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Warum kostenloser Nahverkehr eine ausgesprochen dumme Idee ist

Stadtbahn Dortmund


Die Bundesregierung will in mehreren Städten Konzepte zum kostenlosen Nahverkehr testen. Auch in Essen könnten Busse und Bahnen bald umsonst sein. Experten halten die Idee für groben Unfug. Aus guten Gründen.

Wäre das nicht schön? Man steigt in den nächsten Bus oder die nächste Bahn ein, ohne sich um ein Ticket Gedanken zu machen und fährt wohin man mag? Nein, das wäre nicht schön. Nicht nur, weil der Steuerzahler den Nahverkehrsunternehmen Einnahmen in Milliardenhöhe ersetzen müsste, sondern weil das Geld für andere Dinge viel besser ausgegeben wäre: Zum Beispiel für neue Strecken, mehr Busse und Bahnen, höhere Gehälter für die Mitarbeiter und eine bessere Abstimmung der Angebote. Sicher, gerade im Ruhrgebiet sind die Tickets für den Nahverkehr viel zu teuer: In Berlin zahlt man für einen Einzelfahrschein 2,80 Euro. Dafür kann man zum Beispiel von Neukölln nach Pankow fahren – gute 20 Kilometer. Im Ruhrgebiet kostet die selbe Strecke von knapp 30 Kilometern, zum Beispiel von Dortmund nach Essen mit 5,90 Euro mehr als das Doppelte. Aber möchte man mit Bahnen fahren, die kostenlos sind? Ich hätte lieber mehr Bahnen die besser getaktet sind, gerne günstiger, aber nicht umsonst.

Die Züge wären überfüllt, sie wären verdreckt, niemand, der sich eine Alternative leisten könnte, würde sich dieses Gedrängel zumuten. Wer sich noch daran erinnert, wie es war, als Toiletten in Ratsstätten und Bahnhöfen kostenlos waren, ahnt was da auf uns zukäme.

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33 Kommentare zu “Warum kostenloser Nahverkehr eine ausgesprochen dumme Idee ist

  • #1
    Wolfram Obermanns

    Möglich aber nicht notwendigerweise, ist auf diesen Artikel zu antworten.
    Im Großraum Marseille ist der ÖPNV bereits seit Jahren kostenlos. Verranzter als der hiesige erschien er mir seinerzeit nicht.

  • #2
    Jens Koenig

    Die Fahrbahndecken würden viel schneller abgenutzt werden, das Geld für die Instandhaltung sollte lieber in Lärmschutzwände investiert werden.
    Ausserdem wären die Autobahnen hoffnungslos überfüllt, man würde kaum noch vorankommen, der Berufsverkehr wäre immens.
    Und wer würde die Milliardenkosten für den Straßenbau übernehmen? Der Steuerzahler!
    Ich hätte lieber mehr Autobahnen als kostenlose Autobahnen.
    Aus "Warum kostenlose Autobahnen und Bundesstraßen eine ausgesprochen dumme Idee ist"

  • #3
    Robert

    Laut offizieler Homepage (http://de.france.fr/de/info/oeffentliche-verkehrsmittel-marseille) ist der Nahrverkehr in Marseille nicht kostenlos, in Tallin z.B. hingegen schon (https://orange.handelsblatt.com/artikel/39732). Ich finde die Idee von fahrscheinlosem Nahverkehr attraktiv (ob dies wirklich zu den befürchteten Qualitätseinbußen führen würde, hängt sicherlich davon ab, wie viel in Personal, Reinigung, etc. investiert würde) – aber das Ziel, die Luftqualität in Großstädten zu erhöhen, wäre sicherlich schon dadurch zu erreichen, mehr in den Nahverkehr zu investieren. Der Nahverkehr finanziert sich im Schnitt heute bereits zu 70% selbst (https://www.vcd.org/themen/oeffentlicher-personennahverkehr/oepnv-finanzierung/). Eine Verbesserung des Angebots durch Investitionen könnte die Nachfrage und Selbstfinanzierungsquote entsprechend erhöhen. Dass guter Nahverkehr Nachfrage erzeugt, weiss man z.B. aus Dreseden. Der Autovekehr hingegen trägt seine Kosten nur zu 15-47% selbst (https://www.vcd.org/themen/oeffentlicher-personennahverkehr/oepnv-finanzierung/). In absoluten Zahlen gemessen dürften die Investitionen in den Autoverkehr ungleich höher sein, als in den ÖPNV. Wenn man die Selbstfinanzierungsquote im Autoverkehr auch nur ein wenig erhöhen würde, wäre also mehr also genug Geld da, den ÖPNV auszubauen. Das Ruhrgebiet hätte es bitter nötig. Die Preise sind eine Unverschämtheit und die Qualität ebenso. Wenn ich mir z.B. die neuen Straßenbahnen für die 306, U35 in Bochum ansehe, dann ist das sicherlich eine Verschlechterung was den Komfort der Fahrgäste angeht.

