Ein Leben als Exhi

Dies ist die Geschichte von Alfred Esser. Seit er denken kann, zeigt er seinen Penis Frauen gerne aus einiger Entfernung, erigiert und am Schaft rasiert. Pervers, finden die meisten. Normal, fand Esser eines Tages und gründete einen Selbsthilfeverein für Exhibitionisten. „Es geht um Anerkennung“, sagt er. Von unserem Gastautor Ralf Grauel.

- Der Text ist im Ruhrbarone-Magazin#2 erschienen. Mit unseren Printprodukten versuchen wir langen Lesegeschichten, Foto- und Grafikstrecken den Raum zu geben, den sie verdienen. Aktuell ist unsere vierte Ausgabe zum Oberthema GRENZEN auf dem Markt. Reinschauen lohnt sich! -

Alfred Esser steht im Gebüsch und onaniert. Zwei Meter von ihm entfernt hockt die Fotografin und fummelt an der Kamera herum. Esser ist Rechtshänder, sein Arm pumpt hektisch. Ständig rutscht die Hose herunter, mit der linken Hand hält er sie fest, die rechte reibt. Er wollte sich nur von einer Frau fotografieren lassen. Jetzt wechselt sie den Film, guckt nicht mal hin und er wichst einfach weiter.

Ein Feldweg neben einer Autobahn mitten im Ruhrgebiet. Der Himmel ist blau, vom Feld her weht ein kalter Wind. Das Laub schimmelt, mittendrin steht Alfred Esser und ist ganz aufgekratzt. Doch aus der Erektion wird trotzdem nichts. „Lampenfieber”, meint er später. Er habe es noch nie vor der Kamera gemacht oder vorher mit der betreffenden Frau geredet. Esser steht vor seinem Auto. Ich sage, „ich mach mal so” und winke ihm aus einem halben Meter zu. Esser versteht. Der Fotografin streckt er die Hand hin und sagt, es hätte ihm sehr gut gefallen, schließlich zeige er sich nicht jeder x-Beliebigen. Das Kompliment lässt sie erröten, dann schüttelt sie seine Hand. Esser geht zu seinem verdellten Auto, streicht über das Blech und sagt: „Ich habe ja auch ein Macke, und dazu stehe ich.” Dann steigt er ein und fährt los. Wir gucken, wo man sich die Hände waschen kann.

Alfred Esser ist 68 Jahre alt, der Name ist ein Pseudonym. Seit er ein kleiner Junge war, zeigt er es den Frauen ganz gerne, am liebsten aus einiger Entfernung, erigiert und am Schaft rasiert. Pervers, fanden die meisten. Normal, fand Esser eines Tages. Die Gesetze sind schräg, nicht er, fand Esser, und seitdem macht er sich gerade. Er gründete Deutschlands erste und bisher einzige Selbsthilfegruppe für Exhibitionisten und schrieb auf, was er so erlebt hat. „Zeigen verboten. Exhibitionismus – ein verkanntes Problem” heißt seine Biografie, im Buchhandel steht sie unter „Lebenshilfe”. Nicht lange, denn empörte Frauen reißen den kleinen Band immer wieder aus den Regalen.

Alfred Esser ist Deutschlands Aktivist in Sachen „Zeigefreude“, so nennt er das, achtzehn Mal wurde er dabei erwischt. Fast 30.000 Euro hat ihn das gekostet, inklusive einer abgelehnten Verfassungsklage. Das war vor neun Jahren. Frauen dürfen sich fast überall entblößen, Männer nirgendwo. Das fand er ungerecht. Esser berät Kriminologen, Psychologen und Ärzte, er spricht auf Podien, in Talkshows. Von Big-Brother-Containern bis zur H&M Werbung, das ganze Land sei eine einzige Fleischtheke, bloß wenn er seine entscheidenden Zentimeter an die frische Luft hält, sei das Geschrei groß. Da stimmt doch was nicht. So sieht er das.

Ein paar Stunden später, im Einkaufszentrum. Esser kennt sich hier aus, sein Revier. Er sieht gut aus, dunkle fast schwarze Augen, sportlicher Teddybär, Frauentyp. Die karierte Windjacke und die alte Trainingshose von eben, seine Berufsverkleidung, hat er abgelegt. Jetzt gibt er den breitschultrigen älteren Herrn im Sakko, und die Damen quittieren das mit entsprechenden Blicken. Keiner davon entgeht Esser, dessen Augen hellwach das Angebot abtasten. „Als Exhibitionist nutzten Sie jede Chance”, sagt er. Opfer gibt es nicht für ihn. Die Frauen, denen er sich zeigt, nennt er „meine Zielgruppe, jung und gut aussehend, natürlich über zwanzig.” Gerade fahren zwei prächtige Exemplare die Rolltreppe herunter. Esser lächelt, und hätte er einen, zöge er den Hut. „Eine Treppe ist eine prima Barriere”, erklärt er. Die Frau fühle sich sicher, und man selber halte sich den Fluchtweg offen. Ist eine mal nicht so begeistert, wäre man längst über alle Berge, bis der alarmierte Verfolger den Weg ins Treppenhaus gefunden hat. “Je schöner die Frau, desto mehr Retter hat sie”, sagt Esser.

