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Ich habe den Maulkorb für Kölner Opfer gefälscht

GefälschtWas kann man glauben?  In den Tagen nach der gewalttätigen Silvesternacht von Köln wird der Ton immer schriller und die abenteuerlichsten Geschichten kursieren. Unser Gastautor Georg Odergut hat ein riskantes Experiment gewagt und ein vermeintlich brisantes Dokument gefälscht. Jetzt entschuldigt er sich bei den Getäuschten.

Sehr geehrte Frau Schneidt,

Sie wurden von mir angelogen. Dafür muss ich Sie um Entschuldigung bitten.

Ich habe Ihnen ein gefälschtes Dokument  untergejubelt, das angeblich eine Verschwiegenheitserklärung für Opfer der Gewalt von Köln zum Jahreswechsel ist. Ich habe es von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Sie fragen sich sicher warum. Lassen Sie mich das erklären.

Über 17.000 Menschen folgen Ihren Beiträgen. Unter diesen 17.000 Menschen haben Sie einen Aufruf verbreitet, dass ein Opfer der Gewalt vom Bahnhofsplatz im Krankenhaus gezwungen worden wäre, „eine Vereinbarung zu unterzeichnen, die sie dazu verpflichtete, über die Ereignisse von Köln zu Schweigen.“ Ich habe drei verschiedenen Juristen gefragt. Alle drei meinen übereinstimmend: So wie Sie die Sache darstellen, ist es rechtlich unmöglich umsetzbar.

Ihre Information ist also unzutreffend, verbreitet sich aber rasend schnell. Sie haben also eine gefährliche Fehlinformation in die Welt gesetzt. Sie haben durch Ihr Publikum von über 17.000 Facebook-Nutzern eine Verantwortung, nicht alles ungeprüft weiterzugeben. Mit der Reichweite kommt die Verantwortung.

Ich habe mich für die drastische Variante entschieden, Ihnen eine Lektion zu erteilen. Nämlich indem ich das Dokument gefälscht und Ihnen mit einem blumigen Anschreiben  zugesandt habe. Das haben Sie weiterverbreitet (wenn auch kurze später Zeit später wieder gelöscht). Doch nun hat es sich verselbstständigt.

Mit den vielen Menschen, die Ihre Beiträge lesen, sind Sie zur Presse geworden, Frau Schneidt.

Seien Sie ruhig böse auf mich. Dazu haben Sie allen Grund. Aber bitte nehmen Sie sich eines zu Herzen:

Das Thema ist zu sensibel, um die Menschen um uns herum mit unbestätigten Gerüchten weiter zu verunsichern. Das Bauchgefühl ist ein schlechter Ratgeber, wenn wir versuchen zu verstehen, was tatsächlich in der Nacht zum 1. Januar geschah.

Wenden Sie sich an Experten oder an Beteiligte. Die Behörden haben Pressestelle, die man fragen kann. Atmen Sie durch. Schlafen Sie eine Nacht darüber. Im Zweifel veröffentlichen Sie nichts, was Sie nicht aus allgemein anerkannten Quellen bestätigen können.

Die geschädigten Mädchen und Frauen von Köln, die Jungs und Männer, die Polizisten, auch die vielen Einwanderer die jetzt unter Generalverdacht stehen, und nicht zuletzt Ihre Leser werden es Ihnen danken!

Ich hoffe, Sie tragen mit dazu bei, dass die Debatte ein Stück weit sachlicher wird und verbleibe mit den besten Grüßen
Ihr
Georg Odergut


 

Das blumige Anschreiben, mit dem das Bild zuerst verschickt wurde:

Guten Abend Frau Schneidt,

mit großem Interesse habe ich Ihren Eintrag auf Facebook gelesen, in dem
Sie berichten, daß Opfer der Silvesternacht gezwungen werden,
Verschwiegenheitserklärungen zu unterzeichnen.  Ihr Kampf für die
Wahrheit macht mir Mut für Deutschland!

Ich selbst habe ebenfalls Kenntnis von einem solchen Schreiben erhalten.
Eine Photographie finden Sie anbei. Aus Rücksicht auf die Geschädigte
kann ich leider keine näheren Auskünfte zu ihr machen.

Wenn Sie es für richtig halten, Ihre vielen Kontakte über diese
Ungeheuerlichkeit in Kenntnis zu setzen, wäre ich Ihnen zutiefst
verbunden.

Die Photographie und eine anonymisierte Fassung meines Schreibens dürfen
Sie gerne verwenden.

