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Bürgerwehr Witten: „Ficki Ficki Mama Merkel“

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Sie sagen, wir wollen „unsere Frauen schützen“: Etwa 1500 Menschen haben sich in einer geschlossenen FB-Gruppe versammelt, um Wittens Straßen „wider sicher zu machen“, wie sie sagen. Es ist ein Sammelsurium von Verschwörungstheoretikern und rassistischen Aussagen anhängenden Bürgern, die sich dort versammelt haben. Von unserem Gastautor Roland Geisheimer.

Aber auch Leute, die offen mit neonazistischen Symbolen in ihren Profilen kokettieren, sind dort zu finden. Auf dem Profil einer Administratorin kann man u. a. die schwarze Sonne entdecken. Die Schwarze Sonne, ist ein wichtiges Erkennungssymbol der Rechten und wird von der rechtsesoterischen bis rechtsextremen Szene genutzt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Sonne) Bei anderen findet man Reichsflagen und andere rechte und/oder rassistische Dinge im Profil. Der Wittener Ratsherr der rechten Gruppierung PRO NRW verbreitet die Propaganda seiner Partei in der Gruppe. Viele Gruppenmitglieder dürften unfreiwillig von ihren Facebookfreunde in der Gruppe hinzugefügt worden sein. Etliche verlassen auch ganz schnell wieder die Gruppe. Ein großer Teil stammt nicht einmal aus Witten.
Zur Zeit nennt sich die angebliche Frauenbeschützergruppe „Gemeinsam gegen Gewalt an unseren Frauen und Kinder“ zwischendurch führten sie auch den Namen „Bürgerwehr Witten“. Intern sehen sie sich nach wie vor als Bürgerwehr. Dass hinter den Machern der Gruppe nicht gerade eine neue feministische Kampfgruppe steht, dürfte klar sein. Eine Düsseldorfer Initiative hat etwas über diese neuen Bürgerwehren, die in vielen Städten gerade zumindest virtuell entstehen, geschrieben und trifft den Nagel auf den Kopf:  „Ihr wollt „eure Frauen“ beschützen, aber: Wir gehören euch nicht! Wir Frauen brauchen und wollen eure vermeintlichen Beschützergesten nicht, ihr habt euch auch vor den Vorfällen in Köln nicht für Feminismus und Gleichberechtigung interessiert. Ihr nutzt die Gelegenheit, um rassistische Stimmung zu verbreiten. Wenn ihr Abschiebungen als legitime Reaktion auf Kriminalität versteht, fangt doch in euren eigenen Reihen an.“ (http://www.niemand-braucht-euch.de)

 

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Dass es der Wittener Gruppe nicht um Frauenrechte geht, zeigt eine Karikatur die in der Facebook-Gruppe veröffentlicht wurde. Zu sehen ist wie Angela Merkel von vielen Menschen umringt und sexuell belästigt wird. Der Initiator der Gruppe kommentiert dieses frauenverachtende Bild mit den Worten „dann hätte es die richtige getroffen“. Vergewaltigungen sind also für ihn ok, wenn sie die „richtige“ Frau treffen. Auch mit der Rechtsstaatlichkeit scheint der Chef der Gruppe es nicht so zu haben: „Wenn ein Mensch ein Kind belästigt, vergewaltigt oder tötet, gehört derjenige geköpft. Ein anderer möchte den „Klugscheissern der Stadt das Maul stopfen“. Köpfungsphantasien, eher ein Markenzeichen islamistischer Barbaren, scheinen bei den selbsternannten Frauenschützern hoch im Kurs zu stehen. Im Bezug auf einen Grünen Politiker wird gefordert: „Kopf ab!“ Ein anderer User ist eher Anhänger modernerer Tötungsmethoden: „Ihr müsst sie wie Freiwild behandeln, bei Sichtkontakt schießen“.

Diese Aussagen dürften auch der Grund dafür sein, dass die Polizei alarmiert ist. Recherchen unseres Blogs haben ergeben, dass bereits gestern (14.01.2015) über ein Dutzend Gefährderansprachen durch die Polizei vorgenommen wurden. Polizeibeamte tauchten bei führenden Köpfen der Facebookgruppe zu Hause und auf der Arbeit auf. Ebenenfalls soll mit einem Gastronom, der am Wittener Rathausplatz ein Lokal betreibt, ein intensives Gespräch geführt worden sein. In der Kneipe hat nach unseren Recherchen das erste Treffen der Bürgerwehr stattgefunden. In ihr verkehren auch Rocker aus dem Umfeld des Brothers MC. Dieser ist nach unseren Recherchen  ebenfalls der Bürgerwehr nahestehend. Heute gab es dann noch einmal ein längeres Gespräch mit der Polizei. Geladen war der Initiator der Gruppe.

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53 Kommentare zu “Bürgerwehr Witten: „Ficki Ficki Mama Merkel“

  • #51
    Klaus Lohmann

    @Walter Stach: Die OECD-Statistik über den Bildungsgrad der Social-Media-User in verschiedenen Ländern ist ja schon ziemlich interessant;-)

    Dass Deutschland derart verschieden zu allen anderen Ländern mit eher "unterbelichteten" FB- und Twitter-Usern glänzt, könnte allerdings auch daran liegen, dass hierzulande StudiVZ (plus Ableger) kurz vor der deutschen Facebook-Premiere schon mit sexuellen Anzüglichkeiten (ala "Gruscheln"), dumpfen Nazi-Gruppen und eindeutig abzockerischem, prolligem Geschäftsgebahren der damaligen Eigner genügend akademische Kunden vergrätzt hatte, um Facebook im Gegensatz zu anderen Ländern wie den USA (wo FB an den Unis zuerst groß wurde) hier zunächst und dann auch längerfristig nicht mehr zu vertrauen.

  • #52
    Walter Stach

    Klaus Lohmann,
    mir waren diese Unterschiede nicht bekannt -interessant und nachdenkenswert..

  • Pingback: Witten: Hetze bei der Bürgerwehr | Ruhrbarone

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