„Wir in NRW“ haben das Verrotten zum Markenzeichen gemacht

Talbrücke Rahmede Foto: Michael Kramer Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Talbrücke Rahmede muss abgerissen werden. Wann ein Neubau fertig sein wird, ist nicht absehbar.

Mit „runtergerockt“ gelang Markus Feldenkirchen in seinem Buch „Die Schulz-Story“ eine ebenso einfache wie zutreffende Beschreibung Nordrhein-Westfalens. Ganz Deutschland bröselt, aber „Wir in NRW“ haben das Verrotten der Infrastruktur zum Markenzeichen gemacht. Ob Schulen, Straßen oder Bahnlinien, die Infrastruktur des einwohnerreichsten Landes der Bundesrepublik ist am Ende. Dass die Talbrücke Rahmede nun abgerissen werden muss und damit die A45 auf unbestimmte Zeit als Nord-Süd Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Süddeutschland ausfallen wird, passt ins Bild.

Seit 2014 ist klar, dass die Brücke so marode ist, dass sie neu gebaut werden muss. Eigentlich sollte damit 2017 begonnen werden, aber 2016 erhielt sie nach einer Kontrolle die Zustandsnote 3,0. Andere Bauprojekte wurden vorgezogen. Auch bei ihnen bestand dringender Handlungsbedarf. Die A45-Katastrophe ist ein Gemeinschaftsprojekt aller Landesregierungen und ihrer Verkehrsminister der vergangenen Jahre. Das Versagen geht über die Parteigrenzen hinaus.

Damit ist Südwestfalen, das industrielle Zentrum Nordrhein-Westfalens, von den großen Häfen und Wirtschaftsräumen abgeschnitten. Hier gibt es noch Hunderte der viel gepriesenen „Hidden Champions“, mittelständische Unternehmen, die auf dem Weltmarkt erfolgreich sind. Stefan Schreiber, der Hauptgeschäftsführer der IHK Dortmund, macht in einer ersten Stellungnahme klar, welche Konsequenzen das haben wird: „Ich bin erschüttert über die Nachricht, weil mir bewusst ist, dass eine mehrjährige Vollsperrung Arbeitsplätze und Wertschöpfung kosten wird, auf die wir dringend angewiesen sind. Unsere Region ist zwar große Autobahnbaustellen gewohnt, aber in diesem Fall werden Unternehmen nicht einfach nur auf die Zähne beißen, sondern Investitionen verschieben, Standorte verlagern und Fachkräfte werden sich andere Jobs suchen.“

In Genua schafften sie es, eine zusammengebrochene Brücke innerhalb von 18 Monaten zu ersetzen, aber das ist in Deutschland kaum denkbar. Das Planungsrecht, das Vergaberecht und Klagen von Anwohnern und Initiativen gegen den Bau, mit denen die Politik fest rechnet, werden dafür sorgen, dass sich die Errichtung einer neuen Brücke viele Jahre, vielleicht sogar mehr als ein Jahrzehnt, hinziehen wird.

Die Parteien haben sich selbst, getrieben durch NGOs, Bürgerinitiativen und den grünen Zeitgeist, die Möglichkeiten zu handeln durch immer strengere Auflagen genommen. Sie können noch verbieten und einschränken, aber kaum mehr etwas gestalten. Das wird auch die Ampel und ihr grüner Wirtschaftsminister Robert Habeck zu spüren bekommen: Windräder, Solarparks und Stromtrassen zu bauen wird im politisch gewünschten und wirtschaftlich dringend einzuhaltenden Zeitplan kaum zu schaffen sein. Es ist wie in Goethes Zauberlehrling: Die Mächte die Habeck und seine Partei riefen, werden nun zum Verhängnis.

Nordrhein-Westfalen, die ganze Bundesrepublik, lebt von der Substanz. Die war einmal so hervorragend, dass man damit eine lange Zeit halbwegs über die Runden kam. Aber ein Land, in dem Aktivisten und Rackets wie NABU, BUND und Greenpeace vergöttert, Klagen auf Werterhalt bedachter Immobilienbesitzer von NGOs und vielen Medien als ökologisches Engagement geadelt werden, hat sich für den Stillstand entschieden. Schaut man sich die Dynamik asiatischer Länder an ist klar, dass die Folge Wohlstandsverluste, ja Armut für immer größere Teile der Bevölkerung sein werden. Dass das ohne politische Unruhe ertragen wird, ist eher nicht zu erwarten.

