So war’s: Das 13. JOE Jazz Festival Essen

Immer zu Beginn eines Jahres steht für die Jazzszene Essens direkt der Höhepunkt im Heimatstadtprogramm an: Das dreitägige Festival der Jazz Offensive Essen. Und auch 2009 ließ sich wieder einiges beobachten. Eindrücke zu Business, Basis und Programm.

Zunächst einmal ist der Austragungsort, das Katakomben-Theater im Girardet-Center, ein durchaus realistischer: Wer pünktlich da ist kommt noch rein und erhält sogar so eben noch einen Sitzplatz. Das macht alle Jahre wieder die Kalkulation leicht, und die theater- bis kinohafte Atmosphäre wird durch die am Rand der Tribüne stehenden Gäste zum Glück noch ein wenig aufgelockert. Dies gesagt ist man allerdings schon bei der vorsichtigen Kritik: Wenn in der Stadt der Jazzclub fehlt und das Festival somit die einzige ernst zu nehmende Repräsentation im Live-Geschehen übernehmen muss, dann wirkt hier alles ein klein wenig brav und akademisch, Rauchverbot hin oder her. Man hustet ungern, sozusagen. Und damit zum Programm, denn die Musiker (keine Frau diesmal) müssen damit ja umgehen.


Es wäre einfach zu sagen, dass der Samstag am ehesten auf Show gebürstet ist und der Freitag und der Sonntag eher gepflegte Qualität bieten. Denn natürlich ist es richtig, lokale Größen zu präsentieren, ob Hartmut Kracht nun sein Gitarren orientiertes Trio vorstellt oder Klare / Siegel / Camatta das ihre. Diese spielen jeweils zu Beginn, am Samstag übernimmt diesen Part mit Die Mikronesische Mafia von Moritz Ecker allerdings sogar eine große Band mit begleitender Filmtrick-Untermalung. Eine ordentliche Einstimmung jeweils, und bei Klare / Siegel / Camatta (unscharfes Foto) zusätzlich der Eindruck, dass Humor ebenfalls ein durchaus vor sich her getragenes Charaktermerkmal der Jazzer der Stadt ist. Dies toppt am Samstag allerdings Dieter Ilg solo mit Kontrabass ganz alleine. Wie er eigene mit Fremdkompositionen verbindet, mit seinem Instrument spricht oder bei "Animal Farm" erst zum Ende hin überhaupt die Saiten benutzt: Das hat Klasse und strahlt eine ungeheure Souveränität aus. Ganz klar der sichere Höhepunkt des Wochenendes.

Mit dem Pablo Held Trio am Freitag und Three Fall am Samstag müssen die "jungen Genies" definitiv noch erwähnt werden. Ersterer ein bewanderter Pianist, letztere ein Trio bestehend aus Schlagzeug/Percussion, Tenorsaxophon und Posaune, das den wohl urbansten Klang des Festivals beisteuert. Mal entsteht der Eindruck, die Bläser spielten ihre Instrumente quasi doppelt, dann wird es tanzbar, dann schauen die Lounge Lizards um die Ecke und als nächstes findet man sich akustisch auf einer einsamen Insel. Diese Gruppe geht frischestens nach vorne, klingt modern und hat offensichtlich großen Spaß, den Abend zu beschließen. Eine ganz klare Empfehlung!

Resümée? In seiner Ausgewogenheit ist das Festival vor allem eine gute Visitenkarte für das was möglich ist in Essen. Und wenn hierzu viele nach z.B. Köln abgewanderte Musiker wieder vorbei schauen, bleibt dies auch für alle Beteiligten immer wieder etwas Besonderes, schon recht nahe am Familientreffen mit Gaststars. Aber schaut man weiter, was als nächstes auf dem Jahreskalender der Jazzfreunde steht, dann wird klar, dass in Essen mehr live passieren muss. Denn die allmonatlichen Filmabende mit zusammen geschnittenem Konzertfilmmaterial von Lutz Felgner im Kinosaal des JZE Papestraße – am 11. Februar "More Sax" mit Charlie Mariano, Bob Mintzer und Anthony Braxton – sind zwar eine wundervolle und empfehlenswerte Sache. Doch dass eine solche Veranstaltung überhaupt so weit im Vordergrund des Jazzprogramms der Folkwang-Stadt steht – das darf im Grunde nicht sein. Da fehlt die Spielwiese, da fehlt der Club. Und somit auch eine Institution die es dem Festival leichter machen würde, noch mehr Publikum anzuziehen und verdient weiter zu wachsen.

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