Ich verbleibe mit den besten Wünschen für Ihren Kampf
Ihr
Georg Odergut

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128 Kommentare zu “Ich habe den Maulkorb für Kölner Opfer gefälscht

  • #101
    Klaus Lohmann

    @#95 Arnold Voss: Solange wir in DE *jährlich* im Schnitt über 5000 Fälle von (polizeilich angezeigter) sexueller Nötigung verzeichnen müssen – ein Zustand, der statistisch seit vielen Jahren eben *nicht* mit einer verstärkten oder verminderten Zuwanderung korreliert -, werden wir uns *auch* mit den Scheuklappen gegenüber unserer eigenen Kultur des Wegsehens, des Vertuschens, der Gleichgültigkeit gegenüber sexueller Gewalt befassen müssen – siehe aktuell den Fall Regensburger Domspatzen. Zahlenvergleiche, ob nun Silvester oder Oktoberfest schlimmer oder besser wären, ob Deutschland nun das "sicherste" Land für Frauen ist, sind dabei weder hilfreich noch intelligent – allein die Tatsache, *dass* es immer wieder und unabhängig von Ethnien, Alter, sozialem und Bürgerschafts-Status passiert, ist Anlass zum Handeln. Das schließt *nicht* aus, Zuwanderern unsere humanitären Grundsätze als unantastbar zu lehren, macht dies aber auch nicht zum exklusiven Ziel von Aufklärung und Prävention. Ich denke, das wollte Walter uns näherbringen.

  • #102
    Walter Stach

    Arnold -95-
    in einigen Details teile ich Deine Meinung nicht. Deiner im letzten Absatz vertretene Meinung stimme ich uneingeschränkt zu.

    Arnold,
    im Kontext mit der vorangegangen Diskussion über die Bildung einer Meinung mittels Nutzung möglichst vieler, möglichst unterschiedlicher Quellen -hier konkret möglichst vieler und möglichst unterschiedlich ausgerichteter Medien- war mir primär daran gelegen, durch Verweis auf den betr. Kommentar und auf den von Dir kritisierten Artikel in der TAZ darauf aufmerksam zu machen, daß wider die derzeit landauf-landab verbreiteten Meinung, sexistischen Gewalt sei so zusagen bei männlichen Flüchtlingen aus arabisch-afrikanisch-muslimischen Ländern genetisch angelegt und die habe sich demzufolge u.a. in der Sylvester-Nacht in Köln "ausgelebt", auch andere
    Meinungen/Standpunkte vertreten werden und daß es sogar Medien in Deutschand gibt, die diese veröffentlichen -hier die TAZ-. Ähnliches gilt für den von mir zitierten Kommentar.

    Wenn ich mit meinen Verweisen und den Zitaten erreicht haben sollte, daß die Texte gelesen werden und "man" sich mit ihnen kritisch auseinandersetzt, hätte ich das erreicht, was mir ein Anliegen war.
    Selbstverständlich teile ich nicht jede bewertende Kommentierung der Verfasserin des betr. TAZ-Artikels.
    In zwei Punkten stimme ich ihr allerdings uneingeschräntk zu :
    1.
    Alle, die ich pauschal Deutschnationale oder Völkische nenne, gebrauchen, besser wohl mißbrauchen die sexistischen Gewaltakte in Köln, um ihre Hetze gegen Flüchtlinge verschärfen zu können. Mit Erfolg, wie ich leider u.a. in vielen persönlichen Gespräche erfahren muß.
    2.
    Die Ereignisse in Köln hätten ein weiterer, ein erneuter Anlaß sein müssen, über "sexistische Gewalt" als Element unserer Gesellschaft nachzudenken, das existent ist völlig unabhängig von Staatsangehörigkeit, Rasse, Herkunft, Religion der hier lebenden Menschen und das bisher weder im allgemeinen noch anhand konkreter Einzelfällen zu der Aufregung, Erregung, zu dem Aufschrei geführt hat wie die Ereignisse in der Sylvester-Nacht in Köln.

    Wenn die Verfasserin erreicht , daß nicht nur ich, sondern auch Andere primär über ihrer Aussagen, die ich unter 1. und 2. zusammengefaßt habe, nachdenken, dann hätte sie m.E.viel erreicht, das heißt ja nicht, daß das Nachdenken zur Zustimmung durch alle führen muß.

    Immerhin scheinen die Ereignisse in Köln zumindest Justizminister Maas daran erinnert zu haben, daß sexualiserte Gewalt ein permanetes gesamtgesellschaftliches Problem ist, dem der Staat bisher nicht hinreichend mittels seines Strafrechtes Rechnung getragen hat.

