Die unglaubliche Geschichte der Neda Soltani – vom Versagen der Medien und der „Social Networks“

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Mir gegenüber sitzt die Todgesagte. Sie redet, sie lacht, manchmal merke ich, dass sie Angst hat. Neda Soltani musste flüchten, sie hat ihre Heimat verlassen. Sie sagt, hier in diesem Kaff bei Frankfurt am Main sei alles anders. Schnee, Frost, Regen und kalte Straßen mit kalten Gesichtern. Ein fremdes Land für die jungen Frau.

Das Bild von Neda Soltani kennt fast jeder auf dieser Welt. Es kam über die Sender, das Internet und die Zeitung in so gut wie jedes Haus als das Bild einer Toten. Dieses bekannte Portrait zeigt eine junge, vorsichtig geschminkte Frau mit braunen Augen. Der im Iran gesetzlich vorgeschriebenen Schleier ist eine Handbreit zurückgeschoben. Man sieht den Ansatz ihres kräftigen Haares. Sie lächelt, ein wenig weich, ein wenig unschuldig, freundlich.

Hier und jetzt, in einem Cafe irgendwo in der Nähe von Frankfurt ist das Gesicht von Neda Soltani härter geworden. Sie trägt keinen Schleier mehr. Man sieht graue Strähnen, die größer werden an ihrer Stirn. Es war nur ein Missverständnis, sagt sie. Ein Fehler. Ein Irrtum mit schrecklichen Folgen. Neda Soltani geriet in den Tumulten nach den gefälschten Wahlen im Iran zwischen die Fronten, wurde gehetzt, gejagt und musste flüchten. Ihr altes Leben zerbrach wie ein Spiegel. Ihr Foto, das Bild mit dem weichen Lächeln das um die Welt ging, wurde ihr entrissen.

Bis vor einem halben Jahr hat Neda Soltani in Teheran gelebt. Sie unterrichtete dort englische Literatur. Sie kann sich in der fremden Sprache fließend ausdrücken, gewählt und intelligent. Im Sommer erst hatte sie eine Arbeit über die weibliche Symbolik im Werk von Joseph Conrad abgeschlossen. An den Protesten im Iran konnte sie deswegen nicht teilnehmen. Sie musste im Juni Korrektur lesen. „Mein Ziel war es, irgendwann eine Professur anzustreben, wenn ich gut genug dafür gewesen wäre.“

Ihre Eltern gehören der iranischen Mittelschicht an. Wo genau sie herkommt und was ihre Familie macht, will sie nicht sagen. Sie hat Angst. Sie erkennt Probleme. Sie weiß, dass nicht alles richtig läuft. Aber sie war vor allem fleißig, wenn es darum ging, zu lernen. Eine Akademikerin. „Ich habe über zehn Jahre hart gearbeitet, um mir die Position als Dozentin an der Universität zu sichern. Ich habe Geld verdient, ich bin mit Freunden ausgegangen und ich habe Spaß gehabt.“ Heute hat sie davon nichts mehr. Keine Arbeit, kein Geld und keine Freunde zum Ausgehen. Neda Soltani ist jetzt 32 Jahre alt.

Die Geschichte ihres Fotos beginnt am 20. Juni 2009. Damals wurde in der Nähe der Kargar Avenue in Teheran gegen 19:00 Uhr Ortszeit eine junge Frau niedergeschossen. Sie fiel auf den Rücken, aus ihrem Mund lief Blut. Dabei starrte sie in eine Handykamera, verletzt, voller Angst, wehrlos. Sie starb wenig später auf dem Weg ins Hospital. Die Bilder der sterbenden Frau wurden auf Youtube hochgeladen.

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Mir gegenüber sitzt die Todgesagte. Sie redet, sie lacht, manchmal merke ich, dass sie Angst hat. Neda Soltani musste flüchten, sie hat ihre Heimat verlassen. Sie sagt, hier in diesem Kaff bei Frankfurt am Main sei alles anders. Schnee, Frost, Regen und kalte Straßen mit kalten Gesichtern. Ein fremdes Land für die jungen Frau.

Das Bild von Neda Soltani kennt fast jeder auf dieser Welt. Es kam über die Sender, das Internet und die Zeitung in so gut wie jedes Haus als das Bild einer Toten. Dieses bekannte Portrait zeigt eine junge, vorsichtig geschminkte Frau mit braunen Augen. Der im Iran gesetzlich vorgeschriebenen Schleier ist eine Handbreit zurückgeschoben. Man sieht den Ansatz ihres kräftigen Haares. Sie lächelt, ein wenig weich, ein wenig unschuldig, freundlich.

