30

Warum das Fach Wirtschaft nötig ist


Die neue Landesregierung will Wirtschaft als Pflichtfach an den Schulen einführen. Eine gute Idee, denn vielen ist nicht mehr klar, woher unser Wohlstand kommt.

Mit einem leicht variierten Zitat eines Tweets der Schülerin Naina aus dem Jahr 2015 begründet FDP-Chef Christian Lindner, warum Wirtschaft künftig in NRW ein Pflichtfach werden soll: „Ich habe keine Ahnung von Miete, Steuern und Versicherungen. Aber ich kann Gedichte interpretieren. In vier Sprachen.“  Kinder und Jugendliche für das wirtschaftliche Alltagsleben fit zu machen und sie so davor zu bewahren, sich beim Abschluss von Verträgen über den Tisch ziehen zu lassen, ist eine gute Sache, aber die Einführung von Wirtschaft als Pflichtfach nur damit zu begründen, ist etwas dünn. Und würde das Fach künftig nicht mehr leisten als eine kind- und jugendgerechte Aufbereitung von Verbraucherwissen, wäre es überflüssig. Der Tipp, mal eine Filiale der Verbraucherschutzzentrale aufzusuchen oder dem Mieterverein beizutreten, würde in vielen Fällen vollkommen ausreichen.

Wichtig ist Wirtschaft als Fach, weil es etwas vermitteln kann, das zusehends in Vergessenheit gerät: das Wissen, woher  Wohlstand kommt – sowohl in Deutschland als auch in Europa und der ganzen Welt.

Die Grundlage des Wohlstands wird in der Industrie und in einigen Dienstleistungsbrachen geschaffen. Sie schaffen, in Deutschland vor allem über den Export, das Geld heran, von dem die anderen leben: Journalistinnen, Politikerinnen, Müllwerker, Lehrer, Friseure oder Ärztinnen – sie alle leben von der Wirtschaftskraft der Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen herstellen und anbieten, die auf dem Weltmarkt erfolgreich sind. Ok, ein paar Hotels können gut von ausländischen Touristen leben und bilden mit ein paar anderen Branchen die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Betroffenheitsbeaufragte, NGOs wie der BUND und Greenpeace und der evangelische Pfarrer mit der Wandergitarre und seinen Friedensgottesdiensten sind es nicht.

Es wäre ein großer Erfolg, wenn Jugendliche in ein paar Jahren beim Anblick einer Fabrik oder eines Bürohochhauses wieder denken „Wow, hier wird das Geld verdient, dem ich mein Smartphone zu verdanken habe“ und nicht „Oh, da hat mal eine Froschfamilie gelebt.“

RuhrBarone-Logo

30 Kommentare zu “Warum das Fach Wirtschaft nötig ist

  • #1
    Reinhard Matern

    "Das Wissen, woher Wohlstand kommt – sowohl in Deutschland als auch in Europa und der ganzen Welt." Eventuell ist herauszubekommen von welchen Konzernen gesellschaftlich relevanter Wohlstand produziert wird, dies fiele jedoch in den Bereich Sozialkunde, ein Wissen, in welcher Weise Wirtschaft funktionieren wird, gibt es einfach nicht, kann es auch nicht geben …

  • #2
    Markus Schwabe

    Politiker und Blogger dilettieren fröhlich im pädagogischen Bereich. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Die ideoligegetränkte Pfuscherei der FDP im Bildungsbereich (überstürzte Einführung G8, "gfreie" Grundschulwahl) ist uns noch aus der letzten CDU-FDP gegenwärtig. Wenn "Wirtschaft", "Politik", "Sport" abgedeckt sind, hätte ich dann gerne noch das Schulfach Feuilleton. Und Reisen! Ist schließlich auch wichtig und verbreitet.

  • #3
    Markus Schwabe

    P.S.
    Zu "Wirtschaft" fällt uns noch im Jahr 2017 als Illustration nichts als der Eingang zu Thyssen Krupp Stahl ein? Warum nicht ein paar schwarzbestäubte Bergleute?

  • #4
    ke

    Es kommt auf die Haltung an. In der Schule hatte ich auch etwas Zeit benötigt, um zu lernen, welche Antworten Lehrer im Bereich Sozialwissenschaften sehen wollen, wenn es um wirtschaftliche Fragen geht.
    Das Geld wurde gedruckt und dann verteilt. Höhere Steuern zum Verteilen waren auch sehr gut.

