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Demonstration gegen Israel in Bochum

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In Bochum fand  gestern Nacht eine Demonstration gegen Israel statt. Nach Polizeiangaben zogen 120 Demonstranten vom Rathaus aus durch Teile der Innenstadt und skandierten dabei Parolen wie „Israel Kindermörder“ und „Allah uh Akbar“. Ruhig blieb es hingegen in der Nacht in Essen. Am Donnerstag konnte ein Sturm auf die Alte Synagoge nur durch massive Polizeikräfte verhindert werden. Die Ankündigung, nun jeder Nacht zu demonstrieren, wurde nicht wahr gemacht, wie die Essener Polizei heute meldet.

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35 Kommentare zu “Demonstration gegen Israel in Bochum

  • #1
    WALTER Stach

    ….12o Teilnehmer…..;

    ich hatte -u.a.angesichts solch zu erwartender Zahlen- vor einigen Tagen hier bei den Ruhrbaronen geraten, mit den “ Gesinnungsträgern“ solcher Demonstrationen und mit der Demonstration selbst gelassen umzugehen, denn bewirken können und bewirken werden sie nichts, abgesehen von der Wirkung eines solchen Aktes der Selbstbetätigigung.

    Wirkungslose Demonstrationen befreien unsere Gesellschaft allerdings nicht davor, das Gegenteil sollte der Fall sein, grundsätzlich, jetzt wieder einmal aus konkretem Anlass, einen öffentlichen Diskurs über die Problematik Israel-Palästinenser als wesentliches Element im gesamten Nah-Ost-Konflikt zu führen -noch mehr als bisher- und selbstverständlich mit der Suche nach einer Antwort auf die immer währende Frage, wie angesichts des Verbrechens Deutscher gegenüber Juden während des NS-Regime „die“ Deutschen, die deutsche Gesellschaft, der deutsche Staat sich zu dieser Problematik zu positionieren und sich zu engagieren hat; jedenfalls grundsätzlich anders, jedenfalls in einer grundsätzlich anderen Verantwortung für den Staat Israel als das für jede andere Gesellschaft, für jeden anderen Staat auf dieser Welt gilt. Es scheint so, daß es bezüglich dieser letzten Feststellung meinerseits d e n grundsätzlichen Dissens zu solchen „Gesinnungsträgern“ gibt, die u.a. gestern in BO demonstriert haben.

    Zum wiederholten Male dazu eine Selbstverständlichkeit:

    Die besondere Verantwortung für und gegenüber dem Staat Israel schließt Kritik an der Politik des Staates Israel nicht aus, im Gegenteil, sie schließt solche Kritik im ein.

  • #2
    spaetburgunder

    Kurze Frage: woher kommt die Info, dass ein „Sturm auf die Alte Synagoge…verhindert“ werden musste und konnte? Wenn das Interpretation ist, sollte das so gekennzeichnet werden.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @spaetburgunder: Das geht aus einem Video hervor, das auf FB kursiert und auf dem man erkennen kann, das Polizeibeamte die Alte Synagoge schützen mussten.

  • #4
    Thomas Weigle

    @ Walter Stach Sicher kann die Politik der Israel. Regierung nicht überall Begeisterung auslösen, und ist schon unzählige Male von der UNO-Vollversammlung kritisiert worden, auch sonst genießt der jüdische Staat weltweit nicht die höchste Achtung. Von daher bin ich der Meinung, dass wir uns tunlichst mit Kritik an dem Staat der Nachkommen der Holocaustüberlebenden zurückhalten sollten. Es gibt genug anderes zu kritisieren und zu verbessern.
    Ich möchte auch zu bedenken geben, dass man bei jeglicher Kritik am Staat Israel sofort unschöne Zustimmung von äußerst dubiosen Gestalten der ungesündesten politischen Herkunft bekommt, u.a. solchen, die auf dem Frauendeck gen Gaza schippern

  • #5
    Helmut Junge

    #2 | spaetburgunder,
    Speziell die alte Synagoge ist offenbar schon länger für einige Muslime so sehr Haßobjekt,
    daß vor 14 Jahren während einer Anti-Israeldemonstration Scheiben eingeworfen wurden. Ich konnte mich erinnern, daß da schon einiges los war und habe mal kurz gegoogelt:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/anschlag-auf-essener-synagoge-libanesen-in-u-haft-a-97207.html
    auch die TAZ berichtete darüber:
    http://www.taz.de/1/archiv/archiv-start/?ressort=in&dig=2000%2F10%2F09%2Fa0073&cHash=dab25ac8d9325c37ee30d6c519924a34

    Außer den arabischen Demonstranten wollen dort auch immer wieder ausgerechnet Nazis ihre Demonstrationen abhalten.

