„Unsere Existenz war noch immer abenteuerlich“

Peter Finkelgrün Foto: Raimond Spekking Lizenz: CC BY-SA 4.0


Der in Köln-Weidenpesch lebende Autor und Journalist Roland Kaufhold hat im vergangenen Jahr, zum 80. Geburtstag von Peter Finkelgruen, ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Mich erfüllte ein Gefühl von Stolz. Ich hatte es geschafft.“. Darin beschreibt er in fünf Fallstudien die Begegnungen mit dem braunen Erbe im Leben von Finkelgruen, dessen jüdische Familien unter der Verfolgung durch die Nationalsozialisten gelitten hatte und der dennoch 1959 von Israel nach Deutschland übersiedelte.

Der Journalist und Autor Peter Finkelgruen wurde 1942 in Shanghai geboren, wohin seine Eltern vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geflüchtet waren. 1946 kehrte seine schwerkranke Mutter mit dem kleinen Sohn nach Prag zur Großmutter zurück, die drei Konzentrationslager und den Todesmarsch überlebt hat. 1951 wanderten Oma und Enkel nach Israel aus und gingen 1959 nach Deutschland, weil sich die Großmutter dorthin zurücksehnte.

Finkelgruen studierte erst in Freiburg und später in Bonn und Köln, arbeitete als Rundfunkredakteur und als Korrespondent einige Jahre in Israel. Schon der „Neuanfang in Freiburg“, so die erste Fallstudie, beginnen die beiden als Untermieter im Haus der Mussolini-Verehrerin Louise Diel. Kaufhold beleuchtet darin auch die Situation der nach Palästina geflüchteten Juden, die dort nicht nur willkommen waren. Doch nur wenige kehrten nach Deutschland zurück.

In einer weiteren Fallstudie „Der Mörder, der offenbar einen Schutzengel hat“ beschreibt Kaufhold den Prozess gegen Anton Malloth, einem brutalen Aufseher im KZ Theresienstadt, der 1942 Martin Finkelgrün zu Tode prügelte. 13 Jahre hat Finkelgruen dafür gekämpft, dass der Mörder seines Großvaters angeklagt und verurteilt wurde. Das Buch ist keine einfache Lektüre und führt in die Tiefen der deutschen Vergangenheitsbewältigung nach dem Zweiten Weltkrieg, die bis in die 1980er Jahre gar keine war. Peter Finkelgruen war maßgeblich daran beteiligt, dass die Kölner Edelweißpiraten 2005, 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als mutige Widerständler anerkannt wurden und nicht weiter als kriminelle Jugendliche galten.

Erst spät hat er Aufmerksamkeit und Würdigung für seine Lebensleistung erfahren, erhielt 2020 den Rheinlandtaler des LVR und 2021 das Bundesverdienstkreuz. Das Buch, das am Schluss auch Briefe von Finkelgruens Eltern enthält, kostet 12,99 Euro und kann als Book on Demand in jeder Buchhandlung bestellt werden. mac

Roland Kaufhold: „Mich erfüllte ein Gefühl von Stolz. Ich hatte es geschafft.“ Peter Finkelgruen: Ein halbes Jahrhundert Leben als Jude in Deutschland, BoD 2022, 244 S., Euro 12,99, Bestellen?

Dieser Beitrag erschien im „Nippes-Magazin, das Magazin für den Kölner Stadtteil Nippes

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