Vorbild Sarrazin

Seit einigen Tagen schockt Thilo Sarrazin die Republik. Nahezu geschlossen fordern Vertreter der etablierten Parteien und Zeitungs-Kommentatoren seinen Rücktritt als Vorstand der Bundesbank. In der Bevölkerung kann Sarrazin aber auf eine breite Unterstützung bauen.

Laut einer vom Nachrichtensenders N24 in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage lehnen 35 Prozent seine Thesen zwar ab, allerdings stimmen 30 Prozent der Befragten diesen zu. Noch deutlicher wird das Votum der Zuschauer von ProSieben und Sat.1.

Die beiden Sender veröffentlichen auf ihren Videotext-Seiten Umfragen die bedenkliches zu Tage fördern: Demnach geben 94,5 Prozent der Sat.1-Zuschauer Sarrazin mit seinen Thesen Recht. Nur ein verschwindend kleiner Teil stuft seine Äußerungen als „gefährlich“ oder „unsinnig“ ein.

Wer nun glaubt, die Zuschauer stammen aus dem rechten Spektrum, der hat sich getäuscht. Der Ted-Umfrage zufolge wählen über 60 Prozent der TV-Konsumenten von Sat.1 SPD, Linkspartei oder die Grünen.

Nicht viel besser sieht es bei ProSieben aus. 77,9 Prozent sehen dort Sarrazin sogar als Vorbild und 16,8 Prozent als „mutigen Mann“. Als Spalter (1,5 Prozent), Populist (0,3 Prozent) oder Hetzer (3,4 Prozent) bezeichnet ihn nur eine Randgruppe.

Die TV-Umfragen lassen sicherlich nur begrenzt Rückschluss auf die tatsächliche Meinung der breiten Bevölkerung zu, aber sie geben ein Stimmungsbild wieder. Und immerhin haben mit 5333 (Stand 21 Uhr) Stimmen fünf Mal mehr Leute ihre Meinung abgegeben als bei der Emnid-Umfrage.

Sollte Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ nicht nur schnell Kasse machen wollen (bei Amazon Platz eins), sondern auch politische Ambitionen hegen, dann wird es kalt in Deutschland.

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25 Kommentare

  1. #1 | Malte sagt am 1. September 2010 um 21:53 Uhr

    „Knapp jeder zweite Deutsche (46 Prozent) teilt die Furcht des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin, die Deutschen könnten immer mehr zu Fremden im eigenen Land werden. Das ergab eine Umfrage für das Hamburger Magazin stern. 51 Prozent teilen diese Auffassung nicht. Besonders viel Zustimmung erhält der SPD-Politiker von Bürgern mit Hauptschulabschluss (68 Prozent) und Anhängern der FDP (66 Prozent). Am geringsten ist sie bei Wählern der Grünen (23 Prozent)“

    Quelle: Stern

    „In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ stimmen 51 Prozent der Bundesbürger der Aussage des 64-Jährigen Bundesbankvorstandes zu, dass ein Großteil der arabischen und türkischen Einwanderer weder integrationswillig noch integrationsfähig sei. Nur 39 Prozent der insgesamt 501 Befragten lehnen die geäußerte Meinung Sarrazins ab.

    Bei den Grünen-Wählern stößt Sarrazins These mehrheitlich auf Ablehnung, während Anhänger von SPD, CDU/CSU, FDP und der Linken zustimmen. 69 Prozent der Bundesbürger finden sogar, es sei richtig, dass Sarrazin eine Debatte über Integration angestoßen hat. Nur 22 Prozent meinen, er hätte besser seinen Mund gehalten“

    Quelle; Focus

    Bei T-Online News sieht das so aus:

    „Die größte Zustimmung gibt es mit 59 Prozent bei Unionswählern (Nein: 31 Prozent), gefolgt von Linke-Wählern, von denen 55 Prozent Sarrazins Ansicht teilen (Nein: 36 Prozent). Von den Anhängern der FDP stimmten 54 Prozent Sarrazin zu (Nein: 42 Prozent), bei den SPD-Wählern waren es 50 Prozent (Nein: 42 Prozent). 69 Prozent der Befragten finden sogar, es sei richtig, dass Sarrazin eine Debatte über Integration angestoßen hat. Nur 22 Prozent meinen, er hätte besser seinen Mund gehalten. Die Befragung fand am vergangenen Donnerstag statt.“

    Aber egal wo man hinschaut, er hat die Mehrheit auf seiner Seite!