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35 Kommentare

  1. #1 | Robin Patzwaldt sagt am 8. Januar 2022 um 13:17 Uhr

    Nachdem hier im Kreis RE eine simple Brücke über den Kanal schon drei Jahre (statt der zunächst kalkulierten drei Monate) Bauzeit (siehe Link unten) benötigt hat, braucht man nicht viel Vorstellungskraft, um das hier als ein wirklich großes Drama zu erkennen.

    https://www.ruhrbarone.de/deutschlands-wohl-peinlichstes-brueckenbauprojekt-steht-endlich-vor-der-vollendung/188099

  2. #2 | discipulussenecae sagt am 8. Januar 2022 um 13:32 Uhr

    Um Ihre These zu illustrieren, reicht in Blick in die Leserbriefspalten der Bochumer WAZ: Kaum ein Tag vergeht, an dem dort nicht beklagt wird, daß irgendwo im Stadtgebiet der Verlust besonders wertvoller Grünflächen drohe, weil dort ein Neubaugebiet entstehen soll.

    Gleichzeitig wird allenthalben auf den viel zu knappen Wohnraum hingewiesen, und rot-grün will dieses Problem jetzt durch Enteignungen lösen – zumindest in Berlin. Als ob dadurch auch nur eine einzige Wohnung mehr gebaut würde.

    Irgendwie erinnert mich dieser Widerspruch an die mathematisch nicht mögliche Quadratur des Kreises. Oder an das allgemein beliebte St.-Florians-Prinzip. Jeder will gewaschen werden, dabei aber möglichst keinen nassen Pelz ertragen müssen.

    Von der Erschließung neuer Industriegebiete war damit noch nicht einmal die Rede.

    Und auch der Neubau der Rahmedetalbrücke wird sich um viele Jahre verzögern, weil man ständig neue schützenswerte Tiere finden wird, deren Name vorher kaum ein Mensch kannte.

    Aber Luisa, Greta und Co. sind natürlich aufrecht gegen den Ausbau des deutschen Autobahnnetzes. Vielleicht sollten sich diese Pharisäerinnen+außen einmal klar machen, daß ihre Handys ca. 5% des deutschen Strombedarfs allein durch den Betrieb verbrauchen – und die Herstellung ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Denn die Dinger werden schließlich nicht von den Heinzelmännchen gebaut …

  3. #3 | Mawa sagt am 8. Januar 2022 um 13:55 Uhr

    Wer der Politik Entscheidungen über sein Leben anvertrauen muss, wie es aktuell durch die Coronamaßnahmen geschieht, der ist verloren. Diese Irren sollen sich besser aus unserem Leben raushalten und einfach nur die Bedingen schaffen, dass wir selber entscheiden können. Es kann nicht nicht funktionieren, wenn das Leben von 80 Mio Menschen von ein paar Isolierten bestimmt wird, die keinen Widerspruch zur Kenntnis nehmen wollen und können.

  4. #4 | ccarlton sagt am 8. Januar 2022 um 14:08 Uhr

    Die Brücke fällt in die Zuständigkeit des Bundes, nicht des Landes NRW.

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 8. Januar 2022 um 14:14 Uhr

    Es gibt also noch Sachverständige, die sich trauen, Brücken als unbefahrbar zu bezeichnen.
    Wer weiß, wie viele solcher Brücken es noch gibt.

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 8. Januar 2022 um 15:22 Uhr

    @ccarlton: Nein. Der Landesbetrieb Straßenbau ist verantwortlich.

  7. #7 | Emscher-Lippizianer sagt am 8. Januar 2022 um 15:44 Uhr

    @ccarlton #4
    @Stefan Laurin #6

    Die Autobahn GmbH des Bundes hat sich ihre Zuständigkeit von strassen.nrw kürzlich zurück geholt. Für den Verfall war noch strassen.nrw verantwortlich.