Vierzehn Jahre war er, als er seine Leidenschaft entdeckte. Seine Mutter fand Sex und Körperkontakt abstoßend, Wärme gab es keine, dafür Schläge, wenn er mal wieder schmutzig nach Hause kam, und Abschrubben nach dem Bad, erzählt er beim Kaffee im Kaufhausrestaurant. Der Vater ist kaum Zuhause, „Sex“, sagt Esser, „holte der sich wohl woanders.“ Vor dem Krieg war die Familie reich. Hatte Güter in Ostpreußen besessen, nun führen nur Zucht, Disziplin und harte Arbeit aus der Schande der Enteignung. Frauen sind für den Jungen eine fremde Spezies, geheimnisvoll und wunderbar, sie leben auf einem anderen Planeten. Er kann sie aus der Ferne betrachten, aber sie anzusprechen schaffte der schüchterne Junge nicht. Irgendwann beobachtet er mal wieder zwei. Beim Raufen rutschen den Mädchen die Röcke hoch und ein Gefühl schießt aus diesem fernen Universum in seinen Bauch. Es treibt den Schweiß aus allen Poren und eine gewaltige Erektion in seine Hose. „Wie Feuer hat das gebrannt“, sagt Esser und guckt ein wenig hilflos. Mitten drin sein Glied. Pochend, steif und hoch empfindlich. Wenn er es in die Hand nimmt, wird alles noch heißer. Die Verbote, seine Angst, die Scham, das verbrennt er gleich mit. Und dann fühlt er sich wie ein Mann, für einen kurzen Moment.

Mit fünfzehn onaniert Esser vor einem Fenster, wird dabei erwischt und kommt unter Jugendarrest. Nach der Entlassung, eine Woche saß er im Jugendknast, packt er seine Sachen und haut ab. Er zieht, wie so viele damals, in die weite Welt, immer in Richtung Arbeit. Er macht eine Lehre in der Gastronomie, lernt die Freiheit kennen, das Leben, und langsam auch die Frauen. Er verliebt sich, heiratet, wird Vater zweier Kinder. Er treibt Sport, läuft, spielt Fußball, rudert oder schwimmt. Den echten Kick aber holt er sich bei seinen heimlichen Ausflügen. Im Kofferraum seines Autos liegt immer die Verkleidung bereit, ein Blouson und eine Trainingshose in einer Plastiktüte hinter dem Ersatzreifen. Im Sommer hält er seine Erektion in die warme Abendluft. Im Winter wärmt er seine Hände an kleinen Heizkissen. Das Ventil ist zur Sucht geworden.

Manchmal, alle paar Jahre, bleibt eine stehen. Dann schaut sie ihm interessiert zu, sie nickt, ermutigt ihn, stöhnt sogar ein wenig mit, und lobt ihn, wenn er kommt. Es ist das schönste Gefühl auf der ganzen Welt. Wenn Alfred Esser über Frauen redet, spricht der Genießer. Sein Geruch ist eine Mischung aus altem Herrn und Thymian, „Bulgari“ verrät er. Die eng beieinander liegenden Augen sind wach, seine Hände groß, schöne, feste Finger, zarte Innenflächen. Mit diesen Händen reibt er sein Glied. Reibt es manchmal schnell und fest, drückt es zusammen, lässt wieder locker und wiegt es in der Hand, damit es groß und stark wird.

Aber so einfach ist das nicht. Die meisten Frauen sind nicht im Entferntesten daran interessiert, wildfremde Erektionen vorgeführt zu bekommen. Der Herr in den Dünen, der Onkel auf dem Spielplatz, der Mann im Zugabteil, der sich durch die Hosentasche einen runterholt: Bei all diesen Männern vermischen sich Feigheit, Stolz und Nervenkitzel zu einem verstörenden Pseudo-Sex, der irgendwo zwischen Onanie und Beischlaf steckengeblieben scheint. Doch ob die sexuelle Energie als bedrohlich, erregend oder einfach nur lächerlich empfunden wird, entscheidet die Empfängerin. Für Exhibitionisten aber liege der Kick im Zeigen, nicht in der Angst. „Es geht um Bewunderung, nicht um den Schock“, erklärt Esser. Zeigen, gesehen werden, fertig. Exhis folgen einem starren Ritual, und die wichtigste Zutat ist Distanz. Die wird beharrlich eingehalten, schließlich kommt aus ihr die Lust.

„Der Vorstellung von der sexualkriminellen Karriere muss deutlich widersprochen werden”, bezeugt eine Studie des Bundeskriminalamts. In jüngster Zeit ist viel von Sexualverbrechern die Rede, die vorher als Exhibitionisten auffielen. Deren „Abweichung“ hätte man aber viel besser an anderen Merkmalen ablesen können. Die Ursachen für Exhibitionismus bleiben „ein Rätsel“, so Hans-Ludwig Kröber, prominenter Gutachter und Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie an der Berliner Charité. Kröber legte 2004 eine ausführliche Studie zum Thema vor. Sein Fazit: „Es gibt keinen klinischen Anhaltspunkt, dass Exhibieren ein typisches ‚Einstiegsdelikt’ in spätere sexuell motivierte Gewaltkriminalität wäre.“ Zeigen ist nicht die Einstiegsdroge zum Nehmen.
Dennoch gilt für „Exhis“ und sexuelle Gewalttäter dasselbe Gesetz, Paragraf 183 StGB. De facto wandern Exhibitionisten heute zwar kaum noch in den Knast, eher gibt es Geldbußen, Bewährungsstrafen und Therapieversuche. Weil sie aber gegen das Strafgesetz verstoßen, sind sie vorbestraft und driften nach jeder Tat schnell wieder dorthin, wo sich ihre Scham bis zum nächsten Zeigeerguss aufstaut.