  2. #2 | ch_we sagt am 1. September 2010 um 22:47 Uhr

    „Aber egal wo man hinschaut, er hat die Mehrheit auf seiner Seite!“

    Na dann muss er ja recht haben…

  3. #3 | Marc Nemitz sagt am 2. September 2010 um 00:42 Uhr

    Erschreckend ist überhaupt der Zuspruch, den Herr Sarrazin zu seinen Thesen erhält. Man sollte vielleicht doch mal grundsätzlich die Aussagen überprüfen.

  4. #4 | Marco sagt am 2. September 2010 um 04:40 Uhr

    Mich regt am meisten auf, dass Herr Sarrazin zwar sehr vielen Menschen aus der Seele spricht aber Worte dabei benutzt, die das ganze wieder absolut angreifbar machen. Herr Sarrazin müsste doch gelernt haben, dass es in Deutschland verboten ist etwas Kritisches gegen andere Volksgruppen zu sagen und schon garnicht gegen Juden. Warum überspannt er das so ? Oder ist es so, dass auch in dem Bereich immer einer über das Ziel hinaus schiessen muss, um überhaupt etwas zu verändern. Google macht es doch vor.

  5. #5 | Jens König sagt am 2. September 2010 um 07:37 Uhr

    Wir befinden uns auf einem Narrenschiff und jetzt zettelt der Kaspar eine Meuterei an.
    Stellt sich die Frage, ob man schonmal die Rettungsboote klarmachen sollte.

  6. #6 | Hans Dampf sagt am 2. September 2010 um 09:35 Uhr

    dass es ein gehöriges rechtspopulistisches Wählerpotenzial gibt, hat bereits der kurze Sommer der Schillpartei gezeigt.

    Deren Entwicklung zeigte aber auch, warum von Sarrazin parteipolitisch keine Gefahr ausgeht: Der Rand zwischen CDU und NPD besteht aus querolantischen, rechthaberischen Kleinbürgern ohne jedes politische Bewusstsein. Jede Parteigründung ist da auf Treibsand gebaut.

    Zumal ihn die SPD eh nicht ausschließen wird:-)

  7. #7 | Bert sagt am 2. September 2010 um 10:25 Uhr

    „Sollte Sarrazin mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ nicht nur schnell Kasse machen wollen (bei Amazon Platz eins), sondern auch politische Ambitionen hegen, dann wird es kalt in Deutschland. “

    Politische Arbeit hat Sarrazin gestern bei Hart aber „Fair“ ausgeschlossen.

    Es wird aber kalt in Deutschland werden, wenn die Integrationsprobleme weiterhin ignoriert werden…

  8. #8 | daniel sagt am 2. September 2010 um 11:17 Uhr

    das buch ist raus, das geschrei groß ! eigentlich auch egal ob er aus der spd und aus dem vorstand der bank geschmissen wird, der stein ist ins rollen gekommen und auch finanziell wird sich diese aktion gerechnet haben. bin mal gespannt, wie schnell graß drüber wächst !?

  9. #9 | Paul Havers sagt am 2. September 2010 um 11:21 Uhr

    @Bert- Da würde ich mal abwarten. Hätte Sarrazin gesagt, er sei offen für eine neue Partei, die SPD hätte ihn dann leicht rausschmeißen können.

    Die Probleme bei der Integration muss man sicherlich angehen. Vordringlich ist dazu eine bildungspolitische Lösung. Die von Sarrazin verbreiteten Thesen sind aber dennoch Unsinn, da die Herleitung oftmals auf falschen Annahmen beruht. Ergo, sein Einwurf hilft nicht, sondern schadet.

  10. #10 | Julia sagt am 2. September 2010 um 11:34 Uhr

    Komisch, dass sich die Jerusalem Post nicht aufregt:

    https://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=186775

    „While the discussion about a shared genetic makeup among Jews was reported on in June in The New York Times and Jewish newspapers, Germans react in a Pavlovian way to genetic theories, because the Nazis employed biological racial theories to dehumanize Jews and other groups. All of this helps to explain the hysterical attacks on Sarrazin’s references to Jewish genetics.“

  11. #11 | Lutz sagt am 2. September 2010 um 11:55 Uhr

    Sarrazin spricht aus was viele Bürger denken und das ist auch gut so, denn es muss sich etwas ändern…
    Die Grünen haben einen großen Anteil an der Geschichte, denn nach ihrer Meinung
    war es früher sonnenklar, dass die Integration zügig verläuft. Sie haben sich geirrt und zwar gewaltig…sie hatten früher keine Ahnung und sie haben heute keine Ahnung (Energiepolitik).

