Sevim Dagdelen und die „Friedensbewegung“ kämpfen um ihr Überleben

Sevim Dagdelen (DIE LINKE)
Sevim Dagdelen (DIE LINKE) spricht auf der Kundgebung des „Bochumer Friedensplenums“ am 1. März 2022 (Foto: Roland W. Waniek)


In Bochum fand gestern Abend eine Kundgebung der sogenannten Friedensbewegung statt. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine war nur ein Randthema.

Um Frieden ging es der Friedensbewegung noch nie. Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks wurde sie maßgeblich aus der DDR und der Sowjetunion finanziert. Nach deren Ende schrumpfte sie, doch die Reste hielten an ihrem alten Auftrag fest: Demokratie, Freiheit und den Westen bekämpfen. Frieden ist ein Thema, das man dafür gut nutzen kann.

Der Krieg Putins gegen die Ukraine ist für diese Bewegung und die Linkspartei als ihren letzten wichtige Unterstützer aus der Politik ein Störfall: Der Aggressor kommt aus dem Osten, Putin hatte einen Ausweis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Das sah sich als „Schild und Schwert der Partei“ und gemeint war damit die SED. So nannte sich die heutige Linkspartei früher.

Es passte daher schon, dass einer der ersten Besucher der Kundgebung des Bochumer Friedensplenums ein leicht heruntergekommen wirkender Mann war, der unermüdlich mit seiner DKP-Fahne über den Dr. Ruer-Platz lief, der sich schnell füllte. An die 400 Menschen waren gekommen. Viele glaubten wohl, dass es bei der Kundgebung um den Krieg in der Ukraine gehen würde. Die WAZ hatte im Lokalteil in der ihr gegebenen Naivität die Veranstaltung entsprechend im Vorfeld angekündigt.

DKP-Fahne
Auch dabei: Die DKP auf der Kundgebung des „Bochumer Friedensplenums“ am 1. März 2022 (Foto: Roland W. Waniek)

Schon der erste Redner machte deutlich, dass sich die Veranstalter nur um Rand für die Ukraine interessieren. Günter Brakelmann, ein emeritierter Theologe, Urgestein der „Friedensbewegung“ und als SPD-Mitglied Teil der demokratischen Mimikry der Kundgebung, betrat die Bühne zur selben Zeit, als die russische Armee Kiew, Charkiw und Mariupol unter schwersten Beschuss nahmen.

Theologe Prof. Günter Brakelmann
Evangelischer Theologe Prof. Günter Brakelmann spricht auf der Kundgebung des „Bochumer Friedensplenums“ am 1. März 2022 (Foto: Roland W. Waniek)

Als Soldaten im Kampf um die Freiheit starben, Frauen und Kinder verreckten und die Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar angegriffen wurde, hielt Brakelmann eine kaltblütige Rede, in der diese Menschen nicht mit einem Wort erwähnt wurden. Krieg sei nicht zu rechtfertigen. Man müsse verhandeln. Wie das gehen soll, wenn russische Panzer auf eine Stadt zurollen und Putin an Gesprächen kein Interesse hat, wusste er auch mit der Fernsicht, die er von seinem pazifistischen Feldherrnhügel genießt, nicht zu sagen. Und was die Menschen in der Ukraine wollen, interessiert natürlich einen wie ihn nicht.

Um keine Plattitüde verlegen behauptete er „Die Mächtigen haben kein Interesse an einem Dialog“ und meinte damit, dass sie kein Interesse daran hätten, mit Menschen wie ihm zu reden. Und die Mächtigen waren ihm alle gleich, egal ob sie demokratisch gewählt wurden wie Scholz, Macron und Biden oder Diktatoren wie Putin sind, dem das Leben der Russen so egal ist wie das der Ukrainer. Brakelmann ist Verfasser der Bochumer-Erklärung“ in der sich kurz Kriegsbeginn Sätze wie dieser finden: „Die russische Armee und die Truppen der NATO sind kriegsbereit. Ihre Manöver wie ihre anderen militärischen Aktivitäten zeigen überdeutlich: nicht, dass man den Krieg bewusst will, sondern dass man in ihn „hineinschlittern“ kann. Verhindert werden kann er nur, wenn beide Seiten bereit werden, über die Konfliktpunkte so zu reden, dass es zu einer Aufweichung der eigenen harten Position kommen kann.“  Unterzeichnet haben diese Erklärung unter anderem Ulrike Guérot, Robert Menasse und Ulrich Duchrow.
Wer so etwas zu einem Zeitpunkt schreibt oder unterzeichnet, als Russland schon eine Truppe von mehr als 100.000 Mann an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen hatte, ist nicht naiv. Er folgt einer strammen Ideologie, für die der Westen immer mitschuldig, wenn nicht allein schuldig, sein muss.

Auf Brakelmann folgte Felix Oekentorp, der Landessprecher der Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) in Nordrhein-Westfalen. Die DFG-VK galt lange als DKP nah und wurde zeitweise vom Verfassungsschutz beobachtet. Oekentorp trat als Bundestagskandidat für die Linkspartei an.

Felix Oekentorp (DIE LINKE und DFG-VK NRW)
Felix Oekentorp (DIE LINKE und DFG-VK NRW) spricht auf der Kundgebung des „Bochumer Friedensplenums“ am 1. März 2022 (Foto: Roland W. Waniek)

In seiner Rede nannte er den ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Komiker und betonte, das sei ja tatsächlich sein früherer Beruf gewesen. Putin erwähnte er ohne Berufsangabe. Agent und Mafiosi wäre passend gewesen, aber einer wie Oekentorp verhöhnt lieber einen Mann, der sein Leben im Kampf um die Freiheit seines Landes riskiert als ein böses Wort über einen Diktator zu verlieren. Ukrainische Flüchtlinge nannte er „privilegiert“, wohl ahnend, dass sie sich von Seinesgleichen nicht gut instrumentalisieren lassen werden.