    Es gab auch Beschwerden eines islamischen Verbandes gegen die Synagoge weil in einem Einladungsschreiben zum einem Vortrag im Einladungsschreiben eine Formulierung stand, „wonach „judenfeindliche Ressentiments“ von alters her „im Islam eine fundamentale Rolle spielen“. Und: „Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden.“
    Der Sprecher dieses islamverbandes hielt diese Formulierung für islamfeindlich und hat sich beim Essener Oberbürgermeister beschwert.
    So „Der Westen “ am 5.5.2011

    Gestern war die Demonstration nach Polizeiangaben nicht angemeldet und die Polizei kam mit einem Großaufgebot. Sicher auch um die Synagoge zu schützen. Wen würde das nach der Geschichte noch wundern?

  • #6
    Jenner

    Warum schläft Ralf Jäger eigentlich bei dem Thema ? Ist der schon im Urlaub ?

  • #7
    der, der auszog

    @Thomas Weigle

    Israel möchte wie jeder andere Staat der westlichen Welt behandelt werden. Insofern kann es nicht zielführend sein, aus welchen Gründen auch immer, Israel (erneut) eine Art „Extrabehandlung“ zu Teil werden zu lassen.

    Genau die Einstellung, Deutschland möge sich bei der Israelkritik aufgrund seiner Geschichte zurückhalten, ist Wasser auf die rhetorischen Mühlen linker Antisemiten, wie Günther Grass, Jakob Augstein u.a., die dann zu Formulierungen führen, wie: „Man wird doch nochmal sagen dürfen… “ oder: „Nur weil Deutschland sechs Millionen Juden ermordet hat, heißt das ja noch lange nicht, dass Israel…“

    Dieser Rhetorik ist schwer zu wiedersprechen, gerade wenn sie von Nobelpreisträgern oder namhaften Journalisten vorgetragen wird, denn sie erweckt den Anschein, als wisse derjenige, der sie benutzt, bestens darüber bescheid, was Antisemismus ist und nimmt so bereits im Vorfeld einer möglichen Kritik den Wind aus den Segeln.

    Antisemitismus ist keine Erfindung des Nationalsozialismus und er ist auch nicht auf Deutschland beschränkt. Bei der Beurteilung jüdischer Politik hat Antisemitismus nicht zu suchen, genauso wenig aber auch wie die deutsche Vergangenheit.

  • #8
    King David

    @#7:

    Israel wird aber eben nicht wie jeder andere Staat auf den Welt behandelt. Schon gar nicht von jenen, die sich nun mal wieder berufen fühlen gegen den Staat Israel (und nicht etwa gegen die Politik der amtierenden israelischen Regierung) auf die Straße zu gehen. Es wird sich in Deutchland auch nicht mit Kritik an der Politik Israels zurückgehalten. Ich kann mich noch gut an eine Diskussion mit so genannten „Israel-Kritikern“ erinnern, die genau dies behaupteten: man dürfe Israel in Deutschland nicht kritisieren. Es ging damals um den „Gaza-Feldzug“. Selbst der Hinweis, dass am selben Tag morgens in der hiesigen WAZ Israel für den Gaza-Feldzug in einem langen Kommentar (doppelte Länge wie üblich) massiv kritisiert wurde, änderte nichts an der Wahrnehmung der anderen Diskutanten. D.h. das Bild, das diese hatten, stand (nicht nur an diesem Punkt) fest: man darf Israel nicht kritisieren. Dass dieses Bild mit der Wirklichkeit nicht im Geringsten übereinstimmt und direkt widerlegt werden konnte, war dabei vollkommen unerheblich.

