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Heilpraktiker: „Herr Ober, bitte einmal Hirn für Ministerin Barbara Steffens“

Barbara Steffens (Quelle: Wikipedia.de)

Barbara Steffens (Quelle: Wikipedia.de)

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat erneut einen Beweis dafür abgeliefert, dass sie im Gesundheitsministerium  nichts zu suchen hat. In einer Bericht auf eine Anfrage der CDU-Fraktion zur Bericht zum Thema Sektorale Heilpraktikerüberprüfung Podologie klingt sie, als ob sie nicht die Gesundheitsministerin des einwohnerreichsten Bundeslandes ist, sondern eine Vertreterin auf einer Esoterik-Messe in Gelsenkirchen-Bulmke:

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Es gibt keine Schulmedizin. Das ist  PR-Sprech. Es gibt eine Wissenschaft die Medizin heißt und alle Verfahren anwendet, deren Wirksamkeit erwiesen ist. Das können Medikamente sein, High-Tech wie künstliche Herzen oder auch das regelmässige Händewaschen als Schutz vor Infektionskrankheiten. Medizin als Wissenschaft interessiert sich für die Wirkung von Therapien. Ob die nun in Laboren entwickelt wurde oder seit Jahrhunderten Tradition sind, ist vollkommen egal. Ist die Wirkung belegt, wird eine Therapie genutzt. Kommt die Medizin, wie irgendwann jede Wissenschaft, an ihre Grenze muss mehr geforscht werden, um diese Grenze immer weiter zu verschieben – was seit Jahrhunderten auch geschieht.

Wenn Steffens nun doziert, eine angebliche  „Naturheilkunde“ würde ihre Stärke zeigen wenn eine angebliche „Schulmedzin“ an ihre Grenzen stösst,  ist dies schlicht Ideologie im Sinne der Esoterik-Lobby.

 

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17 Kommentare zu “Heilpraktiker: „Herr Ober, bitte einmal Hirn für Ministerin Barbara Steffens“

  • #1
    lutz schmelzer

    sechs, setzen…. oder zu den "bulmker esoteriktagen 2015" nach gelsenkirchen kommen

  • #2
    Sigrid Herrmann-Marschall

    Steffens ist ein gutes Beispiel dafür, wie man ohne jegliche Fachkenntnisse ein Fachministerium leiten kann und durch die eigenen Bekundungen die Würde dieses Amtes herabsetzen. Es ist definitiv beschämend für eine Gesundheitsministerin, solchen esoterischen Unfug zu verbreiten. Sie weiß weder, was eine oder DIE Naturheilkunde ist, noch, dass die meisten Methoden, die HP anwenden, nicht zu dieser zählen, sondern zur schlichten Scharlatanerie.
    Gefährlich wird diese Kenntnislosigkeit, wenn sie behauptet, die Naturheilkunde helfe, wenn die wissenschaftliche Medizin an ihre Grenzen stoße. So mancher ihrer Bürger und der Patienten könnte nämlich auf ihre Bekundungen vertrauen und bei ernsthafter Erkrankungen gar nicht den "Umweg" über die Arztpraxis suchen und gleich zum Quacksalber gehen. Das gibt dann auch mal Tote wie bei der "Germanischen Neuen Medizin".

    Es wäre für Bürger, Patienten und den Steuersäckel sinnvoller, die Dame durch jemanden zu ersetzen, der weiß, was er redet. Sie weiß es offenkundig nicht.

  • #3
    Andi

    "Wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, beweist die Naturheilkunde ihre Stärke" ist eine freundliche Umschreibung für "wo die Verzweiflung am größten ist, sitzt das Geld am lockersten".

    @Sigrid Herrmann-Marschall:
    Minister müssen (sollten) Politikprofis sein, nicht Fachprofis. Es hilft natürlich, aber es ist weder Voraussetzung noch Kern ihrer Aufgabe.

  • #4
    TuxDerPinguin

    Das fehlende Fachwissen finde ich nicht so schlimm. Das haben eh die meisten Minister. Dafür gibt’s Fachexperten in den Ministerien oder in der Fraktion angestellt oder als externe Berater…
    Schlimm ist es aber dann, wenn man das nicht zur Kenntnis nimmt und seinen Willen durchdrücken will… sei es mit Vorratsdatenspeicherung oder mit… was auch immer Steffens überhaupt macht

  • #5
    Minus

    Es gibt tatsächlich eine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Naturheilkunde" title="Naturheilkunde">, die sich auch dem Wirksamkeitsnachweis stellt. Leider wird diese immer mit der "Alternativmedizin" (Homöopathie, Antropsophisches Zeug,…) durcheinander geworfen, wovon diese Quacksalber noch mehr profitieren.
    Aber Frau Steffens hat Recht. Die Stärke der "Alternativmedizin" liegt an der Grenze der Medizin, nämlich dort wo es keine nachgewiesene Wirkung gibt.

  • #6
    Klaus Lohmann

    @Andi: Richtig. Minister stammt vom lateinischen Substantiv "minister" ab, welches "Diener/Gehilfe" bedeutet. Und als Gehilfin der beutelschneidenden Quacksalberindustrie in DE macht sich Steffens einfach großartig.

  • #7
    Sigrid Herrmann-Marschall

    "@Sigrid Herrmann-Marschall:
    Minister müssen (sollten) Politikprofis sein, nicht Fachprofis. Es hilft natürlich, aber es ist weder Voraussetzung noch Kern ihrer Aufgabe."