  8. #8 | thomas.weigle sagt am 8. Januar 2022 um 16:32 Uhr

    Dass die Kosten für eine umfassende Sanierung der durch den Schwerlastverkehr verursachten Schäden, vor allen an Brücken, kaum finanzierbar sein würden,wussten die zuständigen Fachleute der damaligen Bauamtskommission Bielefeld schon in den 90ern,als ich dort Mitglied für die Grünen im LWL war. Aber die Wirtschaft setzte sich durch und jetzt haben wir den Salat. Übrigens nicht nur in NRW,auch im Rhein-Main-Gebiet verursacht eine marode, jetzt gesprengte Brücke, massive Verkehrsbehinderungen. Zumindest ist jetzt nach der Sprengung derselben die darunter liegende Gleisstrecke wieder befahrbar. Mal sehen,wo es als nächstes hakt.
    Einige kleinere Brücken im Bereich der Bauamtskommission BI waren damals schon für LKW-Verkehr gesperrt.

  9. #9 | ccarlton sagt am 8. Januar 2022 um 18:30 Uhr

    #7: kürzlich zurück geholt?

    Die Brücke ist Baujahr 68. Aber im Grundsatz hat er nicht Unrecht. Nichtskönner sind Bund und Land.

  10. #10 | Emscher-Lippizianer sagt am 8. Januar 2022 um 20:27 Uhr

    @ccarlton
    #9

    Wie Mann/Frau/Es der entsprechenden elektrischen Heimseite entnehmen kann, war der Zeitpunkt der 01.01.2021. Wie sich aus dem Baujahr des Bauwerkes eine organisatorische Zuständigkeit ergeben soll, ist mir nicht ersichtlich.

    https://www.autobahn.de/ueber-uns

  11. #11 | Ruhr Reisen sagt am 8. Januar 2022 um 21:59 Uhr

    Als noch Zeit war, die Drittweltländer nicht mehr auszubeuten, hat man immer weiter so gemacht. Jetzt sind wir dran. Das Karussel hat sich gedreht und wir kriegen das zurück, was wir über Generationen verbrochen haben. Die Reichen werden schon ihre Inseln beziehen.

  12. #12 | mak40213 sagt am 8. Januar 2022 um 22:15 Uhr

    Einen Unterschied gibt es zu Genua: Dort ist die Brücke eingebrochen, darunter war nichts mehr zu retten. Hier könnte man auch sprengen, muss aber schauen, was dann gefährdet wird. Aus den Äußerungen kann man auch entnehmen, dass man ohne neuen Planfeststellungsbeschluss die Brücke dann neu bauen will – aber dazu muss die alte erst einmal weg, und das geht nicht so schnell (siehe auch Wiesbaden – mit umfangreichen Vorarbeiten bei deutlich geringerer Fallhöhe). Die Anwohner freuen sich auch, wenn ihnen der Himmel – pardon die Brücke – auf den Kopf fällt.
    Abgesehen davon: Dieses Problem hätte man 2014 auch gehabt, denn bei dieser Brückenkonstruktion scheint damals niemand an einen Ersatzbau gedacht zu haben.

  13. #13 | Angelika, die usw. sagt am 9. Januar 2022 um 10:42 Uhr

    Das alles kommt von dieser 'Anbetung' der Schwarzen Null.
    Sparen ist nur in Teilen klug, wer an der Infrastruktur großflächig spart ist blöd.

    Und mit diesem Getue um die Schwarze Null hat man (zu) lange sein politisches Profil geschärft, Wahlen gewonnen. Innere Sicherheit, Schwarze Null, wir und die EU, wir und die USA, zack wieder an der Regierung. Aber diese Schwarze Null ist eine Mogelpackung – wie bei bestimmten Keksen , wenig drin, nur schöner Aufdruck, schmecken nicht, keine Vitamine, also Mist. Schwarze Null gleich Infrastruktur im A…. auch Mist. So einfach ist das.