Dann kam irgendwann der Stargast des Abends: Sevim Dagdelen, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Die  Abrüstungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist gern gesehener Gast in Talkshows und hat ein Problem: Gemeinsam mit Sahra Wagenknecht, Andrej Hunko und Klaus Ernst unterschrieb sie eine „Erklärung zur Abstimmung über den Ukraine-Antrag von SPD/CDU/CSU, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und FDP am 27.02.2022“ in dem zwar der Angriff Russland auf die Ukraine verurteilt, aber auch der US-Diplomat George F. Kennan mit einer Bemerkung aus dem Jahr 1997 zitiert wird: „Die Osterweiterung der NATO ist der verhängnisvollste Fehler der amerikanischen Politik in der Ära nach dem Kalten Krieg. Diese Entscheidung kann erwarten lassen, dass die nationalistischen, antiwestlichen und militaristischen Tendenzen in der Meinung Russlands entzündet werden“ womit klar gemacht wurde, wer der eigentlich böse Hintermann hinter allem ist: Der Westen. Gregory Gysi schrieb den Unterzeichnern: „Was mich aber wirklich entsetzt an eurer Erklärung, ist die völlige Emotionslosigkeit hinsichtlich des Angriffskrieges, der Toten, der Verletzten und dem Leid.“

Welches Denken dahintersteckt machen Wagenknechts Einlassungen zum Überfall auf die Ukraine deutlich, die von denen aus dem Umfeld der AfD kaum zu unterscheiden sind:

Max Otte war Präsidentschaftskandidat der AfD

Die Parteivorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow widersprach der Linkspartei-Ikone prompt:

Dagdelen hat jetzt ein Problem. Ihre ganze politische Karriere über hatte sei eine enge Beziehung zu Wagenknecht. Die hat nicht nur bei der Linkspartei in NRW an Zustimmung verloren, sondern steht auch in der Bundespartei unter immer stärkeren Druck. Wagenknecht kann das egal sein. Sie ist eine Marke und längst unabhängig von ihrer Partei und ihrem Mandat. Bei Dagdelen sieht das anders aus: Ohne Partei und Mandat ist sie ein Nichts.

Sevim Dagdelen (DIE LINKE)
Sevim Dagdelen (DIE LINKE) spricht auf der Kundgebung des „Bochumer Friedensplenums“ am 1. März 2022 (Foto: Roland W. Waniek)

Als Dagdelen die Bühne betritt, redet sie nicht in erster Linie gegen den Krieg in der Ukraine, sie kämpft um ihr politisches Überleben und das ihrer Partei. Dagdelen ist Profi. Sie weiß im Gegensatz zu den Laiendarstellern wie Brakelmann und Oekentorp was sie zu sagen hat: „Der Krieg gegen die Ukraine ist durch nichts zu rechtfertigen“ Mit Pathos richtet sie ihre Worte an den russischen Präsidenten: „Stoppen Sie diesen Krieg“, was Putin natürlich nicht mitbekommt, da er während Dagdelens Rede damit beschäftigt ist, Ukrainer abzuschlachten.

Vor ein paar Tagen klang das alles noch anders. Da teilte Dagdelen in einer Presseerklärung mit: „Es ist höchste Zeit, den Stopp der NATO-Erweiterung wie auch eine substantielle Autonomie für den Donbass auf die Tagesordnung zu setzen (…) Um den Konflikt zu lösen, helfen kein Kriegsgeheul, Drohgebärden mit immer neuen Sanktionen und Säbelrasseln mit frischen NATO-Truppen an Russlands Grenzen.“

Dagdelen gibt zu, sich in der Frage der Kriegsbereitschaft Putin geirrt zu haben, was angesichts des Vormarsches russischer Panzer eine eher überschaubare intellektuelle Leistung ist.

Aber klar ist für sie auch in Bochum, wer von dem Krieg in der Ukraine profitiert: „Während die Menschen im Krieg sterben, steigen die Aktien von Rheinmetall.“ Die NATO-Erweiterung habe zur Eskalation beigetragen, meint Dagdelen und sagt dann, was sie sagen muss: „Das ist keine Rechtfertigung des Einmarsches.“

Jetzt sei die Zeit, alle diplomatischen Mittel zu nutzen. Sanktionen? Nicht einmal die fordert oder unterstützt Dagdelen. Ihre Grundlinie bleibt klar und wird nur leicht verbal angepasst: Der Feind steht im Westen.

Die Linke und die mit ihr verbundene „Friedensbewegung“ haben ein wenig Kreide gefressen. Sie wollen wie Dagdelen politisch überleben. Alle  können sie  eine Niederlage der Ukraine kaum abwarten, um dann schnell gemeinsam mit der AfD für eine Normalisierung des Verhältnisses zu Russland einzutreten. Auf seine 5. Kolonne wird sich Putin auch in Zukunft verlassen können.