    Eine andere Frage ist und bleibt für mich die, ob und inwieweit unsere Gesellschaft bereit ist, sich von der von ihr bisher regelmäßig praktizierten "stillschweigenden Duldung" bzw. von einer im hohem Maß bedenklichen Gleichgültigkeit zu verabschieden, wenn es um sexualisierte Gewalt im deutschen Alltag und bei besonderen Ereignisse geht -sh. ua. anläßlich der Ereignissse -Oktoberfest, Karneval u.a.- die die Verfassserin des betr.Artikels benennt.- Damit zusammenhängt habe ich "auf uns Deutsche" bezogen ‚mal wieder den Begriff "Scheinheiligkeit" bemüht, der ja wörtlich und bildlich -leider Gottes -aktuelle Sinnhaftigkeit erfährt mit Blick auf die jüngsten Veröffentlichungen über sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern/Jugendlichen aus den Reihen der Regensburger-Domspatzen.
    Wo bleibt hier der große öffentliche Aufschrei, die große mediale, politische Attacke gegen die Verantwortlichen? Ich will gar nicht darüber nachdenken, in welcher Relation das, was dazu möglicherweise dann doch noch öffentlich zu vernehmen sein wird, sich auch nur ansatzweise dem annähernd könnte, was sich wegen der serxualisierten Gewaltakte in Köln derzeit abspielt.

  • #103
    Helmut Junge

    @Arnold Voß, (97)
    Meiner festen Überzeugung nach hat das seit langer Zeit praktizierte Verschweigen von Zusammenhängen überhaupt nur zur Erstarkung der Rechten geführt, und nicht umgekehrt, wie manchmal befürchtet wurde und wird.
    Das wäre ja noch schlimmer, wenn die Tatsachenbericherstattung Schaden anrichten sollte, das Verschweigen von Informationen aber nicht.
    Eine breite öffentliche Diskussion unter der Auflage, bestimmte Zusammenhänge zu verschweigen, kann es auch gar nicht geben. Solche Einschränkungen lassen sich auch nur in kleinsten Zirkeln so vereinbaren. Diese Zirkel werden dann wohl in Zukunft unter sich bleiben, und nehmen dann eben nicht an solchen größeren Meinungsbildungsprozessen teil.
    Und Zahlenjonglierereien wie über das Oktoberfest lassen sich dank internet relativ schnell entlarven, wie dein Link zeigt.

  • #104
    Walter Stach

    Klaus Lohmann -101-,
    ich lese Deinen Beitrag -101-erst jetzt, nachdem meiner -102.abgesandt war, den ich mir -zumindest in seinem Kern- nach Deinem Beitrag hätte ersparen können.

    Helmut Junge -103-,
    "man wird ja doch wohl noch sagen dürfen", "man wird ja doch wohl noch sagen müssen"………
    -kommt mir irgend wie bekannt vor-.

  • #105
    Arnold Voss

    @ Lohmann 101

    Du diskutierst hier mit Jemanden der über Jahrzehnte, von der Gründung an, das erste Haus für geschlagen Frauen in NRW finanziell unterstützt hat. Ich muss also nicht mit Zahlen darüber aufgekärt werden, was in Deutschland bezügich der Gewalt gegen Frauen passiert. Der Anteil der Frauen mit Migrationshintergrund ist in diesen Häusern übrigens nicht zu unterschätzen, wird aber in der Regel nirgendwo benannt. Für mich sind das auch deutsche Frauen, und das nicht nur, weil viele von ihnen einen deutschen Pass haben.

    In Deutschland gibt es verschiedene Kulturen, und wenn ich schreibe, ohne kulturelle Scheuklappen, dann sind damit logischerweise alle gemeint. Was "unsere eigene" Kultur betrifft, so ist die mir schon immer ziemlich Wumpe gewesen, bzw. habe ich mich ihrem provinziellen Mief und ihrer christlichen Sexualfeindlichkeit schon zu einer Zeit entzogen, in der es noch keine öffentliche Debatten über sexuelle Gewalt gegeben hat.

    Im übrigen wohne ich mit Migranten schon seit Jahrzehnten Tür an Tür. Da bekommt man einfach mehr von ihrem Alltag mit, als in den Zeitungen steht und was igrendwelche Wissenschaftler aus irgendwelchen fern dieser Viertel gelegenen Wohngebieten dort erforschen. Das hat mich diesen Menschen näher gebracht, ohne sie dabei auf irgendeinen Welcome-Podest zu stellen. Das hat mich aber auch gelehrt, ihnen die Meinung zu sagen, und sie hat es gelehrt, mir die Meinung zu sagen.

