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Duisburg: Genozidleugnung an der Uni

20160426_210143An der Universität Duisburg Essen fand am Dienstagabend eine Veranstaltung der „Türkischen Studenten“ statt. Es sollte um einen armenischen Banküberfall in Istanbul im Jahr 1896 gehen. Der Referent Şahin Ali Söylemezoğlu stand schon im Vorfeld wegen Äußerungen, die den Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 leugneten, in der Kritik.

Verschiedene studentische Initiativen und der AStA der Uni hatten im Vorfeld erhebliche Kritik an der Veranstaltung geäußert. Die Universitätsleitung konterte die Kritik mit einer Stellungnahme mit dem Titel „Keine Zensur“, in der sie zu einer „sachorientierten“ Diskussion aufrief.

Am Dienstagabend hatten sich etwa 40 Menschen versammelt, um die Veranstaltung zu kritisieren und mit Flugblättern auf die Inhalte des kritisierten Vortrags aufmerksam zu machen. Im alten Audimax der Universität hatten sich etwa genauso viele türkische Rechte versammelt. Im Vortrag führte Şahin Ali Söylemezoğlu seine Thesen zu dem Überfall im Sommer 1896 aus: Dieser armenische Überfall sei von den Geheimdiensten Großbritanniens und Russlands geplant worden. Ihr Ziel sei es gewesen, Istanbul zu besetzen. Als Belege führte Söylemezoğlu verschiedene, angebliche „Geheimdokumente“ an. Oftmals grenzte der Vortrag arg an Verschwörungstheorien.

Immer wieder fragten Kritiker des Vortrags nach dem Genozid im Jahr 1915. Şahin Ali Söylemezoğlu war der Meinung, man könne zu diesen „Ereignissen“ unterschiedlicher Meinung sein und müsse darüber diskutieren. Ein Foto, das Opfer des Genozids zeigt, sei laut dem Referenten „in Hollywood“ produziert worden.

Mehrfach wurden kritische Zuhörer dadurch provoziert, dass Portraitaufnahmen von ihnen angefertigt wurden. Am Rand des Saals zeigten breitschultrige Männer den Kritikern den Gruß der rechtsextremen „Grauen Wölfe“. Ein Mann, der wie ein Sicherheitsmann auftrat, trug sogar Quartzsandhandschuhe und provozierte Teilnehmer. Ein Mitveranstalter tat den Wolfsgruß als normale Handlung unter „türkischen Männern“ ab. Die Veranstaltung endete damit, dass sich alle Beteiligten gegenseitig anschrien.

Von der Universität Duisburg Essen war kein offizieller Vertreter vor Ort. Ein Mitarbeiter des Rektorats war lediglich als „Privatperson“ vor Ort. Eine offizielle Stellungnahme wollte er nicht abgeben. Kurz vor Ende der Veranstaltung teilte er allerdings dem Veranstalter mit, dass er die Polizei rufen werde, wenn die Veranstaltung weiter eskaliere.

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27 Kommentare zu “Duisburg: Genozidleugnung an der Uni

  • #1
  • #2
    Gerd

    Es kommt darauf an, wer welchen Völkermord leugnet. Daher der Mangel an Empörung, der sonst riesig wäre.

  • #3
    armen

    Diese Veranstaltung ist inhaltlich mit einer Holokost-Leugnung gleichzustellen.

    Ich mache Rektor,Herr Radtke persönlich hierfür verantwortlich.

    Diese Veranstaltung wird Konsequenzen für Sie haben!

  • #4
    Ümit Rahmi Tuncel

    Dieser Fotografie von einem antitürkistische Teilnehmerin gezeigt worden ist , soll von die armenierinnen handeln , die vom türken , lebendige leibe gekreuzigt worden sind. Sie schrie sehr histerisch , vielleicht glaubte sie wirklich dass es einen Tatsache handelt. Aber diese Foto stammt von einem Propaganda film im Jahre 1919 in USA gedreht worden ist. Der film heißt "Ravished Armenia. Ist in YouTube zu sehen. NSU Mördern waren genauso antitürkistisch….ümit

  • #5
    himynameis

    @4: Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber arbeiten Sie bitte an Ihrem Deutsch! Inhaltlich: laut Zeitzeugen liefen die Kreuzigungen in der Tat anders ab (ich hoffe, Ihr Englisch ist besser als Ihr Deutsch):
    "The Turks didn’t make their crosses like that. The Turks made little pointed crosses. They took the clothes off the girls. They made them bend down, and after raping them, they made them sit on the pointed wood, through the vagina. That’s the way they killed– the Turks. Americans have made it a more civilized way. They can’t show such terrible things."