Als Esser zum zweiten Mal geschnappt wird, ist er 31 Jahre alt. Seine Frau ist entsetzt über das, was sie da geheiratet hat. Sie demütigt und erpresst ihn, es den Kindern zu verraten, langsam verwandelt sie sich in ein Abbild seiner Mutter. „Sie hat schreckliche Dinge zu mir gesagt”, sagt Esser. Was genau, das will er nicht mehr sagen, und ein bisschen scheint er jetzt zu übertreiben. Aber für ihn ist das so. Seine Frau bohrt dort, wo er sich am meisten hasst. Und irgendwie auch liebt. Ab 1971 ist Esser in der Kartei der Polizei erfasst, eine Vorladung zur Gegenüberstellung folgt der nächsten, mit dem Stress wächst der Drang, es wenigstens den anderen Frauen zu zeigen. Nach einer Weile besteht sein Leben nur noch aus Arbeit und öffentlichem Onanieren. Er fährt bis nach Köln oder Hannover, akribisch arbeitet er Routen aus, auf denen er seine Lust länger und gekonnter hinauszögert, manchmal stundenlang, bis er sich fast fünfzig Frauen zeigt in einer Nacht, die jedes Mal die letzte sein soll.

Das Gericht verordnet immer neue Therapien. Seine Frau lässt sich von ihm scheiden. Die Ärzte untersuchen seine Hirnströme, verschreiben Hormonblocker und raten ihm, die Straßenseite zu wechseln, wenn ihm eine Frau entgegenkommt. „Kein Exhibitionist sagt seinem Therapeuten die Wahrheit“, erklärt Esser, „dafür schämt man sich viel zu sehr. Außerdem schreibt ja der Therapeut das gerichtliche Gutachten. Also lügen Sie was zusammen. Dass sie aufhören wollen.“ Aber das Gegenteil sei richtig, sagt Esser: „Einmal Exhi, immer Exhi.“ Die Statistik gibt ihm Recht. Von allen Sexualdelikten hat Exhibitionismus die mit Abstand höchsten Rückfallquoten. Irgendwann erzählt ihm ein psychiatrischer Gutachter von einer stationären Behandlung, einer Art Gruppentherapie, die in einem Essener Krankenhaus stattfindet. Auf der Arbeit simuliert Esser Schmerzen in der Brust, er weiht seinen Arzt ein und lässt sich überweisen. Die Gruppe ist bunt gemischt: Frauen mit Essstörungen, ein Transsexueller nach der ersten Operation, ein Polizist, der Angst hat, in der Uniform zu ersticken, jemand, der nur mit verheirateten Frauen schlafen kann, eine junge Frau, die Angst vor Menschenmengen hat. Neun Monate lang hört Alfred Esser aufmerksam den Problemen der anderen zu, gibt manchmal den einen oder anderen Tipp, über sich selbst redet er kein einziges Mal. Lieber organisiert er Fußballspiele und Tischtennisturniere, eine Station gegen die andere.

Bei einem Freigang onaniert er an einer S-Bahnstation und wird erwischt. Die Polizei bringt ihn zurück ins Krankenhaus, die Therapeutin stellt ihn zur Rede, vor der versammelten Gruppe. Plötzlich erfahren die anderen, dass er in Parks, auf Parkplätzen und in U-Bahnhöfen im Dunklen steht und wichst. Jetzt ist alles raus, das Spiel ist aus. Alfred ist ein Triebtäter. Die anderen Patienten freuen sich, endlich wissen sie, was mit ihm los ist. Alfred Esser aber hält sich selbst nicht aus. Er rennt hinaus in den Park, setzt sich auf eine Bank und plant die nächsten Schritte. „Selbstmord. Alles abbrechen, wegziehen, in ein anderes Land. Was man eben so denkt“, erzählt Esser. Er hätte schon noch ausgepackt. Er mochte die Leute ja. Jeden einzelnen mit seinen Macken. So sitzt er da, grübelt, und merkt irgendwann, da sitzt jemand neben ihm und will ihn trösten. Es ist die junge Frau aus der Gruppe, die mit der Platzangst.

Hier beginnt der schöne Teil der Geschichte, denn die Frau, die Angst vor vielen Menschen hat, und der Mann der sich so gerne zeigt, verlieben sich. Fünfzehn Jahre jünger ist sie als er, weiß alles über ihn, und wenn Alfred Esser von seiner zweiten Frau erzählt, ist es, als stünde sie neben ihm und er habe seinen Einmeterachtzig-Männerarm um sie gelegt, schützend und stolz. „Unser Sexleben ist sehr erfüllt”, prahlt der Rentner. Sie verkleiden sich gegenseitig und manchmal, im Urlaub, baut er sie in seine kleinen Zeigeaktionen ein, ohne dass sie etwas davon mitbekommt. Einmal, da waren sie in Skandinavien, haben sie ihn auf dem Campingplatz erwischt, die Polizei kam und sie wurden des Landes verwiesen. „Da hing der Haussegen schief”, sagt Esser, grinst. Sie mag es nicht, wenn er loszieht und auf Zeigetour geht. Aber soll sie sich deswegen von ihm trennen? Er ist ja nicht pervers.

