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WG-Anzeige: Afrikaner, Araber und ähnliche Subjekte bitte draußen bleiben!

wgNeues aus der wunderbaren Welt der Wohnungsanzeigen. Diesmal verschlägt es uns nach Frankfurt am Main, genauer: in den schönen Stadtteil Bockenheim. Dort wohnen drei Studenten der Goethe-Universität. Und die scheinen ein Problem mit gewissen „Subjekten“ zu haben.

„Wir sind keine Zweck Wg“, schreibt ein „Lukas“, Ansprechpartner für Wohnwillige. Er verspricht eine schöne Wohnung mit Laminatboden, Zentralheizung und schlechten Parkmöglichkeiten. „Der dafür günstige Preis ist dem Vermieter geschuldet, der mit einem von uns verwandt ist“, fügt Lukas hinzu. Gemeinsames Kochen und Besaufen sei wünschenswert, aber keine zwingende Voraussetzung. Und: Vegetarier willkommen, Nichtraucher erwünscht. Weiter heißt es:

Kurz unsere Anforderungen an den Mitbewohner. Da es in der Vergangenheit mit ähnlichen Subjekten häufig Probleme gab, solltest du grundsätzlich Interesse an einer längeren Miete haben. Das garantiert einen pfleglichen Umgang mit allen Utensilien. Daneben solltet ihr kulturell unser europäisches Wertesystem respektieren. Also völlig egal ob Spanier, Italiener, Engländer oder Deutscher, Araber und Afrikaner bitten wir daher von dem Angebot abzusehen. Ferner sollten die Studienfächer/eure Berufe passen, so suchen wir keine Politologen oder anderweitig linksangehauchte Spinner deren Ausbildung keine Leistung abverlangt und die später ihr Geld damit verdienen es anderen Leute aus der Tasche zu ziehen.

Wenn sie also ein vegetarischer, rechts angehauchter englischer Nichtraucher sind, der um Himmels willen nicht Politik studiert und Utensilien so pfleglich behandelt wie unser europäisches Wertesystem, melden sie sich hier. Update: Die Anzeige wurde inzwischen entfernt.

(Danke an Pippo für’s finden.)

RuhrBarone-Logo

20 Kommentare zu “WG-Anzeige: Afrikaner, Araber und ähnliche Subjekte bitte draußen bleiben!

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  • #2
    Nansy

    Tja, das ist ein Kreuz mit der „Toleranz“, oder mit dem, was jeder darunter versteht.
    Ob jemand nur Nichtraucher, Vegetarier oder Fleischesser in seiner WG haben will, ist wohl allein seine Sache – man kann sich seinen Teil dazu denken.
    Und darunter fällt für mich auch, dass das ebenso für das spießige „Glaubensbekenntnis“ mit dem“europäisches Wertesystem“ gilt. Was anderes wäre es, wenn jemand aufgrund solcher überkommener Ansichten keinen Job oder keine Wohnung bekommen würde.
    Toleranz bedeutet ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, und Handlungsweisen – aber nicht, dass man jetzt alle mögen muss.

  • #3
    Fritz Wepper

    Und ihr seid nicht auf die Idee gekommen, dass das vielleicht, möglicherweise, eventuell sowas wie ein schlechter Scherz, Trollversuch oder sonstiges Experiment sein könnte? Ist euch überbaupt nicht komisch vorgekommen, der Anzeigentext? Ich meine, eine vegetarische Nazi-WG? Kommt euch gar nicht komisch vor, so wie eine ungewöhnlich hohe Ansammlung von Reizthemen auf kleinstem Raum?
    Hakt doch zukünftig wieder einfach mal nach, bevor ihr sowas als Fakt hinnehmt und als solchen weiterverbreitet. In Journalisten-Kreisen nannte man so etwas früher recherchieren. Das haben die Ruhrbarone auch mal ganz gut gekonnt.