    Wie bescheuert der Vergleich mit dem NSU ist, wissen Sie vermutlich selbst, oder? Das Ziel einer christenreinen Türkei wurde doch erreicht, warum regen sich nationalistische Türken wie Sie also immer so auf?

  • #6
    Sebastian Klein

    Der Opferhabitus der türkischen Nationalisten ist unerträglich. Immer sind alle gegen sie verschworen. Immer wollen alle ihnen – den friedlichen, freiheitsliebenden Türken – etwas böses. Und wenn ein türkischer Redner sich dazu aufgerufen fühlt, über einen armenischen Banküberfall zu sprechen, dann muss ich gar nicht weiter zuhören – dann weiß ich schon, was kommen wird: Nur eine weitere Legitimierung für etwas, was in Wahrheit ja – laut Nationalisten – gar nicht erst stattgefunden hätte.

    Ich kanns echt nicht mehr hören. Sobald man in den Netzwerken Genozid sagt, kommen ganz genau zwei Reaktionen: 1) Aggressive Beschimpfungen und Beleidigungen 2) Geheule, man wäre immer Opfer. Und immer von Leuten mit türkisch-klingenden Namen. Unerträglich.

    Aber es zeigt auf vortreffliche Weise, dass Nationalisten überall gleich sind: Arschlöcher. Denn die AfD heult und pöbelt ganz genau so rum.

    Und übrigens: "Antitürkisch". My ass…

  • #7
    Ümit Rahmi Tuncel

    Er wollte mich wegen meinem deutsche sprachkentnisse beleidigen. Es geht nicht darum du pausenclown. Ich muss nicht deine nazi sprache perfekt sprechen und schreiben. Das habe ich vom Juden und sinti-roma gelernt

  • #8
    himynameis

    @7: Ümit, beleidigen möchte ich niemanden. Es ist wirklich eine Bitte, die von Herzen kommt, weil es unerträglich ist, solch sprachlich schlechte Texte zu lesen. "Pausenclown" und "Nazi" sind schon eher Beleidigungen. Bin mir nicht zuletzt angesichts Ihres letzten Satzes aber gerade nicht sicher, ob Sie echt oder nicht doch ein Troll sind.

  • #9
    Arnold Voss

    Ümit, hier ist NIEMAND ein Pausenclown. Und wir sprechen hier auch keine Nazisprache. Das wars hier für dich.

  • #10
    Armenierin

    DER GENOZID HAT STATTGEFUNDEN! DR. Ali Söylemezoglu ist ein Dolmetscher und kein Historiker. Ich war gestern auf der Veranstaltung in der Universität Duisburg Essen und habe gesehen, dass er keine wissenschaftlichen Quellen vorgelegt hat und die Informationen aus Wikipedia rausgesucht hat, die keine wissenschaftlichen Beweise vorlegen. Er konnte auf unsere Fragen NICHT beantworten. Er hatte keine Informationen von Archiven.

  • #11
    Davbub

    Laßt Ümit doch weiter schreiben. In dieser Zeit kann er schon mal keinen anderweitigen Schaden anrichten.

  • #12
    Arnold Voss

    Davbub, Jeder darf so dumm sein wie er möchte. Eine Förderung seitens der Ruhrbarone kann er deswegen aber nicht erwarten. Erst recht nicht, wenn er sich dabei auch noch im Ton vergreift.