  12. #12 | Torben sagt am 2. September 2010 um 12:07 Uhr

    „…dann wird es kalt in Deutschland.“

    Iwo. Der Herr weiss den Klimahaushalt sehr wohl zu regeln. Wie er am Montag in Berlin bewies:

    https://www.youtube.com/watch?v=2ayqRXxLsxI

    (Der Soundtrack zum Untergang)

  13. #13 | ch_we sagt am 2. September 2010 um 12:24 Uhr

    @Julia

    Der Unterschied ist ein feiner. Sarrazin sagt „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen.“ Das ist aber nicht das Ergebnis der Studie, die Sarrazin lt. Eigenaussage auch nur aus einem Artikel aus dem Tagesspiegel kennt. Die Studie sagt, dass es eine Überlappung eines bestimmten genetischen Markers gibt – aber nur bei Personen, bei denen sich alle vier Großeltern als „jüdisch“ bezeichnen. Die Wissenschaftler bezeichnen diese Gruppe als „Jewish“. Das ist aber eine strengere Definition für ‚Jüdischsein‘ als sie z.B. das hachitische Recht vorsieht.

    Ansonsten kann übrigens auch die Jerusalem Post oberflächlich oder lückenhaft berichten – der Tagesspiegel-Artikel wird dort z.B. nicht erwähnt.

  14. #14 | Malte sagt am 2. September 2010 um 13:18 Uhr

    @Marco:“schon garnicht gegen Juden“

    Er hat nie etwas „gegen“ Juden gesagt!

    Aber, es ist interessant das Du auf einen SEO-Blog versinkst und in deinem Kommentar zufälliger weise noch das Wort „Google“ unterbringst 😉

  15. #15 | Bert sagt am 2. September 2010 um 13:18 Uhr

    „Sarrazin sagt “Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen.” “

    Er sagt auch, alle Basken teilen ein bestimmtes Gen.

    Warum regt sich da keiner auf ?

    Diese Diskussion ist dann doch etwas scheinheilig.

  16. #16 | anon sagt am 2. September 2010 um 13:23 Uhr

    ft.de:

    Thilo Sarrazins Deutschland-Analyse ist…

    55% Antwort 1: gut und richtig
    30% Antwort 2: ein Denkanstoß
    6% Antwort 3: überwiegend Unsinn
    10% Antwort 4: gefährliche Ausländer-Hetze

  17. #17 | anon sagt am 2. September 2010 um 13:23 Uhr

    sollte natürlich „ftd.de“ heißen…

  18. #18 | Malte sagt am 2. September 2010 um 14:06 Uhr

    Zitat „Die von Sarrazin verbreiteten Thesen sind aber dennoch Unsinn, da die Herleitung oftmals auf falschen Annahmen beruht. Ergo, sein Einwurf hilft nicht, sondern schadet“

    Ich stell mal was zur „Diskussion“ rein 😉

    Zitat: „Die belgische Schnellimbisskette Quick bietet in 22 Filialen in Frankreich nur noch islamisch statthaftes Essen an. Allein im Großraum der französischen Hauptstadt wurden am Mittwoch zehn Filialen auf ein sogenanntes „Halal“-Angebot umgestellt“ […]

    […]Die Pläne des Unternehmens wurden in Frankreich keinesfalls mit Begeisterung von allen Seiten aufgenommen, wie Welt Online berichtet. Demnach habe der Bürgermeister von Roubaix, René Vandierendonck, zusammen mit dem Bürgermeister von Bry-sur-Marne eine Klage wegen Diskriminierung eingereicht.

