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Kobanes Fall wird zum Symbol für die Unfähigkeit des Westens, seine Feinde zu bekämpfen



In Kobane wiederholt sich Geschichte.

„Mag Gott der Gerechte sein Urteil über die furchtbare Ungerechtigkeit fällen, die dem (…) Volk widerfahren ist, und möge Er alle Schuldigen strafen. Unsere Helden sind die Soldaten, deren einzige Waffe gegen Panzer, Flugzeuge und Geschütze ihre Revolver und Petroleumflaschen waren. Unsere Helden sind die Frauen, die die Verwundeten pflegten und unter Kugeln Meldedienste leisteten, die in zerbombten Kellern für Kinder und Erwachsene kochten, die den Sterbenden Linderung brachten und trösteten. Unsere Helden sind die Kinder, die in den rauchenden Ruinen unschuldsvoll spielten.“

Das ist keine Erklärung aus Kobane, wo die Kurden zur Zeit ohne nennenswerte Luftunterstützung und mit unzureichender Bewaffnung gegen die Truppen des Islamischen Staates kämpfen. Es ist einer der letzten Funksprüche der Polnischen Heimatarmee, die 1944 in Warschau den Aufstand gegen die Deutschen wagten und erleben mussten, dass  die Rote Armee vom anderen Ufer der Weichsel aus zu sah, wie sie von der Wehrmacht und der SS massakriert wurden. Die Nazis hielten an ihrer Vernichtungspolitik bis zum Schluss fest – sie sollte noch bis zum letzten Tag des Krieges weitergehen – und die Sowjetunion hatte kein Interesse daran, dass die Polen sich selbst befreiten. Lieber ließen sie es zu, dass der polnische Widerstand vernichtet wurde.

Die Nachrichten aus Kobane erinnern mich an Warschau 1944. Während der Islamische Staat in Kobane einmarschiert, stehen die Truppen der Türkei nur wenige Kilometer entfernt und greifen nicht ein. Ein Sieg des Islamischen Staates ist Erdogan lieber als die Sicherung der Kurden. Es ist ein zynisches Machtspiel, in dem Erdogan die Rolle Stalins einnimmt.

Aber eines ist anders: Es war den westlichen Alliierten  1944 ohne Unterstützung der Sowjetunion auch aus der Luft kaum möglich, die polnische Nationalarmee zu unterstützen. Sie  benötigten die Flughäfen in der Sowjetunion – und die durfte sie nicht nutzen. Die Alliierten benötigen heute nicht die Flughäfen der Türkei. Sie könnten die dringend benötigten Waffen über Kobane abwerfen. Und sie könnten die Stellungen des Islamischen Staates so massiv angreifen, dass die Truppen der Salafisten  geschwächt wären, auch wenn auch dieser Krieg nicht aus der Luft gewonnen werden kann.

Beides geschieht nicht. Aus Rücksicht auf die Türkei. Aus Rücksicht auf die Stimmen in den eigenen Ländern, die glauben, Freiheit müsse nicht verteidigt werden. Kobane, so sieht es zur Zeit aus, wird fallen. Der Fall der Stadt ist eine Schande für den Westen und die Türkei. Aber der Fall Kobanes wird mehr als das sein: Er wird zum Menetekel, zum Symbol für die Unfähigkeit des Westens, entschlossen militärisch gegen seine Feinde vorzugehen. Den Preis dafür werden nicht nur die Männer und Frauen zahlen, die zur Zeit in Kobane kämpfen – den Preis werden wir alle zahlen.

Erinnern wir uns kurz an den Text des Menetekels – es klingt seltsam aktuell:

„Gezählt, das heißt, Gott hat gezählt die Tage Deiner Königsherrschaft und sie beendet. Gewogen, das heißt, Du wurdest auf der Waage gewogen und für zu leicht befunden. Zerteilt wird Dein Königreich und den Persern und Medern übergeben“.