    Ich bin da Purist – ich halte es eigentlich für wünschenswert, wenn der Justizminister Jurist ist oder der Finanzminister nicht das letzte Mal in der Grundschule rechnen musste.
    Natürlich müssen sie das nicht sein – solange sie sich auf dem Boden der Fachmeinung halten. Man muss aber ernsthaft fragen: Haben die Grünen keinen vom Fach, den man berufen könnte? Es ist doch bitter, wenn sich eine Ministerin derart blamiert. Und die grüne Partei gleich mit. Ist ja auch nicht das erste Mal, dass von ihr bizarre Positionen vertreten werden.

    Wenn das das Beste ist, was die Grünen da zu bieten haben, fehlt mir die Phantasie für den Kenntnisstand und die Durchdringungstiefe der 2. und 3. Reihe schon.

  • #8
    keineEigenverantwortung

    Wer kann ein Beispiel für Fachkompetenz im aktuellen Kabinett in NRW nennen?

  • #9
    Michael

    Na ja. Wenn man sich den ganzen Bericht aus dem Ministerium durchliest, der ja als Link enthalten ist, glaube ich kaum, dass sie davon irgendwas selbst verfasst hat.
    Ich verstehe nur nicht, warum in einer Antwort zum Thema professionelle Fußpflege zusätzlich über Naturheilkunde geschwurbelt wird. Die peinliche Auslassung hätte vermieden werden können.

  • #10
    Philipp Neuhaus

    Hallo zusammen,

    ich dachte lange wie ihr, würde mich nach wie vor nicht mit Zuckerkugeln und Picksern behandeln lassen.

    Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Behandlungen bei den Heilpraktikern echt mal günstiger sind als beispielsweise professionelle Schmerzbehandlungen.

    Und dann fiel mir ein: Ja, warum denn nicht. Wenn jemand sonst eine prof. Schmerzbehandlung bekommen würde, die Hälfte der Medikamente eh nicht nehmen würde (Adhärenz ist oft ein großes Problem), sich aber mit einmal die Woche Akupunktur genauso gut zufrieden gibt, habe ich doch nichts dagegen. Spart dem Kollektiv auch noch Geld.

  • #11
    Philipp

    Nachtrag:

    Was natürlich absolut verhindert werden muss ist die Akzeptanz der Heiltherapie als äquivalent. Dann könnte man durch die Kassen gezwungen werden, zuerst die günstige Therapie zu nutzen.

  • #12
    TuxDerPinguin

    Mal was anderes… die meisten Krankenassen (alle?) finanzieren mittlerweile "Alternativmedizin".

    Machen die das alleine aus Kundenfang? DIe Kosten der Alternativmedizin dürften ja nicht so hoch sein im Vergleich wie so ein Neukunde einzahlen muss.

    Oder gibt es da wirkliche Wirtschaftlichkeits-Berechnungen? Ich würde ja denken, dass wenn den Alternativ-Medizin-Patienten wirklich etwas fehlt, sie später immernoch zum richtigen Arzt müssen. Also so gesehen doppelt teuer. Wenn Ihnen allerdings nichts fehlt, ist es besser sie gehen zu den günstigen Adressen als zu Fachärzten…

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  • #14
    Sigrid Herrmann-Marschall

    "Und dann fiel mir ein: Ja, warum denn nicht. Wenn jemand sonst eine prof. Schmerzbehandlung bekommen würde, die Hälfte der Medikamente eh nicht nehmen würde (Adhärenz ist oft ein großes Problem), sich aber mit einmal die Woche Akupunktur genauso gut zufrieden gibt, habe ich doch nichts dagegen. Spart dem Kollektiv auch noch Geld."

    Da bitte ich doch um Beleg, dass die Akupunktur billiger wäre.
    Personen, deren Beschwerden sich durch diese allermeist sinnlose Maßnahme bessern, wären auch durch Computerspiele etc. zu bessern in ihrem Befinden: Gelobt sei, was ablenkt.
    Bei Schmerzen, die einer Ablenkung nicht zugänglich sind, da muss man pharmakologisch ran, nicht nur mit Pieks und Zucker.

    „Machen die das alleine aus Kundenfang? DIe Kosten der Alternativmedizin dürften ja nicht so hoch sein im Vergleich wie so ein Neukunde einzahlen muss.“

    Natürlich.
    Der klassische Alternativmedizin-Gläubige ist weiblich, jung, gesund und – man staune – formal höher gebildet.
    Die möchte man gerne, also bietet man Wellness-Zeugs an.

  • #15
    Klaus Lohmann

    @#12 TuxDerPinguin: Es ist wohl eher ein Marketingprojekt der Kassen, denn so wie Otto-Normalbürger über viele Jahre von "Experten" wie eben Tante Steffens oder der Regenbogenpresse mit dem Heilpraktik-Müll zugelabert wurden, bestand natürlich ein Nachfragedruck auf die Kassen. Und wer sich da verweigert, hat ruckzuck viele Kunden verloren.

    Ich sehe auch nicht, dass Naturheilkunde per se "billiger" wäre, wenn man die Therapie-Dauer und die Behandlungserfolge als Hauptkosten-Faktoren wirtschaftlich mit der klassischen Medizin vergleicht. Da sich Heilpraktiker-Verbände und ja standhaft gegen klinische Studien verweigern, die deren Scharlatanerie offenlegen könnten, wird es auch in Zukunft wohl kein belastbares Datenmaterial zur Wirtschaftlichkeit geben.

  • #16
    Klaus Lohmann

    @#10 Philipp Neuhaus: Die Kassen haben ja durchaus Naturheilkunde-Produkte im Angebot, die auch bezahlt werden, wenn es anders keine Behandlungserfolge gibt, aber es wird weder eine Präferenz noch eine Gleichstellung der Naturheilkunde mit der klassischen Medizin geben.

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