Hier und jetzt, in einem Cafe irgendwo in der Nähe von Frankfurt ist das Gesicht von Neda Soltani härter geworden. Sie trägt keinen Schleier mehr. Man sieht graue Strähnen, die größer werden an ihrer Stirn. Es war nur ein Missverständnis, sagt sie. Ein Fehler. Ein Irrtum mit schrecklichen Folgen. Neda Soltani geriet in den Tumulten nach den gefälschten Wahlen im Iran zwischen die Fronten, wurde gehetzt, gejagt und musste flüchten. Ihr altes Leben zerbrach wie ein Spiegel. Ihr Foto, das Bild mit dem weichen Lächeln das um die Welt ging, wurde ihr entrissen.

Bis vor einem halben Jahr hat Neda Soltani in Teheran gelebt. Sie unterrichtete dort englische Literatur. Sie kann sich in der fremden Sprache fließend ausdrücken, gewählt und intelligent. Im Sommer erst hatte sie eine Arbeit über die weibliche Symbolik im Werk von Joseph Conrad abgeschlossen. An den Protesten im Iran konnte sie deswegen nicht teilnehmen. Sie musste im Juni Korrektur lesen. „Mein Ziel war es, irgendwann eine Professur anzustreben, wenn ich gut genug dafür gewesen wäre.“

Ihre Eltern gehören der iranischen Mittelschicht an. Wo genau sie herkommt und was ihre Familie macht, will sie nicht sagen. Sie hat Angst. Sie erkennt Probleme. Sie weiß, dass nicht alles richtig läuft. Aber sie war vor allem fleißig, wenn es darum ging, zu lernen. Eine Akademikerin. „Ich habe über zehn Jahre hart gearbeitet, um mir die Position als Dozentin an der Universität zu sichern. Ich habe Geld verdient, ich bin mit Freunden ausgegangen und ich habe Spaß gehabt.“ Heute hat sie davon nichts mehr. Keine Arbeit, kein Geld und keine Freunde zum Ausgehen. Neda Soltani ist jetzt 32 Jahre alt.

Die Geschichte ihres Fotos beginnt am 20. Juni 2009. Damals wurde in der Nähe der Kargar Avenue in Teheran gegen 19:00 Uhr Ortszeit eine junge Frau niedergeschossen. Sie fiel auf den Rücken, aus ihrem Mund lief Blut. Dabei starrte sie in eine Handykamera, verletzt, voller Angst, wehrlos. Sie starb wenig später auf dem Weg ins Hospital. Die Bilder der sterbenden Frau wurden auf Youtube hochgeladen.

Alarmiert durch Blogger und Twitter stoßen bald große Sender auf das Sterben der Frau. Redakteure versuchen sie zu identifizieren. In Zeitnot suchen sie Bilder der Toten. Ihr Vorname, Neda, war im Video zu hören. Schnell kommt über das Netz ein Nachname: Soltan, Studentin der Islamic Azad Universität in Teheran. Irgendwer sucht mit diesen Daten bei Facebook.

Hier unterhält auch Neda Soltani eine Seite. Öffentlich zugänglich ist hier nicht viel. Neda Soltani hat ihre Inhalte allein für Freunde freigegeben. In ihrem Profil stand allerdings ein Foto, das damals jeder sehen konnte.

Wer als erster auf ihre Seite im internationalen Portal für Studenten, Manager und Hausfrauen stieß, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Genauso wenig ist klar, wer den Fehler machte und die ermordete Neda Soltan (auf dem Foto links) mit Neda Soltani (auf dem Foto rechts) verwechselte.


Auf jeden Fall kopiert irgendwer das Foto der Lebenden in der Nacht auf den 21. Juni 2009 aus deren Facebook-Profil. Es wird über die sozialen Netzwerke, über Blogs und Portale gestreut. Dann wird es über CNN, BBC, CBS, ZDF, ARD und fast jeden anderen denkbaren Sender gesendet. Es wird gedruckt in den Zeitungen und Magazinen dutzender Länder. Es passiert gleichzeitig, es passiert weltweit.