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78 Kommentare zu “Kobanes Fall wird zum Symbol für die Unfähigkeit des Westens, seine Feinde zu bekämpfen

  • #51
    Sören

    Es kommt gerade so wie es kommen mußte.
    Die Kurden in der Türkei proben den Aufstand. Obgleich in anbetracht der Lage die Proteste der Kurden noch eher als gemäßigt bezeichnet werden können sind Polizei, AKP-Anhänger und Islamisten in mehreren Städten bewaffnet gegen Kurden vorgegangen und haben mehrere Kurden und deren Sympathisanten erschossen. Ich habe bisher von 3 Toten und 10 angeschossenen Schwerverletzen gelesen aber die Lage ist unübersichtlich.

    Dies kann das Ende des Friedensprozesses zwischen Kurden und Türkei bedeuten.
    Die Schuld liegt offensichtlich an der skrupellosen Machtpolitik Erdogans.
    Aber die Schuldfrage tritt in den Hintergrund vor der Bedeutung dieses Ereignisses. Der Krisenherd Syrien könnte sich weiter ausbreiten und in der ohne hin durch Erdogan stark gespaltenen türkische Gesellschaft könnte ein offenener Kampf mit den Kurden zur Destabilisierung der ganzen Türkei und einem weiteren Bürgerkrieg führen. Dabei hätten die Kurden eine Perspektive auf das Niederschlagen der IS und eine demokratische friedliche Gesellschaft in Syrien bieten können.
    Ich hoffe ich male es grad zu schwarz aber die Lage ist viel ernster für die internationale Sicherheit als bis jetzt schon befürchtet.

  • #52
    Müller

    Lieber Herr Junge,

    die komplette irakische Armee inklusive Infrastruktur hat in den Golfkriegen auch deutlich mehr Ziele geboten als beispielsweise ein paar tausende ISIS Kämpfer, die in kleinen Gruppen um Kobane herum stationiert sind und die von Flugzeugen angegriffen werden, die dafür nicht gebaut worden sind.

  • #53
    Thomas Weigle

    Warschau 44 und Kobane 70 Jahre später haben eins gemeinsam: Die Falschen( Heimatarmee, Kurden) kämpf(t)en gegen die Richtigen( Nazis, IS), die ganz Schlauen( Kommunisten, Westen, Türkei) guck(t)en zu.

  • #54
  • #55
    ruelfig

    Strategisch stellt sich das für mich so dar: man wartet ab, bis Kobane überrannt ist und die Kurden abgeschlachtet, dann wird das Feuer eröffnet und der IS zurückgeschlagen. So hat man die Kurden gerächt und die Gefahr einer islamischen Festung direkt an der türkischen Grenze gebannt. Auf dieser verbrannten Erde wird dann auch so schnell nichts nachwachsen und man kann weitersehen. Oder weiter zusehen, bis sich wieder die Gelegenheit ergibt, politische und strategische Ernte einzufahren.
    Der neue Sultan stellt sich nicht ungeschickt an, er fordert Zugeständnisse seiner „Partner“, um eigene Ziele zu erreichen. Dabei opfert er gerne seine kurdischen Feinde für die gute Sache, die Wiedererrichtung des osmanischen Reichs. Dass Europa und Amerika ihn dabei unterstützen, ist dumm und gefährlich.