  • #13
    Agonist

    Ich habe diesen Vortrag persönlich besucht und das Thema Genozid war kein Teil der Veranstaltung. Es war zeitlich auch vorher angelegt. Deswegen verstehe ich den Titel des Artikels hier und das Bestreben des Astas und der bei der Veranstaltung auch zahlreich vertretenen Linken nicht, die nur anwesend waren um durch lautes Husten, Schreien und Quatschfragen versucht haben den Gastredner zu stören.
    Der Vortrag war meiner Meinung nach nichts besonderes und auch nicht besonders informativ, aber das Verhalten der anwesenden Störer war unter aller Sau. Es ging soweit, dass ein armenischstämmiger Mitbürger aufstehen und die "Gegendemonstranten" zur Räson bringen musste. Insgesamt sehr peinlich die Aktion und ich verstehe nicht, wieso diesen Chaoten hier so der Rücken gestärkt wird. Das Video der Veranstaltung ist auch öffentlich auf der Facebook-Seite der Veranstalter zu finden, falls sich jemand eine eigene Meinung bilden möchte.

    Also bitte keine Lügen verbreiten hier.

  • #14
    Sebastian Klein

    Zitat: "Dieser armenische Überfall sei von den Geheimdiensten Großbritanniens und Russlands geplant worden. Ihr Ziel sei es gewesen, Istanbul zu besetzen."

    Hier wird die türkisch-nationalistische Version der der Dolchstoßlegende verbreitet, und du willst behaupten, das habe nichts mit dem Genozid und vorallem seiner Leugnung zu tun? Von jemandem, der vorher schon als Leugner aufgefallen ist?

  • #15
    Armenierin

    Agonist kannst du bitte erklären, warum ist eine Person mit "Waffe-Handschuhe" zur Vortrag gekommen war? Oder ist das normal für Türkei?
    Geht ihr alle zur Vorlesungen mit solchen Handschuhen?
    Außerdem, Dr. S. (keine Historiker, einfach Dolmetscher)hat deutlich gesagt, dass der Genozid nicht stattgefunden hat. Und das ist nämlich eine deutliche Leugnung, weil DER GENOZID 1915 STATTGEFUNDEN HAT. Das ist Tatsache, ob es euch gefällt oder nicht.

  • #16
    Klaus Lohmann

    @#15 Armenierin: Irgendein Tölpel hat auf der UDE-AStA-Facebookseite geschrieben, der Typ hätte das wegen der Kälte draußen ("5 Grad") getan. Quarzsand soll ja laut herrschender Handwerkermeinung unheimlich wärmen – wenn man damit feste gegen andere Materie haut;-)

    @#13 Agonist: Das angebliche Video auf der Facebook-Seite der Veranstalter ist *nicht* öffentlich, zumindest nicht für Nicht-Fratzenbuchmitglieder. Bitte keine Lügen hier verbreiten.

  • #17
    dot tilde dot

    @5 (himynameis):

    nein, es gibt durchaus christen in der türkei. ihre argumentation ist gelinde gesagt sehr unvollständig.

    .~.

  • #18
    Stefan Laurin

    @dot tilde dot: "Das Pogrom von Istanbul in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955 setzte dem christlich-griechischen Leben in der Türkei ein weitgehendes Ende. Nach Gewaltexzessen des Istanbuler Mobs, mit aller Wahrscheinlichkeit unterstützt durch die türkische Regierung, flohen über 100.000 christliche Griechen aus dem Land. Von 110.000 Griechen im Jahre 1923 ist ihre Zahl in der Türkei heute auf 2.500 gesunken."
    https://de.wikipedia.org/wiki/Christenverfolgung#T.C3.BCrkei

  • #19
    Walter Stach

    Der Völkermord an den Armeniern 1915 seitens des osmanischen Reiches und in dessen alleiniger Verantwortung wird nach meinem Kenntnisstand von Niemanden außerhalb der heutigen Türkei, von niemanden, der sich nicht politisch der heutigen Türkei in besonderer Weise verbunden fühlt, bestritten -nicht in der Wissenschaft, nicht durch internationale Organisationen, nicht durch ….-.

    Insofern frage ich mich
    a.)
    warum eine Universität(!!) in Deutschland es für vertretbar hält, daß in ihrem Zuständigkeitsbereich der Versuch unternommen werden darf, Gegenteiliges zu postulieren ;

    und
    b.)
    frage ich mich, warum hier im Blog das Faktum als solches "allen Ernstes" in Frage gestellt werden kann.

