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Homöopathie, Impfskepsis, Reiki – Wie gefährlich ist NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens?

Grüne Gesundheitsministerin  Barbara Steffens

Grüne Gesundheitsministerin Barbara Steffens

Barbara Steffens ist „Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter“ der rot-grünen Landesregierung in NRW. Als solche ist die Grüne  für die Gesundheit im bevölkerungsreichsten Bundesland zuständig. Es sollte an ihr sein, den Wildwuchs pseudo- und paramedizinischer Umtriebe kritisch im Blick zu haben und zu unterbinden, dass Quacksalberei sich „Medizin“ nennt. Sollte. Von unserem Gastautor Sebastian Bartoschek.

Denn im Oktober 2012 erklärte die Ministerin dem Magazin Stern:

“Ich mache mich als Ministerin dafür stark, dass in unserem Gesundheitssystem und damit in der Schulmedizin auch Alternativmedizin wie die Homöopathie integriert wird. Ich denke, das ist wichtig, damit nicht nur einzelne Symptome behandelt werden, sondern der Mensch als Ganzes. Zum Glück gibt es schon viele Ärztinnen und Ärzte, die genauso arbeiten, bei denen auch Arnica C30 längst fester Bestandteil der Praxis ist.”

Das klingt blödsinnig und schrecklich uninformiert. Oder esoterisch und wissenschaftsfremd. Beides eigentlich undenkbar für eine Ministerin, die eine Administration von Fachleuten unter und um sich hat. Deswegen: flugs nachgefragt bei der Pressesprecherin von Frau Steffens.

Gehe ich richtig in der Annahme, dass Frau Steffens diese Meinung in ihrer Tätigkeit als Ministerin umzusetzen versucht und dies nicht nur lediglich ihre Privatmeinung ist?

Ja, das ist richtig, es handelt sich hier nicht nur um die Privatmeinung. Es ist offensichtlich, dass weder die Schulmedizin noch die alternativen Heilmethoden allen Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten allein gerecht werden können. Alle Professionen des Gesundheitswesens sollten sich damit auseinander setzen, um den Wünschen der Patientinnen und Patienten angemessen begegnen zu können.

Nun ja, die „alternativen Heilmethoden“ können sicherlich nichts allein. Die „Schulmedizin“ schon, wenn sich Mediziner nur Zeit für den Patienten nehmen, was aber durch die staatlichen Reglementierungen zumindest bei Kassenpatienten nach Bekunden vieler Ärzte immer schwieriger wird. Aber eine Freundin von Wissenschaft und Evidenz muss eine Fachministerin wie Steffens doch wohl sein, oder?

Wie steht die Ministerin zur evidenzbasierten Medizin? Welche Rolle schreibt sie allgemein empirischen Wirkbefunden zu?

Natürlich ist der Nachweis der Wirksamkeit einer Behandlung von großer Bedeutung, sowohl in der Betrachtung des einzelnen Falls – also bei einer konkreten Erkrankung – wie auch abstrakt wissenschaftlich.

Das lässt hoffen… Scheint wohl doch eine informierte Dame zu sein…

Klar ist aber auch, dass evidenzbasierte Nachweise nicht für alle Methoden sowohl der Komplementärmedizin wie auch der Schulmedizin funktionieren. Es braucht solide wissenschaftliche Konzepte, unter grundsätzlicher Berücksichtigung aller zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden, um begründete Aussagen zur Wirksamkeit von Therapien zu treffen. Das gilt für alle Therapiekonzepte.

Moment! Lese ich das richtig? Wird hier eine Methode mit dem Ergebnis verwechselt? Das steht doch eigentlich: „Wenn das Ergebnis sagt, ein Verfahren ist unwirksam, dann ist das Ergebnis falsch und nicht das Verfahren“? Und natürlich braucht es „solide wissenschaftliche Konzepte“ – bei allen Therapieformen. Ach, fragen wir doch mal nach, wo die Ministerin die konkret als erfüllt ansieht.

Wie steht die Ministerin zu folgenden alternativmedizinischen Verfahren:

a) Traditionelle Chinesische Medizin (TCM),

b) Osteopathie,

c) Reiki,

d) anthroposophische Medizin?

Komplementärmedizinische Ärztinnen und Ärzte müssen mit ihren Patienten und Patientinnnen individuell entscheiden, welches das beste Verfahren für die entsprechende Erkrankung sein kann.

Äh, wie jetzt? Da redet sich doch jemand raus, oder hab nur ich das Gefühl? Und keines der Verfahren ruft Widerspruch der höchsten NRW-Gesundheitshüterin hervor? Das lag sicher daran, dass ich das nicht konkret genug zugespitzt habe. Steffens hat ja Kinder. Und als verantwortungsvolle Mutter wird sie sicher ein klares Wort zum Thema Impfungen finden.

Was empfiehlt die Ministerin in Fällen, in denen alternativmedizinische Vorstellungen diametral zu denen der Schulmedizin sind, bspw. im Bereich des Impfschutzes?

Wichtig ist, dass den Betroffenen neutrale und ausgewogene Informationen durch ihre Ärztinnen und Ärzte zugänglich gemacht werden, die für ihre eigene, selbstbestimmte Entscheidung von Bedeutung sind. Nur so können sie sich ihre eigene Meinung bilden und frei entscheiden. Für entsprechende qualifizierte und unabhängige Informationen und den entsprechenden Zugang dazu, soll sich die Politik einsetzen.

Hammer! Keine generelle Zustimmung zu Impfungen? Statt dessen ein Rumlavieren, dass sich bestenfalls neutral in Sachen Impfschutz interpretieren lässt. Das ist bitter. Und völlig unangebracht in einer Gesellschaft, in der Impfgegner Menschen unverantwortlich verunsichern und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine große Pro-Impfkampagne fahren muss.)