  • #56
    Helmut Junge

    @Müller, „ein paar tausende ISIS Kämpfer, die in kleinen Gruppen um Kobane herum stationiert sind und die von Flugzeugen angegriffen werden, die dafür nicht gebaut worden sind.“
    Ach, Obama zieht in einen Krieg, ohne passende Waffen? Wenn das wirklich so sein sollte, bekommt die Überschrift dieses obigen Artikels von Stefan Laurin, der den provokativen Namen trägt:
    „Kobanes Fall wird zum Symbol für die Unfähigkeit des Westens, seine Feinde zu bekämpfen“, einen Wahrheitsgehalt, den ich zuerst gar nicht so vermutet habe. Ist Ihnen nicht auch klar, was der Fall Kobanes für die Propaganda der Islamisten bedeutet? Unabhängig vom menschlichen Leid, das bisher diese Debatte beherrschte, hat der Fall Kobanes eine Signalwirkung. Diese Niederlage wird uns allen noch sehr teuer zu stehen kommen.
    @Sascha Stoltenow, sind Sie unfähig eine Karte zu lesen? Der Norden Syriens liegt am Mittelmeer und ist von Kobane aus durch IS leicht zu erobern, wenn die Gegner nicht die richtigen Flugzeuge gegen die kleinen Einheiten hat, und Bodentruppen nicht zur Verfügung stehen. Sorry, daß ich Sie als Reserveoffizier der Bundeswehr wegen Ihrer Argumentation zuerst unter die Rubrik Pazifist eingestuft hatte, läßt meine negativen Befürchtungen absolut nicht kleiner werden.

  • #57
    Sascha Stoltenow

    @Helmut Junge: Nun, Pazifist zu sein, halte ich zunächst nicht für einen Charaktermangel. Karten zu lesen, habe ich irgendwann mal gelernt, wird angesichts von Google Maps, der bevorzugten Planungsgrundlage der German Chairforce, aber auch überbewertet. Diese Karte sagt mir aber auch, dass zwischen IS und dem Mittelmeer noch Assad-Truppen stehen. Sollte IS irgenwann eine Form der Staatlichkeit anstreben, wird man sich damit arrangieren, wobei meine Prognose eher ist, dass sie über kurz oder lang, ok, eher lang, als ein Phänomen des 3. Weltkrieges, den wir derzeit im Nahen Osten erleben, in die Geschichtsbücher eingehen wird.

    Zur Verfügbarkeit von Waffensystemen: Die Koalition der Willigen dürfte – Korrekturen gerne genommen – rund 100 Kampfjets „in theatre“ haben. In einem Gebiet, das sehr groß ist. Daran sollte auch ein grundsätzliches Dilemma strategischer Planung deutlich: man hat nicht alles immer und überall.

  • #58
    Knilch

    Ich bin erschrocken wie brutal Erdogan seine Bürger zusammenschießen lässt und nach außen hin heuchelt er Assad muss weg weil der auf Demonstranten hat schießen lassen. Es gibt auch Hinweise, dass Erdogans Agenten in Syrien erst die Gewalt ausgelöst haben.

  • #59
    Helmut Junge

    @Sascha Stoltenow, endlich mal Klartext von Ihnen. Danke. Aber die Satzstellung “ Sollte IS irgenwann eine Form der Staatlichkeit anstreben, wird man sich damit arrangieren, “ ist unklar.
    Bezieht sich die Aussage zum Arrangement auf Assads Truppen, oder auf den geplanten Staat der IS?

  • #60
    Paul

    …vor allem ist es ein amerikanischer Präsident der den Zenit seiner eigenen Unfähigkeit erreicht hat
    …die Menschen in Kobane werden geopfert
    …die kommunistische Gedanken der Kurden sind immer noch viel gefährlicher als die radikalen Islamisten – die wollen doch grundlegend nichts ändern – oben und unten bleib
    …begehrlich schauen die (wahren) Führer der Welt, wie sich täglich Muslime in den Staub vor Gott und ihren Herren werfen – ohne Diskussion – der Islam ist vor allem eine tolle Sache für die Herrschenden, damit das Gehirn des Menschen nicht zu freie Gedanken entwickelt ist der Kontakt der Stirn mit dem Erdboden – und das 5 x täglich zwingend.
    …dort wo der Islam oder im Namen des Islam regiert wird kommt die menschliche Entwicklung, geistig, technisch und wissenschaftlich zum erliegen – wenn man böse wäre könnte man sagen der letzte Beitrag zur Entwicklung der Menschheit aus diesen islamischen Gesellschaften war die Wunderlampe und der fliegende Teppich

  • #61
    Sascha Stoltenow

    @Helmut Junge: Wenn IS zu einem Staat werden wird, wird die Weltgemeinschaft sich damit arrangieren. Ich gehe aber davon aus, dass wir vor einem längeren Krieg bzw. dessen Fortsetzung stehen, in dessen Verlauf IS als Akteur verschwinden wird. Das ist allerdings kein Grund zur Beruhigung. Dessen ungeachtet gehe ich nicht davon aus, dass Kobane eine übergordnete strategische Bedeutung hat, gleichwohl aber als eine Art kurdisches Alamo eine wichtige kommunikative Rolle spielt.