  14. #14 | Georg Hofrichter sagt am 9. Januar 2022 um 12:01 Uhr

    Die Rahmedatelbrücke ist nur eine unter den 375 Autobahnbrücken in NRW. Auf ihre weitere Funktionsfähigkeit abschließend überprüft sind bis heute nur gut hundert dieser Brücken. Davon ist etwa die Hälfte in einem Zustand, der einen Neubau erfordert. Dreizehn dieser Brücken haben eine Bewertung, die eigentlich einen sofortigen Neubau erfordern. Ich denke deshalb, die Rahmedetalbrücke ist nur der Beginn einer verkehrstechnischen Kastration. Es werden in absehbarer Zeit weitere Brücken in einen Zustand geraten, der eine Sperrung, einen Neubau unausweichlich machen wird. Die Talbrücke Brunsbeck auf der A45 bei Hagen ist ebenfalls in einem bedenklichen Zustand. Die Folgen sind in ihrer gesamten Tragweite kaum absehbar und bei der Länge der Planungs- und Genehmigungsverfahren scheint es mir unmöglich die notwendigen Sanierungen und Neubauten im zeitgerechten Rahmen zu realisieren. Und selbst wenn das gelingen würde, wären die mit den Neubauten in Verbindung stehenden, dauerhaften und zeitgleichen Einschränkung des Verkehrs auf nahezu allen Autobahnen in NRW der Verkehrs-GAU schlechthin.

    Die Ouvertüre spielt die Rheinbrücke in Leverkusen.
    Seit gut 10 Jahren zieht sich dieses unwürdige Spektakel hin, ohne dass etwas substantielles geschehen ist. Über 10 Jahre hinweg werden LKWs nun über Schrankensysteme an der Nutzung dieser Brücke gehindert und müssen weit Umwege in Kauf nehmen. Ein Umstand, der mit für die permanente Überlastung der Autobahnen rund um Köln und Düsseldorf sorgt. Durch die Umleitungsempfehlungen für die A45 in Richtung Süden wird sich die Situation in der Region nochmals verschärfen. Michael Groschek sah in dieser Brücke bereits im Jahr 2016 ein „Mahnmal für den katastrophalen Zustand der deutschen Infrastruktur“. Aktuell ist die Fertigstellung eines Neubaus für das Jahr 2025 avisiert. Geschlagene 15 Jahre wären dann ins Land gezogen. Und ob der Neubau bis dahin tatsächlich steht und befahrbar ist, steht nachwievor in den Sternen.

    Mittlerweile sind marode Brücken in NRW der Hauptgrund für Staus.

    Die Laserkontrollen, durch die an der Rahmedetalbrücke die Schäden, die zur dauerhaften Sperrung geführt haben, entdeckt wurden, sind bei Straßen NRW nur eine Ausnahme. Man mag es nicht fassen, aber diese Bauwerke unterliegen im Regelfall nur einer Sichtprüfung. Aus meiner Sicht ein grob fahrlässiger Umstand. Der Transportbranche geht das ganz offensichtlich am Allerwertesten vorbei:

    „Trotz der Probleme mit den Brücken forderte Hans-Joachim Welsch als Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Wirtschaftsvereinigung Stahl die Erhöhung der zulässigen Gewichte für LKW von 40 auf 44 Tonnen. Die Argumentation von Welsch, der zugleich Geschäftsführer der SHS Logistics GmbH, eine Tochter der Stahl-Holding-Saar (SHS), ist: So könnten auch zwei Stahlcoils mit jeweils 14 Tonnen Gewicht in einem LKW untergebracht werden, was inklusive des Eigengewichts des Fahrzeugs die 40 Tonnen leicht überschreiten würde. „Mit der Anhebung auf 44 Tonnen könnten in der Stahlindustrie über 100.000 LKW-Fahrten pro Jahr eingespart werden“, sagte Welsch.„

    https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/transport-logistik/so-sanierungsbeduerftig-sind-autobahnbruecken-in-nrw-3003947

    Vielleicht ist das Ganze ein parteiübergreifender, perfider und langfristig angesetzter Plan, um den Gütertransport von den Straßen endlich auf die Schiene zu bringen. 😉

  15. #15 | Lehmbruck sagt am 9. Januar 2022 um 12:55 Uhr

    Leider haben wir im neuen Jahrtausend viel zu viel Infrastruktur buchstäblich kaputtgespart und verrotten lassen. Eines zivilisierten Landes unwürdig, aber Herr Schäuble hat die Südeuropäer geschulmeistert, sie sollen endlich auch so toll sparen wir wir. Dumm nur, wenn man nichts in die Zukunft investiert, verliert man nachher um so mehr Geld. Die Substanz bröckelt, wenn es heißt: Ihr habt schon viel zu viel Geld ausgegeben, flickt erst mal.