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29 Kommentare

  1. #1 | thomas weigle sagt am 2. März 2022 um 12:12 Uhr

    Dass Dagdelirium moralisch so verwahrlost ist wie der Rest dieser Bagage-logisch. Nur sehe ich auch,dass jeder weitere Tag Krieg unermeßliches Leid über die Ukrainnerinnen und die Ukraine bringt, dies scheint man auf dem ruhrbaronischen Feldherrenhügel, auf dem ja ziemliches Gedränge zu sein scheint, nicht sehen zu wollen. Auch ich bewundere den unglaublichen Mut der UkrainnerInnen, die gegen die russ. Okkupanten kämpfen. Natürlich erhöht dieser Heldenmut von Tag zu Tag den Preis den das Putin und sein Land zahlen muss, dennoch sinddie Kosten für die Ukraine und ihre BewohnerInnen deutlich höher.
    Also auf die internationalen Sanktionen setzen, Ausschluß Russlands aus internationalen Organisationen, zivilen Ungehorsam vor Ort unterstützen, wo es nur geht und statt Waffen humanitäre Hilfen finanzieren.

  2. #2 | Arnold Voss sagt am 2. März 2022 um 12:41 Uhr

    @ thomas weigle

    … und statt Waffen humanitäre Hilfen finanzieren."

    Und immer wieder dieser pazifistische Trugschluss. Im Falle dieses Krieges gilt das Waffen das Leben vieler Ukrainer schützen. Inhuman ist es dagegen, ihnen keine Waffen zu senden. Pazifismus, also dass nicht senden von Waffen, schützt bei einem Angriffskrieg durch einen überlegene Macht die Täter und nicht die Opfer, Thomas.

  3. #3 | Emscher-Lippizianer sagt am 2. März 2022 um 12:41 Uhr

    "Also auf die internationalen Sanktionen setzen, Ausschluß Russlands aus internationalen Organisationen, zivilen Ungehorsam vor Ort unterstützen, wo es nur geht und statt Waffen humanitäre Hilfen finanzieren."

    Wenn Großbritannien und Frankreich 1939 auf diese Weisheit gehört hätten, ist nicht auszuschließen, daß Europa auf der Weltkarte immer noch ein brauner Klecks wäre.

  4. #4 | SvG sagt am 2. März 2022 um 12:49 Uhr

    Dagdelen lügt: Selensky ist gelernter Jurist, der u.A. als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Komiker sein Geld verdient hat. Aber den Schnorrern sind wirtschaftlich erfolgreiche Menschen per se verdächtig.
    Die s.g. Friedensbewegung erhält z.Zt. auch Überlebenshilfe von den ÖR: Immer wieder wurde z.B. im WDR behauptet, die FB hätte zu den großen Solidaritätsdemos der vergangenen Tage aufgerufen. Sogar politisch Untote wie der als "Friedensjournalist und -aktivist" angekündigte Franz Alt durften an prominenter Stelle des WDR endlich wieder ins Mikro salbadern. Auch eine Art des Kriegsgewinnlertums.

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 2. März 2022 um 13:00 Uhr

    @SvG: Oekentorp, nicht Dagdelen, hat Selensky Komiker genannt. Sie ist im Gegensatz zu Oekentorp zu schlau für sowas.

  6. #6 | Berthold Grabe sagt am 2. März 2022 um 14:19 Uhr

    Die Ukrainer haben sich aus gutem Grund für den bewaffneten Widerstand entschieden, sie alle haben die bleierne Perspektivlosigkeit in Armut ohne Zukunft aus der Zeit vor dem Maidan erlebt und wollten sie unbedingt los werden.
    Und sie wollen sich genau das nun nicht von einem Despoten wie Putin wegnehmen lassen, nur damit der sich nicht bedroht fühlt.
    Sie riskieren lieber ihr Leben, als klein beizugeben, mehrheitlich freiwillig!
    Der unterschied zu uns Deutschen, die Ukrainer haben ihren Wohlstand auf dem Maidan erkämpft, wir dagegen profitierten lediglich von für Korea benötigten Rüstungskapazitäten die die Amerikaner brauchten, ohne uns für die Freiheit notwendigerweise einsetzen zu müssen.
    Entsprechend schwach ist bei uns die Bereitschaft für Freiheit auch zu kämpfen.
    Sie ist uns quasi von den Amerikanern aufoktroyiert worden.
    Das macht uns empfänglich für Antiamerikanismus und unqualifiziert übertriebenen Antimilitarismus und Pazifismus.
    Deutschland würde als Staat an Stelle der Ukraine widerstandslos überrannt werden, dafür hätte es nur tausend Mann gebraucht, die die Regierung festsetzen.

  7. #7 | discipulussenecae sagt am 2. März 2022 um 14:52 Uhr

    "Es passte daher schon, dass einer der ersten Besucher der Kundgebung des Bochumer Friedensplenums ein leicht heruntergekommen wirkender Mann war …"

    Nun ja.
    Günter Brakelmann sieht aus wie Ernesto Cardenal für Arme.
    Felix Oekentorp wie Catweazle für Arme.
    Und würde Frau Dagdelen sich die Haare hochstecken, sähe sie aus wie Frau Wagenknecht.

  8. #8 | Felix Nickel-Holze sagt am 2. März 2022 um 14:59 Uhr

    Oekentorp hat um 1% der abgegebenen Stimmen erhalten hier in Herne, meine ich. Hoffentlich kann die SED-Nachfolgerin bei der NRW-Wahl diesen Erfolg wiederholen.

  9. #9 | der, der auszog sagt am 2. März 2022 um 15:36 Uhr

    Immer wieder köstlich, linke Experten beim Erklären der Linken zu beobachten, wie sie dabei ihr eigenes Fettnäpfchen füllen, um sich anschließend mit voller Wucht in das hinein zu setzen, was sie eigentlich zu kristiseren glaubten.