    Insofern kann man auch kein Wasser auf die Mühlen „linker“ (weder Herr Augstein jun. noch das ehemalige SS-Mitglied G. Grass würde ich als politisch „links“ bezeichnen wollen) oder anderer Antisemiten leiten, wenn man feststellt, dass es aufgrund des von Deutschen begangenen Verbrechens des Völkermords an den europäischen Juden, geboten ist, jede Kritik an der Politik Israels derartig eindeutig und klar zu formulieren ist, dass der so adressierte Staat und seine Bevölkerung wissen, dass mit dieser Kritik das Existenzrecht Israels nicht in Frage gestellt wird. Dies sollte, in einer besseren Welt, ein zivilisatorischer Mindeststandard sein, den einzufordern überflüssig ist.

    Dies jedoch von Antisemiten wie Augstein, Grass oder anderen einzufordern, ist völlig vergeblich. Das Zerrbild, das man sich vom Staat Israel macht, ist Teil des antisemitischen Wahns der oben genannten, es ist konstituierendes Element desselben. Gleichzeitig dient es den Protaganisten dieses Wahns diesen vor sich selbst quasi zu verbergen. Dass man selber keine Antisemit sei und auf selbst vorsichtig formulierte Kritik, die in diese Richtung geht, wie von der Tarantel gestochen reagiert, war sowohl bei Grass, als auch bei Augstein (oder dem Duisburger Linken-Politiker Dierkes) in aller Öffentlichkeit zu beobachten. Um es mal flapsig zu formulieren: man flippte in aller Öffentlichkeit aus und tat – vollkommen ahnungslos gegenüber die eigenen antisemitischen Ressistements – alles erdenkliche, um die vorgebrachte Kritik noch zu bestätigen. Man denke nur an Dierkes Gerede von der ominösen Israel-Lobby, die ihn publizistisch verfolgen würde.

    Man kann Antisemiten weder überzeugen, noch eines besseren belehren. Man kann sie nur bekämpfen. Den antisemitischen Wahn „mitzudenken“, um den damit kontaminierten nicht noch weitere „Argumente“ zu liefern ist sicherlich KEIN geeigneter Weg. Da müsste man schon viel früher ansetzen. Zum Beispiel durch einen staatlich geförderten Jugendaustausch. Ein halbes Jahr in einer Familie in Israel würde sicherlich so manchen dauerhaft gegen Antisemitismus immunisieren.

  • #9
    PA

    war gestern auf der Demo und diese war gegen die Unterdrückung und Bombardierung Gazas und der West Bank gerichtet und nicht gegen Israel an sich. Es ist entsetzlich wie hier über diese Demonstrationen berichtet wird und friedliche Teilnehmer_innen zu Terroristen gemacht werden. Skandiert wurde u. a. auch „Stoppt den Krieg“, „Gaza ist in Not, hat kein Wasser hat kein Brot“ und „Free Palestine“. Antisemitische Parolen waren dagegen nicht zu hören. Gerade in Deutschland, dessen Regierung das rassistische israelische Gewaltregime unterstützt, ist Widerstand besonders wichtig. Doch anstatt sich mit den Palästinenser_innen und Unterstützer_innen zu solidarisieren, wird der Widerstand gegen die Bombardierung Gazas hier aktiv rassifiziert und mit dem Stereotyp des radikalen Islamisten gekoppelt.

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PA: ich hab vor allem religiöse Rufe gehört. Und wenn wir bei Stereotypen sind: „Kindermörder Israel“ greift da ganz tief in die Kiste. Gaza hat Wasser und Brot – auch während der Raketenangriffe haben Transporter die Grenze überschritten. Aber sicher, das Leben in Gaza könnte besser sein und die Palästinenser haben wie jeder ein Recht auf ein gutes Leben. Das gibt es nur, wenn Frieden mit Israel gemacht wird, der Raketenterror aufhört und das Land endlich entwickelt wird. Das Problem der Menschen in Gaza heißt Hamas, nicht Israel. In diesem angeblich rassistischen Land sitzen Araber im Parlament, arbeiten im diplomatischen Dienst und dienen zum Teil in der Armee. In keinem arabischen Land leben Araber so frei wie in Israel, können ihre Meinung sagen, Karriere machen und ihr Leben leben. Wo würden Sie als Schwuler oder als Frau lieber leben? In Riad oder in Tel Aviv?