  16. #16 | Walter Stach sagt am 9. Januar 2022 um 14:22 Uhr

    Ein "gewaltiges" öffentliches Investitionsprogramm ist in Deutschland seit Jahren überfällig.
    Die "Ampel" will……….. . Ich bin gespannt, ob , wann und wie…….
    Die Finanzierung eines solchen Programmes erfordert Milliarden !!. Wenn nicht anders möglich, ist darauf bezogen m.E, die Aussetzung der sog. Schuldenbremse unumgänglich.

    Für mich gibt es jedenfalls keine hinreichenden Gründe , die dringende Notwendigkeit eines solchen Programmes erneut in Frage zu stellen und die Notwendigkeit seines sofortigen Umsetzungsbeginnes hinauszuzögern , z.B. mit Verweis auf die sog. Schuldenbremse.

    Zu streiten ist -selbstverständlich- darüber, ob es bezüglich millardenschwerer öffentlicher Investitionen einer besonderer Prioritätensetzung durch das Parlament (durch die Parlamente) . bedarf -mehr für den Neubau von Straßen, mehr für den Ausbau von Straßen, mehr um den PKW Verkehr , mehr um den LKW-Verkehr "zu verbessern" , mehr für den Rad-/Fugängerverkehr, mehr für den Brückenerhalt/den Brückenausbau und /oder mehr für das Digital-netz und /oder mehr für den Neubau/Umbau/Erhalt von Bildungseinrichtungen -KITAS, Schulen, Universitäten-. Dieser Streit kann und darf jedoch nicht "das Sofort-Machen" zeitlich wie bisher über "die Maßen" hinaus verzögern oder gar mittelfristig gänzlich verhindern.

    Simple Erkenntnisse? Ja meine ich.

    Auch für diejenigen, die immer erst dann nach staatlichen Investitionen in die Infrastruktur rufen, wenn es " vor ihrer Haustüre" brennt -sh. aktuell die sog.Sauerland-Brücke bei Lüdenscheid ?

    Auch für diejenigen, die permanent "weniger Staat" verlangen?

    Auch für diejenigen, für die "Staatsschulden" schlechthin Teufelszeug sind?

    Deutschland, ein rückständiges Land wegen seiner maroden, seiner unzureichende Infrastruktur?
    Ja, das ist wohl so und eben nicht nur mit Blick auf die Straßen/die Straßenbrücken.

    Es mag den einen oder den anderen dieserhalb "trösten", wenn er vergleichend auf die desolate Infrastruktur in den USA blickt -Straßen, Schulen, Versorgungsleitungen -Strom, Gas, Wasser-, und es mag den einen oder den anderen dienlich erscheinen, um die hiesige Finanzierungs-Problematik relativieren zu können, wenn er sich mit der einschlägigen aktuellen Problematik befaßt, mit der sich Präsident Biden dieserhalb herumschlagen muß, um sein gewaltiges, für die USA in dieser Dimension einmaliges Investitionsprogramm zur Sanierung/ Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur umsetzen zu können -nebst dessen Finanzierung durch noch mehr Staatsschulden.

    PS
    Wenn hier aus aktuellem Anlass über gravierende Straßen-brückenmängel diskutiert wird, will ich das ergänzen mit einem Hinweis auf gravierenden Mängeln an den hiesigen Wassserwegen, speziell an den Kanälen insgesamt, vor allem aber auch auf gravierende Mängel an den sog. Kanalbrücken. In meiner Heimatstadt Waltrop mit ihren 3 Kanälen -Dortmund-Ems-Kanal, Datteln-Hamm – Kanal und in einem kleinen Bereich Rhein-Herne-Kanal gehört es mittlerweile zum Alltäglichen, dass irgend eine Kanal-Brücke ganz oder teilweise gesperrt werden muß -zumindest für den sog. Schwerverkehr- wegen gravierender Mängel (sh. ähnlich die Brücke über den Rhein bei Leverkusen). Die Renovierung bzw. der Neubau selbst der relativ kleinen Brücken über die Kanäle kostet Einiges und dauert in der Regel sehr, sehr lange -jedenfalls viel zu lange aus der Sicht der Verkehrsteilnehmer.