    Ein neues Fach brauchen wir dennoch nicht. Ich hatte Erdkunde, Physik, Sozialwissenschaften, Geschichte etc.
    In diesen Bereichen lassen sich aktuelle und historische Entwicklungen hervorragend darstellen. Ebenso kann man versch. Systeme historisch und mit aktuellen Daten vergleichen.
    Auch der English/Deutsch Unterricht kann mit entsprechenden Beispielen Allgemeinwissen vermitteln. Final ist doch alles vor dem historischen Kontext zu betrachten. Selbst die Musik.

    Schüler müssen lernen, eigenständig zu lernen. Die Schule kann Grundlagen vermitteln. Die Transferleistung muss der Schüler selber durchführen.

    Wichtig ist aber, wie die Lehrer bewerten und was sie vermitteln.

  • #5
    abraxasrgb

    Pflichtlektüre: Henry Hazlitt, Economics in one lesson.
    Gibt es zum freien Download im Netz.

  • #6
    GMS

    Wer will den entscheiden was gesellschaftlich relevanter Wohlstand ist?
    Abgesehen davon, an dem Prinzip wie Wirtschaft funktioniert ändert weder Uber, AirBnB oder das BGE etwas.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Markus Schwabe: ThyssenKrupp ist immer noch einer der größten Arbeitgeber Duisburgs. Und er bietet gut bezahlte, tarifgebundene Jobs -noch.

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @GMS: Gesellschaftlich relevat ist alles, was dafür sorgt, dass wir uns die ganzen tollen Dinge kaufen können – und das möglichst viele von uns. Her mit dem guten Leben – mehr Kapitalismus!

  • #9
    GMS

    @Stefan Laurin Das war rhetorisch gemeint. Eigentlich wollte ich Herrn Schwabe die Befugnis das zu entscheiden, absprechen… 🙂

  • #10
    thomasweigle

    "Mehr Kapitalismus", schöne Forderung, nur muss ich feststellen, dass wir seit dem Ende des Realsozialismus mehr Kapitalismus, aber leider auch mehr Armut haben, dafür aber obszönen Reichtum bei wenigen.

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @thomasweigle: Das sagen ja alle Linken immer – dadurch wird es nicht wahrer. Weltweit läuft es prima 🙂 https://www.ruhrbarone.de/alles-wird-gut-2/136982

  • #12
    Gerd

    Die Idee mag gut gemeint sein, aber die Umsetzung liegt in den Händen der Politik und der GEW. 🙁

  • #13
    abraxasrgb

    # 10 Thomas, dafür haben wir, seit es die Marktwirtschaft und die damit verbundenen politischen Freiheiten gibt, eine sehr luxuriöse Armutsdefinition. Zumindest in einem großen Teil der westlichen Welt.
    Wer Armut und Wohlstand als Verteilungsproblem (Fair-Teilungsproblem) sieht bzw. den Reichtum einiger als Ursache für die Armut anderer, ist ein prima Kandidat für Unterricht bzw. Fortbildung in Sachen Wirtschaft. Wert- bzw. Wohlstandsproduktion ist kein Nullsummenspiel *anmerk*
    Der "real existierende" Sozialismus war / ist auf jeden Fall eine egalitäre Veranstaltung: Armut und Mangel für alle! 😉

  • #14
    jovan

    solange manche hoffen "sie so zu davor zu bewahren, sich beim Abschluss von Verträgen nicht über den Leisten ziehen zu lassen", wäre deutsch-unterricht vielleicht doch immer noch wichtiger. gibt’s übrigens auch im bereich der erwachsenenbildung.
    ansonsten bin ich sehr dafür, allen menschen ein umfassendes wissen über die wirtschaftlichen zusammenhänge in unserer welt zur verfügung zu stellen. dann kommen die armen kleinen auch nicht auf die drollige idee, unternehmen der industrie und dienstleistung schafften gesellschaftlichen reichtum.
    und dass niemand voll ehrfurcht an einer fabrik oder einem büroturm vorbeiprozessiert, mag eventuell daran liegen, dass es doch noch menschen geben mag; diese wüssten nämlich um die durch arbeit vernichteten leben.
    aber weder arbeit, noch was das leben wirklich ausmachen könnte sind hier selbstverständlich das thema.

