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Warum ich Die Linke wähle

Endlich sagt's mal eine.

Endlich sagt’s mal eine.

Die Linkspartei macht so ziemlich alles was ich scheiße finde. Ein Versuch zu erklären, warum ich sie trotzdem wähle.

Für die Linkspartei, oder besser gegen sie, habe ich auf diesem Blog schon Unmengen virtueller Tinte verschleudert. Man kann theoretisch jede Woche über neue Entgleisungen der Partei berichten. Die üblichen Verdächtigen sind schnell ausgemacht. Namen wie Dagdelen, Höger, Groth, Paech oder Gehrcke treiben mir Schauer über den Rücken. Wenn ihr Name über einer Pressemitteilung steht, kann man davon ausgehen, dass grober Mumpitz im Anmarsch ist.

Der Klassiker ist selbstredend die innige Liebe zu Diktatoren, Massenmördern und sonstigen Faschisten. Egal ob Gadhaffi, Ahmadinedschad oder aktuell Assad: Stets springen Linke bei und halten ihnen das eiskalte Händchen. Sozialpolitisch kloppen sich frustrierte Ex-SPDler, die auf der Suche nach dem besseren Deutschland verlorengingen, mit Steinzeit-Kommunisten, deren besseres Deutschland Anfang Neunzig durch den Schornstein ging. Dazwischen klemmen die wenigen Vernünftigen, die der Grund sind, warum ich immer noch keine Briefmarken für meine Austritterklärung aus der Linkspartei-Jugend gekauft habe.

Nun könnte man als Linker wieder zurück zur SPD gehen. Wenige Antisemiten und Rassisten (wie Sarrazin) sind wohl besser als tausende von ihnen in der Linken, könnte man meinen. Aber irgendwie wähle ich die Linke jedes Mal, komischerweise erst recht nach meinem Parteiaustritt. Ich habe immer schon eine klammheimliche Freude verspürt, wenn Die Linke bei Wahlen viele Prozentpunkte bekommt. In diesen Momenten vergesse ich die Marvi Marmara, linke Pro Assad-Demos und all die anderen Unappetitlichkeiten.

Ich habe einen Plan. Je stärker die Linke wird, umso mehr kann sie die SPD vor sich hertreiben. Die müssen sich dann, in entrüsteter Abgrenzung zum eigenen Stiefkind, zu den herrlich utopischen Maximalforderungen der Linken verhalten. Auf sozial- und gesellschaftspolitischer Ebene, versteht sich. Außenpolitisch ist die Partei gemeingefährlich. By the way: die Grünen kommen in diesem Gedankenspiel nicht vor. Die sind nämlich ungefähr das Gegenteil von YOLO, und somit konterrevolutionär.

Außerdem sind ja nicht alle irre. Es gibt immer noch kleinere Strukturen, vor allem bei der Jugendorganisation solid, die zurechnungsfähig sind. Auch auf Landesebene sind teilweise Menschen in Verantwortung, denen man ruhig mal öffentlich High Five geben könnte. Zum Beispiel Klaus Lederer aus Berlin und Katharina König aus Thüringen (siehe auch hier). Wenn die Vernünftigen das Schiff auch noch verlassen würden, würde die Linke endgültig zu einer Lobbyorganisation für Blutsäufer und Verschwörungstheoretiker werden.

Unterm Strich reicht mir das zwar irgendwie auch nicht. Aber was mir an Überzeugung fehlt, fülle ich mit bewusster Irrationalität wieder auf. Ich mache es einfach.

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16 Kommentare zu “Warum ich Die Linke wähle

  • #1
    Walter Stach

    Martin Niewendiek, nur eine Anregung:

    Ich habe so eben den Wahl-O-MAT bei SPIEGEL-Online genutzt -Positionen,Fragen,aufgestellt von der Bundeszentrale für politische Bildung.

    Für mich schon interessant, mit welchen Parteien ich aufgrund meiner Antworte die größte bzw. die geringste Übereinstimmung zu registrieren hatte.
    (Eine Hilfe zur Selbsterkenntnis?).

  • #2
    wihanbu

    Was ist denn das für eine gequirlte Froschkacke?
    Viele Ansichten von „Die Linke“ teile ich grundsätzlich nicht.
    Ich denke, Die Linke kann als Partei gut damit leben, Menschen in ihrem Umfeld zu haben, die nicht hochprozentig auf Linie liegen. Das bereichert sie. Jedenfalls dann, wenn die Grundlinien gewahrt bleiben. Friedenspolitik, soziale Gerechtigkeit und Ökologie, Partizipation und Mitsprache, Liberalismus zwischen gesellschaftlichen Gruppen, Einhaltung von Bürger- und Menschenrechte; philosophischer gesprochen: allerlei Ausgänge aus der (selbstverschuldeten) Unmündigkeit: Das sind die gemeinsamen Nenner. Über den Rest kann man streiten.

  • #3
    Martin Niewendick Beitragsautor

    @Walter, wenn ich ehrlich bin, kam ich beim Wahl-O-Maten auf 81 Prozent MLPD 😉 Entweder spinnen die oder ich.

  • #4
  • #5
    Achim

    Jeder hat wohl seine „besonderen Lieblinge“ bei der Linkspartei.

    http://www.heise.de/tp/artikel/32/32671/1.html

    Die Abgeordnete der Linkspartei für Dortmund Ulla Jelpke steht wegen
    ihrer Bejubelung der Stasi natürlich genau wie alle Teilnehmer der
    „Gazahilfsflotte“ und andere Antisemiten natürlich auch ganz oben auf der Liste meiner „Lieblinge“.