    Und ja, Klaus, nur ein „weißer“, „deutscher“ Mann kann völlig unbedarft vom Weltgeschehen schreiben, dass es weder intelligent noch hilfreich ist, zu wissen, wo in dieser Welt der öffentlichen Raum für Frauen relativ sicher ist. 🙂

  • #106
    Arnold Voss

    @ Walter Stach 102

    Jetzt aber mal sachte. Walter. Wo war denn dein Aufschrei gegen sexuelle Gewalt im kirchlichen Leben. Gab es irgendein öffentliches Protestschreiben deinerseits, was deine eigenen Kirchenväter betrifft? Könnte es sein, dass die von dir hier großspurig monierte Scheinheiligkeit auch auf dich selbst zutrifft?

  • #107
    Thorsten Stumm

    @Arnold Voss #105
    Danke für dein Statement. Das sehe ich genauso.

    Leider repräsentierten Leute wie Walter Stach genau den intellektuellen Ungeist, der ständig versucht wortreich alles auf eine Metaebene zu fabulieren. Im Ergebnis damit aber jegliches Problem pastoral wegdiskutieren und kleinrelativieren und so das Geschäft der Rechten befördern.

  • #108
    Helmut Junge

    @Walter Stach,
    "sagen müssen" betrifft die Information, also die Nachrricht über ein Geschehen,
    während "sagen dürfen" meist die Ungeheuerlichkeit einer extremen Meinung kaschieren soll.
    Nachricht und Meinung muß man aber schon unterscheiden können, sonst kann es keine vernünftige Diskussion geben.
    Ich verlange von den Medien eine ehrliche vollständige Nachricht, weil ich nicht vom Verfasser der Nachricht je nach Art der Auslassung, bzw. Verstümmlung suggestiv in eine bestimmte Denkrichtung gelenkt werden will.
    Dir scheint solch ein Manipulationsversuch nicht aufzufallen, oder es ist dir egal, wie ich aus deinen Zitaten in deinem Kommentar 91 entnehme, wo du die TAZ-Autorin Hengameh Yaghoobifarah mit der Frage zitierst: ""Hätte Birgit Kelle am Montag nach der Tat einen empörten Kommentar über die Geschehnisse geschrieben, wenn die Täter w e i ß gewesen wären?
    Die Frage ist rein suggestiv, und der Leser denkt sofort, daß die Frau Kelle das sicher nicht gemacht hätte. Aber das weiß niemand, was Frau Kelle getan hätte.
    Du hast das aber hier zitiert. Und ich habe gedacht, daß das eigentlich pure Meinungsmache ist. Jedenfalls keine Nachricht. Wo sie dann eine Nachricht über die Zahl der Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest bringt, ist diese falsch, wie der Link von Arnold oben gezeigt hat. Was danach kommt, war eine Unterstellung übelster Natur, weil sie auch noch suggerierte, daß am Bahnhof nur "weiße Frauen" herumgelaufen seien. ""Ginge es nicht um die Reproduktion des rassistischen Bildes von der unschuldigen w e i ß e n Frau, die vor dem agressiven muslimischen Mann geschützt werden muß, würde diese Vorfälle kaum viral gehen."
    Darüber hat Arnold bereits geantwortet, daß es heute eine multiethnische Gesellschaft in Deutschland gibt und unter den Opfern etliche Frauen mit außereuropäischer Herkunft gab, was übrigens auch jeder aus den Fernsehbildern erkennen konnte.
    Insgesamt betrafen deine Zitate keine Nachrichten, sondern Meinung, und die sogar suggestiv formuliert.
    Mir ist es übrigens völlig gleichgültig, woher du deine "Informationen" beziehst, aber wenn du mit mir diskutieren willst, und es kommen von dir nur solche unrekflektierten suggestiven Zitate, wirst du von mir keine Antwort mehr bekommen. Und das sage ich trotz der Erinnerung an spannende frühere Diskussionen zwischen uns.

  • #109
    Walter Stach

    Nee, Arnold,
    "den Anzug " ziehe ich mir nicht an! Ich bin auch nicht willens, mich Dir gegenüber zu offenbaren!

    Im übrigen schont interessant, wenn Du -wie andere das auch häufig machen-, eine Grundsatzkritik an einem gesellschaftlichen Zustand zu kontern versuchst mit Anspielungen bezüglich eines "Mitveschuldens", einer "Mitverantwortung" des Kritikers an einem solchen Zustand, weil dieser sich nicht "nachweislich, nicht belegbar, nicht öffentlich bezeugt" bisher gegen einen solchen Zustand positioniert haben könnte?