Ein paar Jahre später, mehr als 20 Jahre ist das nun her, gibt Esser eine Annonce in mehreren Lokalzeitungen auf: „Exhibitionistenselbsthilfegruppe in Gründung. Zuschriften unter Chiffre…” Es melden sich Männer aller Altersklassen und Schichten, auch ein Richter ist dabei, ein Computerfachmann aus dem Sauerland. Es meldet sich auch ein Mann, der von seinem Vater misshandelt wurde und nun merkt, dass er seinen eigenen Sohn begehrt. „Dem konnte ich nicht helfen“, sagt Esser. Erst seit 2007 gibt es die erste und bisher einzige Therapiegruppe für Päderasten, an der Berliner Charité. Alle anderen lädt Esser zu einem Treffen ein.

„Stadt Dortmund, Gesundheitsamt, sozialpsychiatrischer Dienst, Außenstelle Nord” steht auf dem Schild. Es ist Dienstag Abend. An den vertäfelten Wänden des Gruppenraumes hängen Poster von Kätzchen, Hasen und dem Lebensraum des Fischotters. Vier Tische sind zu einem großen Quadrat zusammen geschoben, an jeder Ecke sitzt ein Mitglied, mit Esser also vier. Die Zahl der Mitglieder variiert zwischen vier und zwölf. Seit Jahren schicken die Gerichte der Umgebung verurteilte Exhibitionisten statt in den Knast in Essers Selbsthilfegruppe. Vor dem Otterposter sitzt ein Mann Mitte fünfzig, roter Kopf, Brille, Beamtentyp. Ja, er sei verheiratet, antwortet er auf Nachfrage. Daneben sitzt Esser. Ihnen gegenüber ein schmales Männchen, älter, verlebter als Esser, zerdroschenes Thekengesicht, Goldkettchen am Hals, Rheinländer. An der vierten Ecke ein junger Mann, schätzungsweise Anfang zwanzig. Untersetzt, Glubschaugen, an den Augenrändern, Nasenlöchern und Nagelbetten seiner Finger schorfige Male von Schuppenflechte, kleine Hände mit langen, spitzen Fingernägeln. Er duckt sich wie ein Babydinosaurier aus einem Zeichentrickfilm und grinst – die ganze Zeit über.

Der Herr aus dem Rheinland wird lebendig. Er ist das erst das zweite Mal in der Gruppe. Es fällt ihm offensichtlich schwer, zu reden. Er schlägt Haken, vermeidet jeden klaren Punkt, als käme er von dort nicht weiter. Esser schaut besorgt, der andere Herr runzelt die Stirn, der Junge grinst. Langsam entblättert er sich, es zeigt sich, dass er sich in Bordellen zeigt, und dort vor den Frauen onaniert, mit geschlossener Hose. „Das Leben ist ja wie im Puff“, sagt er, „man muss gut aussehen. Dann wissen die Frauen, also das Publikum, das schon zu schätzen.“ Da lehnt der Herr mit dem roten Kopf sich zurück, mit Nachdruck sagt er, das könne er jetzt aber nicht nachvollziehen: „Wenn ich mit einer Frau zusammenkomme, muss die Chemie schon stimmen.“ Wie Esser ist auch er verheiratet. Seine Frau passt auf, dass er keinen Mist mehr baut. Wenn er spät abends noch vor die Tür geht, schaut sie nach, dass er seine Heizkissen nicht dabei hat und überprüft, ob sein Hosenstall geschlossen ist.

Der Junge mit den Dinohänden, noch immer grinsend, zieht einen Brief aus der Tasche, schiebt ihn über den Tisch und fragt nach Essers Anwalt. Er ist 34 Jahre alt, die anderen nennen ihn scherzhaft eine „doppelte Jungfrau“. Noch nie hat er mit einer Frau geschlafen. Sein erster Samenerguss in der Öffentlichkeit steht ebenfalls noch aus. Er wohnt bei seinen Eltern im Dachgeschoss und ist mehrfach vorbestraft. Draußen kriegt er keine Erektion hin, also holt er sein Glied einfach raus und schlabbert damit herum. „Manchmal kichern die Mädchen nur. Oder sie sagen ‚schön für Dich‘. Aber schon das baut mich auf“, sagt der Junge, guckt und grinst. Esser liest den Brief vor, eine Vorladung. Neulich morgens hatte er sich an der Haltestelle gezeigt, wo er jeden Tag in seinen Bus zur Arbeit steigt. Gegenüber wohnt auch noch die Freundin seines Bruders. Als wollte er geschnappt werden. Weil er sich ein paar Schulmädchen zeigte, hat er jetzt Paragraf 176 am Hals. Da geht es um Minderjährige. Kein Spaß. Als die Vorladung kam, habe seine Mutter zum ersten Mal kapiert, dass er nur Exhibitionist sei, erzählt der Junge. All die Jahre vorher dachte sie, er würde Frauen vergewaltigen. „Das mit den Kindern musst du in Griff kriegen”, ermahnt ihn der Herr mit dem roten Kopf. Der Junge nickt und grinst den Boden an.