    Etwas Anderes ist es ,wenn über die Motive der damaligen Machthaber im osmanischen Reich diskutiert wird oder im Zusammenhang mit dem Genozid an den Armeniern über "Christenverfolgung" und über mögliche Auswirkungen/Nebenwirkungen/Wiederholungen derselben in der heutigen Türkei.
    Zum Letzteren sage ich jetzt und hier , u.a. wegen des Anlasses für die hier laufende Disk. nichts.

    (Aufgefallen in der hier laufenden Diskussion ist mir allerdings, daß niemand die Frage aufwirft, ob und wie das deutsche Reich im I. Weltkrieg als Verbündeter des osmanischen Reiches "involviert" war. Denn dazu gibt es unterschiedlichen Bewertungen -nicht über das OB des damaligen Völkermordes des osmanischen Reiches an den Armeniern.)

  • #20
    der, der auszog

    @Walter

    Der Völkermord an den Armeniern wird sehr wohl ausserhalb der Türkei bestritten, u.a. hier bei uns in Deutschland und insbesondere von einem Sozialdemokraten:

    Zitat:

    "Manche setzen die Vorgänge sogar mit dem Holocaust gleich. Das ist unzulässig und läuft auf eine Relativierung des ­Holocausts hinaus, der vor allem die Deutschen widersprechen müssen. Die Fehler der Türkei liegen hier nicht bei Premier Erdogan, der eine historische Aufarbeitung eingeleitet hat, die Ursachen liegen in der jahrzehntelangen Verklärung der Rolle von Kemalisten und Militärs."
    Gerhard Schröder am 26.2.2011 in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen.

    Bislang hat in Deutschland lediglich das Parlament den Holocaust an den Armeniern als Genozid anerkannt. In der GroKo aus SPD und CDU wird der 24. April, der in vielen Ländern Anlass zum gedenken ist, gerne umschifft, wie letztes Jahr, als sich der offizielle Auftakt an diesem Frevel zum 100. Mal jährte. Und auch zwischen 1998 und 2005, als die Sozialdemokraten sogar den Kanzler stellten, hatte die deutsche Außendiplomatie nichts besseres zu tun, als Erdogan nach dem Mund zu reden und den Genozid herunterzuspielen. Unter Steinmeier als Außenminister und damals als Kanzleramtsminister hat das Relativieren des Holocaust an den Armeniern fast schon sowas wie Tradition bekommen.

    hier gehts zur HAZ:
    http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Schroeder-Fuer-eine-globale-Rolle-braucht-Europa-die-Tuerkei
    hier zu einer Glosse von Broder zu Schröder:
    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article12677913/Gibt-es-ein-Holocaust-Copyright-Herr-Schroeder.html

  • #21
    Walter Stach

    DER, DER…..
    Ich kann in der Bemerkung von Schröder -beim besten Willen- nicht erkennen, daß dieser den Völkermord seitens des osmanischen Reiches an den Armeniern bestritten (!!) hat. Eine solche Schlußfolgerung läßt sich auch nicht aus den Hinweisen auf das Verhalten der Bundesregierung von 1998-2005 oder konkret aus dem Verhalten Steinmeiers herleiten.

    Etwas ganz Anderes als ein Bestreiten (!!), und ausschließlich darum ging es in ersten Absatz meines Beitrages, ist es, wenn z.B. Schröder erklärt hat, daß es aus seiner Sicht falsch sei, den Völkermord an den Armeniern mit dem Holocaust gleichzusetzen ,denn das könnte diesen realitvieren , Das ist Schröders (be-)wertende Meinung über einen von ihm nicht bestrittenen(!!) Fakt, nämlich den des Völkermordes des osmanischen Reiches an den Armeniern.

    Weltweit ist " der" Holocaust " das Synonym für die Ermordung von rd. 6 Mio Juden durch Deutschland -konkret durch das NS-Regime-, was unbestritten dem Wortlaut/Wortsinn " Holocaust " nicht entspricht.
    .
    Wenn Deutsche befürchten, daß die Benennung des Völkermordes an den Armeniern als "Holocaust" den Holoaust "der" Deutschen an den Juden relativieren könnte, dann mag man über eine solche Befürchtung -über ihre Begründung, über ihren Sinn, über ihre Zielsetzung- streiten, aber sie ist aus meiner Sicht keineswegs abwegig oder gar einem Deutschen als "moralisch verwerflich " vorzuhalten; ganz im Gegenteil.