    Arnold,
    und selbst wenn Deine in Frageform sugerierte "Scheinheiligkeit" meinerseits zutreffen würde, ändert das etwas daran, mit diesem Begriff zu arbeiten, wenn ich wie hier meine feststellen zu können, daß für mich die verständliche, die erklärbare Empörung über die sexualisierten Gewaltakte in Köln in eklatantem Widerspruch zum gesamtgesellschaftlcihen Umgang mit sexualisierter Gewalt in Deutschland steht und wenn das, z.B. in dem von mir zitierten Artikel in der TAZ, kritisch hinterfragt wird?
    Hast Du denn den Eindruck gewonnen, daß Gesellschaft und Staat -die kath.Kirche einbezogen- bisher mit allen ihren Mitteln und Möglichkeiten sich präventiv und repressiv gegen jede sexualisierte Gewalt positioniert haben?
    Hast Du denn den Eindruck gewonnen, daß vor allem diejenigen, die jetzt an der Spitze der Empörungswelle gegen die sexualisierten Gewaltakte in Köln schwimmen, sich auch nur annähernd empört haben, wenn es um die alltägliche sexualisierter Gewalt in in Deutschland geht oder um die extreme sexualisierte Gewalt während "männerdominierter, alkoholschwangerer" Großereignisse?
    Ich bin weder willens noch in der Lage, mein an die Gesellschaft, an den Staat gerichtete kritisches Hinterfragen zurückzunehmen:
    " Wie seit Ihr denn bisher grundsätzlich mit dem gesamtgesellschaftlichen Zustand sexualisierter Gewalt umgegangen, völlig unabhängig davon, ob die Taten deutschen Staatsangehörigen, Ausländern, Flüchtlingen oder.oder zugerechnet werden konnten ?".

    Und daran schließt sich zwangsläufig die Frage nach dem Warum der jedenfalls von mir wahrgenommen gesellschaftllichen/staatlichen relativen Gleichgültigkeit an und diese Frage führt folglich dazu auch zu fragen, womit die dazu in Widerspruch stehende
    jetzige Empörungswelle zu erklären ist.

    Arnold, im übrigen:
    Ich habe vor einigen Tagen hier bei den Ruhrbaronen nachdrücklich meine Position als "radikaler " Verfechter des Prinzipes "Low and order" vertreten und begründet. Ich muß deshalb eigentlich nicht mehr erklären, daß davon auch jede Form sexualisierter Gewalt erfaßt wird , und zwar ohne Wenn und Aber, ob begangen von jemanden, der aus einem arabisch-muslimische Staat stammt oder aus dem Führungscirkel "meiner" kath.Kirche oder aus dem Führungskader einer Partei oder aus einerChefredaktion.

  • #110
    Klaus Lohmann

    @Thorsten Stumm: Ohne die Metaebene, die beständig versucht, Mainstream-News abseits des von Ihnen anscheinend gern praktizierten, reinen Konsumierens auf Zusammenhänge zu untersuchen, würden wir alle hier nicht per IP-Protokoll und gesetzlich garantierter Meinungsfreiheit diskutieren.

    Und "intellektueller Ungeist" – solche Konstrukte hatten wir hierzulande eigentlich im letzten Jahrtausend schon überwunden, oder nicht?

  • #111
    abraxasrgb

    @ Arnold Merci für die vernünftige Eloquenz in dieser Debatte.

    @all Es gibt einen eklatanten Unterschied zwischen Koinzidenz, Korrelation und Kausalität.
    Tertium datur, nicht jede objektive Beobachtung, dass es keine Koinzidenz, sondern eine frappante Korrelation zwischen dem kulturell-ethnischen Hintergrund und auffälligem (A)Sozialverhalten gibt, ist einer politischen Einseitigkeit geschuldet. Allerdings scheint es mir kausal bedingt zu sein, dass die Verfechter einer quasi-religiösen politischen Einstellung, links, wie rechts, immer nur dieselben Aussagen zu dem Thema gibt: Alle Ausländer sind schlecht einerseits, alle Ausländer sind gut andererseits bzw. das hat nichts mit deren Herkunft, Religion oder Sozialstatus zu tun. Das es sich bei den Vorfällen um Täter aus bestimmten Kulturkreisen handelt, lässt sich objektiv wohl (kaum noch) leugnen … wer daraus keine Schlüsse zieht, der sollte vielleicht mal die ideologische Brille abnehmen, sie verzerrt die Wahrnehmung 😉