  • #62
    Alexander Böhme

    „…Einzelne reagieren auch auf eine solche Situation im Geist der Gewaltlosigkeit und setzen damit ein wichtiges Zeichen für die persönliche Bereitschaft, auch Leiden auf sich zu nehmen. Dieser Bereitschaft kann man für sich selbst folgen; man kann sie aber nicht stellvertretend für andere erklären. Für sich selbst kann man auf jeglichen Schutz vor Gewalt verzichten; man kann jedoch nicht mit einer solchen Begründung anderen jeglichen Schutz vorenthalten. Hierin liegt die ethische Grenze eines bedingungslosen Pazifismus…“

    Aus „Religion und Gewalt
    Du sollst nicht töten – und nicht töten lassen“ Bischof Wolfgang Huber – FAZ Online vom 07.10.2014

    Der komplette Artikel: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/bischof-wolfgang-huber-ueber-religion-und-gewalt-13190591.html

  • #63
    Arnold Voss

    @ Sascha Stoltenow

    http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_71321360/is-milizen-in-kobane-offenbar-durch-us-luftangriffe-geschwaecht.html

    Man muss nur wollen, Herr Stoltenow. Und nachdem die Türkei respektive Erdogan nicht will, wollen offensichtlich die Amerikaner wieder und natürlich haben sie auch die nötigen Waffen. Trotzdem wäre es besser, wenn Erdogan auch wollte, denn dann wäre die Isis mit Sicherheit aus Kobane zu vertreiben.

    Aber Erdogan sieht die wunderbare Möglichkeit durch zuchauen, bzw. durch immer mehr Forderungen als Bedingungsetzung für sein Eingreifen dafür zu sorgen, dass sich zwei s e i n e r Feinde ersteinmal gegenseitig abschlachten, bevor er selber seine eigenen Soldaten zu opfern bereit ist. Aus seiner Sicht verständlich, aber zugleich hoch riskant.

    Ach ja, die Aufforderung die Klappe zu halten, ist keine Beleidigung. Aber nett war das zweifellos nicht von mir. 🙂

  • #64
    Forodrim

    Der BBC trifft es schon deutlich besser als die ganzen kompetenten Sessel Generäle hier:

    Many might wonder why US air power has not done more to stem the IS advance. Well for one thing the focus of what you might call US “tactical” strikes has been largely in Iraq. The air strikes in Syria have mainly been against IS command infrastructure and economic targets like oil installations. (…)
    Attacking IS from the air however, is not easy. Their guns may be well camouflaged when not firing, and even rudimentary spotters can identify US aircraft in the vicinity.

    um die Truppen in und um Kobane gezielter zu treffen müssten einfach „näher dran“ sein, kontakt zu den Kurden haben die besser aufklären wo und wann an zuschlagen kann. Es mangelt an brauchbarer Aufklärung. Dazu ist eine dauerhafte Kommunikation vonnöten, oder eine Präsenz am Boden. Wenn die USA einfach anfangen wild die Stadt zu bombardieren gibt es am Ende nur massig zivile Opfer.
    Meiner Meinung nach muss die Türkei eingreifen, oder aber zulassen das die USA etc. über die Türkei eingreifen. Aber dort scheint man eher zusehen zu wollen wie sich zwei Probleme gegenseitig zerfleischen.