    Etwas Anderes ist es zudem, wie die jeweilige Bundesregierung außenpolitisch in ihrem Verhältnis zur Türkei mit dem Völkermord des osmanischen Reiches an den Armeniern "umgeht". Und darauf bezogen und darüber hinaus mit Blick auf die aktuelle türkische Menschenrechtspolitik ist es selbstverständlich, daß die deutsche Außenpolitik, je mehr sie als deutsche Interessenspolitik praktiziert wird, sich in Deutschland mit Kritik auseinandersetzen muß. Kanzlerin Merkel , und die ist CDU-, nicht SPD Vorsitzende praktiziert ja derzeit besonders nachhaltig und gemessen an ihren Zielen besonders erfolgreich deutsche Interessenspolitik gegenüber der Türkei; es geht also nicht um ein sozialdemokratisches Spezifikum, wie man, DER,DER…, aus Deinem Beitrag entnehmen könnte.

    Zusammengefaßt:
    1.
    Weder Schörder , weder Steinmeier, weder die jetzige Kanzlerin noch andere Mitglieder der Bundesregierung -der heutigen, der vergangenen- haben jemals den Völkermord durch das osmanische Reich an den Armeniern bestritten!!

    2.
    Ob es angebracht ist, ob es sinnvoll ist oder ob es gar geboten ist, wie man durchaus meinen kann,
    daß D e u t s c h e all die Völkermorde auf dieser Welt, z.B. den an den Armeniern, mit dem Begriff "Holocaust" erfassen bzw. belegen sollten, wurde diskutiert, wird diskutiert, sollte diskutiert werden.

    3.
    Persönlich bin ich der Auffassung, daß prinzipiell deutsche Außenpolitik primär verstanden werden muß als deutsche Interessenspolitik -auch gegenüber der Türkei, auch gegenüber China, auch gegenüber Rußland, auch gegenüber den USA usw..-. Und in der Praktizierung einer solchen Interssenspolitik mag dann der eine oder der andere bezogen auf die Führung des jeweils andereren Staates krtitikwürdige Anbiederei erkennen und diese artikulieren, wie hier -sh.2o-geschehen.

    Was letztendlich den deutschen Interessen dienlich ist oder nicht und wie eine solche deutsche Interessenspolitik generell und im jeweils konkreten Falle auszusehen hat, darüber muß und darüber wird gestritten, z.B. aktuell besonders im Verhälntis/Im Umang zur bzw. mit der
    der Türkei ,und eine solche Diskussion schließt ein, wie man und wann man z.B. den unbestreitbaren und -auch in "meiner" SPD- unbestrittenen (!!) Völkermord an den Armeniern gegenüber der Türkei "anprangert", von ihr dazu ein Schuldbekenntnis einfordert u.ä. mehr.

  • #22
    Klaus Lohmann

    @#21 Walter Stach:
    Schröder hat im zitierten HAZ-Interview den Holocaust-Vergleich *ungefragt* selbst ins Spiel gebracht, um darauf ablehnend zu antworten. Einer Antwort auf die gestellte Frage nach der Beurteilung als "Massaker" und "Völkermord", also der historisch korrekten Einordnung des Genozids an den Armeniern, weicht er damit rhethorisch geschickt aus.

    Dieses "Ich tu keiner Seite weh"-Rumeiern ist ein Teil des aktuellen Problems der mehr als mangelhaften Kommunikation mit der AKP-Führung. Eine eindeutige Positionierung *gegen* eine Verharmlosung, Vertuschung oder gar Leugnung des Armenier-Genozids würde zwar Erdogans Sympathien für uns nicht gerade vermehren, aber wenigstens die Stühle am europäischen Tisch wieder etwas gerade rücken.

  • #23
    Helmut Junge

    Ganz schön blauäugig dieser Herr Schröder, sagte er doch im obigen Link von @DDA auch:
    " Das Pendant zur SPD ist in der Türkei heute die AKP, deren Programmatik jenseits ihrer islamischen Orientierung ganz sozialdemokratisch ist, modern und berechenbar."
    Na dann ist ja alles klar. Diese geistige Nähe hatte ich gar nicht gesehen.