    Aber von den Ruhrbaronen zum WDR:
    Am Abend nach Bekanntgabe des 100.000 Millionen Dollar Paketes für die Modernisierung und Aufrüstung der Bundeswehr ließ Ingo Zamperoni in den Tagesthemen die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Marie-Agnes Strack-Zimmermann den Umfang und die Hintergründe für dieses Paket erklären. Die Öffentlich-rechtlichen wären aber nicht die Öffentlich-Rechtlichen, wenn man den Beitrag einer Libaralen, deren vorgetragenen Ansichten wahrscheinlich die meisten der Zuschauenden geteilt haben, kommentarlos stehen und erst einmal wirken gelassen hätte.

    Unter dem Motto; Wir wollen es jedem Recht machen, durfte dann Georg "Ökozid" Restle vom WDR den Beitrag mit Strack-Zimmermann wieder mit einem Kommentar einsammeln und relativieren:

    Zitat "… Aber wir sollten uns nichts vormachen. Davon (von dem 100.000 Millionen Euro Paket) werden Putin und seine Machtclique sich nicht im geringsten abschrecken lassen. Denn auch das gehört zur Wahrheit: Mit höheren Rüstungsausgaben ist weder der Ukraine noch den NATO-Partnern heute geholfen. Kurzfristig werden diese Beschlüsse nichts ändern. Und langfristig? Wollen wir da wirklich wieder hin? In einen Kalten Krieg, der jederzeit eskalieren kann? In diese Logik von endloser Aufrüstung, von atomaren Erst- und Zweitschlägen und permanenten Spannungen?."

    hier der Kommentar in voller Länge:
    https://www1.wdr.de/daserste/monitor/interaktiv/kommentar-ukraine-100.html

  10. #10 | SvG sagt am 2. März 2022 um 16:34 Uhr

    Eigentlich sollte man diesen geistig und menschlich schwer benachteiligten Menschen helfen:
    Eine einfache Fahrkarte nach Weiß- oder Zentralrußland, Nordkorea oder China kostet doch heute auch nicht mehr die Welt. Da wären sie unter anderen Gleichgesinnten, und müßten nicht vom Steuergeld der Kapitalisten leben.
    @ Thomas weigele: Ich sehe direkt vor mir, wie die Ukrainer sich mit Isomatten vor den Bomben schützen und sich weinend vor Freude nach stundenlangem Anstehen bei den Hilfsorganisationen ihre Almosenpakete abholen. Auch der sich üblicherweise um solche Hilfszentren bildende Kokon von Drogen- und Menschenhandel, Kinderprostitution und Schmuggel aller Art sowie die Korruption z.B. zur Erlangung medizinischer Hilfe wird bestimmt für Glücksgefühle sorgen.

  11. #11 | thomas weigle sagt am 2. März 2022 um 17:24 Uhr

    @Arnold Voss Ich sehe im Augenblick v.a. zerbombte Wohnhäuser, Schulen,Krankenhäuser usw. und lese von vielen toten und verletzten Zivilisten. Und das wird noch schlimmer werden. Im Warmen am Laptop lässt sich nun mal gut kämpfen.
    Glaubst du allen Ernstes, dass durch private Sammlungen so viel Geld zusammenkommt, dass davon Waffen in solcher Menge gekauft werden können,dass sie den Krieg irgendwie im Sinne der Ukraine positiv beeinflußen können? Ich nicht, das ist doch reine Symbolik, Arnold, von der niemand was hat,außer den Spendern.Deshalb beschränke ich mich auf Spenden für "Deutschland hilft" und demnächst auf lokale initiativen hier vor Ort für ukrainische Flüchtlinge.
    BTW Ich bin kein Pazifist und begrüße rückhaltlos,dass Scholz eine Kehrtwende in Sachen BW/Aufrüstung vollzogen hat. Abschreckung tut wieder Not!!

  12. #12 | Georg Hofrichter sagt am 2. März 2022 um 17:33 Uhr

    @ #7
    Die DKP wie die KPD ML haben ein Abo auf solche Auftritte. Als Herne gegen die rechten Aufmärsche protestierte, war das ein Bund, der quer durch alle Parteien und gesellschaftliche Gruppen / Schichten ging. Einzig die Kommunisten beharrten darauf, sich mit ihren Fähnlein zu präsentieren und wollte nicht akzeptieren, dass sich ein Großteil der anderen Demnonstranten nicht von dieser Gruppe in Beschlag nehmen lassen wollte. Da blieb jeder Diskussionsversuch fruchtlos.

    Als ihnen dann eines ihrer Fähnlein im Handstreich entrissen wurde, drohten die Damen und Herren allen Ernstes mit der Polizei. Die gehören ganz einfach zum Panoptikum der ewig Gestrigen, die immerhin noch einen bescheidenen Unterhaltungswert generieren.

    Catweazle kreist jetzt in Dauerschleife 🙂

  13. #13 | Bert Fühlmann sagt am 2. März 2022 um 17:41 Uhr

    Das ist die Friedensbewegung des notorisch antiWestlichen ANTIIMPERIALISMUS, der bei "passender" Gelegenheit immer mal wieder auch seine antizionistisch-antisemitischen Einlagerungen zeigt — und
    friedlich über Leichen geht.
    Seine Wurzeln reichen nicht nur in die Strategie- & Propaganda-Giftküche von Putins KGB-Vorgängern, als es ab 1964 mit dem KGB-Projekt PLO im Rahmen einer neuen Weltstrategie um die Schärfung und gleichzeitig der Tarnung der Kollaboration mit antisemitischen Djihadisten/ Terroristen ging als antirassistischen "Befreiungskampfes" und gleichzeitig um das weltweite Verkaufen des Dauerkrieges gegen ISRAEL und gegen den Westen überhaupt als (pro-sowjetischen) Antiimperialismus.

