“Wenn der VfL Bochum jetzt noch den Aufstieg verzockt – das hätte ja historische Dimensionen!“

Noch ist der Himmel strahlend blau-weiß über dem Stadion vom VfL Bochum | Foto: Peter Hesse


Frankfurt findet keinen Trainer, Liverpool steht wieder mit einem Bein in der Champions League und Arnd Zeigler beklagt sich über Hate-Speech in den sozialen Medien. Dazu ein spannungsreiches Finish – denn es steht noch nicht zu 100 Prozent fest wer auf – und wer absteigen wird. Die Lage der Liga diesmal zum Saisonfinish in der ersten und zweiten Bundesliga. Wie immer spekulieren Robin Patzwaldt und Peter Hesse knietief aus der Hüfte – und probieren der Ruhrbarone-Glaskugel wichtige Infos zu entlocken.

Peter Hesse: Hallo Robin! Überraschung in der Premier League – mit einem 3:0 gegen den FC Burnely hat sich Liverpool an Leicester City vorbei gemogelt und steht auf Platz vier in der britischen Liga. Damit hat die Mannschaft um Trainer Jürgen Klopp einen Platz in der Königsklasse fest im Visier. Am letzten Spieltag trifft das Team Kloppo in Liverpool am kommenden Sonntag auf Crystal Palace und kann dann die Königsklassen-Teilnahme perfekt machen. Schaffen Sie es, was glaubst du?

Robin Patzwaldt: Hallo Peter! Die Premier League verfolge ich nur ganz am Rande, da mir andere Fußballigen deutlich näher stehen und mehr Zeit beanspruchen. Aus England nehme ich kaum mehr als die Ergebnisse zur Kenntnis. Aber gönnen würde ich Klopp grundsätzlich immer jeden Erfolg…

Peter Hesse: Ich bin auch immer für Kloppo und drücke Liverpool natürlich die Daumen. Da ich 20 Jahre in Bochum gelebt habe, ist mir auch der VfL Bochum nah. Ich hoffe es klappt nun mal endlich am Sonntag gegen Sandhausen der Aufstieg – das Finish zieht sich ja wirklich wie Kaugummi in die Länge – und ich hätte mir längst gewünscht, dass der VfL seine Position schon mehr gefestigt hätte. Denn: falls Sandhausen mit einem Zwei-Tore-Vorsprung an der Castroper Straße gewinnen sollte – und Kiel und Fürth ebenfalls gewinnen, rutschen die Bochumer auf den dritten Tabellenplatz. Ich hoffe, dass das nicht passiert – die meisten meiner Bochumer Freunde würden das nervlich nicht aushalten – und die Fiege Brauerei kann nicht über Nacht so viel Pils herstellen, um dieses Vakuum zu füllen…

Die Fans des VfL Bochum freuen sich auf die erste Liga | Foto: Peter Hesse

Robin Patzwaldt: Also, wenn der VfL jetzt noch den Aufstieg verzockt, das hätte ja historische Dimensionen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch was anbrennt. So von außen betrachtet. Aber wäre es der BVB, ich hätte Nervenflattern ohne Ende. Von daher freue ich mich auf einen entspannten Sonntagnachmittag und werde mir die Konferenz auf Sky mit besonderem Interesse anschauen. es wäre schön, wenn wir in der kommenden Saison neben dem BVB noch einen zweiten Klub im Oberhaus hätten, nachdem die Schalker uns ja im Stich gelassen haben. Auch für uns hier im Blog wäre ein Aufstieg des VfL Bochum sehr interessant.

Peter Hesse: Ein anderes Thema, was gerade Fußball-Deutschland beschäftigt ist der grenzenlose Hass in den sozialen Medien. Letzte Woche hat Fußballmoderator Arnd Zeigler angekündigt, dass er sein facebook-Profil schließen wird, wenn er weiter auf so so unterirdische Art und Weise angegangen wird. Gestern geisterte ein sehr traurig stimmendes Video vom Eintracht Braunschweiger-Team-Busfahrer und Zeugwart Christian “Bussi“ Skolik durch die Medien. Als Angestellter und Fan von den Braunschweiger Löwen wäre der kommende Abstig sein sechster – und er sagt in einem über neun Minuten langen Video, dass er es nicht mehr aushält, wie die Braunschweiger Spieler von fanatischen Fans in unterirdischer Art und Weise via Hatespeech fertig gemacht wird.

Robin Patzwaldt: Hui, das ist ein komplexes Thema….

Peter Hesse: Beide Fälle gehen mir sehr nah – und ich merke auch an meinem persönlichen Verhalten bei Instagram oder facebook, dass ich meine Kanäle in erster Linie für Jux und Dollerei nutze. Für ernsthafte Debatten telefoniere ich lieber im 2-Ohren-Gespräch – und twitter mache ich aus privaten Zwecken überhaupt nicht mehr an. Wie geht es dir dabei?