  • #24
    Walter Stach

    Klaus Lohmann,

    1.
    Ich hate nicht und ich habe nicht die Absicht, mich jetzt und hier auf eine Diskussion über die "richtige", besser wohl über die den deutschen Interessen am ehesten zweckdienliche Außenpolitik gegenüber der Türkei einzulassen -in der Vergangenheit, in der Gegenwart, in der Zukunft , unter den Kanzlern Adenauer bis Merkel, und schon gar nicht in diese Diskussion die Frage des "richtigen" Umganges Deutschlands mit dem "Völkermord an den Armeniern " einbeziehend.

    Ich habe unter -19-mein Unverständnis darüber ausgedrückt, daß der hier kritisierte Vortrag an einer Universität in Deutschland überhaupt möglich war und darüber, daß nach wie vor die Tatsache des Völkermordes durch das osmanische Reich an den Armeniern offen und öffentlich geleugnet/bestritten(!!) wird, und zwar durch Menschen, die wie und warum auch immer, dem derzeitigen Herrschaftsystem in der Türkei verbunden sind bwz. diesen " nahestehen".

    Wem das (!!) kritikwürdig erscheint, der sollte bitte dazu (!!) das Notwendige sagen, was bisher nicht geschehen ist.

    Ich habe unter -21-lediglich als Replik auf DER,DER..-20-.festgestellt, daß es seit 1949 keine Bundesregierung, keinen Bundeskanzler, keinen Außenminister gegeben hat -Schröder und Steinmeier einbezogen- und derzeit nicht gibt, die die Tatsache des Völkermordes des osmanischen Reiches an den Armeniern bestritten (!!) hat, wie behauptet wurde. Nicht mehr, nicht weniger!

    Wer das (!!) für sachlich falsch hält, möge das (!!) belegen, was bisher nicht geschehen ist.

    Klaus Lohmann,
    2.
    über Relativierung im allgemeinen läßt sich bekanntlich philosophieren, über Sinn/Unsinn, über das Ob und das Wie der Relativierung eines Völkermordes läßt sich trefflich streite, erst recht läßt sich, und das ist bekanntlich auch hier bei den Ruhrbaronen mehrfach und intensiv geschehen, darüber streiten, ob der "deutsche Holocaust an den Juden" -aus welchen Gründen auch immer- als "einzigartig" zu gelten hat , ob er für Deutsche(!!) überhaupt als Objekt einer Relativierung herhalten darf und welche Folgen ggfls. eine solche Relativierung gesellschaftspolitisch in Deutschland und außenpolitisch für Deutschland haben könnte.

    Klaus Lohmann,
    aber darum geht es mir jetzt und hier, wie ich einleitend versucht habe zu begründen, überhaupt nicht.

    3.
    Und mir geht es schon gar nicht "jetzt und hier" darum, die leidige Diskussion anzuheizen, ob und inwieweit Außenpolitik primär Interessenspolitik des jeweiligen Staates zu sein hat oder ob und inwieweit für sie das Primat der Werte (z.B. den Werten des sog. Westens) zu gelten hat.
    Und wenn "man" versucht, Beidem nahezukommen, dann wird "Rumeierei" oder Ähnliches wahrgenommen.

    Ja, so ist das, ganz unbestritten!

    Dass ich mich "im Prinzip" für eine an den Interessen Deutschlands ausgerichteten Außenpolitik ausgesprochen habe -sh.mein Hinweis unter 21 Ziffer 3-, ändert nichts daran, daß diese Meinung selbstverständlich permanent auch durch mich kritisch hinterfragt wird.Das sie mir dann und wann widersprüchlich erscheint zu meinen persönlichen Wertvorstellungen, will ich abschließend erwähnen.
    Unerwähnt lassen möchte ich allerdings nicht, daß es m.E. einen Unterschied macht, ob ich persönlich für die Achtung der Grundwerte der westlichen Welt in allen Länder der Erde eintrete oder ob jemand, der politisch zuständig ,verantwortlich und per Eid verpflichtet ist, ist die Interessen Deutschlands zu wahren, zu erwägen hat, ob er Gleiches zu tun hat -gegenüber China, gegenüber Russland, gegenüber den USA -sh.NSA-Affäre, sh.Guantanamo-, gegenüber der Türkei, gegenüber……-ja, wem gegenüber denn eigentlich nicht?