„Ich will ja keinen Freischein“, sagt Alfred Esser später draußen vor der Tür. Der Beamte und der Junge warten bei Essers Auto, das unter einer Laterne parkt. Er will die Männer gleich am Bahnhof absetzen. „Eine Ordnungswidrigkeit kann das Gliedvorzeigen ruhig sein, wie Falschparken, mit deutlich erhöhtem Bußgeld.“ So läuft das in Holland. Dort haben sie in Parks so genannte Zeigeecken eingerichtet, aber davon hält er nichts: „Daraus werden nur Schwulentreffs.” „Und dass wir auf die Angst der Frau abfahren ist auch Blödsinn”, sagt Esser, „es geht um Lob und Anerkennung.” Seine Innung müsse toleranter werden, sagt Esser, er bläue jedem Exhi den Verhaltenskodex ein: „Keine Parkhäuser, keine dunklen Ecken, keine einsamen Orte!“ Besser sind belebte Gegenden, das verschärfe zwar die Gefahr für den Gliedvorzeiger, „sorgt aber langfristig für mehr Verständnis beim Publikum“, sagt Esser. Er selber muss sich nicht mehr so oft zeigen. „Seitdem ich mir zugestehe, wie ich bin, hat der Drang nachgelassen.“

Was genau passiert, wenn man so in den Büschen steht, verstehen nur Betroffene, darüber spreche man nur im engsten Kreise. Und das helfe. „Schauen sie sich den Jungen an”, sagt Esser und nickt zu seinem Auto rüber, wo die beiden Männer von einem Bein aufs andere treten. „Der ist seit zehn Jahren in psychiatrischer Behandlung. Den hätten Sie mal vor vier Jahren sehen sollen. Da hat der nur auf den Boden gestarrt”, sagt Esser. „Nach Wochen redete er über seine Zeigesucht, zum ersten Mal in seinem Leben. Dann fing er an, die Leute anzugucken, mit denen er redet. Jetzt grinst er, na gut, aber im Vergleich zu früher ist der ja locker! Der hat getickt wie eine Bombe. Aber eigentlich ist er kein richtiger Exhi. Das mit dem Anfassen passt nicht ins Bild. Ein Glück, dass der noch in therapeutischer Behandlung ist.” Jetzt muss er aber mal, die Kollegen warten, sagt Alfred Esser und streckt die Hand zum Abschied aus. Er geht zu seinem Auto mit der Macke, schließt die Tür auf, lässt die Kollegen einsteigen und fährt los. In die Nacht, zum Bahnhof. Seine Hände waren zart und warm, der Händedruck fest, verbindlich und herzlich.

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13 Kommentare zu “Ein Leben als Exhi

  • #1
    Falkin

    Die wollen doch nur spielen… an sich selber. Und wünschen Anerkennung von den Menschen, denen sie sich belästigend und ekelerregend zeigen. STGB § 183 ist meiner Meinung nach hier nicht hart genug.

    Und die Forderung, Exhibitionismus gleichzustellen mit dem Überqueren einer roten Fußgängerampel, stellt für mich den reinsten Hohn den Opfern gegenüber dar.

  • #2
  • #3
    TuxDerPinguin

    ich verstehe es nicht so ganz.
    Wenn es nicht um Angst geht und nur um Lob und Zeigefreude, was spricht gegen Saunen und FKK-Bereichen.
    Wäre doch für alle Beteiligten eine angenehmere Lösung.

    oder muss für Lob und Anerkennung unbedingt mit dem Glied herumgespielt werden?

    ich bin sehr liberal, und finde es nicht schlimm, wenn Menschen nackt herumlaufen. Aber wenn es zu sexuellen Handlungen kommt, ob nun bei Mann oder Frau, oder Mann mit Frau etc, ist das schon eine andere Qualität. Dies sollte möglichst versteckt in der Öffentlichkeit ausgeführt werden, um sich nicht Kinder und Jugendlichen auf diese Weise zu zeigen.
    Zudem versteht man auch, dass viele Menschen das nicht sehen wollen und Frauen sich bedroht fühlen können, je nach den Umständen.

    Warum muss denn das Lob auch von fremden Frauen kommen, warum nicht in der Selbsthilfegruppe sich gegenseitig beobachten…

    Der Text möchte die Personen mit dem Verlangen entdämonisieren. Das gelingt auch. Ist gut geschrieben.
    Aber bei mir bleiben Fragezeichen zurück, was die Motivation ist und warum eben jene Ausdrucksform gesucht wird. Mit diesen Fragezeichen fällt Verständnis schwer und führt wieder zu Ablehnung…
    dahingehend sollte der text noch erweitert werden.