  • #65
    Marco Kühnert

    Was für ein mies oder einfach gar nicht recherchierter Einstieg – wer meint, Analogien mit dem Zweiten Weltkrieg (hier: mit dem Warschauer Aufstand) herstellen zu müssen, sollte nicht einfach nur populärwissenschaftliche Publikationen heranziehen bzw. vielfach wiederholte (nur dadurch eben auch nicht wahr werdende) Mythen, wie den von der „auf der anderen Seite des Weichselufers stehenden und zuschauenden Roten Armee“, einfach nur seinerseits wiederholen. Die Recherche wäre jetzt auch gar nicht soooo aufwendig gewesen; ein Blick in die herausragende Studie: Włodzimierz Borodziej, Der Warschauer Aufstand 1944, 2001, hätte schon ausgereicht (gibt’s als schwarzes Fischer-Taschenbuch). Und so wird dann, wenn man von Militärgeschichte offensichtlich so überhaupt keine Ahnung hat, aus Erdogan Stalin. Was für ein widerliches Geschmiere!

  • #66
    WALTER Stach

    1.
    Die neuesten Nachrichten lassen darauf hoffen, daß es doch noch gelingt, die Armee des IS zurückzuschlagen -jedenfalls partiell bezogen auf Kobane-.

    Das wäre dann primär den USA zu verdanken!!

    Ich betone das, weil ich hier bei den Ruhrbaronen aus verschiedenen Anlässen mich immer wieder sehr kritisch mit der Innen- und Außenpolitik der USA auseinanderzusetzen.

    2.
    „Aufstände“ von Kurden in der Türkei.
    Diese Aufstände können niemanden überraschen oder gar erstaunen; sie sind eine zwangsläufige Folge der Poltik der Türkei gegenüber dem IS, insbesondere angesichts des Dramas „Kobane“.
    Insofern gehe ich davon aus, daß die türkische Regierung diese Folgen ihrer Politik bedacht und bei ihrer Risikoabwägung berücksichtigt hat.
    Das heißt u.a., daß die türkische Regierung bereit ist zu riskieren, daß der türkisch-kurdische Konflikt in der Türkei selbst wieder zu bürgerkrigesähnlichen Situationen führen kann.
    Das heißt auch, daß die türkische Regierung zudem bereit ist zu riskieren, daß dieser wieder ekalierende Konflikt mit den Kurden die Gesamtlage in der Region zusätzlich eskalieren lassen wird.

    Ich sehe nicht, daß die USA die Türkei grundsätzlich zu einer Änderung ihrer Poltik bewegen kann.

    Ich frage mich, ob und inwieweit diese Politik der Türkei in ihrer Eigenschaft als Mitglied der NATO deren Politik gegenüber der Türkei und das Agieren der NATO in der gesamten Region, wie auch immer, beeinflussen wird.

    Ich weise im übrigen auf meine Schlußbemerkung in meinem Beitrag -43-hin.

  • #67
    Thomas Weigle

    Wenn´s den Kommunisten nicht in Kram passt, dann ist man „populärwissenschaftlichen“ oder bürgerlichen Schriften und Medien „auf den Leim gegangen, ist Antikommunist oder was auch immer. Übrigens, lieber -65- ähnlich dummes Zeug wie ihr obiges, konnte man vor 90 in den Publikationen der murxistischen Zeugen Lenis zum Geheimprotokoll des Moskauer Vertrages lesen.

  • #68
    Arnold Voss

    @ Forodrim # 64

    Speziell für sie, als hinzu gekommener Sesselgeneral :

    http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_71323508/kampf-um-kobane-strassen-voller-leichen-der-is-kaempfer.html

    Auch die BBC ist schon weiter als sie denken. 🙂

  • #69
    Forodrim

    @Voss:

    Ich hab ja nicht gesagt das es nicht möglich ist, nur das es eben nicht „mal eben hinfliegen und alles wegbomben“ ist.

  • #70
    Arnold Voss

    @ Walter Stach # 66

    Die USA hat entweder gehofft, dass Erdogan eingreift und sich eine Stillhaltefrist gesetzt die seit gestern abgelaufen ist, oder sie hat entschieden, dass ihr die kaempfenden Kurden grundsätzlich wichtiger sind als die zögerlichen Türken.