Braunschweig droht der Gang in die dritte Liga – hier ein Bild aus dem November 2018 bei Preussen Münster | Foto: Peter Hesse

Robin Patzwaldt: Ich denke, man kann schon recht gut steuern, was man in den Sozialen Medien erlebt. Ich bin jetzt schon 12 Jahre dabei und habe fast nur Positives erlebt. Ich habe insbesondere auf Facebook viele nette Leute kennengelernt und Kontakte aufrecht erhalten, die sonst vermutlich längst abhanden gekommen wären. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen. Ich habe bisher 3 oder 4 Leute blockiert, weil sie mich mit ewiger Stänkerei genervt haben. Aber das sind wirklich Ausnahmen. Zeigler ist halt häufig auch ein Provokateur. Keine Ahnung was er da genau getrieben hat, dass Teile der Bremer Anhänger sich jetzt offenbar recht massiv mit ihm anlegen.

Peter Hesse: Er hat sich öffentlich sehr für den Verbleib von Florian Kohlfeldt stark gemacht – und einige Fans haben ihm das als parteiisches Verhalten ausgelegt, weil er ja auch Stadionsprecher bei Werder Bremen ist.

Robin Patzwaldt: Okay! Aber letztendlich ist es mir auch Wurscht, weil ich Zeigler nicht wirklich eng verfolge. Aber wenn da Drohungen eintrudeln und Grenzen überschritten werden, dann ist das natürlich nicht gutzuheißen. Aber um die Vorgänge da wirklich einschätzen zu können, müsste ich die Details kennen. Und die hat ja wohl auch Zeigler nicht benannt. Zumindest ist das mein Wissensstand. Grundsätzlich ist es natürlich bedauerlich, wenn die relative Anonymität im Netz zu hemmungsloser Verrohung der Sitten führt. Aber, wie eingangs erwähnt: ich denke, das kann man zumindest ein Stück weit durch sein eigenes Verhalten steuern. Ich gehe im Stadion ja auch nicht in die Ecke, wo gerade die Schlägerei ist…. Und mit ein paar knackigen Diskussionen kann ich leben. Sonst wäre man bei uns im Blog nicht richtig aufgehoben…

Holt sich Eintracht Frankfurt einen Oldschhool-Trainer wie Dragoslav Stepanovic? | Quelle: wikipedia | Smalltownboy | CC BY-SA 3.0

Peter Hesse: Themenwechsel: Momentan kommt die Eintracht aus Frankfurt nicht aus den Schlagzeilen, namentlich durch den scheidenden Sportvorstand Fredi Bobic, der ja bald zu Hertha BSC wechselt. In einem Interview mit der Sport Bild reagierte der ehemalige Mittelstürmer vom VfB Stuttgart und Borussia Dortmund auf Anwürfe von Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann. Hellmann hatte ihm und Trainer Adi Hütter vorgehalten, das 3:4 auf Schalke, welches die Champions-League-Hoffnungen zerstört hat, schöngeredet zu haben. Und neben diesem Euphemismus kommt die Trainerfrage auch nicht richtig vorwärts: Terzic wird es nicht, Seoane geht nach Leverkusen und auch Glasner ist kein Thema mehr. Muss die Eintracht jetzt in die Oldschool-Trickkiste greifen (so wie der HSV mit Hrubesch) und Dragoslav Stepanovic wieder aus der Mottenkiste zaubern?

Robin Patzwaldt: Frankfurt ist einfach ein komischer Verein. Mir steht die Eintracht ja noch aus Zeiten meiner Berufsausbildung irgendwie nahe. Damals lebte ich 2 Jahre lang in Frankfurt und habe mir viele Spiele der Eintracht im damaligen Waldstadion angesehen. Für jemanden aus Dortmund waren das damals recht traurige Veranstaltungen. Kaum Fans, wenig Stimmung. Na ja…. Seither ist offensichtlich viel passiert, gerade auch im Bereich der Anhängerschaft. Ich hätte der Eintracht den vierten Champions League-Platz gegönnt und fafür den VfL Wolfsburg in die Europaleague verbannt. Aber Fußball ist ja kein Wunschkonzert. Dass die Frankfurter ihren 7-Punkte-Vorsprung auf den BVB verzockt haben, ist schon bitter. Und die Fluchtbewegung, die den ganzen Verein erfasst zu haben scheint, ist krass. Ich fürchte, die Eintracht wird so schnell nicht mehr international spielen, nach dieser Runde. So ein Neuaufbau ist nicht nur riskant, er braucht im Normalfall auch Zeit und Geduld.

Peter Hesse: Ja! Und in der Bundesliga läuft die Zeit ab – ich bin sehr gespannt wer neben Schalke absteigen wird – es werden Bielefeld, Köln und/oder Bremen unter sich ausmachen. Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, wenn endlich wieder Fans in die Stadien dürfen. So als Sofaglotzer ist das ja alles rund um das runde Leder nur das halbe Vergnügen. Wir wünschen allen Lesern ein tolles und spannungsreiches Saisonfinale! Nur in Bochum brauchen wir einen sicheren 3-Punkte-Sieg – da können wir auf gern auf die Spannung verzichten…

Fußball ohne Fans während der Corona Pandemie bereitet nur wenig Spaß | Archivfoto: Ruhrbarone

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