  • #4
    Stefan Laurin

    Erwachsene Menschen sollen miteinander machen was sie beide wollen. Das Zauberwort heißt “Einvernehmlich”. Das ist bei den Menschen, die von Exhibitionisten bedrängt werden nicht der Fall – da ist keine Einvernehmlichkeit. Und so sind die “Betroffenen” auch die Bedrängten und nicht die Bedränger. Zum Text: Super geschrieben. Tolle Geschichte :-)

  • #5
    alfred esser

    Empathie = nennt man die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen (Psych).
    Sich in die Gefühlswelt und Handlungsweisen anderer hinein zu versetzen ist oftmals schwierig und kostet manchmal auch Überwindung. Doch jeder wünschst sich diese kostbare Eigenschaft von seinen Mitmenschen – wenn es ihn selbst betrifft, es sich um seine Eigenheiten oder “Fehlverhalten” geht.
    Was hat das mit dem hier geächteten männlichen Exhibitionismus (vor erwachsenen Frauen) zu tun?
    Dazu sollte folgendes berücksichtigt werden. Ein Exhibitionist (der sexuelle Lust/ Sucht am Zeigen hat) weis das er durch seine Vorzeigeaktion von den meisten Frauen nicht nur verachtet wird, sondern auch von Polizei und Justiz wie ein Schwerkrimineller behandelt und bestraft wird. Er lebt daher in ständiger Angst das dieses für ihn selbst nicht begreifbare Verhalten in seinem sozialen Umfeld bekannt wird. Daher ist es für ihn fast unmöglich mit jemanden darüber zu sprechen – selbst nicht mit einem Psychologen oder Therapeuten, die oftmals mit dieser Problematik wenig anfangen können und überfordert sind (wie vor einigen Jahren noch mit der Homosexualität). Der Exhibitionist steckt in einem Dilemma/ Zwiespalt – denn einerseits empfindet er bei seiner unliebsamen Vorzeigeaktion ein unbeschreibliches berauschendes, geiles Hochgefühl – andererseits würde er wegen den negativen Folgen alles dafür tun um davon los zu kommen. Warum er es trotzdem tut ist bsw vergleichbar mit einem Raucher/ in – sie wissen, das das rauchen eigentlich bescheuert ist, sich den giftigen Qualm in den Körper zu ziehen und auch noch Geld dafür auszugeben. Bekannt ist, dass es viele “Süchtige” versuchen davon loszukommen aber nur sehr wenige es schaffen .
    Nun gibt es aber doch einen Unterschied zwischen Raucher und Exhibitionisten – beim Exhibitionismus kann man von einem obszönen, unmoralischen, unanständigen Verhalten sprechen bei dem im Grunde die Phantasie und der Ekel (was er noch tun könnte) eine große Rolle spielt. Doch nachweislich wenn man darüber objektiv und sachlich aufgeklärt ist wird bei einer erwachsenen Person kein Schaden angerichtet (denn er will doch nur zeigen – was eine seriöse Studie durch die KrimZentr Wiesbaden Band 43 auch bestätigt). Während beim Rauchen eine Schädigung nachgewiesen werden kann – auch beim passiv rauchen.
    Eine weitere wichtiger Tatsache ist, dass bis heute nicht bekannt ist ob die exhibitionistische Neigung/ Präferenz anerzogen wurde oder durch Gene, Hormone, oder frühkindliche Erfahrungen und Erlebnisse usw. hervorgerufen wurde – es existieren leider nur Spekulationen.
    Ein zusätzlicher Aspekt betrifft die ungerechte, krasse unterschiedliche Einstellung (auch nach dem Gesetz § 183) in unserem Land/ Kultur zwischen männlicher und weiblicher schamloser Zurschaustellung.
    Alfred Esser