    Insgeheim kommt man dem Kern der Sache schon näher, wenn man weiß, daß das Gesamtübel in KGB-Kreisen und eher außerhalb Deutschlands als "imperialistisch-zionistische Weltverschwörung" bezeichnet wurde ( wird ?). Und das deutet auf die Vorläufer der "kommunistischen" KGB-Kampf-Ideologie hin, aus der Zeit des noch nicht rotgefärbten großrussischen Nationalchauvinismus 1903 (durch die OCHRANA-Geheimpolizei fabriziert, zunächst um den Zaren von seiner Öffnung nach Westen abzubringen), — die Weltverschwörungs-"Protokolle der Weisen von Zion", ab 1924 bei Neuauflagen "Die zionistischen Protokolle" genannt und zur ideolog. Seele Henry FORDs, der DNVP, der NSDAP und anderer Akteure des Grauens geworden.

    Bevor aber letztere zu entsprechenden weltweiten Bündnissen und zum Massenmord schritten, später, nach 1950/ 64 sich erneut deutsche, arabische, französische, japanische Terroristen sich mit "östlichen" unter dem großen Schirm des antizionistischen Antiimperialismus vereinigten, muß noch
    1 9 2 9 erinnert werden: Denn da erklärten die KPD und der Exekutivausschuss der Kommun. Internationalen anlässlich des islamischen Abschlachtens der Juden in HEBRON ihre antiimperialistische Solidarität – und fast zeitgleich wurde passenderweise
    der Zionismus zum Faschismus erklärt.
    Spätestens damals schon hatte der heute so beliebte "Anti"faschismus seine Unschuld verloren . . . . — und tritt weiter gerne verbunden mit der antiwestlich-antiimperialistischen Friedensbewegtheit auf und in Aktion !

  14. #14 | Christian Scharlau sagt am 2. März 2022 um 18:34 Uhr

    @ #12: Na ja, DKP und vor allem KPD ML sind ja nun wirklich Gottseidank nur links-folkloristische, irgendwie fast schon rührend-pittoreske Randerscheinungen der Politszene – kleine Trupps von total durchgeknallten Sektierern. Die umbenannte SED stellt da für mich ein deutlich größeres Problem da. Ihre Ansichten sind in weiten Teilen der Partei nicht weniger sektiererisch-durchgeknallt – und "dank" unseren ostdeutschen Mitbürgern wird sie uns ja wohl auch noch länger in den Parlamenten erhalten bleiben – mit der entsprechend deutlich größeren Bühne für ihre kruden Ideologien.

  15. #15 | Arnold Voss sagt am 2. März 2022 um 19:07 Uhr

    @ Thomas Weigle # 11

    "Ich sehe im Augenblick v.a. zerbombte Wohnhäuser, Schulen,Krankenhäuser usw. und lese von vielen toten und verletzten Zivilisten. Und das wird noch schlimmer werden. "

    Das ist so, weil die Ukraine keine Luftwaffe hat, die es mit der russischen aufnehmen kann. Und natürlich kann man die nicht mit Spenden aufbauen, sondern durch Flugzeuge die in europäischen Ländern schon da sind. Und wenn man das nicht tut, dann kann man den Ukrainern ehrlicherweise nur empfehlen sofot und komplett zu kapitulieren. Nur, dass sie das nicht tun werden.

    Ich bin leider zu alt und nicht ausgebildet um einen solchen Jet zu fliegen. Aber wenn ich es wäre, würde ich es wohlmöglich tun. Und natürlich es es schöner stattdessen im warmen Zimmer am Labtop zu sitzen und zu schreiben, dass man es täte, als es wirklich zu tun. Aber man sollte dann zumindest die unterstützen die es tun wollen.

  16. #16 | Werntreu Golmeran sagt am 2. März 2022 um 20:13 Uhr

    @ Arnold Voss

    Bei fast allen Krigen geht es auch immer um geostrategische Interessen. Derzeit sind die Stärksren Mächte die USA bzw. die NATO und China.

    China scheint bisher Putin kein Einhalt zu gebieten und die NATO scheint es. auch nicht wirklich zu wollen. Jedenfalls will unbedingt vermeiden Kriegspartei zu werden. Daher wäre es durchaus logisch, sich zu ergeben. Da aber Krieg nicht nur von geostrategischen Faktoren bestimmt ist sondern auch von Freiheitsdrang, Stolz, Heimatliebe, Chauvinismus, Nationalismus, Abenteurertum, Militarismus oder Heldensteeben, wird der Krieg weitergehen. Das ist für mich als Pazifisten zwar unerträglich, aber so läuft die Welt nun einmal seit tausenden Jahren und die Menschen werden nicht schlauer. Eine klassische Tragödie. Auf beiden Seiten, ohne dass ich das irgendwie bewerten oder gleichsetzen will. Auf beiden Seiten wird mehr oder weniger gehetzt, diffamiert, vereinfacht oder verkürzt, gelogen und betrogen. Werden Erwartungen geweckt und enttäuscht. und sterben letztlich Menschen, Frauen, Kinder, Väter Mütter etc. wird Kultur zerstört, werden Traumata neu in Menschen gepflanzt. Auch wenn mein Vater von den Russen und Alliierten 1945 befreit wurde, die Ängste der Bombennächte trägt er heute noch mit sich herum. Mein Vater hatte Glück, dass er als "Opfer" in einem gewissermassen "sinnvollen" und " erfolgreichen" Krieg war. Viele Opfer in Syrien, Libyen, Afghanistan oder dem Irak können das leider nicht für sich feststellen. Ich weiß nicht, wie das letztlich alles enden wird. Wenn ich das Verhalten der NATO, der USA und Chinas richtig interpretiere, wird die Gefahr einer weltweiten Eskalation im Falle eines substantiellen Eingreifens Dritter in den Konflikt als erheblich bewertet. Da ist es doch gut, dass Sie einen vernünftigen Beruf gelernt haben und nicht Kampfpilot geworden sind.