  • #15
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @jovan: Die Zahl der von Armut vernichteten Leben dürfte größer sein, als die der von Arbeit vernichteten. Und wer nicht fett geerbt hat oder von der Leistung anderen leben möchte, muss nun mal was tun.

  • #16
    thomasweigle

    Ja, die Politik ist an allem schuld und die Wirtschaft ist über jeden Zweifel erhaben. Ob die Armut weltweit zurückgegangen ist, mag sein, in Deutschland nimmt sie zu, @Stefan Laurin.
    Was soll dem im Fach Wirtschaft gelehrt werden? Wie man die öffentlichen Hände und den Privatmann durch unrealistische Kostenvoranschläge ausnimmt? Da bin ich dafür, aber das werden die entsprechenden Interessenverbände zu verhindern wissen, sondern dafür sorgen, dass die entsprechenden Hochglanzbroschüren Grundlagen des entsprechenden Unterrichts werden.

  • #17
    jovan

    @stefan aber Du nimmst doch wohl nicht an, dass armut nichts mit individuellem reichtum zu tun hat. und mehr arbeit hat mit weniger armut blöderweise noch nie im zusammenhang gestanden.
    und dass im kapitalismus die masse ihre arbeitskraft verkaufen muss, d’accord! zum beispiel genau das und der grund dafür sollte in chrischis neuem lieblingsfach vermittelt werden, wenn es gewinnbringend sein soll. und vielleicht mal, wie es tatsächlich um den GESELLSCHAFTLICHEN reichtum steht. und wenn dann noch zeit bleibt zu reflektieren, wie wenig arbeit für unseren und einen unermesslich größeren reichtum tatsächlich notwendig ist und wieviel weniger es gar in zukunft sein wird und dass folglich längst mal drüber nachgedacht werden sollte, wie wir alle daran teilhaben lassen können, ja dann könnte das fach in der tat zur mündigkeit unserer blagen gehörig etwas beitragen.
    bis dahin aber halte ich es in diesem fall mal mit den scherben (später auch von slime zitiert/gecovert):
    arbeit macht das leben süß, süß wie maschinenöl.

  • #18
    Angelika

    "…Eine gute Idee, denn vielen ist nicht mehr klar, woher unser Wohlstand kommt…"

    Das, woher etwas kommt, zu vermitteln, kommt im Fach Geschichte vor …
    Stichworte: Zunftwesen, Hanse, Fugger, Industrielle Revolution usw. usw. bis hin zu Marshall-Plan, Montan-Union, EU usw. usw.

    Zum Schulfach Wirtschaft schreibt Christoph Lütge (Ordinarius für Wirtschaftsethik an der TU München):
    "…Wichtig sind sowohl praxisnahe als auch theoretische Kenntnisse. Schülerinnen und Schüler sollten die Grundzüge des Rechnungswesens kennen und wissen, welche Rechte und Pflichten sich aus einem Kaufvertrag ergeben. Sie sollten aber auch wissen, nach welchen Mechanismen Märkte und Preisbildung funktionieren, wie das Steuer- und Abgabensystem verfasst ist und welchen Sinn Wettbewerb und Markt in einer demokratischen Gesellschaft mit sozialer Marktwirtschaft haben…"
    http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-11/wirtschaft-schulfach-unterricht

  • #19
    Walter Stach

    1.
    CDU/FDP geht es m.E. primär nicht um ein sachliches Anliegen, sondern darum, zu Beginn ihrer "Regierungszeit" ein Signal an die Bürgerschaft/die Wählerschaft auszusenden:
    "Wir sind Wirtschaftsparteien" – ein legitimes Signal-.
    (Ich sage jedoch dazu, daß CDU/FDP damit dokumentieren, daß sie " die Parteien der Wirtschaft" sind und Letztere sich das bekanntermaßen ja auch ‚was kosten lassen -legitim, oft nicht legal-.

    Bekanntlich nehmen viele Bürger/Wähler solche Signale interessiert war. Wer davon mehr erwartet

    Bekanntlich hören die Bürger/die Wähler interessiert hin, wenn solche Signale erklingen; mehr passiert aber in der Regel nicht, schon gar nicht bezogen auf das Votum der Bürger bei der nächsten Wahl.
    2.
    Sehr gespannt bin ich darauf, wie der Lehrplan für das Fach Wirtschaft aussehen wird -Elemente aus der "theoretischen Volkswirtschaftslehre", aus der sog. praktischen Volkswirtshaft" oder gar aus der Betriebswirtschaftslehre?