  • #4
    zartbitter

    @Nansy:
    1. Da kriegen doch Menschen aufgrund überkommener Ansichten keine Wohnung! Selbst wenn sich die Anzeige selbst als fake herausstellen sollte, ist das traurige Realität.
    2. (Nicht)raucher und/oder (Nicht)fleischesser zu sein sowie sonstige Überzeugungen habe ich mir ausgesucht, mein Herkunftsland und meine Hautfarbe nicht – zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe.
    3. Die Anzeige bittet ja nicht allein darum, pfleglich mit der Einrichtung umzugehen. Das könnte man als spießig ansehen, würde aber allen die gleiche Chance lassen, die Wohnung zu bekommen. Dadurch, dass die Fähigkeit dazu an das „europäische Wertesystem“ gekoppelt wird, wird es allen anderen abgesprochen, dazu in der Lage zu sein und gleichzeitig Europa überhöht. Da wird erstmal angenommen, dass „Araber und Afrikaner“ (was so grob 50 völlig unterschiedliche Länder in einen Topf wirft) alle die gleichen, aber grundlegend von Europa verschiedenen und auch noch minderwertigen Auffassungen hätten – qua Geburt. Das ist Rassismus in Reinform.

  • #5
    Mirya

    hier (http://www.wg-gesucht.de/wg-zimmer-in-Frankfurt-am-Main-Bockenheim.4174780.html)

    steht inzwischen:
    „Hallo liebende Wg-Suchende,

    herzlichen Dank für diese tollen Reaktionen. Das Inserat war natürlich als Meinungsumfrage gedacht und dient zur Erhebung einiger Daten in Sachen Alltagsrassismus. Die besten Eurer Nachrichten werden natürlich veröffentlicht. „

  • #6
    El Manu

    und jetz heißt es in der anzeige:

    “ […] Das Inserat war natürlich als Meinungsumfrage gedacht und dient zur Erhebung einiger Daten in Sachen Alltagsrassismus.“

  • #7
    Kurt C. Hose

    Mitlerweile steht da ein neuer Text.

    „Hallo liebende Wg-Suchende,

    herzlichen Dank für diese tollen Reaktionen. Das Inserat war natürlich als Meinungsumfrage gedacht und dient zur Erhebung einiger Daten in Sachen Alltagsrassismus. Die besten Eurer Nachrichten werden natürlich veröffentlicht. “

    Wäre interessant ob da jetzt tatsächlich noch was kommt.

  • #8
    Moni Willkowski

    Rassismus bedeutet jemanden alleine aufgrund seiner „Rasse“ auszugrenzen, in diesem Fall weil man unterstellt dass alle Afrikaner oder Araber (die negative) Charaktereigenschaft X haben. Wohingegen man weiss dass Nichtraucher per Definitionem nicht rauchen, Vegetarier kein Fleisch essen und Fleischesser genau jenes tun. Ich schliesse ja auch nicht alle Deutschen aus weil die bekanntermassen alle Nazis sind.

  • #9
    BioBlubb

    @Nansy: Natürlich muss man nicht jeden mögen. In vielen Fällen gibt es ja sogar Gründe, z.B. weil jemand keinen Rauchgeruch in seiner Wohnung möchte oder ein Vegetarier nicht will, dass totes Tier im Kühlschrank liegt. Das ist auch völlig legitim und keine Wertung gegenüber dem Raucher oder Fleischesser als solchem (sondern eine Bewertung einer beeinflussbaren Eigenschaft). Wenn jemand allerdings pauschal Nationalitäten oder ethnische Gruppen ablehnt (also unveränderliche Eigenschaften), weil er diesen Menschen auf Grund ihrer Nationalität oder Ethnie bestimmte Eigenschaften zuschreibt, dann nennt man das schlicht und ergreifend Rassismus. Und Toleranz gegenüber Intoleranz ist Bullshit.

  • #10
  • #11
    Kostja

    @Fritz
    “ Ich meine, eine vegetarische Nazi-WG?“

    Also gerade da gibt es keinen Widerspruch.
    Nichtsdestotrotz ist es natürlich peinlich für die Ruhrbarone,ohne weiter nachzuhaken auf diese Fake-Anzeige reingefallen zu sein.