  • #4
  • #5
    Sara

    Bus und Bahn sind doch jetzt schon morgens und nachmittags im Berufsverkehr überfüllt. Irgendwann kann man Sardinen nicht noch enger zusammenquetschen.

  • #6
    Tobias Zacher

    Eine Idee aus der Mottenkiste des anti-liberalen, linken Dirigismus. Schon jetzt wird der öffentliche Personenverkehr jährlich mit Milliarden an Steuergeldern subventioniert und so der Wettbewerb zu Ungunsten der rein privatwirtschaftlich agierenden Automobilindustrie unter dem Deckmäntelchen der "Daseinsfürsorge" verzerrt. Die Nachfrage nach öffentlichen Personenverkehr ist somit also eine künstlich geschaffene und keine reale. Die Idee eines kostenlosen Personenverkehrs ist nichts anderes als ein direkter Angriff auf eine der Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft.

    Die einzig wahrhaft liberale Alternative zur jetzigen Situation bestände also in der vollständigen Privatisierung des Personenverkehrs. Hier würde sich dann sehr schnell zeigen, dass ca. 75% der aktuellen "Nachfrage" künstlich stimuliert ist. Aber angesichts des beinahe 100%igen Erfolgs der SPD bei den Koalitionsverhandlungen, der von grünen Think-Tanks geschürten Technik- und Freiheitsfeindlichkeit ist zu befürchten, dass diese Idee mit den katastrophalen Folgen für den Wohlstand dieses Landes, über kurz oder lang umgesetzt und dem Herz- und Glanzstück der deutschen Industrie endgültig das Grab geschaufelt wird.

  • #7
    Wolfram Obermanns

    #3 Robert
    Interessant, wir sind 2012 (dem Jahr bevor Marseille Kulturhauptstadt wurde) noch kostenlos von Aubagne(!) zum Hbf von Marseille gefahren.
    Es wäre für die Diskussion hilfreich zu wissen, warum das aufgegeben wurde. Vielleicht war es ein von vornherein befristetes Angebot.

  • #8
    Klaus Lohmann

    Man kann und sollte sicherlich über Ideen *in diese Richtung* nachdenken und diese auch ausprobieren. Allerdings sind die gestern und heute überall kolportierten Adjektive "bald" und "kostenlos" ein schlechter Gag – halt nur dafür gedacht, Brüssel ein wenig von schnellen Sanktionen wg. Nichteinhaltung der CO2-Richtlinien abzuhalten.

    Das o.g. Positivbeispiel Tallin funktioniert bei attraktiven, jungen Großstädten mit stabilem Immobilienangebot und guten Verdienstmöglichkeiten und einer ungebrochenen Landflucht solange, bis die Verdienstmöglichkeiten wegbrechen, weil die Arbeitsplätze wegwandern – wäre also hier im Ruhrgebiet mittelfristig sinnlos als Finanzierungsmodell.

    Eine solidarische "Bürgersteuer" als jährlicher Kleinbetrag in Höhe von 20 – 30 Euro bei gleichzeitigem Wegfall des Solis könnte da erfolgreicher sein.

  • #9
    ke

    Nahverkehrssubventionen sind toll. Insbesondere weil sie auch von den Landbewohnern bezahlt werden, die kaum die Sozialtickets etc. nutzen können, weil es einfach keinen Nahverkehr in dünn besiedelten Gegenden gibt. Natürlich ist der öffentliche Dienst meistens direkt in der Innenstadt, d.h. gut mit dem Nahverkehr zu erreichen. Auch wechseln diese Einrichtungen selten den Standort wie z.B. Privatunternehmen. Dass die Parteien des öffentlichen Dienstes solche Lösungen aus eigenen Erfahrung toll finden, ist nachvollziehbar. Der normale Arbeitnehmer hat aber andere Probleme (wechselnde Standorte, fixe Termine etc).

    Die Bahnen sind seit Jahren nicht in der Lage, den Verkehr auf der Rhein Ruhr Strecke zu bewältigen. Wenn sie eine Alternative wären, würde sicherlich jeder gerne gefahren werden.