  • #11
    PA

    Das Grundlegende Problem klingt in Ihrem Beitrag schon an. Wer in Palästina geboren wird kann sich zumeist eben nicht aussuchen, wo sie_er leben möchte. Und der Grund hierfür ist eindeutig die fortlaufende Kolonialisierung Palästinas – man denke nur an die vielen (international geächteten) Siedlungen, die den Palästinenser_innen in der West Bank nur noch kleine Flecken auf der Landkarte lassen. Die Leben der Palästinenser_innen werden abgewertet und weniger wert als europäische und amerikanische gemacht. In Folge der Besetzung durch Israel liegt es eben gerade nicht in der Hand der Palästinenser_innen diesen Konflikt zu lösen.

    Weiterhin gibt es gerade von queerfeministischer Seite, darunter viele israelische und jüdische Aktivist_innen, Widerstand gegen die Besatzung Palästinas (Siehe z. B. Palestinian Queers for Boycott, Divestment and Sanctions: http://www.pqbds.com/). Dass Frauen, ehemals Kolonialisierte und Homosexuelle in einigen Ländern in mancher Hinsicht besser Leben können verdankt sich nicht der europäischen Aufklärung, sondern vorerst dem Widerstand gegen deren Unterdrückung durch die betroffenen selbst. Deswegen können diese Errungenschaften in keinster weise einer brutalen Militärmacht zugeschrieben werden. Für die Instrumentalisierung dieser Errungenschaften durch die israelische Regierung ist übrigens der Begriff „Pink Washing“ in Gebrauch.

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PA: Individuelle Freiheit ist eng Verbunden mit Aufklärung, nur in aufgeklärten Gesellschaften können die Kämpfe erfolgreich sein – viel Spaß bei den Diskussionen mit dem Diversity-Beauftragten der Hamas oder dem Sprecher der LAG Queer der ISIS. Gaza wurde von den Israelis komplett geräumt – gelohnt hat sich das für Israel offenbar nicht. Und das Leben der Palästinenser wird nicht von Israel entwertet, sondern von der Hamas, die die eigene Bevölkerung als Schutzschild verwendet. By the Way: Es leben viele Araber in Israel – warum sollen keine Israelis im Westjordanland wohnen? Zumal sie dort Arbeitsplätze schaffen, ohne die es den Palästinensern deutlich schlechter gehen würde. Und zum Thema Pink-Washing haben wir einen wunderbaren Text auf diesem Blog:
    http://www.ruhrbarone.de/pinkwashing-verwaschener-antisemitismus/79259

  • #13
    PA

    @PA
    Klar sind emanzipatorische Bewegungen eng Verbunden mit der Aufklärung, da Frauen, Homosexuelle und anderen Rassen bzw. Nationen zugeordnete im humanistischen Weltbild lange Zeit nicht als ganze Menschen galten.
    Und ebenso klar ist es, dass die „arabische Welt“ eng verbunden ist mit der „westlichen“ und nicht ihr Gegenpol. Weder galt die Demonstration in Bochum der Solidarisierung mit der Hamas, noch habe ich mit Palästinenser_innen die Hamas gemeint. Im Gaza-Streifen leben viele Menschen, nicht nur Angehörige der Hamas. Auch dort gibt es diverse politische Strömungen, Sexualitäten, Geschlechter und Wünsche. Mit der Bombardierung der quasi eingesperrten Bewohner_innen dieser dichtbesiedelten Gebiete wird niemanden gholfen, das ist purer Terror! Deshalb wäre eine Solidarisierung mit den Palästinenser_innen so wichtig! Denn es ist die Diskriminierung der Palästinenser_innen, deren oft willkürliche Inhaftierung, die Zerstörung deren Häuser, die Einschränkung deren Bewegungsfreiheit …. die Organisationen wie die Hamas erst möglich macht, nicht die orientalische Essenz der Palästinenser.