Das Foto der jungen Frau wurde so zum Symbol des Freiheitskampfes am persischen Golf. Auf Demonstrationen trugen die wütenden Menschen das Abbild der vermeidlichen Märtyrerin vor sich her. Sie trugen es auf ihren T-Shirts und bauten ihm Altäre. Sie riefen: „Engel des Iran“.

Wie konnte es zu dem verwechselten Foto kommen? Soltani ist ein gewöhnlicher Name im Iran. Wie Meyer oder Müller vielleicht. Auch Neda ist nicht ungewöhnlich. Man könnte ihn mit Sonja oder Sandra vergleichen. Die Ermordete studierte an der privaten Islamic Azad Universität, die lebende Neda Soltani war dort Dozentin. Doch hätten die Medien nicht besser prüfen müssen, wessen Foto sie benutzen, anstatt es einfach von einer Facebook-Seite zu kopieren und weltweit zu verbreiten? Es gab Zeitdruck, das ja, aber es gab zumindest eine Sache, die hätte stutzig machen müssen. Die Tote hieß mit vollem Namen Neda Agha-Soltan. Die Lebende wird einfach Neda Soltani genannt.

Am Morgen des 21. Juni 2009, einen Tag nach dem Todesschuss, wunderte sich Neda Soltani. Immer mehr Menschen wollten sich auf ihrer Facebook-Seite registrieren, als angebliche Freunde. Hunderte waren das, aus aller Welt. Es hörte nicht auf. Es kamen Anrufe. Ein befreundeter Professor brach in Tränen aus, als er ihre Stimme hörte.

Zunächst ein schlechter Witz, dachte Neda Soltani. Etwas, das mit zwei, drei Anrufen aus der Welt zu schaffen ist. Ein Fehler halt, wie er nicht passieren darf, aber passieren kann. Sie fing an zu schreiben. Sie schrieb, dass sie leben würde. Sie schrieb an den im Iran populären Sender Voice of America. Sie schrieb, dass es ein Irrtum sei. Dass sie das falsche Foto hätten. Als Beweis schickte Neda Soltani ein weiteres Foto von sich. Und schrieb: Die Redaktion könne ja vergleichen. Das sei auch sie. Neda Soltani hat nicht damit gerechnet, was dann passierte.

Voice of America verbreitete nun dieses zweite Foto als neues Bild der verstorbenen Neda und CBS griff es auf. Neda Soltani bekam Angst. Alles was sie tat, um ihr Bild zurück zu gewinnen, schien nutzlos.

Sie löschte das Foto auf ihrer Facebook-Seite. Damit es niemand mehr runterladen kann. Der nächste Stein kam ins Rollen. Zensur wähnend, wurde ihr Foto kopiert, dutzende, hunderte Facebook-Seiten auf aller Welt spiegelten ihr Bild. Es wurde in Blogs fixiert und bei Twitter versandt.

Es war, als sei ihre eigene Identität aus dem Foto gelöscht und stattdessen mit den Sehnsüchten tausender Menschen aufgeladen. Das lächelnde Gesicht der Tod Geglaubten gerann zur Ikone eines unschuldigen Opfers im Freiheitskampf.

Es half auch nichts, dass spätestens seit dem 23. Juni 2009 authentische Fotos der toten Neda Agha-Soltan frei und für jeden verfügbar waren, deren Eltern hatten sie herausgegeben. Das Bild von Neda Soltani wurde trotzdem weiter verbreitet.

Freunde von Neda Soltani versuchten, in Foren den Fehler richtig zu stellen. Eine Vertraute wurde deswegen beschimpft. „Du Bastard, Du wirst uns den Engel des Iran nicht nehmen.“ Es ist, als könne der einmal geglaubte Irrtum nicht mehr berichtigt werden.

Die Geschichte ist nicht nur die Geschichte des Versagens der traditionellen Redaktionen in hektischen Nachrichtenzeiten. Diese Geschichte beschreibt auch das Versagen der sozialen Medien. Die Masse hat im Netz nicht nur die Macht, Lügen zu entlarven. Die Masse kann auch eigene Wahrheiten erschaffen und verteidigen. Egal wie falsch die sind. Nur sehr wenige Blogs berichteten über den Fehler. Keiner wurde so ernst genommen, dass er die Macht gehabt hätte, den Irrtum zu korrigieren.

Irgendwann wurde Neda Soltani klar, dass etwas gewaltig aus dem Ruder läuft. Nur wenige Journalisten schrieben sie über ihre Facebook-Seite an und fragten nach ihrer Identität. Keiner von ihnen konnte oder wollte die Welle stoppen.