Was bleibt ist die Hoffnung, dass Barbara Steffens sich um die Themen Emanzipation, Pflege und Alter besser kümmert als um die Gesundheit …

 Im März erscheint das neue Buch von Sebastian Bartoschek .

Crosspost. Der Text erschien bereits auf dem Blog Psiram das kritisch über Esoterik, Alternativmedizin, Waldorf und ähnlichem Unfug berichtet. Wir bedanken uns für den Text.

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58 Kommentare zu “Homöopathie, Impfskepsis, Reiki – Wie gefährlich ist NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens?

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  • #52
    Eerenstein Manfried

    Offener Brief An die Gesundheidsministerin Steffens (Grüne ) und an die Ministerpräsidentin von NRW Hannelore Kraft ( SPD )
    Betreff Rauchverbot in kleinen Eckkneipen im Ruhrgebiet( frühere Bergbaugebiete mit ca 18 Millonen Wähler ( SPD Stammland ) , Ich war seit 1947 20 Jahre im Bergbau – Untertage , wir hatten noch die 48 Stunden – Woche , in dieser Zeit haben wir Bergarbeiter und Stahlwerker an den Hochöfen unsere Gesundheit geopfert damit verwöhnte Bürgerkinder ( ihr Koalitionpartner ) den Marsch durch die Instutionen an den Unis auf unsere Kosten durchführen konnten . Auf SPD -Versammlungen an der ich teilnahm wurde so lange diskutiert und dann erst Beschlüsse gefasst , wenn kein Arbeiter mehr da war , weil diese ausgeschlafen zur Arbeit mussten . Mein Gott !!! , was ist aus der SPD unserer Väter ( August Bebel , Helmut Schmidt , Willi Brandt ) und aus dem Debattier- Club der Haschpapis ( Grüne ) geworden , als diese ihre Turnschuhe auszogen und in Schlips und Kragen und Nadelstreifen wechselten und sich nicht mehr mit Polizisten rum prügelten . Die kleinen Selbstständigen wurden von den Grünen noch nie vertreten . So gibt es heute keine kleinen Tante Emma – Läden mehr . Sondern in den in den Dörfern und Städten mit ihren trostlosen Mietkasernen Einsamkeit und öde Leere . Dafür aber in den Vorstädten zum Teil in 50 KM entfernung auf der Grünen Wiese grossse Einkaufstempel , die nur mit dem Auto zu ereichen sind . Jetzt soll es auch den kleinen Eckneipen an Kragen gehen . Anstatt diese unter Denkmalschutz zu stellen , machen sie diese kaputt . Was haben SIE sich bei der Verabschiedung dieses unnötigen und unsinnigen Gesetzes nur gedacht ? Oder war dieses Gesetz ein Diel mit den Grünen ? Es geht durch dieses Gesetz ein Kulturgut des Ruhrgebietes , des Siegerlandes und NRW verloren. All die schönen Worte und Gesten von Hannelore Kraft und andere Politiker auf der 150 Jahrfeier der SPD in Leipzig ? Schall und Rauch oder schon Wahlkampf ? Wir werden diese Politiker nicht an ihre Worten , sondern an ihre Taten messen . Diese kleinen Wirte und ihre Gäste ( Bergleute und Hüttenrbeiter ) die Sie als SPD an sich vertreten sollten , werden dieses bei den nächsten Wahl in 4 Monaten am 11.9. dieses Jahres sehr wohl berücksichtigen . Die zur Zeit niedrige Wählergunst der SPD sollten Sie nicht durch so ein unsinniges und unnötiges Gesetz , wie dieses Rauchverbot in kleinen Eckkneipen noch vergrössern . Bedenken Sie , es gibt genug andere Probleme , die Sie als SPD anfassen sollten !
    Es geht mir als Nichtraucher ums Prinzip , als 81 Jähriger mündiger Bürger der nicht gezwungen wird in einer Gastätte zu gehen , in der geraucht wird . Lassen sie es doch den Gastwirten selbst entscheiden , ob in ihren Lokalen geraucht wird , oder nicht . Sie fördern mit diesem Gesetz ein unwürdiges Spitzelverhalten ala DDR oder Nazizeit und Missbrauchen die Polizei und die Ordnungsämter als Büttel . Diese wichtigen Ämter haben besseres zu tun , es gibt doch genügend Lebensmittelskandale !! Sie verkehren wahrscheinlich in der gehobenen Gastromie und kennen die Stimmung der kleinen Leute nicht , oder nicht mehr . Sehen sie sich doch einmal dieses unwürdige Kinderspiel der mündigen Gäste und Wirte in diesen in kleinen Kneipen an . Einige rauchen wie Kinder sogar heimlich auf der Tiolette . Man ist nicht nur entsetzt , man ist empört ! Wenn ich so an den von mir verehrten 96 Jährigen Alt- Bundeskanzler Helmut Schmidt denke , der ein Interwiew abbrach und das Studio mit brennender Zigarrete verliess . . Seit Schröder bin ich von der SPD oft bitter entäuscht worden . Jetzt von Hannelore Kraft ebenfalls , hätten Sie doch bei der Verabschiedung des Gesetztes ein klein wenig mehr Überlegung und Verstand angewandt , Von Ihrer Gesundheitsministerin Steffens (Grüne ) war dieses so wie so nicht zu erwarten .
    Es geht um den Erhalt und Existents dieser kleinen Gaststätten , die von einer demokratischen Minderheit von intoleranten Gesundheits – Aposteln und von Ihrer Bürokratie bedroht wird . 57076 Siegen den 18. Mai 2013 Manfried Eerenstein Haardtstrasse 17

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