    zum Schluss noch eine Anmerkung:
    Leider unterstützen Sie mit dem geposteten Link die Verzerrung einer ernsthaften, kritischen Auseinandersezung mit dem israelischen Staat und der Besatzung Palästinas. Um dem etwas entgegenzusetzen poste ich Folgendes

    http://www.pinkwatchingisrael.com/

    http://rhizom.blogsport.eu/2011/08/01/antideutsche-brullen-palastinensische-queers-nieder/

    http://stream.aljazeera.com/story/201406170004-0023844

  • #14
    Hmm

    “ . Wer in Palästina geboren wird kann sich zumeist eben nicht aussuchen, wo sie_er leben möchte. Und der Grund hierfür ist eindeutig die fortlaufende Kolonialisierung Palästinas – man denke nur an die vielen (international geächteten) Siedlungen, die den Palästinenser_innen in der West Bank nur noch kleine Flecken auf der Landkarte lassen.“

    Hat das nicht viel eher etwas damit zu tun, dass die Hamas die Ausreise von Menschen aus Gaza, die Progressiv denken oder einfach nur dem Elend entfliehen wollen, verhindert, bspw. an der Grenze zu Ägypten?
    Und auch damit, dass Flüchtlinge aus Gaza in keinem der Nachbarländer gern gesehen sind?
    Letzten Endes hat selbstverständlich auch miserable materielle Lage der Menschen dort ihren Anteil daran. Dafür ist jedoch nicht Israel verantwortlich, sondern der Kapitalismus.

  • #15
    Hmm

    “ Im Gaza-Streifen leben viele Menschen, nicht nur Angehörige der Hamas. Auch dort gibt es diverse politische Strömungen, Sexualitäten, Geschlechter und Wünsche. Mit der Bombardierung der quasi eingesperrten Bewohner_innen dieser dichtbesiedelten Gebiete wird niemanden gholfen, das ist purer Terror! “

    Und die Rechte der diversen politischen und sexuellen Strömungen werden von der Hamas vorbildlich geschützt, nicht?
    Die gezielten Luftschläge der IDF gelten jener Organisation, die die Menschen in Gaza einem ungeheuerlich rückschrittlichem „Rechtssystem“ unterwirft und sie als menschliche Schutzschilde missbraucht. Wenn das in deinen Augen Terror ist, was sind dann die abgefeuerten Raketen auf israelische Zivilisten?
    Widerstand gewiss nicht, da sich diese Angriffe eben gegen die Zivilbevölkerung richten und noch jedem airstrike der IDF ein Raketenhagel aus Richtung Gaza vorangegangen ist.

  • #16
    PA

    Mit „Widerstand“ meinte ich nicht die Raketen der Hamas. Es wäre schon weiterführend sich deutlich gegen die derzeit laufenden Angriffe auf Gaza sowie die Besatzung Palästinas auszusprechen – wie auf der Demo gestern Abend geschehen. Wenn es anscheinend unter vielen als gesunder Menschenverstand gilt vermeintlich als „Schutzschilder“ fungierende Menschen durch deren Tötung vor der Hamas zu „retten“, würde die Unterdrückung der unter den Trümmern Begrabenen vervielfacht: Die von Israel kolonisierten und von der Hamas schikanierten bzw. in den Tod geschickten Minderheiten würden zusätzlich zum Opfer der westlichen Zivilisierungsmission.
    Im Übrigen sind die Angriffe des IDF keineswegs gezielt, was die vielen Toten belegen. Beispielsweise wurde letze Nacht ein Behindertenheim getroffen. Die Bombardierung Gazas zu unterstützen bedeutet den Massenmord an Palästinenser_innen, d. h. an Christ_innen, Muslim_innen, Menschen jeden Alters, und die Zerstörung deren Lebensraums zu befürworten. Entgegen der Propaganda der israelischen Regierung wird das keinen Frieden schaffen. Ein Staat, der sich der Unterstützung der „westlichen“ Großmächte sicher sein kann muss anders handeln! Die Bombardierung Gazas ist kein Krieg zwischen zwei Staaten, sie bedeutet die Tötung von eingekesselten Palästinenser_innen mit den neuesten Waffen! Wer Frieden will kämpft nicht mit Raketen. Und genau dies tun sehr viele Palästinenser_innen (oft in Verbindung mit israelischen Aktivist_innen), die leider jedes Mal im Stich gelassen werden.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PA: In der Region braucht niemand den ach so bösen Westen um sich gegenseitig zu massakrieren – in Syrien bekommt Assad das ganz gut ohne die Hilfe des Westens hin. Und wenn ich mir verschiedene rechtliche Gepflogenheiten in Ländern wie zum Beispiel Saudi Arabien anschaue, könnte dort ein wenig Zivilisierung nicht schaden – sie müsste nicht einmal westlich sein. Mehr Zivilisation würde schon reichen. Das Kolonisationsgerede ist unhistorischer Hip-Soziologen Unfug. Welches Land bitte hat Gaza und die Westbank kolonisiert? Wir reden hier von einer Region die früher Teil des osmanischen Reichs war und dann kurz britisches Mandat. Palästinenser sind eine Erfindung der 60er Jahre – es sind Araber. Gaza gehörte zu Ägypten, die Westbank zu Jordanien. Das sind keine armen Indianer die von bösen Weißen erobert wurden – wir haben es schlicht mit den Trümmern eines der 1918 zusammengebrochenen Reiche zu tun. Übrigens auch im Ukraine-Konflikt. Manche Probleme schleppen sich lange durch die Zeit. Israel wehrt sich gegen einen permanenten Raketenterror – hört der auf, hören die Angriffe auf. Einfache Sache. Und wenn die Bewohner Gazas die Hams loswerden können sie endlich anfangen für ihre eigenen Zukunft zu arbeiten oder, wenn sie wollen, Gender-Studies studieren und Edward Seid auswendig lernen. Ich würde allerdings auch mal die Lektüre von Bernhard Lewis „Der Untergang des Morgenlandes: Warum die islamische Welt ihre Vormacht verlor“ empfehlen. Ich weiß, ist nur ein alter, weißer, heterosexuelle Mann, aber trotzdem ein interessantes Buch.