  17. #17 | Walter Stach sagt am 9. Januar 2022 um 14:35 Uhr

    PS
    Ein NRW-Spezifikum?
    Mit Blick auf die "anderen" sog. westdeutschen Bundesländer sehe ich das nicht so.
    Bayern scheint allerdings dieserhalb weniger Probleme zu haben, was vor allem damit zu tun hat, dass seit Jahrzehnten der jeweilige Bundesverkehrsminister ein CSU-Mann war, der nachweislich (!!) gemessen an Einwohnerzahl und am nachgewiesenen" dringendem Bedarf" über diese Jahrzehnte dafür gesorgt hat, dass unverhältnismäßig -etwa im Vergleich zu NRW- Bundesmittel für den Ausbau/den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur dem Land Bayern "zugeschustert" wurde.
    Wird sich das jetzt dank Minister Wissing (FDP) ändern? Evtl. sogar zu Gunsten von NRW?

  18. #18 | Walter Stach sagt am 9. Januar 2022 um 14:37 Uhr

    PS
    Robin -1- bitte meine Hinweise auf "Waltrop" nur verstehen als Ergänzung zu Deinem Beitrag!

  19. #19 | Guiseppe Bottazzi sagt am 9. Januar 2022 um 14:37 Uhr

    Der Westen hat bis 1945 Preussen subventioniert, danach Bayern, nach 1989 den Osten, dann die EU und jetzt die ganze Welt. Irgendwann ist halt mal Ende.

  20. #20 | SvG sagt am 9. Januar 2022 um 14:38 Uhr

    @13; Angelika:
    Das greift zu kurz: Wir hatten in den vergangenen immer höhere Steuereinnahmen. Geld war genug vorhanden. Das wurde jedoch in Rentengeschenke gesteckt. Oder ins Ausland verschenkt. Oder um sinn-, und wirkungsfreie Maßnahmen im Bereich sozialer Hilfen (Teilhabepaket) oder Industrieförderung (Abwrackprämie, Förderung der E-Autos) zu finanzieren usw.usf. Wir hätten in den vergangenen zehn Jahren problemlos die schwarze Null halten, die Infrastruktur erneuern und Schuldenabbau betreiben können. In diesem Land werden Stimmen jedoch gerne erkauft, vorzugsweise zu Lasten anderer (Mindestlohn €12.-) , als die Wähler und sich selbst durch Überzeugungsarbeit zu belasten.

  21. #21 | Georg Hofrichter sagt am 9. Januar 2022 um 15:22 Uhr

    @ #4 & #6

    Seit September 218 gibt es die Autobahn GmbH des Bundes. Soweit mir bekannt, ist diese GmbH seit dem 1. 1. 2021 für alle Autobahnen bundesweit zuständig.

  22. #22 | Psychologe sagt am 9. Januar 2022 um 16:24 Uhr

    "Die Parteien haben sich selbst, getrieben durch NGOs, Bürgerinitiativen und den grünen Zeitgeist, die Möglichkeiten zu handeln durch immer strengere Auflagen genommen. Sie können noch verbieten und einschränken, aber kaum mehr etwas gestalten. "

    Dazu kommt, dass auch die Bürger denken, dass sie sich auf der Verantwortung des großen Ganzen ausklinken können. Jeder lebt in seinem Klein-Klein.
    Wenn man eine Zeit lang durch Bergkamen gefahren ist, fielen vor den Häusern Schilder wie "Nein zur L821n" oder "L821n? Nicht mit uns!" auf. In einer anderen Ecke von Bergkamen waren die Straßen wieder von Schildern gesäumt. Dort stand jedoch drauf: "L821n sofort!" oder "Ja zur L821n!".
    Politiker möchte ich da nicht sein.

  23. #23 | Thomas Schweighäuser sagt am 9. Januar 2022 um 17:19 Uhr

    Schöne Erzählung: Die fleißigen Unternehmer Südwestfalens im Würgegriff von unfähigem Staat und Bedenkenträgern. Da verbietet sich natürlich die Frage, was eine marode Brücke mit einer geänderten Produktionsweise, dadurch gestiegenem LKW-Aufkommen oder mit dem Diktat der Schuldenbremse zu tun haben könnte. Einmal ganz abgesehen von der Frage, warum die fleißigen Unternehmer Südwestfalens denn gar keine Lobby in Düsseldorf haben.