    Der Firmenchef reagiert nun auf die Kritik und bietet als Zugeständnis an nicht-muslimische Kunden in den „Halal“-Filialen nun auch einen traditionellen Hamburger an. Dieser werde aber nicht in den Restaurants zubereitet, sondern nur noch aufgewärmt, sagte Charret. Würde der Burger dort frisch zubereitet, würde das Restaurant nicht mehr als rein gelten“

    Quelle: https://nachrichten.t-online.de/islam-burger-empoert-franzosen/id_42727318/index

    Ich denke, diese Dinge sind es eher, die Herrn Sarrazin „bewegen“!?

  19. #19 | Paul Havers sagt am 2. September 2010 um 14:26 Uhr

    @Bert: Du hast recht: Ich bin empört wegen der Basken-Nummer! Aber im Ernst: Sarrazin hat die Nummer mit den Juden kalkuliert in die Diskussion eingeführt. Als Politiker weiß er, womit er provozieren kann. Diese Karte dann zu ziehen, halte ich für schändlich.

    @Malte: Sicherlich ist Sarrazin durch die Veränderungen in der Gesellschaft alarmiert, gibt halt nicht mehr nur Bratwurst und Schnitzel wie in den 50er-Jahren. Stellt sich aber die Frage, ob inwiefern eine Menü-Umstellung bei Quick eine Gesellschaft verändern.

  20. #20 | Malte sagt am 2. September 2010 um 14:30 Uhr

    Zitat „Stellt sich aber die Frage, ob inwiefern eine Menü-Umstellung bei Quick eine Gesellschaft verändern“

    In dem sie eine andere ausschließt, wie in diesem Fall in Frankreich! [Auch wenn dort es dort nur um finanzielle Interessen geht]

  21. #21 | Paul Havers sagt am 2. September 2010 um 15:22 Uhr

    Quick gibt es da an jeder Straßenecke, die paar Buden fallen da kaum ins Gewicht. Außerdem freut sich der Quick-Griller auch über jeden Kunden anderer Glaubensrichtung.

  22. #22 | Tim sagt am 2. September 2010 um 18:41 Uhr

    Sehr geehrte Barone der Ruhr,

    Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll bei dieser Werbung die unter einen Artikel steht, der eher gegen Sarrazin gerichtet ist…https://de.tinypic.com/r/2gtddg0/7

    Gruß Tim

  23. #23 | Malte sagt am 2. September 2010 um 19:00 Uhr

    @Tim: Gut aufgepasst 😉

  24. #24 | Paul Havers sagt am 2. September 2010 um 21:22 Uhr

    @Tim: Ich fühle mich auch gerade berufen, meine unglaublich wichtigen Gedanken in ein Buch pressen zu müssen. Bei dem Preis kann man nicht meckern 🙂

  25. #25 | Malte sagt am 3. September 2010 um 09:34 Uhr

    nur mal so:

    https://www.wiesbaden.de/medien/dokumente/leben/gesellschaft-soziales/auslaender/Integrationsvereinbarung-29-5-07_1_.pdf

    Gemeinde und Stadt erkennen folgende gemeinsame Wertgrundlagen an:
    1. Unantastbarkeit der Menschenwürde,
    2. Geltung von Grund- und Menschenrechten,
    3. gleiche Würde von Frau und Mann sowie Gleichberechtigung der Geschlechter,
    4. Integration aller Menschen in das kommunale Leben über kulturelle, religiöse und
    weltanschauliche Grenzen hinweg als gemeinsames Ziel,
    5. Völkerverständigung und Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Religionen,
    Glaubensgemeinschaften und friedlichen Weltanschauungen,
    6. Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften sowie von Politik und religiösem
    Wahrheitsanspruch,
    7. freiheitliche, rechtsstaatliche und demokratische Verfassung des Gemeinwesens,
    8. Genuss bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte unabhängig von dem religiösen
    Bekenntnis unter besonderer Beachtung des Artikel 33 GG,
    9. Zulassung zu öffentlichen Ämtern und Gewährung der im öffentlichen Dienst
    erworbenen Rechte unabhängig von dem religiösen Bekenntnis unter besonderer
    Beachtung des Artikel 33 GG,
    10. Ächtung politisch oder religiös motivierter Gewalt,
    11. Ächtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit,
    12. Ächtung von Diskriminierung, Benachteiligung und Bevorzugung aufgrund des
    Geschlechtes, der Abstammung, der Rasse, der Sprache, der Heimat und Herkunft,
    des Glaubens, der religiösen oder politischen Anschauung unter besonderer
    Beachtung von Artikel 3 GG.

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