    Auf Jeden Fall muss sie USA, im Gegensatz zu Erdogan, ein strategisches Interesse daran haben, dass die Kampfmoral der Kurden nicht sinkt. Deswegen kann sie anscheinend Kobane so oder so nicht fallen lassen, egal welche raumstrategische Bedeutung diese Stadt ansonsten hat. Und natürlich stimmt mich das froh, was die gegen die IS Kämpfenden und die unter ihnen Leidenden in Kobane betrifft.

  • #71
    Rainer Möller

    Wer jetzt im Nahen Osten was richtig und falsch macht, wage ich nicht zu beurteilen.

    Aber die Rhetorik dieses Artikels – „Wir“ müssen „unsere“ „Werte“ gegen „unsere“ Feinde verteidigen – nee, da fühl ich mich nicht angesprochen. Ich befinde mich mit Stefan Laurin ganz sicher nicht in einer „Wir“- oder Werte-Gemeinschaft. Und Angriff und Verteidigung lassen sich nur unterscheiden, solange wir über Territorialstaaten oder ähnliche Entitäten reden, die bereit sind, sich selbst Grenzen zu setzen. (Was man vom „humanitären Imperialismus“ nicht behaupten kann.)

    Ich halt es da ganz mit den Schwarzen, die unter Roosevelt als Kriegsdienstverweigerer ins Gefängnis gegangen sind, weil sie Roosevelts bellizistische Rhetorik zu hohl fanden und meinten, er sollte mit der Realisierung seiner hohen Freiheits-Ideale erst mal zu Hause anfangen.

  • #72
    der, der auszog

    zu #71

    Es ist schon edel, wenn man sich mit Schwarzen solidarisiert und sogar mit ihnen ins Gefängnis gehen würde, wenn man könnte. Nur ist Roosevelt fast schon 70 Jahre tot, ebenso die Schwarzen, die damals ins Gefängnis gingen, weshalb im Endeffekt nichts anderes bleibt, als sich selbst der Nächste zu sein.

  • #73
    Hubi

    Was ist eigentlich mit der deutschen Waffenlieferung passiert? Werden die Waffen bereits in Kobane eingesetzt? Gibt es dazu Infos?

  • #74
    Stefan Laurin Artikelautor

    @Hubi: Die deutsche Waffen gehen an die Kurden in das Autonomiegebiet im Nordirak. Kobane liegt im Norden Syriens.

  • #75
    Helmut Junge

    @Rainer Möller (71), die von Ihnen genannten „Schwarzen, die unter Roosevelt als Kriegsdienstverweigerer ins Gefängnis gegangen sind, weil sie Roosevelts bellizistische Rhetorik zu hohl fanden und meinten, er sollte mit der Realisierung seiner hohen Freiheits-Ideale erst mal zu Hause anfangen.“ hatten die Gelegenheit ein Regime zu bekämpfen, das ihnen selber die elementarste Menschenwürde aberkannt hat. Diese Gelegenheit haben sie voller Überzeugung zurückgewiesen.
    So machen Sie es jetzt auch.

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  • #77
    WALTER Stach

    Ich habe vor längerer Zeit schon ‚mal gemeint, die Situation im sog.Nahen-Osten, im gesamten östlichen und südlichen Mittelmeerraum, vergleichen zu können mit der Zeit vor, während und nach dem sog. 3ojährigen Krieg, und das hier bei den Rurhbaronen vorgebracht:

    Reginale Mächte streiten um ihrer Vorherschaft.

    Dritte mischen sich auf den verschiedenen Seiten der streitenden Regionalmächte ein, weil sie ihre Interessen sichern wollen.

    Und das Ganze wird ideologisch untermauert, damals wie heute mit Argumenten, die aus religösen Überzeugungen hergeleitet werden.

    Gestern habe ich „irgendwo“, leider weiß ich nicht mehr wo ,m.E.folgerichtig- singemäß lesen können:
    „Der Konflikt im sog.Nahen-Osten, im Mittelmeeraum wird 3o Jahre dauern können“.