    Zudem ist es für mich interessant, demnächst Konkretes darüber erfahren zu können, wer
    denn in diesem neuen Fach-unter welchen fachlich-pädagogischen Voraussetzungen- unterrichten soll.
    Nicht klar ist mir bisher, ob das Fach Wirtschaft obligatorisch sein soll an den Grundschulen und an allen sog. weiterführenden Schulen oder….??

    3.
    Persönlich halte ich schon jetzt die Lehrpläne an allen Schulen für überfrachtet mit "Spezialfächern", was u.a. dazu führt, daß es den Schülern an elementaren Grundkenntnisse fehlt -erstmals festzustellen beim Übergang von der Grundschule zu weiterführenden Schulen und dann, wenn nach dem "endgültigen" Schul- Abschluß eine Ausbildung aufgenommen oder ein Studium begonnen wird.
    Neben gravierenden fachlichen Mängeln ,z.B.im Rechnen/in der Mathematik, z.B.
    im Fach Deutsch -Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung- muß zudem immer öfter festgestellt werden, daß den ehemaligen Schülern, wenn sie einen Ausbildung anfangen oder ein Studium beginnen, elementare Fähigkeiten, die für jeden Beruf und die für jedes Studium zwingend notwendig sind , fehlen, z.B. sich konzentrieren zu können, z.B. sich Ziele zu setzen und diese "um jeden Preis" -komme was da will-erreichen wollen-, aber z.B. auch die gewonnene Erkenntnis, daß
    auch heute noch der Grundsatz gilt, "ohne Fleiß keinen Preis".

    Diese simplen Erkenntnisse, diese simplen Fähigkeiten, die es in der Schule zu vermitteln und zu erwerben gilt, bleiben nach wie vor Außen vor, wenn "man" -wo und wann auch immer- ‚mal wieder darüber nachzudenken vorgibt, was denn den jungen Menschen in Deutschland -in ihrem Interesse und im Interesse "der" Gesellschaft fehlen könnte, und zwar anstelle des neuen Schulfaches "Wirtschaft".

    Im übrigen wird doch bereits heute an allen Schulen -in unterschiedlicher Intensität und -selbstverständlich- in pädagogisch unterschiedlicher Qualität das gemacht, weshalb Stefan Laurin
    das neue Schulfach Wirtschaft begrüßt;
    "Man" liest Texte, man analysiert Texte, die sich z.B. beziehen auf "die Industrie in Geschichte und Gegenwart" Deutschlands."Man" erarbeitet im Fach "Rechnen/Mathematik"die Kosten/Nutzenrechnug eines Betriebes. "Man" befasst sich im Fach "Rechnen"mit "Zins- u. Zinseszins" anhand der aktuellen Zinspolitik in der EU/in Deutschland. "Man" befaßt sich in der sog. Sozialkunde damit, was in unserer Gesellschaft Grundbedingung dafür ist, daß der einzelnen Mensch, daß eine Familie materiell existieren kann -Arbeit, ein Arbeitseinkommen und ein dementsprechende " indididuelle bzw. familiäre"Ausgabe-wirtschaft. "Man" kann im Fach Rechnen, im Fach Mathematik "kostendeckende Mieten" errechnen oder versuchen, eine "sichere Altersrente" zu ermitteln. Schon Grundschüler erfahren etwas vom "Wesen und Zweck" einer Bank, einer Sparkasse, wenn sie von denen eingeladen werden, um "vor Ort" gesammeltes -angespartes Bargeld- abzugeben. Und im Fach "Religion" oder "Ethik" könnte ja über die Frage eines "gerechten Lohnes" diskutiert werden, was vermutlich auch so geschieht.
    Dazu und zu Vergleichbarem" bedarf es also keinesfalls eines weiteren neuen Schulfaches.

    4.
    Ich merke dieses an, wohlwissend, daß ich damit nichts erreichen werde, jedenfalls keine
    Nachdenklichkeit bei den Schöpfern des neuen "Schulfaches Wirtschaft" und bei denen, die -aus welchen Gründen auch immer- das damit von CDU/FDP ausgesandte parteipolitische Signal mit Begeisterung vernommen haben.