  • #18
    hmm

    Die airstrikes der IDF sind sogezielt wie in urbanem Terrain nur irgend möglich, hinzu kommen Warnungen durch Telefonanrufe und Knallbonbons. Darüber hinaus sieht die IDF regelmäßig von der Bombardierung eines Ziels ab, wenn ersichtlich ist, dass sich Zivilisten in der unmittelbaren Nähe befinden.

    Wem es um die Bevölkerung von Gaza und deren Leid geht, dessen Kritik muss notwendigerweise die Hamas und ihre Sympathisaten in den Fokus nehmen, nicht Israel.

    Von Kolonialismus zu reden geht auch Kilometerweit an der Sache vorbei.
    Bis 2006 saß die Partei „Islamic Movement“ noch im israelischen Parlament, das kommt einer Vertretung der Hamas in der Knesset schon sehr nahe. Das ist, wie ich behaupten würde, ein eher unübliches Phänomen für den Kolonialismus.

  • #19
    PA

    Mittlerweile über 160 Tote in Gaza, davon mindestens ein Drittel Frauen und Kinder.

    http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2014/07/gaza-death-toll-soars-with-no-sign-lull-2014712215122443488.html

    Das sieht übrigens auch die UN so:

    http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=48249#.U8I8TfmSwzQ

    Nur wer den Angaben der israelischen Regierung blind vertraut kann ernsthaft annehmen, dass hier vorrangig diejenigen getötet werden, die Raketen auf Israel schießen. In Israel wurde seit dem kein einziger durch die Raketen der Hamas getötet.

    Ein sauberer, gezielter Krieg ist nicht möglich, wer Bomben in ein so dicht besiedeltes Gebiet wirft ist verantwortlich für die Ermordung unzähliger Palästinenser_innen. Auch durch die Benachrichtigung der Bewohner_innen per SMS und Warnschüsse kann nicht von der vollständigen Evakuierung der Ziele ausgeangen werden. Nicht jede_r hat ein Telefon, nicht jede_r hat ihr_sein Telefon ständig im Blick und nicht jede_r kommt so schnell aus dem Haus heraus.

    Mit Bomben ist in diesem Konflikt nichts zu erreichen, es muss verhandelt werden. Und es ist gerade die israelische Regierung die Verhandlungen seit Jahren blockiert. Auch jetzt ist sie offenkundig nicht bereit zu verhandeln.

    http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/1.604284

    @HMM
    PALÄSTINENSER_INNEN IN GAZA UND IN DER WEST BANK HABEN KEIN WAHLRECHT FÜR DAS ISRAELISCHE PARLAMENT. Palästinenser_innen werden beherrscht von der israelischen Regierung, sie können nicht frei über diese Gebiete verfügen. Auch in früheren Kolonialismen wurden die Kolonialiserten in untergeordneten Positionen in Verwaltungsstrukturen und auch Wahlen einbezogen, z. B. in Britisch Indien.

