Vielleicht hätte sich der FC Bayern München eher von Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić als von Julian Nagelsmann trennen sollen

Trainer Thomas Tuchel bei seiner Vorstellung in Dortmund 2015. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Wer an eine ruhige Spielpause in der Fußball-Bundesliga geglaubt hatte, der sah sich bisher getäuscht. Der FC Bayern München füllte das hinter uns liegende spielfreie Wochenende in der Liga mühelos ganz alleine. Durch die verkündete Trennung von Trainer Julian Nagelsmann und die Neuverpflichtung von Ex-BVB-Coach Thomas Tuchel als dessen Nachfolger, bestimmte der Rekordmeister die Schlagzeilen und sorgte bundesweit für lebhafte Diskussionen.

Unmittelbar vor dem bevorstehenden Bundesliga-Gipfel am kommenden Samstag gegen die Dortmunder schien der FC Bayern von den jüngsten Ereignissen offenbar so beunruhigt, dass die Verantwortlichen den Coach entließen, für den sie einst an RB Leipzig eine Millionen-Ablöse zu zahlen bereit waren. Das kam für die meisten unerwartet. Dies sollte aus Sicht aller Borussen  allerdings kein Grund zur Häme sein, denn die Schwarzgelben überwiesen in der Vergangenheit bekanntlich ja auch schon Ablösesummen für Übungsleiter, welche sie im Nachhinein so sicherlich auch nicht mehr gezahlt hätten. Gut in Erinnerung sind da noch die Fälle Lucien Favre und Marco Rose.

Manchmal klappt es eben in der Realität in der Zusammenarbeit nicht so, wie man es sich bei der Verpflichtung vorgestellt hatte. Das war offenkundig auch im Falle Nagelsmann bei den Münchenern jetzt so der Fall. Man mag über Zeitpunkt und die Art und Weise der Trennung diskutieren. In der Sache selber war die Freistellung von Nagelsmann und dem Rekordmeister aber schon nachvollziehbar.

Es gab zuletzt aus München etliche Störgeräusche zu vernehmen und auch die sportliche Leistung der Mannschaft war, gemessen am der herausragenden Qualität des Kaders, eher mäßig. Bei den hohen Ansprüchen, wie sie bei den Bayern herrschen, musste man irgendwann mit Konsequenzen rechnen. Und diese heißen in der Realität dann eben häufig Trainerwechsel, da man sich von großen Teilen des Kaders ja schlecht trennen kann.

Viel mehr als die Trennung vom Trainer an sich, ist daher wohl auch die Art und Weise zu diskutieren, wie diese in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde. Wer zum Beispiel den Auftritt von Hasan Salihamidžić am Sonntag im ‚Doppelpass‘ von Sport1 verfolgt hat, der konnte eigentlich kaum glauben, dass so wirklich ein Sportvorstand des Branchenprimus auftritt. Gehüllt in eine Wolke von inhaltsarmen Worthülsen und unzähligen Phrasen versuchte Salihamidžić dort zu erklären, was in der vergangenen Woche in München ablief.

Davon abgesehen, dass er dabei wenig geschickt vorging und sich an vielen Stellen angreifbar machte, musste es einen als Beobachter regelrecht erschrecken, dass ein angeblich seit Jahren sehr gut geführter Fußballverein bei einem Personalwechsel tatsächlich so ungeschickt vorgegangen ist, wie er es eben tat. Wenig gut vorbereitet, wie es schien, versuchte der Ex-Profi einem Millionenpublikum begreiflich zu machen, dass der Klub dabei aus seiner Sicht gar nichts falsch gemacht hatte, als die bevorstehende Trennung der Vereins von seinem Cheftrainer offenbar schon in die Öffentlichkeit geriet, noch bevor Nagelsmann davon Wind bekam. Das Bild in den Medien war allerdings ein komplett anderes. So sehr sich Hasan Salihamidžić auch bemühte den ‚Schwarzen Peter‘ in dieser Angelegenheit ‚der anderen Seite‘ zuzuspielen, so sehr offenbarte er zugleich die unschönen Seiten des Geschäfts. Kein schöner Zug, der zugleich auch gleich das Verhältnis zu Neu-Coach Tuchel auf eine Probe stellte.

Wer ohnehin schon dazu neigt(e), seine Begeisterung für den modernen Fußball in diesen immer kommerzielleren Zeiten ein Stück weit zu verlieren, dem musste bei diesen Schilderungen der Abläufe an der Isar fast schon übel werden.

Ähnlich befremdlich verlief auch bereits die offizielle Pressekonferenz zum Trainerwechsel in München am Tag zuvor. Am Samstag, bei der öffentlichen Vorstellung Tuchels, konnte lediglich dieser durch einen professionellen Auftritt vor den Medienvertretern überzeugen. Vorstand Oliver Kahn und auch Hasan Salihamidžić wirkten auf dem Podium hingegen eher ungeschickt und auch wenig charismatisch. Wirkliche Führungspersönlichkeiten präsentieren sich im Regelfall anders.

Klar, die Situation war für sie, ob der vielen kritischen Kommentare im Umfeld der Trennung von Julian Nagelsmann, natürlich unangenehm. Das merkte man ihnen bei ihrem Auftritt deutlich an. Trotzdem hätte man mehr Souveränität erwarten können. Ihnen fehlt es augenfällig an Charisma und Ausstrahlung. Eigentlich kaum zu glauben, dass die Bayern sich sportlich und auch wirtschaftlich unter solchen Führungspersönlichkeiten zuletzt so weit von der Konkurrenz entfernen konnten. Zumal auch der zumindest offiziell aus der Verantwortung inzwischen ausgeschiedene Uli Hoeneß in den letzten Jahren seiner Amtszeit als Präsident der Bayern immer häufiger daneben lag, wenn es um seine öffentlichen Auftritte ging.

Fast könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Bayern sich eher von Kahn und Salihamidžić hätten trennen sollen, bevor sie einem jungen und aufstrebenden Trainer wie Julian Nagelsmann, der in der Öffentlichkeit stets sympathisch(er) rüberkam als die ‚Bosse‘, das Vertrauen entziehen.

 

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[…] und den vielen schönen Fotos Lust auf die nächste Fußballreise. Das tut gut in Zeiten, in denen einen der ‚moderne Fußball‘ häufig mal nervt, oder auch der Spaß an der Sache schon mal verlorenzugehen […]

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