    Bonn ist doch eine Verwaltungsstadt mit vielen Pendlern. Gleichzeitig gibt es immer wieder Widerstand gegen Verkehrsoptimierungen. Was soll da ein freier Nahverkehr bringen?

    Verkehrsvermeidung ist auch ein Stichwort, dass ein kostenloser Nahverkehr nicht fördert.

    BTW:
    Warum fährt der RRX eigentlich immer noch nicht auf neuen Strecken?
    Das gestrige Bild von der H-Bahn zeigt bspw. eine schöne automatisierte Lösung für den Nahverkehr. Sie setzt sich aber nicht durch.

  • #10
    Paul

    Mit dem kostenlosen Nahverkehr spart man sich als Zusatz-Benefit die Kosten für die Inhaftierung von Schwarzfahrern:

    https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Haft-fuer-Schwarzfahrer-kostet-200-Millionen-Euro-jaehrlich/-/id=47428/did=4636370/onyts8/index.html

    11.1.2018

    Wer eine Geldstrafe nicht zahlen kam, kommt ins Gefängnis. Diese Ersatzfreiheitsstrafen verursachen in Deutschland aber Kosten von mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr.

    Monatelange Haft wegen Schwarzfahrens? Ja, denn wer nicht zahlt, muss ins Gefängnis. Das Problem: So eine Haftstrafe müssen immer mehr Menschen antreten. In den vergangen Jahren ist die Zahl der durch sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen belegten Haftplätze in Deutschland deswegen um fast 25 Prozent gestiegen. Pro Jahr werden dadurch Kosten von mehr als 200 Millionen Euro verursacht. Das berichtet das ARD-Magazin Monitor unter Berufung auf offizielle Statistiken und eine Umfrage unter den Bundesländern.

    Strafe trifft Nicht- oder Geringverdiener …

  • #11
    Klaus Lohmann

    @Paul #10: Bitte komplett zitieren: "Bei den Straftaten handelt es sich aber nicht nur um Delikte wie Schwarzfahren, auch kleinere Diebstähle oder Fahren ohne Führerschein zählt dazu"

    Dass ÖR-Sender online auch Titelnonsens und -lügen ala BILD produzieren, sollte bekannt sein.

  • #12
    Viktor Schulz

    @Jens König:
    Autobahnen sind eben nicht kostenlos. Autofahrer finanzieren die Deutschen Straßen sehr wohl mit der Kfz-Steuer & Kraftstoffsteuer. Wer Lkw fährt auch zusätzlich direkt mit der LKW-Maut. Der Vergleich hinkt also.

  • #13
    Paul

    @ Klaus Lohmann

    und das ändert jetzt alles?

    bei Ihrem Bild / ÖR-Sender Vergleich denke ich gleich an AFD

  • #14
    Klaus Lohmann

    @#13: "Haft-fuer-Schwarzfahrer-kostet-200-Millionen" ist verkürzend und halt faktisch falsch. Stimmt, macht die AfD ja auch so.

  • #15
    Jan W.

    Es geht auch nicht darum, das jetzige System mit unzähligen Gratisfahrgästen zu überlasten. Natürlich funktioniert das nur mit gewaltigen Ausbaumaßnahmen. Die vielen neuen Mitfahrer machen vervielfachte Kapazitäten nötig und da hier nicht unendlich lange Züge zum Einsatz kommen, wird es dann eben auch dichtere und attraktivere Takte geben.
    Insellösungen sind allerdings Unfug: was für ein Ticket löst dann jemand, der von Bottrop Hbf mit der S9 nach Velbert-Nierenhof fährt – eine Beispielstrecke, auf der jeder Unterwegshalt in der geplanten Gratiszone Essen liegt? Mir fällt da keine gerechte Lösung ein.

  • #16
    thomas weigle

    Versuch macht klug. Manche wollen aber nicht klug werden, sondern wittern immer gleich den bösen Sozialismus oder andere anti-neoliberale Teufeleien hinter solchen Vorschlägen. Mir ist jetzt kein Beispiel bekannt, in denen die vom Autor befürchteten Verschlechterungen eingetreten sind.
    Natürlich mag man an den fast kostenlosen ÖPNV in der DDR denken. Dieser taugt aber aus vielerlei Gründen nicht als Beispiel für moderne Finanzierungskonzepte für den ÖPNV.

  • #17
    Michael

    "Mir fällt da keine gerechte Lösung ein."