    Aber….
    Auch darum geht es jdeoch jetzt und hier in der Sache selbst nicht.

    Es ging bisher in der Kontroverse mit mir ausschließlich um die die Behauptung, Schröder und andere Sozialdemokraten hätten die Tatsache des Völkermordes des osmanischen Reiches an den Armeniern bestritten!!
    Das habe ich meinerseits bestritten. Und dabei bleibt es bis zum belegten Beweis des Gegenteiles -nicht per Interpretation, sondern anhand konkreten Wortlautes.
    (PS
    Verkneifen kann ich mir die leider immer wieder bei ähnlichen Gelegenheiten von mir gestellte Frage auch jetzt nicht,, warum selbst diese Problematik für Einige willkommener Anlass ist, sich an der SPD abzuarbeiten. Ich habe es aufgegeben, über mögliche Beweggründen und mögliche "Wirkungsabsichten" nachzudenken -"ett iss wie ett iss".

    Denkbar erschien es mir, tatt sich an der SPD abzuarbeiten, daß auf meine Anmerkung abschließend zu -19 -sh.Klammern- eingegangen werden könnte, zumal ja bekanntermaßen einige der Diskutanten hier im Blog über gute historische Kenntnisse verfügen, jedenfalls mehr als ich.

  • #25
    Klaus Lohmann

    @#24 Walter Stach: Nicht als Diskussionsbeitrag gedacht, sondern als kleine, aktuelle Schmonzette am Rande zur angesprochenen Begriffsverwendung "Völkermord" vs. "Holocaust":

    http://www.derwesten.de/politik/sonneborn-nennt-erdogan-in-bruessel-den-irren-vom-bosporus-id11780782.html

    Redebeitrag v. Martin Sonneborn vorm EU-Parlament im Wortlaut:
    "Der ‘Irre vom Bosporus’, wie wir den Irren vom Bosporus, Erdogan, im EU-Parlament liebevoll nennen, hat wieder zugeschlagen.

    Diesmal hat er durch seinen Botschafter die EU-Kommission angewiesen, die Förderung für ein Konzertprojekt der Dresdner Symphoniker einzustellen, das sich mit dem türkischen Genozid an den Armeniern beschäftigt. Die Kommission hat daraufhin das Orchester aufgefordert, entsprechende Textstellen abzumildern und das Wort ‘Genozid’ zu vermeiden.

    Als Mitglied des Kulturausschusses möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen: Ich empfehle den Dresdner Symphonikern dringend das Wort ‘Genozid’ zu streichen – und durch den Begriff ‘Völkermord’ zu ersetzen.

    Ich bin Deutscher und mit Völkermord kennen wir uns aus.

    Allerdings konstatiere ich mit einer gewissen Verblüffung, dass uns die Türkei hier allmählich den Rang abläuft. Deshalb möchte ich die türkische Regierung warnen, den hundertjährigen Rhythmus, in dem sie offensichtlich Genozide zu begehen gedenkt – derzeit genügt ein Blick auf die Lage der Kurden – nicht zu beschleunigen.

    Sonst müssen wir darüber nachdenken, die Drecksarbeit mit unseren Flüchtlingen jemand anderem zu übertragen.

    Nichts für ungut. Derzeit keine Türkei-Urlaube geplant.“

  • #26
  • #27
    Helmut Junge

    @Walter Stach, das Zitieren aus einem Interview eines Politikers ist normalerweise kein "abarbeiten", außer wenn es ein SPD-Politiker ist. Wenn man sieht, wie die internen Diskussionen bei den Grünen, aber auch der CDU ablaufen, und das vergleicht mit der Kritik, die man kriegt für ein Interviewzitat von SPD- Vorsitzenden, die nicht Bebel oder Wels heißen, kann man sehr nachdenklich werden. Ehrlich gesagt, ist das einer der Gründe, warum ich es nicht länger als ein jahr in der SPD ausgehalten habe. Der SPD mangelt es an internen Diskutanten.

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