    Ich unterstelle ‚mal, daß das von Lindner verwendete Zitat von einer Gymnasiastin -12 Klasse?-
    stammt:
    " …Keine Ahnung von Mieten, Steuern, Versicherungen."

    Und das ist dann der konkrete Antrieb -sozusagen das Tüpfelchem auf dem I- für Lindern, das neue
    Schulfach Wirtschaft zu fordern?

    Ich hätte die junge Dame , statt ihr Unwissen mit dem Fehlen des Schulfaches "Wirtschaft" zu erklären, gefragt, warum sie sich bei ihrem vorgeblichen Interesse für "Mieten, Steuern und Verischerungen" nicht eigenständig simples Grundwissen über Mieten/Steuern/Versicherungen angeeignet hat -vermutlich hätten Nachfragen bei den Eltern, bei Freunden, beim "Klassen-" Lehrer die Antworten geliefert, um "Ahnung" davon zu bekommen, was "Mieten/Steuern/Versicherungen" ihrem Wesen und ihrem Zweck nach sind und das wiederum hätte -bei einem neugierigem und wißbegierigem jungen Menschen dazu führen können, sich eigenständig um weitere Detailkenntnisse zu bemühen und ein solcher Prozess wäre wiederum in Gänze für die jungen Frau hilf- und lehrreich gewesen für ihr Studium, für ihren Beruf, nämlich nicht stets darauf zu hoffen und zu warten, daß da immer und überall jemand sein muß, der naheliegende Fragen zu beantworten hat, sondern daß "man" sich selbst daran machen mussen, Antworten zu suchen und
    diese eigenständig zu finden/zu erarbeiten.

  • #20
    abraxasrgb

    # 14 Jovan Zitat "aber weder arbeit, noch was das leben wirklich ausmachen könnte sind hier selbstverständlich das thema"
    Doch, sind sie implizit schon. Es gibt – hier verpönte – Methoden, Wirtschaft zu betrachten, wie die Grenznutzenschule. Die Grenznutzenschule berücksichtigt nicht nur individuelle Werte, sondern macht diese geradezu zum "Maßstab" des Erfolges, ökonomischen Handelns. Was der Durchschnitts- Mittelmaß-BWLer daraus macht, ist ein ganz anderes Thema. Aber das ist hier auch kein Blog für Management-Strategien.
    Der Dialog zwischen – im weitesten Sinne – wirtschaftlich ausgebildeten oder erfahrenen Menschen und Laien ist in etwa so, wie die Kommunikation zwischen Neuro-Chirurg und Koma-Patient. 😉

  • #21
    paule t.

    Aha – " Journalistinnen, Politikerinnen, Müllwerker, Lehrer, Friseure oder Ärztinnen" tragen also nicht zur "Grundlage des Wohlstands" bei, sondern "leben [nur] von der Wirtschaftskraft der Unternehmen […]". Soso. Ich würde ja sagen, alle diese Berufsgruppen (ja, auch die Politiker) verrichten gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeiten, die für andere nützlich und wertvoll sind, und tragen somit selbstverständlich auch selbst zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei. Schon allein aus diesem Satz trieft also die unsinnige liberale Ideologie, nach der aus geheimnisvollen Gründen nur das Wohlstand sei, was in privaten Unternehmen hergestellt wird, das, was Leute im öffentlichen Sektor tun, aber nicht.

    Oder geht es um den "Erfolg auf dem Weltmarkt"? Auch das ist offensichtlicher Bullshit – als ob es für den Beitrag zum Wohlstand darauf ankäme, wo ein Produkt verkauft wird – und nicht, wie nützlich es ist, wie begehrt es ist, wie gerne es Leute konsumieren (und zwar egal wo).

    Schließlich offenbart der Autor seine Unkenntnis über Bildung und Schule dadurch, dass er so tut, als käme WIrtschaft in der Schule nicht vor. Tut sie natürlich, einerseits als einer der Teilbereiche der Fächer Politik/Sowi und fächerübergreifend mit wirtschaftsrelevanten Einzelthemen in anderen Fächern, nur als Beispiel die Zinsrechnung in Mathematik. Ja, man könnte untersuchen, ob dabei was zu verbessern wäre – das ist aber auch alles.