  17. #17 | nussknacker56 sagt am 2. März 2022 um 20:41 Uhr

    Ich bin zwar kein Militärexperte, doch Luftunterstützung für die Ukraine halte ich für nur schwer durchführbar. Flugzeug- und Panzerabwehrraketen wären vermutlich effizienter und leichter umzusetzen.

    Das Hauptaugenmerk muss darauf gerichtet sein, Russland als weltweiten Kriegstreiber und Paria zu isolieren. Keine Sport- und Kulturveranstaltungen mit diesem Regime, keine oder nur absolut notwendige Wirtschaftsbeziehungen, Kontakte mit diesen Vertragsbrechern müssen auf ein Minimum reduziert werden. Der Kriegsverbrecher Putin muss ebenso regelmäßig an den Pranger gestellt werden wie die hinter ihm stehende Oligarchengruppe. Seine Unterstützer hierzulande müssen ebenfalls unter Druck gesetzt werden. Insbesondere sind Koalitionen mit der Linken ebenso klar auszuschließen wie mit der AfD.

    Der Druck auf Russlands obere Schichten muss vor allem konsequent und so lange wie erforderlich beibehalten werden.

  18. #18 | Christian Scharlau sagt am 2. März 2022 um 21:35 Uhr

    @ #15 "Und wenn man das nicht tut, dann kann man den Ukrainern ehrlicherweise nur empfehlen sofot und komplett zu kapitulieren. Nur, dass sie das nicht tun werden." – Das Problem ist nur, daß der russische Terror gegen die Ukraine und gegen die Bevölkerung erst richtig ANFANGEN wird, wenn das Land kapituliert und Putin eine Marionetten–Regierung einsetzt. Der russische Diktator hat die "Entnazifizierung" der Ukraine ja zum expliziten Kriegsziel erklärt – und das kann für ihn natürlich nur bedeuten, jeden Ukrainer zu liquidieren, der für eine eigenständige Ukraine steht. Und das sind Millionen von Menschen. Nur würde dieses Morden dann nicht mehr wie jetzt mit grauenhaften Kriegsbildern die Weltöffentlichkeit aufrütteln, sondern würde sich hinter den Kulissen abspielen. Da würde dann Putins GeStaSi nachts die Städte durchkämmen und die Menschen aus ihren Wohnungen verschleppen. Darin hat Rußland große Übung – mit Millionen von nachts vom NKWD verschleppten und ermordeten Sowjetbürgen in den 1930ern unter Putins glühenden Vorbild Stalin.

  19. #19 | Arnold Voss sagt am 3. März 2022 um 10:02 Uhr

    @ Werntreu Golmeran # 16

    Ich habe die globalen Zusammenhänge wie sie sie beschreiben hier vor kurzem und noch vor Kriegsbeginn in einem Artikel ausgebreitet.

    https://www.ruhrbarone.de/die-ukraine-und-die-imperiale-neuordnung-der-welt/205844

    Aber alle diese Erklärungen sind am Ende nur Ausreden, nichts Ernsthaftes zu tun. Das allerdings ist ein Fehler, denn Nichtstun hat auch erhebliche Folgen. Nicht nur für die kämpfenden Ukrainer sondern auch für uns. Putin will den Krieg und er wird nicht davor zurückschrecken, alles zu tun um ihn zu gewinnen. Er hat bewiesen, dass Verhandlungen für ihn nur taktische Spiele sind und er hat woanders schon gezeigt, wie brutal er vorzugehen bereit ist. Wer ihn und seine Armee weiter gewähren lässt, der wir früher oder später in die Situation der Ukrainer geraten. Ob er will oder nicht. Alles andere ist eine Illusion.

  20. #20 | Jannis Wagemann sagt am 3. März 2022 um 11:36 Uhr

    Dem Friedensplenum Nähe zu Putin vorzuwerfen ist entweder dumm oder perfide.

    Das heißt nicht, dass man den Inhalt der Reden nicht kritisieren kann und sogar muss. Aber jemand, der wie Stefan Laurin lange genug in Bochum wohnt, um zu wissen, dass es sich beim Bochumer Friedensplenum um eine Stimme der Vernunft innerhalb der Friedensbewegung handelt. Das ist dem Herrn Verfasser jedoch egal, solange er seine Feindbilder aufrecht erhalten kann.

    Wann kommt eigentlich ein reißerischer Hetzartikel über den Kretschmar? Oder steht der dem Herrn laurin ideologisch zu nah?

  21. #21 | Stefan Laurin sagt am 3. März 2022 um 12:35 Uhr

    @Jannis Wagemann: Wir machen das so: Lokal, regional, NRW und Bund. Wenn Kretschmar in Bochum auftritt und Unsinn erzählt, werden wir das schon sagen. Mit anderen Ländern wie Sachsen beschäftigen wir uns selten. Vielleicht verarzten wir ihn mal in einem Artikel über Putinisten in ganz Deutschland.

  22. #22 | thomas weigle sagt am 3. März 2022 um 13:28 Uhr

    @ Arnold Voss Wenn ich an die Bilder von Grosny in den 90ern oder Aleppo in den letzten Jahren denke und dann sehe,dass es u.a. in Kiew auch schon erste Anzeichen für ein hemmungsloses Bombardieren und Beschießen ukrainischer Großstädte seitens Russlands gibt….Die Folgen für die Zivilbevölkerung werden schrecklich sein.
    Ich bewundere im Warmen sitznd den Mut und den Willen der Ukrainer ihr Land gg. den imperialen Aggressor zu verteidigen.Aber es wird in einem Blutbad enden. Das erschreckt mich zutiefst.