    Anders sehe ich das mit der Abgeordneten Dagdelen.
    Sie mag möglicherweise mal ein „bischen ungezogen“ gewsen sein,
    aber sie ist auch gegenüber Erdogan ungezogen…

    Trotz weiterer vernünftiger Kandidaten auch in NRW
    werde ich die PDS nicht wählen.
    Im Streit zwischen den „Durchgenallten“ und den grenzenlosen
    Pragmmatikern in der PDS ist eine Reformpolitik nicht möglich.
    Da wähle ich doch lieber die viel besser aufgestellten Grünen.

    Achim

    PS: Die antiisraelische Hamas hat ihr Hauptquartier inzwischen ins
    „prowestliche“ Katar verlegt. Freund und Feind im zukünftigen Syrienkrieg sind schwer zu unterscheiden…

  • #6
    Achim

    Da habe ich doch gerade glatt PDS statt Linkspartei geschrieben.
    Das macht aber auch nichts da sich doch recht wenig geändert
    hat und die Linkspartei zumindest im Westen eine ganz herbe
    Klatsche kassieren wird.
    Die FDP (Fast Drei Prozent) bei der letzten Landtagswahlen
    zeigen wohl wo es lang geht.

    Achim

  • #7
    Eckarhard

    Ich find die „kleinen Anfragen“ toll, besonders wie sich die Regierung dabei immer blamiert. Nun eine Opposition braucht man eben je bissiger um so besder, nein als alleinige Regierung möchte ich die Linke auch nicht haben aber was der Herr Gysi so sagt wird nach 1,5 von der SPD und dann nach 2Jahre von der CDU fast wörtlich übernommen und umgesetzt…
    Denkt mal darüber nach. 😉

    Gruss
    Ekki

  • #8
    mek

    @martin: ich kann dir gedanklich folgen. Als sich emanzipatorisch wähnender Mensch kann einem der Gedanke an die anstehende Wahl beinahe körperliche Schmerzen bereiten. Das Dilemma, wieder einmal entscheiden zu müssen, ob es noch vertretbar ist, die vermeintlich weniger unappetitlichen Charaktermasken anzukreuzen, um dem Mantra der aufrechten Demokraten erneut als Stimmvieh zu dienen. Ich kann dir sogar in der Sache sekundieren, also der Frage: welche Sekte bedeutet das vermeintlich kleinere Übel? Wo ich hingegen nicht mehr folgen kann: Muss man mit derlei Befindlichkeitsstörungen wirklich in die Öffentlichkeit? Ich lebe fraglos in Zeiten in dene jeder „seine Unterwäsche ins Internet hängt“ (Hermann L. Gremliza), komme aber noch aus einer Generation, der man beigebracht hat, über Bruttoverdienst und Wahlentscheidung nicht zu reden. Heutzutage muss man Menschen sogar den Zweck der Geheimheit der Wahl geradezu aufdrängen. Deswegen bin ich schlicht der Ansicht: Lamentieren wir lieber laut und öffentlich weiter darüber, warum die Unwählbaren unwählbar sind.

  • #9
    TuxDerPinguin

    Die meisten Menschen wählen eine Partei, damit die ihr Programm in der Regierung umsetzt. Denke ich.

    „Je stärker die Linke wird, umso mehr kann sie die SPD vor sich hertreiben. Die müssen sich dann, in entrüsteter Abgrenzung zum eigenen Stiefkind, zu den herrlich utopischen Maximalforderungen der Linken verhalten.“

    finde ich deshalb interessant. Man wählt die Linke, um – wahlweise, ob man einen Linken oder einen SPDler dazu fragen würde – die SPD zu schwächen oder um die Politik der SPD zu beeinflussen.
    Wäre es für letzteres nicht effektiver mit der SPD zu fusionieren und es als linker Flügel innerparteilich auszutragen?

    ps: YOLO gilt im Internet als mit das unsympathischte, was man sagen kann. Klischeemäßig werden damit pubertierende Teenager verbunden. Man sollte das nicht als Werbung für „seine“ Partei nutzen 🙂

  • #10
    Puck

    Ich kann die Wut und Enttäuschung über die SPD ja gut verstehen, aber ob die Strategie, daß die Linke mit zunehmendem Erfolg die SPD vor sich her treibt, wirklich aufgeht?
    Was, wenn sich die SPD – aus Gründen der klareren Abgrenzung – in die andere Richtung bewegt? Nach dem Motto: Wir sind auch links, aber auf „neue“ Art. Wenn ich mir ansehe, wie sich einige Genossen noch heute in selbstgefälliger Ignoranz zur „Agenda 2010“ beglückwünschen, schwant mir da nix Gutes.

  • #11
    Freidenker

    Die Linke, na großartig. Von mir aus könnt ihr euch eure Volksfront zusammen wählen, da stimmt wenigstens des Etikett mit dem Produkt überein!

    Ich bin gespannt, wie viele in diesem Jahr überhaupt noch zur Wahlurne laufen. Viele haben bereits verstanden, wie abgrundtief erbärmlich dieses Spiel funktioniert. Viele haben erkannt, dass sie überhaupt nicht wählen können, sondern lediglich eine Stimme abgeben.

  • #12
  • #13
  • #14
    lisa

    @#11 Freidenker:
    wenn du schon niemanden wählen willst, dann wähl ungültig. die stimmen werden nämlich trotzdem gewertet, unter „sonstige“ und so kann man die fdp unter
    5% bringen!

  • #15
    Michael AS

    @Freidenker: Gneau! Und bei Weihnachten, da geht es doch auch bloß nur noch um Kommerz und Geschäftemacherei!

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