    Da wir ja gerade so bei persönlichen Aussagen sind: Ich habe übrigens mehrfach mein Leben für Moslems riskiert, dienstlich (Jugoslawien-Krieg etc.) als auch privat ("Ehrenprobleme" von Frauen mit ehemaligen Freunden). Ach so … ich bin mit einer Frau verheiratet, die als Flüchtling nach Deutschland kam … und meine praktischen – vergangenen – Erfahrungen in Flüchtlingslagern haben – leider – aus Vorurteilen Urteile werden lassen, neben vielen guten und wenigen schlechten Erlebnissen in vielen, auch moslemischen Ländern.
    Deshalb finde ich die dämliche Taktik der politischen Korrektheit auch so gefährlich, aber ich denke der Zug ist ohnehin abgefahren und die AFD und andere Parteien aus dem noch rechteren Spektrum werden 2017 ca. 15- 20 % erreichen, wie in vielen anderen europäischen Ländern auch. Da kann man der Politik nur in das Zeugnis schreiben: Selber schuld!

    Jedenfalls ist die allgemeine Debatte nun um einige Nuancen reicher und differenzierter, als noch vor ein paar Wochen, was ich sehr begrüße. Realitisch bzw. pragmatisch, vernünftig finde ich die Debatte aber immer noch nicht, wird sie aber wohl auch nicht mehr werden …

  • #112
    Arnold Voss

    Helmut, die eigentliche Parallelgesellschaft in Deutschland ist die von Menschen, die, sozial bestens gesichert, räumlich fernab von der konfliktreichen sozialen Wirklichkeit, bzw. gut durch Privatschulen, überdurchschnittliche Mietpreise bzw. entsprechende Eigentumsbildung und durch die konsequente Vermeidung des lokalen ÖPNV per eigenem, gut gepflegtem Qualitätsauto vor ihr geschützt, leben, um sich von dort aus besorgte Gedanken über die "fürchterliche Welt da draußen" zu machen. 🙂

  • #113
    Helmut Junge

    Ja, Arnold, daran habe ich bisher noch nie gedacht. Der Gedanke hat was!
    Ich wiederhole ihn mal:
    Arnold Voß sagt: "die eigentliche Parallelgesellschaft in Deutschland ist die von Menschen, die, sozial bestens gesichert, räumlich fernab von der konfliktreichen sozialen Wirklichkeit, bzw. gut durch Privatschulen, überdurchschnittliche Mietpreise bzw. entsprechende Eigentumsbildung und durch die konsequente Vermeidung des lokalen ÖPNV per eigenem, gut gepflegtem Qualitätsauto vor ihr geschützt, leben, um sich von dort aus besorgte Gedanken über die "fürchterliche Welt da draußen" zu machen"

  • #114
    abraxasrgb

    Hey Arnold, gut geschrieben @ Parallelgesellschaft, aber Du musst jetzt ganz, ganz tapfer sein, denn Dir wird bestimmt Inländerfeindlichkeit vorgeworfen 😉

  • #115
    Arnold Voss

    @ Walter Stach 109

    Natürlich ziehst du dir den Schuh, respektive „den Anzug“ nicht an. Der würde auch zu sehr drücken/zwicken. 🙂 Und natürlich habe ich dir mit meiner Frage keine Mittäterschaft, geschweige denn diesbezüglich irgendein Wohlwollen oder eine Duldung unterstellt. Aber was die bisherige Debatte in Deutschland betrifft, ist es eben nicht so, dass es da gar keine Aufschreie gab. In letzter Zeit nicht nur, als die massiven Verbrechen in Heimen und in krichlichen Einrichtungen heraus kamen. Selbst bei einer, im Verhältnis zu Köln, als Lappalie zu bewertenden sexuellen Anmache, gab es im Fall des FDP Politiker Brüderle eine monatelange Diskussion in fast allen Medien.

    Es ist also schlicht Unsinn, ja gelogen, dass es in Deutschland erst eine solche Debatte gibt, seitdem, wie in Köln, nichtweiße Männer die Hauptgruppe der Täter darstellt. Das, in Anbetracht der allgemeinen politischen Entwicklung, die Kölner Vorfälle von Rechts instrumentatlisiert werden, ist weder überraschend noch wirklich neu. Sich dagegen auch medial zu wehren ist unbedingt angebracht, und da bin ich auch mit dir und Klaus einer Meinung.

    Aber, und da wiederhole ich mich, muss dabei jede Relativierung vermieden werden. Das wird aber getan, wenn man sagt, dass sich die Menschen nur deswegen aufregen, weil es dieses Mal farbige Menschen aus anderen Kulturen waren. Das tut nämlich nur eine Minderheit. Eine Mehrheit tut das jedoch völlig unabhängig davon, und das nicht zum ersten Mal.