    Da gibt es nur eins: in die SPD eintreten. Dort wird die immer größer werdende "Gerechtigkeitslücke" seit über 150 Jahren geschlossen.

    Nebenbei: das Thema kostenloser öffentlicher Nahverkehr ist nur Theater. Wenn die GroKo installiert ist, wird von diesem Unfug nichts mehr zu lesen sein.

  • #18
    Klaus Lohmann

    @thomas weigle: Richtig. Und wenn der Bund dann irgendwann mal annähernd so etwas Ähnliches wie ein Finanzierungskonzept verkündet, sollte man darüber – auch hier – diskutieren. Aktuell hat die Wiedergänger-GroKo ja noch nicht mal einen Blabla-Absatz dazu in ihren Papieren.

  • #19
    Walter Stach

    Kostenloser Nahverkehr ,
    eine Idee,
    die m. E. naheliegt, die mir sinnvoll erscheint, allerdings nur unter der Bedingung , daß das Nachdenken über sie -selbstverständlich- einschließt die Beratung und Entscheidung über sog. flankierende Maßnahmen, z.B. bezogen auf :
    nur noch Verkehrsfahrzeuge im ÖPNV einzusetzen, die "dem jeweiligen Stand der Technik" entsprechen, nur noch Fahrzeuge einzusetzen ohne Verbrennungsmotor und das Ganze verbunden mit dem Ziel, den ÖPNV zu befähigen, wesentlich effizienter (u. a. wesentlich flexibler) auf die Bedürfnissen der Kunden reagieren zu können als er das derzeit vermag.

    Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn "man" dieser für mich großartigen Idee nachgehen würde, dh. kompetent über das OB und das Wie ihrer Realisierung nachdenkt, was -selbstverständlich- für die Finanzierungsfrage einschließt.
    Muß "man" dafür eine "Expertenkommission" bilden? Das könnte sein, und wenn dann u.a. mit Vertretern aus den Kommunen, den Ländern dem Bund, denn auf Seiten der "öffentlichen Hand" müssen sie allesamt von Anfang an eingebunden und beteiligt werden.

    Mir jedenfalls erscheint diese Idee -mehr ist es ja noch nicht- so be- und nachdenkenswert, daß aus ihr durchaus eines der gewichtigsten innenpolitischen Projekten einer neuen Bundesregierung werden könnte.

    Ihre Realisierung -sh. dazu einleitend-würde das Alltagsleben der Menschen -sehr sehr vieler oder gar aller- (ihre Lebensgewohnheiten, ihr Umfeld) gravierend verändern. Und auch deshalb -nicht nur wegen der damit verbundenen konkreten Umsetzungs-(u.a. Finanzierungs-) Probleme- bedarf es einer umfassenden, gründlichen Diskussion dieser Idee. Die kann nicht heute beginnen und bereits morgen beendet sein.

    Dabei sollte die Maxime gelten (Ratschlag meinerseits):
    "Möglichst alle Betroffenen zu Beteiligten machen".
    PS
    (Dass im Prozess Pilotprojekten organisiert werden sollten, erscheint mir naheliegend -in einigen Klein-, in einigen Mittel-, in einigen Großstädten und dabei wiederum differenziert nach Ballungskernen, Ballungsrandzonen, ländlichen Räumen, nach unterschiedlichen Ein- und Auspendlerquoten u.ä. mehr. Ich erwähnt dieses Detail "Pilotprojekte" nur deshalb, weil es eines von vielen ist, das a.) nicht dazu taugt, die Idee als solche kritisch zu hinterfragen und über das b)zwangsläufig zu beraten und ggfls. zu entscheiden wäre, sollte "man" tatsächlich -initiiert durch eine neue Bundesregierung- die Idee aufgreifen und umzusetzen versuchen, egal, ob die neue Bundesregierung von einer CDU/CSU/SPD Koalition gebildet und getragen würde oder von…..?).

  • #20
    Jens Koenig

    @Viktor Schulz
    Ja, und zwar gewaltig. Macht aber vielleicht klar, dass Probleme mit Argumenten verwechselt wurden.
    Stefan beschrieb, völlig zutreffend, die Probleme die dann auf uns zu kommen. Ich halte sie für lösbar, die Diskussion ist jetzt sicherlich angebracht. Aber als Gegenargumente taugen sie sowenig wie Stau als Gegenargument für kostenlose Autibahnbenutzung.

  • #21
    Jan W.

    @17 Ach Michael,
    Es ist schon ärmlich und dreist, einzelne Sätze so aus dem Zusammenhang zu reißen, um daraus fernab vom Thema sein Süppchen zu kochen.