Neda Soltani geriet im Iran unter Druck. Sie wurde bedroht. Sie hat Angst um ihre Familie, deswegen kann und will sie nicht sagen, was genau vorgefallen ist. Nur soviel ist klar: Der Fehler mit ihrem Foto sollte gegen die Opposition gewandt, die Menschen auf der Straße als Instrumente westlicher Fälscher entlarvt werden – mit aller Gewalt. Es kamen schlimme Vorwürfe, die den Tod bringen können. Neda Soltani wurde krank. Panikattacken und hilflose Angst.

Sie konnte nicht mehr bleiben. Sie musste aus dem Iran verschwinden. Ohne von ihren Eltern Abschied zu nehmen, floh sie am 2. Juli 2009 in den Westen. Ihre Ersparnisse bekamen Fluchthelfer. Mit nichts in den Händen als einem Rucksack, einem kleinen Rucksack, ging sie los. Sie floh über Griechenland nach Deutschland. Hier hat sie einen Cousin. In Bochum. Der ist jetzt Ihre Familie.

Am 3. Juli 2009 brachte endlich BBC Online eine Nachricht über die falsche Identität in einer Internet-Wochenschau über soziale Netzwerke. Direkt hinter den Verschwörungstheorien zum Tod von Michael Jackson. BBC Online kommentierte: „Dieser Fall ist ein herausragendes Beispiel für die Gefahren, wenn Massenmedien Bilder aus sozialen Netzwerken im Internet verbreiten.“

Man hätte nun erwarten können, dass es damit ein Ende findet. „Meine Freunde haben mir gesagt, warte noch einen Tag. Dann wird alles gut. Doch es vergingen die Tage und nichts wurde gut“, sagt Neda Soltani.

Das Asylverfahren in Deutschland läuft nun seit Monaten. Neda sagt, sie wollte nie auswandern. Sie war auch noch nie im Westen. Sie sagt, sie hat Heimweh. Sie bekommt vom Deutschen Staat etwa 180 Euro im Monat als Hilfe. Das reicht kaum, um sich von Salaten, Früchten und Broten zu ernähren, so wie sie es gewohnt ist. Sie lebt irgendwo in einem Heim für Flüchtlinge. Ihr Zimmer mit der Nummer 11 ist schmal, zwei Betten, ein Regal. Hier will sie niemanden hineinlassen. Sie sagt, sie will die Monate „im Lager“ so schnell wie möglich vergessen. Sobald sie raus ist, soll sie nichts mehr an das hier erinnern. Die Beschläge der Türen sind mit Gips geflickt. Die Küche für einen ganzen Flur mit zwei dutzend Menschen hat kein Fenster, der Ausguss wackelt auf einem Brettergestell. Auf einem Balkon zum Hof ist eine Satellitenschüssel auf eine abgebrochene Metallstange gespießt. Die Stange steckt in einem vergammelten Sauerkrauteimer mit Sand und Steinen. Improvisiertes Flickwerk für eine Verbindung zur Heimat.

Obwohl das Foto der toten Neda seit Monaten bekannt ist, taucht noch immer das Bild der falschen bei Spiegel-Online auf, in der New York Times oder in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Selbst ein Bild der Nachrichtenagentur AFP zirkuliert noch durch die Archive.

Eines ist allen diesen Bildern gemein: Es sind meist Aufnahmen von Fotos. Sie zeigen Menschen, die eine Ikone in die Kamera strecken. Bilder eines falschen Bildes.

Neda Soltani hat lange dazu geschwiegen. Sie hat Boden unter den Füssen gesucht, sich gesammelt.

Als CNN im November einen Bericht zum Iran brachte, war der wieder mit dem Foto von Neda Soltani illustriert. Sie schrieb den Sender an und bat darum, ihr Bild zu löschen.

Als Antwort erhielt sie eine automatische Email, die um Verständnis bat, dass nicht alle Hinweise persönlich beantwortet werden könnten. Unterzeichnet war das Schreiben mit „CNN, The Most Trusted Name In News“.

Das Bild gehört nicht mehr ihr. Es gehört CNN und den anderen.

——-

Diese Geschichte erschien auch im SZ-Magazin.

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48 Kommentare zu “Die unglaubliche Geschichte der Neda Soltani – vom Versagen der Medien und der „Social Networks“

  • #1
  • #2
    Paul Havers

    Eine Geschíchte, die zeigt, welche Wirkung Gerüchte und Spekulationen entfalten können. Auch im Internet ist Sorgfalt bei der Recherche oberstes Gebot.