    Insgesamt kann man sehen, dass Interessierte nur ihr ideologisches Programm installieren möchten, wie meistens, wenn irgendwelche neuen Spezialfächer für die Steckenpferde der jeweiligen Politiker gefordert werden. Fast immer kommen die pädagogisch relevanten Themen nämlich schon längst im Rahmen der existierenden Fächer vor.

  • #22
    Ines C.

    @paule t: Relevant für die Pädagogik ist immer nur der Erhalt ihres eigenen Systems – und Selbstbereicherungsmodells. Wenn Wirtschaft wirklich in der Schule "vorkäme" hätten wir weniger Gymansiasten, die als Zukunftsidee nur Beamtentum -vorzugsweise Lehrer- hätten und mehr Unternehmerinnen. Haben Sie schonmal Kinder dabei unterstützt, zu verstehen, was die Lehrer bei "Zinsrechnung" von ihnen wollen? Da offenbart sich die ganze Misere unserer Bildungspolitik.
    Wirtschaft ist auf jeden Fall lebenstauglicher als das Coding in Grundschulen, das SPD-Gesche Joost – Steinbrück-Schattenkabinett und Telekom-Fangirl- einführen will. Sie hat dabei mehr die Bereicherung der an dem Tool verdienenden Schulbuchverlage und Firmen im Sinn, als die Bereicherung der Bildung. Um das zu durchschauen, braucht es Grundkenntnisse in Abzocke-Absichten, die im Fach Wirtschaft erlangt werden könnten.

  • #23
    GMS

    Wenn ich mich mit Leuten unterhalte, egal ob Akademiker oder nicht, und die Frage zu Wirtschaftsthemen kommt, bleibt die Diskussion meist bei hohlen Phrasen die der Ideologie des Sprechers zugehörig sind.
    Kommt es hingegen zu konkreten Dingen, wie einem Dispokredit, tun sich Abgründe auf. Versuchen sie ma, den Lauten auf den Zahn zu fühlen wie gut deren Kenntnisse sind.
    Und genau um diese lebensnahen Kenntnisse muss es gehen. Nicht ob die Wirtschaftspolitik der Partei XYZ oder des Esoterikers, akademisch Volkswirts, Mustermann gut oder schlecht ist.

  • #24
    Holger Knörr

    Ich würde ja Wirtschaftskompetenz schon in der KITA vermitteln. Oder besser schon im Mutterbauch, denn frühkindliche Erziehung kann ja gar nicht früh genug beginnen.
    Was für ein Mumpitz, Herr Laurin!

  • #25
    Marcus Starzinger

    Was für ein Auftakt der konservativ-Liberalen Koalition! Und was für ein Bildungsbegriff!
    Anstatt jetzt G8, was man ja damals angerichtet hat, zu optimieren, wird in der Bildungspolitik als erstes eine neue Sau durchs Dorf getrieben.
    Dabei brauchen wir was ganz anderes. Wir haben Nachwuchsbedarf in fast allen technischen Berufen. Absolventen aus Wirtschaftsstudiengängen produzieren die Unis mehr als genug.
    Und das, was wir für die Zukunft brauchen sind Lösungen für technische, nicht für wirtschaftliche Fragen.

  • #26
    Jens Schmidt

    "Die Grundlage des Wohlstands wird in der Industrie und in einigen Dienstleistungsbrachen geschaffen. Sie schaffen, in Deutschland vor allem über den Export, das Geld heran, von dem die anderen leben: Journalistinnen, Politikerinnen, Müllwerker, Lehrer, Friseure oder Ärztinnen – sie alle leben von der Wirtschaftskraft der Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen herstellen und anbieten, die auf dem Weltmarkt erfolgreich sind."

    Herr Laurin, ist diese Weltsicht Ihr Ernst? Mich erschreckt Ihre Aussage, dass Sie Ihre wirtschaftliche Existenzberechtigung als Journalist von der Industrie ableiten. Das bedeutet ja im Umkehrschluss, ein armes Land kann sich halt keine Pressefreiheit leisten. Da wird Herr Erdogan Ihnen aber beipflichten und erzählen, dass dieser Deniz Yücel aus dem Verkehr gezogen werden müsse, weil er die türkische Wirtschaft schädige…

    Oder nehmen wir die Lehrer: Natürlich müssen die Lehrer von Steuern bezahlt werden, die auf Industrieproduktion erhoben werden. Nur gilt umgekehrt auch: In einer hoch entwickelten Volkswirtschaft schafft erst die Schulbildung die Grundvoraussetzungen für industriellen Wohlstand.

