiker und erst recht als Band schwierig zu spielen ist, gerne Gewissheiten zertrümmert und lange Zeit die sogenannte Arbeiterklasse repräsentiert hat, wie einst Kuzorra auf Schalke. Aber auch Fußball gehörte ja bekanntlich zu den vernachlässigten gesellschaftlichen Bereichen der Linken und wurde immer mal wieder und gerne rechts eingeordnet und entsorgt. Theater und der ernste Film waren da wichtiger. Wobei der Metal vor allem als Live-Vorführung nur so vor Theater strotzt – die Musiker quasi nicht nur Tonkünstler sondern auch großartige Theater-Schauspieler und -Dramaturgen sind, wie man bei Kiss, Black Sabbath, Alice Cooper oder Rammstein unschwer erkennen kann, um ein paar populärere Beispiele einer mehrdimensionalen Kunst zu benennen. Wobei die Auftritte der Metalbands, der der Rockbands bei weitem an Kunstfertigkeit und Power übertreffen und nicht nur, wie oft behauptet, an Lautstärke. Am Ende liebt man Metal oder man hasst es. Das ist wie beim Jazz. Aber wer Jazz liebt muss kein Metal hassen und umgekehrt, wie Bands wie Opeth, Meshuggah, Bohren und der Club of Gore oder Imperial Triumphant zeigen.

Nun aber zurück zu Kreator und Sodom aus Altenessen und Gelsenkirchen. Zwei Bands, die von Arbeiterjugendlichen Anfang der 80er Jahre gegründet wurden und das Lebensgefühl der Menschen aus dieser Zeit und Region in ihrer Musik widerspiegelten: Schwer knüppeln für wenig Anerkennung und Ertrag, wissend dem Untergang seiner Klasse geweiht zu sein, denn schon damals war klar, dass der Bergbau nicht wirklich Zukunft haben wird. Zur Erläuterung: Die Musik nannten diese Kids damals Heavy und Thrash Metal, was übersetzt Schwermetall und Knüppelmetall heißt.

Sicherlich gehört der Thrash, wie der Name schon sagt, zu den etwas einfacheren Formen des Metal. Doch insbesondere Kreator, und in Lichten Momenten auch Sodom, haben sich mit dieser Punk Attitüde nicht zufrieden gegeben, weswegen es diese beiden Bands auch heute noch gibt und diese ihr weltweites Publikum haben. Ob sie immer noch das Ruhrgebiet repräsentieren, weiß ich ehrlich gesagt nicht – zumal Rap heute die erste Geige spielt –  aber sicherlich einen großen Teil der dort lebenden Menschen nach wie vor, wie ihre Liveauftritte im Pott bis heute bezeugen. Bevor ich jetzt aber die beiden für den Rock so wichtigen Gruppen zu beschreiben versuche, womöglich zitiere, sollen sie für sich reden und spielen. Wobei sie nicht nur für sich sprechen, sondern ein starkes Stück Ruhrgebiet und – ohne es zu wollen – Ruhrgebietsgeschichte darstellen. Das Kino und die Diskussion sind eröffnet:

 

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6 Kommentare zu “Ruhrmetal

  • #1
  • #2
    Jan

    Danke für den Artikel! Der Stil wird in der Regel aber nicht Trash (Müll), sondern Thrash (knüppeln) Metal genannt.

  • #3
  • #4
    Manowar-Bizeps

    "Sicherlich gehört der Trash, wie der Name schon sagt, zu den etwas einfacheren Formen des Metal"

    Oberlehrer-Modus an: Es heisst Thrash und nicht Trash. Hier wird ordentlich geknüppelt, deswegen der Name. Jeder, der sich daran mal versucht hat, weiß, mit "etwas einfacheren Formen" ist da nicht unbedingt viel.

  • #5
    Manfred Michel

    Essen war schon immer eine Musikerstadt. Nicht nur was den Thrash- Metal betrifft. Das war aber bisher nur Insidern bekannt. Na gut, "Grave Digger", kommen aus Gladbeck, aber das ist ja in der Nähe. Deren Frontmann und Gitarist, Axel Ritt, ist voll der Veganer. Er benutzt nur vegane Gurte, einen Hughes & Kettner- Amp und eine Framus Gitarre, weil die aus Deutschland kommen. Wegen der kurzen Wege. Nur bei den Pickups musste er Kompromisse eingehen. Der Song, "Princess of the Night" von "Saxon" dürfte auch der untergehenden Industriegesellschaft gewidmet sein. Mit "Princess of the Night" ist ein Postzug bzw. dessen Lokomotive gemeint. In Dänemark gehört Metal, im Gegensatz zu uns, zum Mainstream. Und Wacken ist ja auch ein Familien- Festival. Die Altenheime dürften sich so langsam mit Alt- Metallern füllen. Da wird dann statt, "Hohe Tannen", "The Number of the Beast" oder "Engel" gesungen. Das Thrash- Metal einfach zu spielen ist, halte ich für ein Gerücht. Ausprobieren! Im Moment fahre ich aber mehr auf die Band, "Gong", ab. Das Album, "Camembert Electrique",kann man auf youtube abrufen.

  • #6
    Axel Ritt

    @ManfredMichel

    Danke für deinen Kommentar, aber auch wenn ich immer versuche, die Fans mit einer optisch guten Show zu unterhalten, Frontmann der Band GRAVE DIGGER ist Chris Boltendahl, welcher auch das einizige Mitglied der Gründungsbesetzung vor 41 Jahren darstellt.

    Metal On! 🙂

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