  • #3
    Stefan Wild

    Sehr interessanter Beitrag. Hat Frau Soltani schon einmal darüber nachgedacht, die Urheberrechte an dem Foto bei den Medien geltend zu machen? Sie könnte das ja für einen guten Zweck nutzen…

  • #4
  • #5
    David Schraven Beitragsautor

    Ein Hinweis zu den Links oben im Text.

    Die ersten Medien fangen an, das falsche Foto von Neda zu löschen. Das ist gut so. Spiegel Online hat schon reagiert. Die anderen werden hoffentlich bald mit dem Löschen anfangen.

    Deswegen bitte nicht irritieren lassen, wenn Links im Text oben ins Nirvana führen. Sie entsprechen den Tatsachen zum 4. Februar um 23:59 Uhr

    David Schraven

  • #6
    Tagedieb

    So sieht Qualitätsjournalismus aus! Nein, jetzt nicht die wahre Geschichte der Neda Soltani, sondern die von Neda Agha-Soltan.

    Ich habe die Berichterstattung über den Tod der Frau im Iran und die Reaktion darauf hier im Westen nicht mitbekommen. Diese Geschichte zeigt aber auf, dass der vielgelobte „Qualitätsjournalismus“ Bullshit ist: Hauptsache Sensation! Breaking News! Eilmeldung! Wir hatten die Story zu erst!

    Qualitätsjournalismus braucht wie eine gute wissenschaftliche Arbeit Zeit und Muße zur Recherche, umfangreiche Fachkenntnisse, Vor Ort-Präsenz und gute Kontakte. Die Redaktionen der Welt scheinen auf dem Standpunkt zu stehen, dass all das nicht mehr nötig ist, da doch sowieso alles immer und sofort im Netz steht und nur noch zusammengeklau(b)t werden braucht.

  • #7
    Detlef Obens

    Hut ab, David Schraven! Bestens und wunderbar geschrieben! Bitte weiter solche Artikel. Damit hebt Ihr Euch angenehm von anderen Internet-Blogs ab! Hervorragende journalistische Arbeit, David!

  • #8
  • #9
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  • #11
    schwaf

    Realität ist eben immer das, was die Menschen/Masse zu dieser machen! Und das geht in Zeiten solch rasanter Verbreitungsmedien auch ziemlich schnell, eine zu erschaffen.
    Und wenn der Engel erstmal gefunden ist, ist die Masse leider schwer wieder vom Gegenteil zu überzeugen.
    Arme Neda Soltani!

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  • #14
    Schumbi

    Qualitätsjournalismus

    Da fällt mir doch spontan die Diskussion um vermeintliche Qualitätsunterschiede beim Journalismus ein – höchst künstlich wie mir scheint. Denn wenn es einen Qualitätsjournalismus gäbe, der sich einen teuren Organisations-Overhead, Journalisten und vor allem teure Recherchen leisten kann und deshalb qua Definition auch Privilegien bei der Rechteverwertung von Informationen erlangen soll („Leistungsschutzrecht“), dann ist das der traurige Beweis dafür, dass im Qualitätsjournalismus von Verlagen und Medienenstalten die exakt gleichen Gesetze gelten, wie bei Bloggern und Podcastern.

    In der Theorie hätte die Seriösität der kommerziellen Medien doch dazu führen müssen, dass der Widerspruch aufgelöst und damit der Wahrheit spätestens nach einigen Tagen zum Durchbruch hätte verholfen werden müssen. Dass dies selbst nach so langer Zeit noch nicht geschehen ist bedeutet, dass die Theorie schlicht falsch ist, dass die Medien ihre Legitimation als vierte Macht im Staat verloren haben.

    Umgekehrt müsste nun die Blogosphäre eine Welle lostreten, die die herkömmlichen Medien zwingt, den Fall gerade zu stellen. Aus einer konsistenten Berichterstattung beider Medienströmungen über dieses Unrecht könnte dann auch genügend Unterstützung für Frau Soltani erwachsen, die ihr ermöglicht an ihre frühere Arbeit (u.U. an an derer Stelle) fortzuführen.

    Ich hoffe fefe bringt auch einen Hinweis auf diesen Fall ..