    Zur Erinnerung:
    Wie schwierig es war, die Konfliktparteien -erst- nach rd.3o Jahren zur Friedenskonferenz in Münster/Osnabrück zusammenzubringen, ist bekannt.

    Bekannt ist zudem, daß dafür letztlich nicht ein abstrakter Friedenswillen der Konfliktparteien entscheidend war, sondern die Tatsache, daß den Konflitkparteien das materielle, aber auch das geistigen Potential für ie Fortsetzung des Krieges -besser der diversen Einzelkriege -ausgegangen war.

    Bekannt sind die Brutalitäten der kämpfenden Truppen; das waren, wiie wir heute zu sagen pflegen, oftmals eklantane „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
    Bekannt ist auch, wie es um die Deutschen stand, wie es um Land und Leute stand nach Ende des sog. 3o jährigen Krieges, wiewiele Tote zu beklagen waren, wie lange Zeit es gedauert hat, bis nach Ende der Kriegshandlungen wieder ein ertägliches Leben für die Menschen in Deutschland möglich war -gemessen an dem, was damals darunter verstanden wurde.
    Bekannt ist auch, was 1648 bezüglich der Herrschaftsmacht territoriat und religös festgelegt worden ist.Und das war, wie ebenfalls bekannt, keineswegs für die folgende Jahrhunderte friedenssichernd.

    Geschichte wiederholt sich nicht?

    Kann „man“ zumindest aus solchen Vergleichen Erkenntnissse für das heutige Tun oder Unterlassen herleiten?

    Ich gehe davon aus, daß die Konfliktparteien, daß die entscheidenden Akteure im sog.Nahen-Osten , vor allem bei den radikal-fanatischen Islamisten vermtlich über den 3o jährigen Krieg in Deutschland -und in angrenzenden Gebieten Europas- niichts wissen, geschweige denn bereit sein könnten, über die Schrecken, über die Sinnlosigkeit dieses Krieges und über dessen Folgen nachzudenken und daraus für sich Konsequenzen ziehen.

    Also………..
    Die Wahrscheinlichkeit, daß im sog.Nahen-Osten, den südlichen Mittelmeeraum eingeschlosen, einen kriegerischer Konflikt, bestehend aus zahlreichen regionalen Einzelkonflikten, geben wird, der mindestens 3o Jahre andauert, liegt nahe.
    Und die nicht unmittelbar beteiligten Konflikparteien werden nur eines tun können, nämlich um eine räumliche Eingrenzung des Konfliktes bemüht zu sein, damit sich dieser nicht -jedenfalls nicht unmittelbar- auf ihr Territorum ausdehnt.Auch diese meine Meinung habe ich hier bei den Rurhbaronen bereits vorgetragen.
    Angesichts „moderner Methoden“, gewaltsam seine Interessen durchzusetzten, nämlich weltweit beliebig Terrorakte bis hin zu Selbstmordanschägen zu praktizieren, wird es allerdings ein Heraushalten des Territorums nicht unmittelbar beteiligter Staaten/Staatengemeinschaften nicht geben können.

  • #78
    der, der auszog

    @Walter (#77)

    Da du jetzt mehrfach, auch in anderen Zusammenhängen, auf den 30 jährigen Krieg verwiesen hast, möchte ich zu den Punkten, mit denen Du Deine Überlegungen begründest, meine Sicht der Dinge darlegen:

    „Regionale Mächte streiten um ihrer Vorherschaft.