    Bitte informieren Sie sich über die Situation im Gaza-Streifen und hören Sie auf dieses Massaker des israelischen Militärs hier zu befürworten!

    http://www.btselem.org/

    http://www.aljazeera.com/indepth/interactive/2014/05/interactive-gaza-life-under-siege-2014518106623955.html

  • Pingback: Deutsche Linke gegen Israel. Mal wieder.

  • #21
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PA: Die Hamas hat ihre Stellungen inmitten von Wohnsiedlungen errichtet – dieses Toten gehen auf das Konto der Hamas. Und wenn die Hamas nicht Israel mit Raketen überziehen würde, gäbe es auch keine israelischen Gegenangriffe. Und wie soll Israel mit einer Gruppe wie der Hamas diskutieren, deren Ziel die Vernichtung Israels ist?

  • #22
    PA

    Es gibt mehrere Gesprächspartner für Israel, nicht nur die Hamas. Dennoch müsste die Hamas miteinbezogen werden. Die Bombardierung wird die Hamas nicht schwächen, sondern stärken.
    Da durch das israelische Militär (auch in den letzen Tagen) so viele palästinensische Kinder getötet wurden ist der israelische Staat ein Kindermörder – da gibt es nichts zu beschönigen.
    Wenn Stefan Laurin die Toten Palästinenser_innen der Hamas zuschreibt unterstützt er einen rassistischen Krieg, der Palästinenser_innen jeglichen Geschlechts und Alters tötet.
    Die Demo in Bochum war bislang die einzige in der Stadt gegen die aktuelle Bombardierung. Ansonsten werden dort zur Zeit vor allem deutsche Fahnen präsentiert. Übrigens gab es auf der Demo auch Provokationen seitens betrunkener Deutschnationalisten, auf die allerdings nicht reagiert wurde. Wie ich oben schon angemerkt habe, waren es Parolen wie “Stoppt den Krieg”, “Gaza ist in Not, hat kein Wasser hat kein Brot” und “Free Palestine” die auf der Demo stark gemacht wurden. Antisemitische Äußerungen waren dagegen nicht zu vernehmen. Zwar war ich nicht auf der Demo in Essen, aber angesichts der verzerrten, islamophoben Berichterstattung der „Ruhrbarone“ sind diese Anschuldigen doch sehr zweifelhaft.
    Die Dämonisierung von Antikriegsdemonstrationen unterstützt den Krieg. Kriegsgegner_innen und Gegner_innen der Besatzung Palästinas sind keine Anitsemiten!!!

  • #23
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PA: Der Vorwurf des Kindermörders ist nichts anderes als die Wiederholung antisemitischer Stereotypen. Und Rassismus und Islamophobie vorzuwerfen ist schlichter Unsinn, direkt aus dem Wörterkasten pseudointellektueller Antiimperialisten, denen es schwer fällt mit Fakten zu argumentieren und die sich hinter ideologischen Konstrukten verstecken.

  • #24
    PA

    Kinder mit Bomben zu töten ist Kindermord. Und Frieden fordernde Demonstrant_innen zu islamistischen Terroristen zu machen ist Islamophobie. Und genau darauf sind die „Ruhrbarone“ anscheinend aus, wenn sie über die Demonstrationen im Ruhrgebiet der letzten Tage berichten.
    Wichtig ist was hier und jetzt geschieht!

  • #25
    Thomas Weigle

    Ach ja, die Uno, nicht nur, dass diese durch ihren einzigartigen Flüchtlingsbegriff für die Palästinenser den Konflikt am Kochen hält, hat sie unzählige Resolutionen gg. Israel verfasst, aber so weit ich weiß, deutlich weniger gegen all die massenmörderischen Diktaturen weltweit zusammen.
    Hat damals Arafat nicht sogar bewaffnet seine Rede vor der Vollversammlung gehalten?

