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Vorkriegs-Notizen (2)

Unsere Kinder sollten es einmal
schlechter haben als wir
                                   (für Nicolas Born)

Heute zum Beispiel
spüre ich kaum etwas von Furcht
Als ob sie nie da gewesen wäre
Ich erinnere mich plötzlich
an völlig verlorene Teile von mir
ganze Tage Gesichter Reisepläne …

Heute scheine ich immun
atme gewöhne mich wieder
an die Nachrichten sattsam bekannte News
vom Häuserkampf gegen die
Arbeitslosen
von der größer werdenden Armut der
Kinderreichen an den vergebens befestigten
Ufern der Ruhr
von Dementen die ihre Neurologen für Top-Anästhesisten
halten DIE KEIN MENSCH MEHR
bezahlen kann
(„Herr Doktor ich selbst aber
kann IHRE Müdigkeit gut
verstehen DENN AUCH ICH GLAUBE
die ganze Nacht am Herd gestanden zu sein“)

Ohne Furcht ohne Gedächtnis lebt es sich leichter
Schon wiege ich fast nichts mehr
so solide gelagert außer Dach und Fach
doch garantiert gefühlsecht ich
als Kunde unter Kunden ICH im Einkaufsparadies
in Universität Waschstraße Doppelhaushälfte

Dass die Renten nicht sicher sind das ist mal sicher
das Beste gerade gut genug für uns Brüll-
affen jäh schreiend am Morgen für ALDI-
Frauenruinen mit jeder Menge Gratis-Zukunft
obwohl
im kleinen Unglück spurlos
für immer verschollen

So ungeschützt wird Vorkrieg erst schön

Kommt ins Geschlossene, in die Geschlossene
Freunde
zwar glänzen draußen die Displays heller heute
doch auch allinnen schnöd richtet Mammon uns ab
– und fristgerechter –
auf wohltuend kostenneutrales Ableben
in den Scheinehe-Betten
mietzinsfreundlicher Genossenschaften oder
in den Sterbezimmern jener Hospize mit
den höchsten
Renditen

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