    Dritte mischen sich auf den verschiedenen Seiten der streitenden Regionalmächte ein, weil sie ihre Interessen sichern wollen.“

    Stimmt. Wir haben zu Beginn des 30 jährigen Krieges drei Hauptkonfliktherde: Westeuropa, Oberitalien, Ostsee und drei schon länger schwelende Konflikte: 80jähriger Krieg, franz.-spanischer Krieg, Torstensonkrieg. In Westeuropa und Oberitalien zoffen sich die Habsburger (Ötserreich, Spanien) und die Französische Krone, im Baltikum die Dänische und die Schwedische. Ab 1618 entstehen am Rande dieser Konflikte weitere Auseinadersetzungen: Krieg in Böhmen, Krieg in der Kurpfalz, Krieg zwischen Dänen und Niedersachsen, der Schwedenkrieg mit deutschen Ländern, der Schwedenkrieg mit Frankreich

    „Und das Ganze wird ideologisch untermauert, damals wie heute mit Argumenten, die aus religösen Überzeugungen hergeleitet werden.“

    Stimmt auch. Katholische Liga vs. Protestantische Union

    „Bekannt ist zudem, daß dafür letztlich nicht ein abstrakter Friedenswillen der Konfliktparteien entscheidend war, sondern die Tatsache, daß den Konflitkparteien das materielle, aber auch das geistigen Potential für die Fortsetzung des Krieges -besser der diversen Einzelkriege -ausgegangen war.“

    Nach dem Dreißigjährigen Krieg war man in Europa so gut wie am Ende. Für Nahost sehe ich dieses Ende nicht. Die dort stattfindenden Konflikte schwelen eigentlich auch schon seit dem ersten Weltkrieg und brechen immer wieder aus: bsp. Israel-Palästinenser, bsp. Irak bsp. Iran., bsp. Syrien bsp. Türkei -> Kurdenfrage. Materiell ließen sich die Konflikte in Nahost vermutlich bis ins Unendliche ausdehnen, da sowohl Waffen als auch Geldquellen en masse verhanden sind. Bsp. im Zusammenhang mit IS: Katar, Türkei. Im Zusammenhang mit Syrien: Russland, China. Darüber hinaus sind die Länder, die eingreifen und Druck ausüben könnten so mit den Konfliktparteien verbündet, dass sie es nicht wagen, diesen Druck aufzubauen. Beispiel Deutschland (EU) -> Türkei. Beispiel Russland -> Syrien, Beispiel Russland -> Iran.

    „Geschichte wiederholt sich nicht?“ Geschichte wiederholt sich immer Walter. Ich halte diese Frage 1. für typisch deutsch und 2. für nicht zielführend.

    Wenn sich unser Bundespräsident beispielsweise in Gedenken an den 1. Weltkrieg öffentlich mit dieser Frage beschäftigt, oder wenn sich die Gelehrten in Deutschland diese Frage stellen und einen Historikierstreit vom Zaun brechen, dann machen sie das, um der Welt zu zeigen, dass wir Deutschen aus unserer Geschichte gelernt haben, immerhin haben wir die beiden Weltkriege zu verantworten und auch den Holocaust, die in ihrer Dimension ihres gleichen suchen. Und nur wenn wir aus der Geschchte gelernt haben, können wir gegenüber der Welt suggerieren, das von Deutschland keine Gefahr mehr ausgeht.
    Da ich nicht daran glaube, dass von Deutschland in absehbarer Zukunft eine Gefahr ausgehen wird oder sich der Holocaust bei uns wiederholen könnte, muss ich anerkennen, dass wir aus unserer Geschichte ‚etwas‘ gelernt haben könnten. Viel ist das aber sicherlich nicht, denn wenn wir wirklich gelernt hätten, dann würden wir es nicht zulassen, dass woanders Kriege geführt und dabei ganze Völker ermordet werden. Wir empören uns zwar laut, wenn auf der Welt Genozide stattfinden, weil uns unsere Geschichte diesbezüglich zu Fachleuten und Spezialisten ausgebildet hat, welche die Kompetenz besitzen, Völkermorde zu erkennen und zu be-bzw. verurteilen, aber im Endeffekt halten wir uns bei Völkermorden geschickt raus, ebenfalls mit Hinweis auf unsere Geschichte, weil wir ja unter Umständen einen neuen Weltkrieg entfachen könnten.

    Die Frage ist müßig.

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