  • #12
    Nansy

    @BioBlubb: Natürlich gibt es in vielen Fällen Gründe jemanden nicht zu mögen, z.B. weil jemand sich nicht vorschreiben lassen will, ob er in seiner Wohnung rauchen darf oder nicht, oder ein Schnitzel-Liebhaber nicht will, dass ihm ein Vegetarier zum Essen von Körnerfutter umerziehen will 😉

    Ich fürchte nur, dass es für Dich noch schlimmer kommt – die drei Studenten lehnen ja gar nicht pauschal alle Nationalitäten oder ethnische Gruppen ab – sondern „nur“ Araber und Afrikaner, wenn ich das richtig verstanden habe. So weit so schlecht – Du wirst nicht alle Menschen nach deinen Vorstellungen formen können… Das mit der Toleranz müssen wir allerdings noch einmal üben…

  • #13
    Helmut Junge

    Wenn solche „wissenschaftlichen“ Meinungsumfragen sich häufen, glaubt bald jeder,dass Rassismus ein rein akademisches Phänomen ist. Dann erlischt das Interesse an solchen Meldungen, selbst wenn die der traurigen Wahrheit entsprechen sollten.

  • #14
    der, der auszog

    @Helmut

    Kompliment für diesen ersten und einzigen wirklich sinnvollen Kommentar zu diesem Artikel, dem ich ohne weitere Worte zu verlieren, einfach nur zustimmen möchte.

  • #15
    Klaus Lohmann

    @Helmut Junge: Das war auch keine „wissenschaftliche Meinungsumfrage“, da hat nur Jemand vorhin gemerkt, was er oder seine WG-Genossen öffentlich für einen dämlich-kackbraunen Bullshit produzieren und seitdem wird zurückgerudert…

  • #16
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann, kann sein, aber dann hilft nur eine Strafanzeige gegen die Inserenten. Dann kommt raus, was das war. Zumindest der Hinweis auf unwillkommene Afrikaner ist justiziabel.

  • #17
    Klaus

    @9 „Wenn jemand allerdings pauschal Nationalitäten oder ethnische Gruppen ablehnt (also unveränderliche Eigenschaften), weil er diesen Menschen auf Grund ihrer Nationalität oder Ethnie bestimmte Eigenschaften zuschreibt, dann nennt man das schlicht und ergreifend Rassismus.“

    Nationalitäten wurden doch überhaupt nicht pauschal abgelehnt. Hast du den Text überhaupt komplett gelesen? Es werden nicht Leute anderer Nationalitäten abgelehnt, sondern Leute, die ein wie auch immer geartetes „europäisches Wertesystem“ ablehnen, inklusive den extra erwähnten „Deutschen“. Ausländer, die dieses Wertesystem teilen, sind *nicht* ausgeschlossen.

    Man mag von der Anzeige halten, was man will, aber rassistisch ist diese nicht.

  • #18
    Klaus Lohmann

    #17 | Klaus:
    Im zitierten Original:
    „Also völlig egal ob Spanier, Italiener, Engländer oder Deutscher, Araber und Afrikaner bitten wir daher von dem Angebot abzusehen“

    Ok, es ist allein von der Grammatik her nicht davon auszugehen, dass diese Blödis um den „Lukas“ irgendein Interesse an „europäischen Wertesystemen“ haben. Es ist dabei wohl auch ausgeschlossen, dass hier „wissenschaftliche Arbeit“ betrieben werden soll – höchstens als Laberrunde mit Handpils an der nächsten Bude.

    Deswegen wird vom Autor ja auch eine möglichst breite Schneise durch alle benannten europäischen Nationalitäten geschlagen, damit vom pösen linksliberalen Europa bloß Niemand einzieht. Ich nenne das anti-europäischen Rassismus. Mal die AfD fragen?

  • #19
    Bioblubb

    @ Klaus: Da werden pauschal Araber und Afrikaner abgelehnt, bzw. Ihnen wird pauschal unterstellt, dieses „Wertesystem“ abzulehnen. Das ist für Sie also kein Rassismus?

  • #20
    Klaus

    Nach dem ich das jetzt noch ein paar mal gelesen habe, muss ich wohl meine ursprüngliche Aussage zurücknehmen. Mea culpa. Sorry.

    Wenn man das als zwei getrennte Teilsätze liest, als: “Also völlig egal ob Spanier, Italiener, Engländer oder Deutscher,“ und „Araber und Afrikaner bitten wir daher von dem Angebot abzusehen” dann ist der Rassismus eindeutig. Da im ersten Halbsatz ein Verb fehlt, hatte ich das ablehnen auf alle aufgeführten Nationalitäten bezogen, solange sie halt ein Wertesysten nicht teilen. Diese Interpretation kommt mir mittlerweile selbst unwahrscheinlich vor.

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