    Ansonsten gilt, wie bei allen strukturellen gesellschaftlichen Problemen, dass sie meistens nur in extremen Ereignissen breit diskutiert werden,und das frustriert natürlich die wenigen, die es permanent tun. Jetzt aber so zu tun, als sei die Ereignisse in Köln nicht extrem gewesen, sondern in Anbetracht der sonstigen sexuellen Gewalt irgendwie normal, entspricht nicht nur nicht den bisher bekannten Tatsachen, sondern ist auch sexualpolitisch falsch.

    Stattdessen sollte man eben die Extremität nutzen, um auf die Normalität aufmerksam zu machen, und das eben ohnen so zu tun, als sei dass, was in Köln geschehen ist, normal. Damit,und da hat Thorsten völlig recht, gießt man zusätzliches Wasser auf die schon zu gut laufenden Mühlen der rechtsextremen Rassisten.

  • #116
  • #117
    Davbub

    Ich habe zwar gelogen, aber für eine guten Zweck, der ja die Mittel heiligt. Und dann hat die gelogen, und dann hat der gesagt, daß die gesagt hat, …..
    Und der sowieso hat geklatscht, und der eine auch, aber der klatscht ja immer bei sowas….
    Sind ja eh‘ alles mindestens Rechtsextreme, wenn nicht sogar Nazis.
    Dies ist also der "unabhängige, investigative Qualitätsjournalismus", für den in der Zukunft der Steuerzahler via Medienstiftung zahlen soll?

  • #118
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann, als Metaebene wird eine übergeordnete Sichtweise bezeichnet.
    Indem Sie die den Begriff aus Thorsten Stumm`s Halbsatz :"… intellektuellen Ungeist, der ständig versucht wortreich alles auf eine Metaebene zu fabulieren", aus seinem Zusammenhang herausnehmen, weil der Begriff "intellektueller Zusammenhang" Sie an etwas erinnert, setzen Sie ihn auf eine Metaebene.
    Sie machen also exakt das, was Thorsten Stumm an @Walter Stachs Argumentationsweise kritisiert.
    Ehrlich gesagt, ich mache so etwas nie, denn dadurch teilt sich jeder Diskussionspfad in unendliche Irrwege, (stellen Sie sich das so vor wie eine Metaebenenstringtheorie, der Begriff ist nicht googlebar, habe ich gerade Erfunden, was jetzt mal ein Beispiel dafür ist, daß ich auch so verfahren könnte, wenn ich eine Diskussion zerwuseln wollte. Nur ich will das ja gerade nicht.). Und wenn sich zuletzt alle streiten, gibt es wegen der dann folgenden Mißverständnisse, nicht mal mehr die Erinnerung, worum es überhaupt ursprünglich ging. Dabei könnte es auch harte Diskussionen geben, wenn zwei echte Meinungen aufeinanderprallen. Ohne zusätzliche Metaebene. So etwas erlebe ich aber in jüngster Zeit kaum noch.

  • #119
    Walter Stach

    1.
    "nicht satifikationsfähig"
    "intellektuelle Ungeist"
    "Wassser auf die Mühlent rechtsextremer Rassisten."

    Ein Auszug aus dem mir gegenüber verwandten Vokabular.
    Ich könnte jetzt fragen, wo das geblieben ist, was ich unter Respekt verstehe oder unter intellektueller Redlichkeit. Ich könnte auch sagen: "Ist’s schon Irrsinn, hat es doch Methode".
    Ich könnte auch sagen, es ist wie es ist und sie sind wie sie sind, vor allem diejenigen, die sich stets und überall als Intellektuelle gerieren und sich in dieser Seltsenschätzung wohlfühlen, sich mit sichtlichem Genuss gegenseitig in ihrer Intellektualität bestätigen. Ich könnte dazu auch nichts mehr sagen, und das mache ich jetzt.

    Helmut Junge,
    wenn Du mir gegenüber ankündigst, nicht mehr mit mir diskutieren zu wollen, dann ist das selbstverständlich "Dein Bier".
    Helmut Junge,
    zur sog. Metaebene ließe sich Vieles sagen, im Ergebnis und bezogen auf konkretes Tun, auch das Gegenteil von dem, was Du vorträgst. Es ließe sich auch Vieles zum Fabulieren hier und zum konkreten Tun dort sagen, abstrakt und sachbezogen, aber auch persönlich und konkret, z.B. bezogen auf mich dem "Fabulierer" und zu dem, was ich als "Macher" zu Gunsten aller getan habe und noch tue, die der sog. sozialschwachen und die der sog. bildungsfernen Schicht angehören -aktuell gegenüber den Flüchtlngen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft oder als Lesepate in einer Grundschule, oftmals mit Kindern aus "türkisch stämmigen Familien".