  • #26
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @PA: An welcher Stelle habe ich bitte Demonstranten zu Terroristen gemacht? Es dürfte doch hinlänglich bekannt sein, dass auch der allergrößte Teil der Islamisten nicht gewalttätig ist – die Gleichsetzung von Islamisten mit Terroristen kommt von Ihnen, nicht von mir. Wenn die Hamas ihre Raktenstellungen in Wohngebiet aufbaut und die Menschen als Schutzschild missbraucht, hat Israel Ihrer Ansicht nach nur eine Möglichkeit zu reagieren: Gar nicht – es müsste den Raketenterror schlicht über sich ergehen lassen. Wenn Kinder bei solchen Anschlägen sterben ist das eine Tragödie – aber es ist eine von der Hamas verschuldete Tragödie.

  • #27
    hmmm

    @PA
    Von einem Wahlrecht der Leute im Gaza-Streifen und in der Westbank habe ich gar nicht gesprochen. Ich erwähnte die Partei Islamische Bewegung, die bis vor ein paar Jahren noch im israelischen Parlament saß. Mit einer untergeordneten Verwaltungsposition hat das nichts zu tun, das ist Demokratie. Und das Israel eine Partei zur Wahl zugelassen hat, die enge Kontakte zur Hamas(deren erklärtes Zeil es nach wie vor ist, die Juden ins Meer zu treiben) und mutmaßlich zu AlQaida unterhält. Ein Wahlrecht für Leute aus dem Gazastreifen und der Westbank in Israel wäre ja noch schöner, dürfen Israelis dann auch im Gazatreifen eine Parteigründen und wählen?

  • #28
    Rainer Möller

    „viel Spaß bei den Diskussionen mit dem Diversity-Beauftragten der Hamas oder dem Sprecher der LAG Queer der ISIS“ (Laurin)

    Wir müssen hier ja auch mit verbohrten Fanatikern diskutieren, die überzeugt sind, dass es keine Palästinenser gibt („eine Erfindung der 60er Jahre“).

    Wenn wir das schaffen, haben wir ein gutes Training für die Diskussionen mit Hamas und Isis.

  • #29
    Arnold Voss

    Leute, PA ist nicht die Tinte wert. Antrainiertes Propagandageschwätz mit den üblichen pseudointellektuellen Schlagwörtern. Ich kanns nicht mehr lesen.

  • #30
    JR

    Seien wir doch mal ehrlich: Außer dem Iran und dem „Westen“ mag keiner die Palästinenser. Jordanien hatte nach dem Schwarzen September derartig die Nase voll, dass es die Rückgabe des ’48 annektierten Westjordanlandes dankend ablehnte. Israel hat das Westjordanland übrigens mit Ausnahme Ost-Jerusalems bis heute nicht annektiert.
    Die Ägypter haben nach diversen Terrorgastspielen der Hamas den Gaza-Streifen weitgehend dichtgemacht.

    Was die aktuellen Aktivitäten der Hamas angeht, fand ich diesen Beitrag hier geradezu komisch (ja, Memri, nicht eben eine unvoreingenommene Quelle, aber ich glaube nicht, dass sie an der Übersetzung herumgefummelt haben):
    http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4542765,00.html

  • #31
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @JR: Ich glaube nicht, dass niemand die Palästinenser leiden kann, sondern das es dabei eher um ihre obskuren politischen Führer geht.

  • #32
    JR

    @Stefan Laurin: Sie haben die Hamas 2006 gewählt, mit deutlicher Mehrheit. Die Fatah auf der Westbank mag die vernünftigere Alternative sein, irgendwie demokratisch legitimiert ist sie meines Wissens nicht.
    Die Interpretation, dass die Palästinenser in Gaza Geiseln der Hamas seien, mag die optimistischere sein. Ich halte sie aber nicht für richtig. Einige Medien berichten in den letzten Tagen, dass eine vollständige Vernichtung der Hamas nicht in Israels Interesse sei, weil danach noch extremere Gruppierungen wie ISIS in die Bresche springen würden.

  • #33
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @JR: Dass die Leute da irre werden ist bei der Indoktrination ja auch kein Wunder:
    „Die Hamas lehrt der Jugend nur Hass und Vergeltung. Frieden mit Israel ist aber nur möglich, wenn die Palästinenser ihre Vorurteile überwinden, glaubt Ahmad Mansour“
    http://www.welt.de/print/wams/debatte/article130092795/Wie-in-einem-Irrenhaus.html

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