    Dann ist auch die Frage, was unter "Wirtschaft" unterrichtet wird. Ist es nur "Wenn jeder an sich denkt, ist am Ende an alle gedacht"? Die CDU und FDP sind in ihrer praktischen Politik der letzten Zeit nicht dadurch aufgefallen, breite Bevölkerungsschichten an der Ernte des erwirtschafteten Wohlstandes teilhaben zu lassen.

  • #27
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jens Schmidt: In einem Land, in dem Medien wirtschaftlich kaum überleben können, sieht es für die Pressefreiheit düster aus. Wie sie auf Deniz Yücel kommen, erschließt sich mir nicht. In armen Ländern ist viele schlechter: Bildung, medizinische Versorgung – man muss sich schon klar machen, dass wir von Betroffenheitswirtschaft, grünem Panik-Klamauk und Tanztheater nicht leben können.

  • #28
    GMS

    @Stefan Laurin: "In einem Land, in dem Medien wirtschaftlich kaum überleben können, sieht es für die Pressefreiheit düster aus." Was für ein Unsinn. Natürlich ist ein armes Land mit einer freien Presse denkbar, Jamaika zum Beispiel, genauso wie ein Reiches Land wie Saudi Arabien eher wenig von Pressefreiheit hält (Zahlen: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/uploads/tx_lfnews/media/Rangliste_der_Pressefreiheit_2015.pdf).
    Da hat Herr Schmidt nun mal mehr Verständnis, was die Zusammenhänge zwischen Wohlstand und Pressefreiheit angeht.
    Natürlich kann ihre Befürchtungen Verstehen, dass sich bald keiner mehr Presseprodukte leisten kann oder will. Das ist aber keine Notwendigkeit der Pressefreiheit. Sondern nur der Ausdruck von Veränderungen, gut oder schlecht, die durch das Internet, insbesondere Social Media, geschehen sind.

  • #29
    Jens Schmidt

    @Stefan Laurin: "In einem Land, in dem Medien wirtschaftlich kaum überleben können, sieht es für die Pressefreiheit düster aus." Sie kennen ja sicher diese Rangliste der Pressefreiheit? In Ländern, in denen diese besonders mies ist, liegt dies nicht an materieller Armut, sondern an staatlicher Willkürherrschaft. In den kommunistischen Ein-Parteien-Staaten China und Vietnam wächst die Wirtschaft rasanter, als wir gucken können. Also müsste nach dieser Logik die Pressefreiheit mitwachsen – das glatte Gegenteil ist der Fall. Ob der Geist der Freiheit oder staatliche Willkür herrscht, ist keine Frage des Geldes. Mehr Kapitalismus bedeutet nicht mehr Menschenrechte.

    Kommen wir zur Türkei. Hier möchte ich anmerken, dass die Grünen, deren Betroffenheit Ihnen auf den Wecker geht, die ersten waren, die nach den Geschehnissen im Gezi-Park hingefahren sind und die Menschenrechtsverletzungen öffentlich angeprangert haben. Weil es ihnen um demokratische Prinzipien geht und nicht darum, ob es im Einzelfall lopportun ist. Claudia Roth und andere haben stellvertretend Ihre Freiheiten vertreten! Aber die konservativ-liberale Presse und die Bundesregierung sind ja erst aufgestanden, als es einen deutschen Journalisten, Deniz Yücel nämlich traf.

  • #30
    Arnold Voss

    Natürlich ist die grundsätzliche Freiheit in einem Land eine zentrale Voraussetzung der Pressefreiheit. Aber sie nützt den Journalisten nur dann etwas, wenn sie von dem was sie tun auch leben können. Unabhängigkeit gibt es nicht zum Null Tarif, geschweige denn gute Recherchen, qualifizierte Texte und treffendes Bild- und Filmmaterial. Journalismus ist Arbeit die obendrein unter ständiger politischer und sonstiger interessenbezogener Einflussnahme steht. Wer dafür nicht entsprechen bezahlen will, muss sich über das Ergebnis nicht wundern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.