    Yussuf

  • #15
    Ralph

    @Tagedieb: wie im Artikel nachzulesen, kein reines Problem der Qualitätsmedien. Es scheinen wohl auch Dutzende Blogs dem Irrtum anheim gefallen zu sein

    Ansonsten Danke für den Artikel

  • #16
    Kommentator

    Gerade weil ich nicht glaube, dass die hier zitierten fehlinformierenden Medien sich groß darum kümmern werden:
    Ich würde gerne Frau Soltani helfen… mit Geld, klar, ich kann damit am „einfachsten“ (für mich…) und schnellsten zeigen, dass es mir nicht egal ist, wie es Menschen (eigentlich egal wo, aber gerade auch „hier“bei uns“, sorry für diese Wortwahl) geht. Das ist keine echte Hilfe, keine psychologische Entlastung, keine Lösung des Problems, kein… garnichts, aber immerhin ein Zeichen, hoffe ich.
    Hallo David: Hast Du eine Idee, ob das eine gute Idee ist? Hast Du eine Idee, wie das umgesetzt werden kann?

  • #17
  • #18
  • #19
    Tom

    Die Dame ist nun in Deutschland. Deutsche Medien löschen verschämt nun endlich das falsche Bild.

    Da zähl ich einfach 1+1 zusammen und hätte schon eine Idee, wär ihr in ihrer aktuellen Situation helfen kann.

    Soll.

    Muss.

    Manchmal kann es so einfach sein.

  • #20
    Erbeere

    Wenn ich dem Glauben schenken kann, was ich hier eben gelesen habe, dann bin ich wirklich entsetzt, aber nicht verwundert. Diese „schrecklich“ schnelldrehende Zeit fordert ihre Opfer.

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  • #27
    Wolf

    Hm.. „Neda Agha Soltan“ vs „Neda Soltan“.

    Zwei gleichen Namen. Zwei super ähnliche Menschen. Dann damals: Zufälliger Weise der einzige Schuss in der Menge. Dramatisches Blut aus den Augen. Gleichzeitige, gute Aufnahmen aus mehreren Perspektiven…

    Eine grandiose Bewegung wird initiiert, es passiert nichts. Dann die Wahlen. Von wegen Fälschung. Die grüne Bewegung wird initiiert. Es passiert wieder nichts.

    Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich von fast neurotisch gewollten immer wieder scheiternden Zwangs-Revolutionen ausgehen…

    Ja… und was macht Neda Soltani? Schickt per INTERNET, die ihr zum Verhängnis wurde, ihre Photos, anstatt mal ein öffentliches Interview zu geben. Aber was wäre dann aus der „Bewegung“ und was wäre mit ihrem Asyl?

    „Total krass ähnlich sind sich Neda und Neda gar nicht. Wie kann man diese beiden Frauen nur verwechseln?“

    Ach ja: Neda’s Grab ist leer.

    Ganz ehrlich: Diese Geschichte stank und stinkt immernoch.

  • #28
    David Schraven Beitragsautor

    @ Wolf

    lesen ist auch eine Kunst: „“Neda’Grab ist leer“

    Vielleicht ist es Ihnen entgangen, weil da zu viele Buchstaben waren. Ich habe ausführlich geschrieben, wie Neda Agha-Soltan erschossen wurde. Neda’s Grab gibt es. Neda Agha-Soltans Grab.

    Neda Soltani ist eine andere Frau. Sie hat versucht, mehrfach versucht, den Fehler zu korrigieren. Aber immer wieder wurde das falsche Foto benutzt. Auch das richtige wurde benutzt, keine Frage – aber eben auch das falsche.

    Weil die Medien nicht zugehört haben und so Internetkasper nicht die Wahheit sehen wollten. Und sich stattdessen behämmerte Verschwörungstheorien ausdenken.

  • #29
    Wolf

    @David Schraven – Da Neda Soltani lebt, kann ich mich mit meiner letzen Info kaum auf sie beziehen; ich bezog mich tatsächlich auf „Neda Agha Soltani“. Meinen Informationen nach ist ihr leer und die Stelle, wo sie eigentlich begraben worden sein soll, wird des öfteren geschändet. Leider…

  • #30
    David Schraven Beitragsautor

    @ wolf

    Das ist dann die nächste traurige Geschichte, die es zu überprüfen gilt. Das mit dem Grabschänden hab ich auch gehört.