  24. #24 | Bebbi sagt am 10. Januar 2022 um 00:04 Uhr

    Straßen NRW war nur Straßenbaubehörde (als Auftragsverwaltung), nicht Straßenbaulastträger, der für die Finanzierung zuständig ist.

  25. #25 | ein Westphale sagt am 10. Januar 2022 um 01:53 Uhr

    Naive Frage, aber sind es eigentlich wirklich die NIMBYs auf die Herrn Laurin gerne schimpft die das zentrale Problem bei Infrastrukturprojekten darstellen, oder gibt es noch andere, möglicherweise schwerer wiegende Gründe wie zum Beispiel unterbesetzte Ämter oder wie von anderen bereits erwähnt das Sparen des Sparens Willen?

  26. #26 | Berthold Grabe sagt am 10. Januar 2022 um 09:32 Uhr

    @8
    Die Wirtschaft setzte sich durch…
    können sie nähere Angaben machen wie das im Detail abläuft, also die Wirtschaft die Politik bewegt, oder gar zwingt falsch zu handeln? Warum sich Regierungen veranlasst sehen dem Druck nachzugeben?
    Denn letztlich muss doch dieser Mechanismus repariert werden, damit Politik handlungsfähig wird und nicht versagt.

  27. #27 | Berthold Grabe sagt am 10. Januar 2022 um 09:36 Uhr

    Ich möchte noch ergänzen, dass neben den hier genannten Objekten, alle Kölner Rheinbrücken für den Autoverkehr ebenfalls marode sind. Einzige Ausnahme die Südbrücke mit der A4 weil sie einen danebenliegenden Neubau zur Verbreiterung erhielt.

  28. #28 | Berthold Grabe sagt am 10. Januar 2022 um 09:46 Uhr

    @13
    die "schwarze Null" ist nicht das Problem, immerhin sind die Steuereinnahmen sowohl absolut wie relativ auf einem absoluten Spitzenniveau.
    Allerdings sind auch die Subventionen im nicht existenzsichernden Bereichen auf einem absoluten Spitzenniveau, wie bei Umweltverbänden und NGO´s. Ebenso wie im existenzsichernden Bereich wie Rente, Krankenversicherung und soziale Dienste.
    Gleichzeitig ist die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand so schlecht, das Autobahnbaustellen regelmäßig still stehen, weil die Bauunternehmen auf überfällige Zahlungen warten und kleinere Unternehmen teilweise für den Staat grundsätzlich nicht mehr arbeiten.

  29. #29 | Helmut Junge sagt am 10. Januar 2022 um 10:40 Uhr

    Die Chinesen haben für ihre "Neue Seidenstraße" schon viele Brücken bauen müssen, und sie wollen ja nach Duisburg. Vielleicht bauen die dann auch in Deutschland alle Brücken, die sie benötigen. Da könnte die Talbrücke Rahmede auch bei sein.
    Schneller ginge das allemal. (Ich weiß leider nicht, wie ich an dieser Stelle ein
    "Lachmichschlapp emoj "setzen kann) , also konventionell "hahaha".

  30. #30 | thomas.weigle sagt am 10. Januar 2022 um 13:26 Uhr

    @ Bebbi#24 Genau! Stand zumindest früher auch immer auf großen Tafeln an den entsprechenden Baustellen. "Hier baut XYZ in Auftragsverwaltung für die Bundesrepublik Deutschland…" Oder so ähnlich. Diese Plakatwände waren v.a. in der Hochzeit des Autobahnbaus überall in der Bonner Republik zu sehen.

  31. #31 | Bebbi sagt am 10. Januar 2022 um 23:55 Uhr

    @ #25: Vielleicht beschäftigen wir die Ämter auch mit den falschen Sachen (Vorratsplanung für noch mehr Straßen, nebulöse Wirtschaftsförderungsaktivitäten, Standortmarketing, unverständlichen, humorfreien und wirkungsfreien Kampagnen, die Stefan Laurin motivieren sollen, doch freiwillig das Kfz zu verkaufen und nur noch Rad zu fahren, pardon ganz selten vielleicht mal das Rad für das Klima stehen zu lassen, Fördermittelbeantragung und -verwaltung, …). In der Gesamtsumme wird es ja nicht unbedingt weniger Personal, nur fehlt es zunehmend in der Verkehrsplanung und vor allem im Unterhalt und Bau der Verkehrsinfrastruktur.