  • #22
    Klaus W.

    @ ke

    Die Autobahnen werden doch auch von denjenigen mitfinanziert, die sie nicht nutzen.
    .Den Kommentar von König finde ich klasse. Allerdings könnte man sicher damit leben, zur Finanzierung eines effizienteren ÖPNV einen gewissen Obulus zu entrichten.

    Die Argumentation von Lauri n ist auch nicht schlüssig Die Tickets sind jetzt schon teuer, dennoch sind die Taktzeiten im SBahn- Verkehr im Ruhrgebiet unter der Woche bei gähnenden 20 Minuten, an Wochenenden gar bei schnarchenden 30 Minuten. Und die Fahrt mit den REs im gesamten Ruhrgebiet kann getrost als Tortour bezeichnet werden Im Berufsverkehr hoffnungslos überfüllt, an Wochenenden von gröhlenden besoffenen "Fussballfans" annektiert und für den "Normalbürger" nur unter Inkaufnahme von garantierten Gehörschäden und
    ausdünsungsbedingter Sekundär-Alkoholvergiftung zu überstehen- wenn er nicht vorher doch während der Fahrt bereits erstickt oder erstunken ist

    Insofern- Takte rauf, Komfort rauf- das wäre das beste Mittel gegen die massenhafte Umweltverschmutzung durch den gesamten privaten und beruflichen Kraftverkehr.

    Da dann auch die Zahl der Verkehrstoten und – verletzten sinken würde und die Kosten für Straßenbau und Instandsetzung entfallen und die Automobilbauer ersatzweise dann eben Busse und Straßenbahnen und Fahrräder bauen und exportieren , könnten sich am Ende die Minister für Finanzen und Gesundheit zu Lasten des "Rentenministers" freuen.

  • #23
    Nansy

    Wieso nur können es die Schweizer besser?
    Ich kann mich erinnern, die kostenlosen Toiletten in Ratsstätten waren bei meinen früheren Besuchen immer sauber und in gutem Zustand.
    Die Strassenbahnen hatten, bis auf Werbetafeln auf dem Dach, immer ein einheitliches und schönes Aussehen – keine rollenden buntverschmierten und hässlichen Werbeboxen wie bei uns!
    Was also machen die anders als wir?

  • #24
    Helmut Junge

    @Nansy, auch bei "uns" sieht es manchmal entsetzlich und manchmal sauber aus. In der Anonymität von Großstädten läßt so mancher Zeitgenosse am nächsten freien Feld auch oft seinen Müll liegen, obwohl der zuständige Betriebshof nicht weit entfernt ist. Vermutlich gibt es in der Schweiz, oder in manchen deutschen Dörfern mehr Leute, die hingucken. Was weiß ich. Es fehlt in Großstädten vielleicht am Zusammengehörigkeitsgefühl? Vielleicht sogar an Politikern, die sich interessieren?

  • #25
    Nansy

    @Helmut Junge, mag sein, dass die Schweizer mehr hingucken unnd ein anderes Zusammengehörigkeitsgefühl haben oder hatten (bin lange nicht mehr da gewesen).
    Was mich aber immer fasziniert hat, ist die relative Werbefreiheit der Bahnen in Basel, Zürich usw.
    Wie finanzieren die das? – denn bei uns werden die mit Werbung vollgeschmierten Strassenbahnen (z.B. Bonn, Köln) immer mit finanziellem Notstand begründet?!
    Und auch die (früher) kostenlosen sauberen schweizer Autobahn-Toiletten kosten ja bestimmt eine Menge Geld – nun Ja – Saniunfair muss ja auch noch leben….

  • #26
    Klaus Lohmann

    @#25: Ich schätze, die Schweizer haben sich halt laaaaangsaaaam ans Thema ÖPNV-Werbeflächen rangetastet. Aber die "stillen" Zeiten sind auch da vorbei:
    http://www.persoenlich.com/kategorie-werbung/wenn-werbung-durch-die-halbe-schweiz-rollt (siehe Bilder)