  • #31
    Wolf

    Wir haben das Video entfernt. Es war ein Propagandafilm des iranischen Regimes. Ruhrbarone.de

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  • #33
    Wolf

    Ruhrbarone.de ? Eine IRI Propaganda? Wäre mir neu.

    Hast Du denn das Video nicht betrachtet? Ich habe es eigentlich nur gepostet, weil eine langsamere Aufnahme hergibt. Das ist alles. WAS bei diesem Video gesagt wird, wo dieses bekannte Video läuft, ist inzwischen völlig egal…

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  • #35
  • Pingback: Kurz verlinkt - ascene.de

  • #37
    Urs

    Hallo,
    ich frage mich:wie kann man/ich Neda „helfen“/unterstützen?
    Jemand ne Idee?Spendenkonto?
    Grüsse

  • Pingback: Bookmarks von 1. März 2010 bis 5. März 2010 « Notizen

  • #39
    Rachel

    Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll.

    Laut diesem Video

    http://www.youtube.com/watch?v=2XJEX2rAAIE

    war der Tod… von wem auch immer… eine Inszenierung.

  • #40
    David Schraven Beitragsautor

    Der verlinkte Film in Kommentar #39 ist eine abstoßende Geschichtsfälschung.

  • #41
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  • #43
    Chajm

    Zumindest finanziell sollte Neda Soltani abgesichert sein. Ein Jurist sollte ihr helfen, ihr Rechte am Bild geltend zu machen und die entsprechenden Agenturen mit einer Rechnung zu beglücken. Das ist doch ihr Recht und könnte auch helfen, dass die Angelegenheit 1.) bekannter wird und 2.) dazu führt, dass man vielleicht Informationen auch einmal prüft… Nur so ein Gedanke….

  • #44
    XY

    Ross und Reiter nennen.
    Hier haben nicht die (sozialen) Medien versagt, hier hat „lediglich“ eine unmenschliche und barbarische Diktatur dafür gesorgt, dass ein Mensch gestorben ist.
    Der Rest ist Verwirrung.
    Aber natürlich auch ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker und Vertuscher.
    Am Ende waren es doch wieder die Amerikaner!

  • #45
    Gero

    Frau Soltani, eine ehemalige Dozentin der Islamic Azad Universität in Teheran befindet sich
    also derzeit (wenn auch nur auf unbestimmten Zeitraum) in unmittelbarer Nähe zur
    Ruhr-Universität Bochum?

    Die haben innerhalb der FAKULTÄT FÜR PHILOLOGIE
    ein Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaften.

    Ich glaube, wir können noch mehr als vergammelte Sauerkrauteimer mit Sand und Steinen.
    Wäre schick, wenn SIE, lieber Author da den Kontakt herstellen würden da in meinem
    Handy grade so Frau Soltanis Handynummer nicht auffindbar ist.

  • #46
    Xalandir

    Vielleicht sollte jedes Magazin und jeder Sender der das Falsche Bild benutzt hat mal min. 1 mio. Euro, Doller oder was vergleichbar in dem Land ist wo es gedruckt, gesendet wurde der geschädigten zahlen. Das ist immer noch zu wenig um ein gestohlenes Leben zu entschädigen, aber ein Anfang der Geschädigten das Leben etwas zu versüßen. Wenn man bedenkt welch Charisma sie auf dem Foto ausstrahlt, und wie viel die Artikel eingebracht haben, ist das ein Spottpreis. Nicht zu vergessen das Leben was es nicht mehr gibt. Von daher kann man sagen das ein Doppelmord geschehen ist. Einmal durch den Iran, und einmal vom Rest der Welt. Deutschland sollte sich besonders schämen, Eine „Asylantin“ die gar keine sein wollte, in so ein ekelhaftes Heim zu schieben. Kein Wunder das man am Ende denkt, die ganze Welt sei gegen einen. Um den Wind für die „Oberdeutschen“ Blogger aus den Segeln zu nehmen, ich bin Deutscher, nur habe ich kein Verständnis wenn jemand so populär ist und man ganz offensichtlich weis das sie keine andere Wahl hatte, einen unfreiwilligen Gast mit riesen Problemen erst mal die gesammte deutsche Bürokratie spüren zu lassen. Die Frau hatte einen top Job und kam in einen Land klar wo wahrscheinlich kein deutscher freiwillig hin will. Ich hoffe das sich das wenigstens ein Verantwortlicher durch liest, und wenigstens ein schlechtes Gewissen für den Rest des Lebens hat, oder Hilft wie es sich gehört.

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