    Zu den Flüchtlingen, die mir nahestehen, nur so viel:: Sie verachten so wie ich jeden, der eine Frau vergewaltig und fordern, so wie ich, ihnen gegenübere uneingeschränkte Anwendung unseres Strafrechtes, egal, ob der Vergewaltiger ein Einheimischer oder ein Flüchtling ist. Gilt das auch als Relativierung der Ereignisse von Köln?

    Aber warum sollte ich zu alldem jetzt und hier überhaupt noch Etwas sagen?
    Denn es besteht ja hinreichend Anlaß, annehmen zu können, daß dieses dann als intellektuell nicht sanktionsfähig eingestuft oder als Produkt intellektuellen Ungeistes gelten oder gar als Wasser auf die Mühlen von Rechtsradikalen oder als Versuch einer Relativierung von was auch immer benannt wird oder als Ablenkung von d e m gesellschaftlichen Problem schlechthin, egal, was das auch immer sein mag,
    Der "Kölner" sagt angeblich:
    "Ett iss wie ett iss und Du kannzet nitt änderen"!
    "Jau und jawoll" sagt man dazu im Revier!
    Dem schließe ich mich an.

  • #120
    Arnold Voss

    @ Helmut Junge

    Helmut, Klaus Lohmann liebt es die Ebenen zu wechseln, wenn es ihm gerade passt, Quantifizierungen und Schätzungen anzuzweifeln, oder für unangemessen zu erklären, wenn sie nicht von ihm selbst sind, oder Begriffe aus dem Zusammenhang zu reißen, um sie dann in einen anderen ihm passenden zu stellen, um von da aus zu stigmatisieren und – zum Teil recht platt und demagogisch – zu generalisieren.

    Das trifft immer wieder mal den Richtigen, im Fall von Thorsten Stumm und so manchem anderen eindeutig den Falschen. Aber das interessiert einen Westentaschen-Jakobiner wie Klaus natürlich nicht. Uns Ruhrbarone muss es jedoch interessieren. Wir sind eine Debattenplattform, und da darf, ja muss es, auch mal etwas heftiger zugehen dürfen. Aber uns ist nicht daran gelegen, dass Jemand durch seinen rüden Ton Debatten zerstört, bzw. durch voreilige Stigmatisierungen gar nicht erst aufkommen lässt, nur weil ihm die Meinung der anderen nicht in den Kram passt.

    Ich hoffe, dass das auch Klaus Lohmann begreift, denn ich diskutiere hier, trotz meiner Kritik, immer wieder gerne mit ihm.

  • #121
    Arnold Voss

    Walter, mach jetzt hier bitte nicht die beleidigte Leberwurst. Ich habe mir hier schon ganz andere Sachen an den Kopf werfen lassen müssen. Und Niemand hat hier behauptet, dass du absichtlich Wasser auf Extremisten-Mühlen schüttest. Und vergesse bitte nicht den Kommentar, wo du Helmut eindeutig in die rechte Ecke zu stellen versucht hast. (104)

    Helmut, auch dich bitte ich, mit Walter weiter in der Diskussion zu bleiben. Es gibt nicht so viele kritische Geister auf der Welt, als dass sich auch diese noch auseinander dividieren lassen sollten.

    Vielleicht sollten wir hier alle jetzt besser Schluss machen, oder zumindest eine Denkpause einlegen. 🙂

  • #122
    Klaus Lohmann

    @Arnold Voss: Mir ist ehrlich gesagt neu, dass hier Ruhrbarone über "Zerstörung von Debatten" lamentieren, wenn sie selbst mal nicht austeilen, sondern *auch* mal kritisiert werden. Und mehr als Kritik ist meine Replik an Thorsten Stumm nun wahrlich nicht, obwohl selbst ein "grober Keil" wie ich die Verwendung des Begriffs "intellektueller Ungeist" schon als eine ziemliche Unverschämtheit gegenüber Walter empfinde. Sei’s drum, wenn hier sowas gern gesehen wird – ich kann und werde damit leben, das "passed my ass" genauso 😉

  • #123
    Arnold Voss

    Ja Klaus, Leute vergreifen sich schon mal in ihrer Begrifflichkeit, und es ist gut, dass du darauf hinweist. Trotzdem hat es den falschen getroffen. So einfach ist das und du hast es auch verstanden. Und was Unverschämtheiten betrifft, einfach mal in in den Spiegel schauen. 🙂

  • #124
  • #125
    Arnold Voss

    Und ich dachte, du hasst Kinderkram. 🙂

    Und jetzt wars das hier. Weitere Kommentare zu diesem Thread werde nicht mehr freigeschaltet.

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