    @ #28: Welche NGO bekommt für was Subventionen?

    @ #29: Auch die Chinesen müssen durch die Planfeststellung soweit nötig und durch die Baugenehmigung. Nur so wird verhindert, dass der mit dem größten Bagger komplett alleine bestimmt, wie unsere Umwelt aussieht.

  32. #32 | Walter Stach sagt am 12. Januar 2022 um 13:47 Uhr

    Brücken in Deutschland !!) sind noch maroder als befürchtet…..

    So u. a. heute in einem Spiegel-online Artikel ..

    In einem Zusatz heißt es : "Nun muß der neue Verkehrsminister………"

    Ich habe in einem anderen Beitrag hier bei den Ruhrbaronen gefragt, ob bereits nach sehr kurzer Zeit vergessen ist bzw. medial und parteipolitisch zu vergessen, zu verdrängen versucht wird, daß in rd. 16 vergangenen Jahren die politische Richtlinienkompetenz bei der CDU Kanzlerin Merkel lag und in Sachen Verkehrspolitik bei einem CSU-Minister, zuletzt bei Scheuer, den ich gelinde gesagt als Zumutung empfunden habe, wenn es um Führungsqualitäten einschließlich Geradlinigkeit /Ehrlichkeit ging. Nun muß Wissinger von der FDP 'ran? Ja, aber das muß einhergehen mit der Feststellung, welches Erbe ihm Scheuer und Co hinterlassen haben -oder Altmayer dem Habaeck oder Merkel dem Scholz oder……

  33. #33 | Das aktuelle Brückenchaos geht weit über die Rahmede-Talbrücke und die A45 hinaus! | Ruhrbarone sagt am 14. Januar 2022 um 14:41 Uhr

    […] die Rahmedetalbrücke an der A45 im Sauerland ist auch hier im Blog kürzlich bereits ausführlich thematisiert worden. Auch haben wir hier an dieser Stelle in den vergangenen Jahren häufiger auf die […]

  34. #34 | Tagedieb sagt am 14. Januar 2022 um 17:05 Uhr

    Die Bundesläner haben sehr bereitwillig die Aufgabe des Baus, der Instandhaltung und der Sanierung an die Bundesebene zurückgegeben, sind sie doch so aus der Verpflichtung gerade der Instandhaltung und der Sanierung der Bundesautobahnen und Bundesstraßen entlassen worden.

    Da das politische Geschäft ein Kurzzeitgedächnis hat, kann man nun so bei dem sich seit Jahren anbahnenden Sanierungsstau nun auf eine zentrale Instanz auf Bundesebene verweisen und von eigenen Versäumnissen (lieber neu bauen wie instandsetzen) ablenken.

    Abgesehen davon ermöglicht wohl die neue (anscheinend zumindest in Bezug auf die Instution Autobahn GmbH sehr teuere) zentrale Lösung, zumindest mittelfristig neue Finanzierungsmöglichkeiten auszuprobieren (Finanzanleihen, ausgegeben von bzw. zu Gunsten der Autobahn GmbH, verstärkte Nutzung des Instituts PublicPrivatePartnership/PPP – obwohl dieses Instrument wie bereits mehrmals festgestellt, Bauvorhaben deutlich teurer macht). Damit kann man mit Finanzmitteln abseits des offiziellen öffentlichen Haushalts agieren.

    Also für die Bundesländer ein Gewinn (sie sind für nichts zuständig, können aber ständig fordern), für den Bund ein Gewinn (er kann wieder bestimmen, wo es langgeht, die Finanzierung kann aus dem Haushalt ausgelagert werden, private Investoren können bedient werden).

    Was will die Politik mehr?

  35. #35 | Tock, tock, tock: Die wirklichen Probleme klopfen an die Tür | Ruhrbarone sagt am 18. Januar 2022 um 16:48 Uhr

    […] Auch durch Flüchtlinge in großer Zahl, die versorgt werden müssen. Dass die Infrastruktur marode, die Digitalisierung bislang kaum angegangen und die Defizite im Bildungsbereich gewaltig, ist […]

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