  • #6
    alfred esser

    Aufklären statt Panik machen.
    Man sollte endlich offen und sachlich über das Tabuthema Exhibitionismus – die sexuelle Lust/ Sucht am Zeigen – aufklären anstatt unverhältnismäßig zu dramatisieren und die Bevölkerung ungerechtfertig verunsichern. Die meisten Exhibitionisten (ca 70 %) sind Heterosexuell und zeigen sich ausschließlich nur vor erwachsenen Frauen. Dann gibt es die Homosexuellen die sich nur männlichen Personen zeigen, die Bisexuellen die sich Frauen und Männern zeigen, die pädophilien die vor Kinder die Hosen herunter lassen und nur sehr selten, dass Einer vor allen und jedem exhibiert. Exhibitionisten die sich erwachsenen Personen zeigen – wollen in der Regel weder erschrecken, beleidigen, schänden und schon gar nicht gewalttätig sein. Übrigens gibt es auch Frauen, die sich gerne entblößt zeigen, jedoch werden diese nicht kriminalisiert (§ 183) da die meisten Männer es nicht nur tolerieren sondern sich noch über den gebotenen schamlosen Anblick erfreuen. So wie noch vor einiger Zeit nur homosexuelle Männer bestraft wurden (nach § 175) – konnten Frauen dagegen (zumindest nach dem Gesetz) so lange und oft Sex miteinander haben wie sie wollten. Was das Wissen und die Kenntnis über den männlicher Exhibitionismus betrifft, befinden wir uns in unserem Land noch im finstern Mittelalter. Sowie bsw eine homosexuelle Person weder durch Strafen oder Therapien dazu gebracht werden kann den Normen der gesellschaftlichen Sexualvorstellungen zu entsprechen – nämlich Frau liebt Mann, Mann liebt Frau also heterosexuell – sowenig kann der geächtete männliche Exhibitionismus völlig unterdrückt oder ausgemerzt werden.
    Leider gibt es auch in der heutigen Zeit immer noch einige (jedoch nicht alle) Psychologen, Therapeuten oder sogenannte Experten deren Kenntnisse und Wissen über den männlichen Exhibitionismus aus der Zeit stammen als die Menschen noch glaubten – die Erde wäre eine Scheibe. Ihre selbstgefälligen, schlau anzuhörenden und lesenden Statements (bei Interviews) sind oftmals schlichtweg falsch und unlogisch – entsprechen nicht der Realität. Der Grund – weil sie die Rechnung ohne den Wirt machen, wie es im Volksmund so schön heißt.
    Unverständlich und rätselhaft ist auch der oftmals übertriebene polizeiliche Einsatz nach (nachweislich) harmlosen Exhibitionisten, wo doch ständig gejammert wird und zu hören und lesen ist – Polizei und Justiz wären überlastet. Es gibt einige „Belästigungen oder Bedrohungen“ in unserer Gesellschaft die für Jemanden unangenehm, ekelig oder gefährlicher sind oder wirken, bei denen die Polizei (wenn sie denn gerufen wird) sich lange nicht so engagiert zeigt. Alles was mit Sexualität zu tun hat unterliegt offensichtlich einer gewaltigen Anziehungskraft.
    Fakt ist jedenfalls auch, (was gerne von den Medien unterdrückt und verschwiegen wird aus welchen Gründen auch immer), dass einige Frauen eine männliche exhibitionistische Zurschaustellung als witzig ansehen und sich darüber amüsieren können oder es als ein interessantes, prickelndes geiles Erlebnis ansehen – während andere sich als „Opfer“ fühlen, wobei Ekel oder unbegründete ängstliche Phantasien die Ursache sein können. Die unbegründete Angst (Phobie) ist ähnlich wie die Furcht vor einer Spinne oder kleinen Maus.
    Auf keinen Fall möchte ich hier den Eindruck erwecken Exhibitionismus sei in Ordnung und müsste toleriert werden und schon gar nicht vor Kindern – moralisch gesehen sicherlich nicht akzeptabel – doch es zu kriminalisieren erzeugt nur unnötige Angst, Panik und Hysterie und das ist ebenfalls etwas verwerfliches. Das menschliche Verhalten ist oftmals Rätselhaft und kann nur durch offene, sachliche Nachforschungen ein wenig Klärung bringen. Dazu müssten wir aber die weitverbreitete Heuchelei und Doppelmoral einmal beiseite schieben und lernen Unterscheidungsvermögen zu praktizieren, die Verhältnismäßigkeit zu berücksichtigen und uns nicht von Vorurteilen und falschen unrealistischen Vorstellungen leiten lassen. Alfred Esser aus Dortmund

  • #7
    Kaiser

    Mit welcher Hand hat er der die Fotografin geschüttelt?
    Ansonsten aber interessanter Artikel, der das Thema mal aus einer anderen Perspektive bringt als immer nur “Pervers, Punkt.”

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  • #9
    alfred esser

    Auch so könnte „Frau“ es betrachten. Anstatt harmlose Exhibitionisten wie gefährlichen Triebtäter zu jagen und zu bestrafen, sollte man auch mal das gute und positive an ihnen sehen.
    Da sich Exhibitionisten viel in freier Natur bewegen halten sie sich gesund und bleiben dadurch fit und schlank. Sexuelle Betätigung regt dazu den Kreislauf an, ist bekanntlich die beste Medizin und verhindert gesundheitliche Probleme. Schützt nachweislich vor Prostataerkrankung oder Hodenkrebs wegen regelmäßiger Durchblutung der Sexualorgane – führt zu keiner ungewollten Schwangerschaft – dazu keine Ansteckungsgefahr wie Syphilis, Aids …………… Zudem gehört auch ein gewisser Mut dazu vor einer fremden Frau sein männliches Exponat zu entblößen.
    Fakt ist auch – Exhibitionisten die sich erwachsenen Personen zeigen – wollen in der Regel weder erschrecken, beleidigen, schänden und schon gar nicht gewalttätig sein. Sie wollen einfach nur „Zeigen, Ausstellen“ wie das Wort auch richtiger Weise übersetzt wird. Das Wort Exhibitionismus bedeutet hier zutreffend: „die sexuelle Lust/Sucht am Zeigen“. Zudem sagt eine alte Volksweisheit – wer seine Hosen herunter lässt hat nichts zu verbergen.

  • #10
    kappe new era

    Regel weder erschrecken, beleidigen, schänden und schon gar nicht gewalttätig sein. Sie wollen einfach nur „Zeigen, Ausstellen“ wie das Wort auch richtiger Weise übersetzt wird. Das Wort Exhibitionismus bedeutet hier zutreffend: „die sexuelle Lust/Sucht am Zeigen“. Zudem sagt eine alte Volksweisheit – wer seine Hosen herunter lässt hat nichts zu verbergen.