  • #27
    Puck

    Morgens die Staunachrichten im Radio zu hören macht einem ganz schnell klar, dass es auf Dauer nicht so weiter gehen kann, ebbten die Staus früher nach 8.00 ab – wenn die meisten Pendler auf ihrem Arbeitsplatz angekommen sind – geht es jetzt munter weiter über den ganzen Tag. Man wird sich in absehbarer Zeit also neue Verkehrskonzepte überlegen müssen.
    Dafür müsste der OPNV aber wesentlich attraktiver werden, und auch sehr viel billiger als jetzt. Die Bahn feiert sich ja gerade für die neue Schnellstrecke nach Berlin, die ja schon beim Start die ersten Pannen zeigte, dabei ist das Problem ja nicht, von Köln oder München nach Berlin zu kommen, das Problem ist, von Gelsenkirchen nach Essen zu fahren (für die ca. 11 km bezahlt man übrigens auch 5,90 EUR!), das dauert mit dem PKW – unter Vermeidung der Autobahn, durch die Stadt – 20 Min. von Haustür zu Haustür und mit Bus und Bahn mindestens 1 Stunde, oder auch 1 1/2 oder 2, je nachdem welcher Zug mal wieder Verspätung hat (peng! Anschluss verpasst!) oder gleich ganz ausfällt.
    Das sind die Zustände JETZT, da muss also einiges passieren, wenn sehr viel mehr Leute von A nach B fahren sollen. Nur kostenlosen Nahverkehr anzubieten wäre also tatsächlich Nonsense, von Insellösungen (Essen kostenlos, der Rest des Ruhrgebietes die üblichen Mondpreise) ganz zu schweigen.
    Man könnte darüber nachdenken, die Dauerkarten sehr viel billiger zu machen, wer ein Dauerticket hat benutzt Bus oder Bahn halt öfter, oder das Sozialticket auch in der Preisklasse B anzubieten, aber vor allem muss der Service besser werden.

    Was mich am meisten wundert ist, dass die Grünen anscheinend so gar nix in der Richtung angedacht haben – das einzige was die an Verkehrsplanung auf dem Radar haben scheint das E-mobil zu sein, was m. E. noch einen Zacken utopischer ist als die Idee vom kostenlosen Nahverkehr.

  • #28
    Ke

    Die E Mobilität löst nicht das Problem des Individualverkehrs. Automatisierung kann die Kapazität erhöhen, da stauvermeidender und mit geringen Abständen gefahren werde kann.
    Leihfahrzeuge könne die Nutzungsdauern erhöhen.

    Die Menschen wohnen nicht dort, wo die Arbeit ist, und die Arbeit wechselt den Ort.
    Frühschicht im Lager auf der grünen Wiese geht nur selten mit dem ÖPNV.

    Bzgl der Automatisierung hätte icn in den 90er Jahren mit automatisierten LKW Kolonnen gerechnet, aber auch im Jahr 2017 knallen die LKWs noch ins Stauende und verursachen zu viele Tote.

    Zum Thema Müll:
    Ich habe Dortmund noch nie so verdreckt gesehen wie aktuell.
    Den Strassenkehrer gibt es wohl nicht mehr, und der Müll wird insebsondere an den Autobahnauffahrten aus dem Fenster geworfen.
    Das Öko Verhalten im Jahr 2017.

  • #29
    thomas weigle

    Wird nicht die Digitalisierung Millionen herkömmliche und mobilitätsheischende Arbeitsplätze vernichten? So dass sich das M-Problem zumindest tw. verflüchtigt?

  • #30
    abraxasrgb

    Dann soll der Staat doch seine geliebten E-Mobile staatlicherseits selbst kaufen und ein marktfähiges Angebot, inklusive Lade- und Erzeugungs- und Transport-Infrastruktur, aufbauen.

  • #31
    Ke

    Die Probleme des Nahverkehrs im Jahr 2017:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bahn-zuege-fahren-womoeglich-auf-schwarzbaustrecken-a-1193859.html

    Mal sehen, ob unsere Gerichte sich auch damit ausführlich beschäftigen wie mit dem Bauer aus Südamerika, der angeblich Opfer der Kohlerverstromung ist. Kein Wunder , dass Kapazitäten fehlen und das System immer ineffizienter und ungerechter wird.

  • #32
    thomas weigle

    Als ich noch Golf fuhr, rechnete mir die ADAC Hauszeitschrift knapp 2 Euro für den gefahrenen KM in meinem damaligen Golf vor. Das war so um 2008. Wird seitdem nicht preiswerter geworden sein.

  • #33
    der Typ aus der dritten Reihe

    Zehntausende, die sich kein Ticket leisten können sitzen im Knast, aber der selbstgefällige Spießer sorgt sich darum, dass der Pöbel ihm die Bahn zumüllt, wenn er da kostenlos reinkommt. Und inszeniert seine Asozialität noch als rebellischen Tabubruch.

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