  23. #23 | Arnold Voss sagt am 3. März 2022 um 14:49 Uhr

    @ thomas weigle # 22

    Das sehe ich genauso. Aber für die Ukrainer geht es um alles. Sie haben ihre Atomwaffen abgegeben und ihnen wurde dafür auch von Russland die territoriale Integrität und Unabhängigkeit garantiert. Jetzt lässt sie der Mann zu Grunde bombardieren, der das mit unterschrieben hat und die anderern Vetragsunterzeichner, allen voran die USA lassen Putin gewähren.

    Putin ist so brutal, weil wir ihn lassen. Weil wir nicht bereit sind, selbst in den Krieg einzutreten. Und seine Drohung mit einem Atomwaffen Einsatz zielt genau darauf. Er rechnet perfide mit unserer Angst und unserer Feigheit und das wird auch bittere Folgen für uns haben.

    Der ganze Angriffskrieg war überhaupt nur möglich, weil wir schon vorher zu feige waren, uns ihm gemeinsam mit aller Macht entgegenzustellen und ich bin mit mitttlerweile sicher, dass wir ihn mit unserer ganzen Entschlossenheit, uns nicht einschüchtern zu lassen, hätten verhindern können.

    Aber wir haben das Problem durch unser erneutes militärisches Zögern und Wegducken nur aufgeschoben. Es wir der Zeitpunkt kommen, wo es auch für uns um Alles geht, weil von der selbst geschriebenen Geschichte beseelte Autokraten wie Putin vor nichts zurückschrecken. Wir zögern unseren eigenen Untergang nur heraus, wenn wir jetzt glauben, wir verhindern eine großen Krieg, wenn wir die Ukraine mit Grimm, Bitterkeit und humanitärer Hilfe letztlich doch ihrem Schicksal überlassen.

    Denn selbst die zigtausend Flüchtenden, denen wir natürlich helfen müssen, sind Teil des perfiden strategischen Spiels Putins, sollen sie doch für die Destabilisierung Westeuropas sorgen. Er sorgt so dafür, das wir alle auch die kommenden Jahre wie das Kaninchen auf die Schlange starren, anstatt uns klar zu machen, dass wir garkeine Kaninchen sind, sondern Schlangentöter, wenn wir es nur wollen.

  24. #24 | thomas weigle sagt am 3. März 2022 um 16:52 Uhr

    @ Arnold Voss. Ich wünschte,du hättest Unrecht. Aber die Zeiten,wo das Wünschen noch geholfen hat…

  25. #25 | thomas weigle sagt am 3. März 2022 um 17:22 Uhr

    Aus der Reaktion des KV Gütersloh der Linkpartei auf meinen Satz, dass bereits erste Dankschreiben von dt. Rüstungskonzernen im Kreml eingegangen sind, so wie der Zitierung der TAZ-Schlagzeile "Putin rüstet BW auf",kann man schließen,dass es sich bei denen um Anhänger Dagdeliriums und Putinfreunde handelt. Ich fürchte, der KV GT dürfte nicht der einzige in OWL sein,der in der Linkspartei mehrheitlich so denkt. Im KV Herford ist ja die hierorts sattsam bekannte Frau Höger tätig.

  26. #26 | nussknacker56 sagt am 3. März 2022 um 19:11 Uhr

    @ Arnold Voss #23

    Sehr schön analysiert und auf den Punkt gebracht.

  27. #27 | der, der auszog sagt am 3. März 2022 um 19:41 Uhr

    „The first casualty of a war is the truth“. Der kalifornische Gouverneur und US Senator Hiram Johnson war angeblich der erste, der diesen frustrierenden Feststellung formuliert haben soll.
    Weil auch bei den Ruhrbaronen immer wieder mal gerne im „Eifer des Gefechtes“ ein paar Zusammenhänge rausgehauen werden, die so nicht stimmen, erlaube ich mir zwei Dinge zu Korrigieren:

    @Arnold Voss (#23):
    „ Jetzt lässt sie der Mann zu Grunde bombardieren, der das mit unterschrieben hat und die anderern Vetragsunterzeichner, allen voran die USA lassen Putin gewähren.“

    1.
    Das Gesetzeswerk, welches die Abgabe aller nuklearen Waffen der Ukraine aus Sowjetbeständen zugunsten Russlands regelt, und der Ukraine (wie übrigens auch Belarus und Kasachstan), im Gegenzug die staatliche Souveränität zusichert, ist das Budapester Memorandum, welches im Rahmen der KSZE Konferenz 1994 unterzeichnet wurde und zwar als Vorbedingung für die spätere Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrags und des Atomteststopvertrags (1986)

    Derjenige, der die Ukrainer bombardieren lässt, heißt Wladimir Putin und der war 1994, als diese Vereinbarungen unterschrieben wurde, nur“ vertretender Bürgermeister von Petersburg und mit Sicherheit hat er in dieser Rolle das Vertragswerk nicht unterzeichnet. Neben den Außenministern und Regierungschefs der oben genannten Länder und Russlands, waren die entsprechenden Vertreter der USA und Großbritanien an der Unterzeichnung beteiligt.

    2.
    Wieso Du, Arnold, in diesen Zusammenhängen „allen voran“ eine Verantwortung der USA siehst, ist mir schleierhaft. Da bist Du allerdings nicht der einzige hier bei den Ruhrbaronen, der sich da irrt.