  • #11
    alfred esser

    Folgendes sollte einmal dazu zur Sprache kommen:
    Fragwürdige Logik einiger Frauen im Zusammenhang mit Exhibitionismus. Wer versteht hierbei die Logik der Frauen und deren Auswirkungen ?
    Bei der Mode für Frauen ist immer wieder zu hören, lesen und zu sehen wie viel Wert auf sexy und erotische Ausstrahlung geachtet wird. Und viele Frauen achten beim Kauf ihrer Kleidung auch auf diese wirksamen Effekte um entsprechende Beachtung zu bekommen. Zu dieser effizienten Garderobe zählen bsw Highheels (hohe Absatzschuhe) die die Beine verlängern und den Hintern wirksamer erscheinen lassen, sowie kurze Röckchen, tiefes Decollelte (tiefen Ausschnitt) usw. Dazu gehört möglichst viel Haut zu zeigen und farbliche Körperbemalungen (wie rote Lippen, passende Nagellackierungen, Betonung der Augenpartien ….) die einen gewissen sexuellen Reitz der Begehrlichkeit noch bekräftigen. Durchaus kann hierbei von einer Form von Exhibitionismus gesprochen werden. Nun stellt sich die Frage, was ist das Ziel, was wollen die Frauen mit einem derartigen Outfit erreichen?
    In der Regel fahren die heterosexuellen Männer darauf ab – bekommen leuchtende Augen und ihre Hormone fangen an zu vibrieren. Solange die besagten Frauen gewisse angenehme Vorteile damit erreichen sind sie zufrieden und glücklich – sie genießen das Verhalten der “balzenden” Männer.
    Aber wehe – ein Exhibitionist wird von dem erotischen Anblick so stimuliert, von dem geilen Anblick so stark überwältigt das seine Kontrollfunktion versagt. Die Folge ist, dass seine Hemmungen (die sexuelle Lust am zeigen) fallen, er seine Hose herunter lässt und ihr seine ganze männliche Pracht zur Ansicht darbietet. Dann ist das Geschrei groß, die Polizei wird alarmiert und die rückt auch sogleich mit einem Großaufgebot von Beamten an als ginge es um ein schreckliches Gewaltverbrechen.
    Woran liegt diese Einstellung – was steckt hinter dieser Doppelmoral. Ein Thema wie mir scheint mit ungeheuren Berührungsängsten. Alfred Esser

  • #12
    Bert

    Exhibitionismus ist eine seelische Störung, ein Mangel in der Persönlichkeitsentwicklung. Und er ist therapierbar. Dazu muss man den eigenen Schatten überspringen und zu einem (guten) Psychotherapeuten gehen und sich outen.

  • #13
    Binaercode

    Ich glaube, man muss Exhibitionismus nicht immer in Einklang mit psychischen Erkrankungen bringen. Das ist meiner Meinung nach eine recht einfache Sache, der man sich bedient, um Menschen in Kategorien zu packen.

    Wieso ist es nicht auch einfach die Lust am anderen Geschlecht? An einem Risiko, an der Freude einer unbekannten Person?

    Vielleicht mag es eine langfristige Sache sein, die einen Reiz bringt. So ist es doch bei vielen anderen Phantasien und Gedanken auch. Wie viele Menschen sitzen täglich in der öffentlichkeit oder einem MitarbeiterIn gegenüber und denken sich ihre sexuellen Phantasien? nur weil diese die dann nicht veräußern, ist es kein sexueller, gedanklich gesteuerter trieb, der evtl. sogar in der Hose einen Orgasmus zu Stande bringen könnte und den die entsprechende Person immer wieder erleben will?

    Wäre diese Person dann auch fähig dies zu einer Anzeige zu bringen, den Menschen als pervers zu beschimpfen oder sonstiges?
    Ich bin sehr skeptisch, was das Thema betrifft.

    Sicherlich mag es nicht jedem gefallen oder man mag darüber nicht sprechen, weil es heute zumindest noch eine Art Tabu zu sein scheint, was Sexualität in der Öffentlichkeit betrifft. Andererseits sieht man oft nicht, was in TV Präsentationen zu häufig und so extrem oft gezeigt wird, dass sich hier die Frage stellt, ob das gesamte Gesetz in der Fassung wie es bei dem Thema ist, noch immer aktuell sei und gar relativ hoch bestarft werden muss !?

    Ich bin sehr skeptisch, ob ein Reiz verurteilt werden muss…
    Zumindest, so lange die Menschen nicht zu aufdringlich werden…

    Und eine Gewohnheit oder eine Sucht ist ein Alkoholiker wie auch ein raucher und beide können anderen in der Öffentlichkeit einen Schaden zufügen… hier sogar extrem gesundheitlich…

    Wenn man sich nun fragt: Wie kommt er zu dem Vergleich?
    Logisch: Suchtpotenzial und Krankheitsbild entspricht auch einer therapeutischen Maßnahme… ich finde es sogar grausam, wenn hierbei junge Menschen ins Spiel kommen wie Kinder… Mütter rauchen, während sie ihr Kind im Arm halten oder im Raum. Machen vielleicht das Fenster auf, aber was sich dennoch überall absetzt, interessierte sie nicht die Bohne…

    So etwas geht mal gar nicht…

    Da hat man es beim Exhi doch besser: Er kommt und geht und man sieht ihn wohl so schnell nicht wieder :)

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