    Die Rolle der USA hinsichtlich einer Westintegration der Ukraine ist folgendermaßen: als Russland 2008 im Kaukasuskrieg Georgien überfiel, machte sich der damalige US Präsident George W. Bush für eine Aufnahme der Ukraine in die NATO stark, auch im Geiste von Budapest!
    Die Aufnahme ist dann aber von den Europäern verhindert worden, allen voran von Deutschland unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und leider auch von Frankreich und damit an den beiden einflussreichsten EU Staaten gescheitert.

    2014, während der Krimannexion, war die Türe für einen Beitritt bereits wieder zu, weil die Krim zur Ukraine gehört und es die Statuten der NATO verbieten, sich im Krieg befindliche Länder aufzunehmen.

    Die Amerikaner haben im letzten Vierteljahrhundert immer wieder gegen eine Wand geredet, wenn sie auf die Sicherheitspolitische Schieflage, die Russland produziert, aufmerksam gemacht haben und reagieren wollten. NorthStream 2 beispielsweise wurde bei uns in Deutschland häufig auch damit gerechtfertigt, dass die Amis doch nur gegen das Projekt sind, weil sie ihr dreckiges Frackinggas bei uns verkaufen wollen. Und selbst wenn man in Diskussionen mit gestandenen SPD Granden hinsichtlich des Krieges in der Ukraine die Verantwortung Gerhard Schröders thematisieren will, dann bekommt man zu hören, dass man dem Gashändler aus Hannover ewig dankbar sein sollte, dass er Deutschland aus dem Irakkrieg rausgehalten hat, der natürlich auch auf die Kappe von George W. Bush geht. Über letztes liesse sich sicherlich streiten, über den Versuch Bushs die Ukraine ins sichere Bündnis mit der NATO zu holen dagegen nicht.

    Die Amerikaner haben nichts falsch gemacht in Hinblick auf die Ukraine und schon gar nicht mehr als die anderen. Was sie getan haben war ein kontinuierlicher Rückzug aus der Rolle des Weltpolizisten in Europa, dem Mittlerein Osten und Afghanistan und es wundert auch nicht, weil sich (West-) Europa im Ganzen und gerade Deutschland im Speziellen dadurch auszeichnet, dass man zwar überall mitreden will, gerade wenn es heiß her geht, aber sobald es dreckig, mitunter tödlich wird, sich immer ein Grund findet, sich NICHT an einem Militäreinsatz zu beteiligen und wenn es nur die fehlende Pilotenlizenz in Verbindung mit dem Alter ist. Ich schreibe das, weil ein ukrainischer Freund von mir gestern nach Polen gefahren ist um in der Ukraine zu kämpfen. Ohne Pilotenschein, denn den braucht dort derzeit niemand.

    Ansonsten aber volle Zustimmung zu #23

    Hier noch was zum gescheiterten NATOBeitritt der Ukraine 2008 auf Deutsche Welle, „Ukraine, ewig im Wartesaal der NATO von Christoph Hasselbach, 12.02.2022

    https://www.dw.com/de/ukraine-ewig-im-wartesaal-der-nato/a-60727097

  28. #28 | Roland W. Waniek sagt am 5. März 2022 um 12:11 Uhr

    @Jannis Wagemann:
    „ Wann kommt eigentlich ein reißerischer Hetzartikel über den Kretschmar? Oder steht der dem Herrn laurin ideologisch zu nah?“

    Die Ruhrbarone haben sich schon des öfteren kritisch mit Kretschmers Putin-Nähe beschäftigt, siehe zum Beispiel hier:

    Putins Mann in der CDU: Michael Kretschmer
    am 25. September 2020
    https://www.ruhrbarone.de/putins-mann-in-der-cdu-michael-kretschmer/190723

    Michael Kretschmer: Deutschland mal wieder von seiner erbärmlichen Seite
    am 26. April 2021
    https://www.ruhrbarone.de/michael-kretschmer-deutschland-mal-wieder-von-seiner-erbaermlichen-seite/198479

    Meine Empfehlung: Öfter mal Ruhrbarone lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben!

  29. #29 | Arnold Voss sagt am 6. März 2022 um 02:16 Uhr

    @ der der auszog # 27
    Danke für die historische Korrektur. Ich hätte nicht Putin schreiben sollen, da er zu dem Zeitpunkt nocht nicht Präsident war, sondern die Russische Regierung.

    Was die USA betrifft, so war sie zwar für die NATO Mitgliedschaft der Ukraine, aber mein Satz bezog sich auf die aktuelle Situation, in der die Vereinigten Staaten die einzige Macht wären, die Putin ernsthaft und wirkungsvoll mit ihrem eigenen Eintritt in den Krieg drohen könnte, um seine Armee zu stoppen.

    Ich kann nachvollziehen, dass die USA das nicht tun, weil sie den Job des Weltpolizisten aus den von dir genannten Gründen nicht mehr einnehmen wollen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie die einzigen sind, auf deren Drohungen Putin hören würde. Aber Biden hat von Anfang an klar gemacht, dass das nicht geschehen würde und das ist mit Sicherheit mit ein Grund, wieso Putin einmarschiert ist.

    Ich bin allerdings gespannt, wie lange die westliche Welt der immer brutaleren Kriegsführung der russischen Armee zuzuschauen in der Lage ist, ohne endgültig ihrer Glaubwürdigkeit zu verlieren. Denn Waffenlieferungen und Wirtschaftssanktionen allein werden Putin nicht zum Aufgeben zwingen. D.h. ohne eine Unterstützung im Luftkrieg durch andere Luftwaffenmächte wird die Ukraine und alle ihre Bewohner vor unseren Augen über kurz oder lang in Grund und Boden gebombt werden.

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