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Meine Angst: Das Patt des Grauens

Ich habe gerade Kaffee getrunken. Einen Keks gegessen. Dann nachgedacht. Über den Satz eines guten Kollegen. Der hat nämlich mal folgende Regel aufgestellt: In der Politik passiert immer das Langweiligste, das denkbar ist. Gut, habe ich mir überlegt, was ist das Langweiligste, das heute in NRW denkbar ist – jetzt bei den Landtagswahlen?

DAS PATT DES GRAUENS.

Wie kann das aussehen? Ganz einfach: SPD und CDU bekommen etwa 35 Prozent der Stimmen. Die Grünen landen bei 11 Prozent und die FDP kriegt irgendwas mit 6. Dooferweise kommen die Linken mit 5,05 Prozent rein.

Das bedeutet: Weder rot-grün, noch schwarz-grün ist möglich. Auch schwarz-gelb geht nicht. Alles hat keine Mehrheit. rot-rot-grün geht auch nicht – weil das nicht getragen wird. Rot-gelb-grün geht genauso wenig, wie schwarz-grün-gelb. Die Leute können das nicht. Die würden sich in so einer Koalition mit Farbbeuteln bewerfen.

Es geht nur die große Koalition. Und das auch nur im Patt. Ohne eindeutigen Sieger. Wer soll da Ministerpräsident werden? Jürgen Rüttgers, der CDU-Loser, Kraft, die SPD-Loserin? Keiner von beiden, sage ich. Im Patt des Grauens wird ein neuer gesucht, es wird wochenlange Verhandlungen geben, um jeden einzelnen Posten und jedes einzelne Ministerium. Alles verfangen in Personalien, weil jeder weiß, nur der Ministerpräsidentenposten zählt. Jeder Minister ist egal. Das mussten wir in der Berliner großen Koalition lernen.

Danach werden sich die Politiker im Patt des Grauens jahrelang belagern. Misstrauisch, nervös, feige. Im Land wird derweil so gut wie nix passieren.

Nach fünf Jahren Eiszeit werden dann einer oder vielleicht auch beide Koalitionäre abgestraft und die ehemaligen Volksparteien landen bei unter 25 Prozent. Nach dem Patt des Grauens werden die Ränder des Spektrums stärker, von Linkspartei bis Pro NRW. Das ist meine Angst.

Hoffentlich kommt heute eine klare Aussage bei den Wahlen raus.

Ich befürchte aber, dass ich mit meiner Angst Recht behalten könnte.

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18 Kommentare zu “Meine Angst: Das Patt des Grauens

  • #1
  • #2
    S.

    Hallo,
    ich fänd es mal super, wenn man sich in so einer Situation auf jemanden einigen könnte, der/die NRW gut repäsentieren könnte, aber weder CDU und SPD angehört und als Persönlichkeit von beiden anerkannt wird, aber selbst das geht nicht, weil der/die MinisterpräsidentIn ja dem Landtag angehören muss, d.h. eine kreative Lösung ist noch nichtmal möglich…
    Viele Grüße
    S.

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  • #4
    zboson

    Ich bin auch schon sehr gespannt, sehe das insgesamt aber recht locker. Meinen Tipp gebe ich nach 18 Uhr ab, um niemanden zu beeinflussen.

    @Herr Schraven: Nach fest kommt ab, aber: Looser -> Loser ;-).

  • #5
    zboson

    Ach so: das mit dem Beeinflussen war natürlich ein Spaß, Smilie vergessen ;-).

  • #6
  • #7
    walter sauerland

    Menno Schraven : was nu raus kommt : wir werden sehen .
    Aber eins ist doch sicher : in Regierundsärsche zu treten macht Spass :
    also : wer auch regiert : online Opposition mus sein ;;-)

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  • #9
    Andi

    @ S. (2):
    Das wäre eher die denkbar schlechteste Lösung. Zum einen ist es eine Illusion, dass jemand quasi von Parteigeflecht unbeeinflusst deshalb automatisch bessere Politik macht, und zum anderen ist das Repräsentieren die unwichtigste Aufgabe eines Ministerpräsidenten. Der MP muss in Düsseldorf und Berlin Politik durchsetzen, dazu braucht er Erfahrung, eine Hausmacht und Einfluss. Alle drei Punkte entwickeln sich am ehesten aus jahrelanger Parteiarbeit, und bis zu einem gewissen Grad ist deshalb auch eine Ämterhäufung sinnvoll (z.B. die Kombination von MP-Amt und Parteivorsitz, die Verflechtung in die Spitzengremien der Bundespartei usw.). Wer da von aussen kommt ist a) nicht vernetzt, bekommt also Informationen und Stimmungen aus den Koalitionsparteien im Zweifel viel zu spät mit und b) ist ihm niemand verpflichtet, das heisst er wäre ständig damit beschäftigt, für seine politischen Vorstellungen bei den Koalitionsparteien (bei denen er als Fremdkörper wahrgenommen wird) Mehrheiten zu suchen und umgekehrt Unsinn abzuwehren.

    Und das ist völlig unabhängig davon, wer der MP ist und welche Parteien die Regierung tragen. Das Ergebnist eines parteipolitisch ungebundenen MP wäre irrsinnig viel Arbeit nach innen und wenig Ergebnisse nach aussen.

  • #10
    zboson

    @andi #9
    Sehr schön beschrieben!

    Ergänzen möchte ich noch zu #2, dass das wieder die „Der gütige Monarch“-Sicht ist. Das Risiko ist viel zu groß, dass dabei der Falsche an die Macht kommt. Der Vorteil bei Parteien ist ja auch, dass es genügend Heckenschützen gibt, um den Vormann ggf. abzusägen, wenn er nicht irgendwann freiwillig zurücktritt. Wir wollen ja keine Monarchie hier ;-).

    Nicht auf Personen fokussieren, sondern auf Politik: Ziele und Durchsetzungskraft!

  • #11
    zboson

    Hier nun zbosons offizieller Koalitionstipp: am Ende liegt die CDU vorne, das CDU-Politbüro sägt Herrn R. ab, er tritt aus „gesundheitlichen Gründen“ zurück, um mehr Zeit für die Familie zu haben (Brötchen holen und so), und es gibt eine große Koalition mit der SPD, die froh ist, endlich wieder mitzumachen.

    🙂

  • #12
    Luto

    Wenn Rot-Grün möglich ist, wird das die nächste Regierung in NRW sein. Wenn nicht, bleibt nur noch die große Koalition, es sei denn die SPD springt über ihren Schatten und akzeptiert die SED/PDS/LINKE auch im Westen.

    Ich persönlich fände eine Rot-Rot-Grüne Regierung nicht schlecht, weil damit die LINKE im Westen entzaubert werden würde. Die Sachzwänge im Politgeschäft sind einfach zu groß als dass man die schönen Versprechungen wirklich wahr machen könnte. Wobei das auch auf alle anderen Parteien zutrifft (inklusive der Piraten…).

  • #13
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  • #16
    John Dean

    Ganz schön hellsichtig, Davids Kommentar! Jedenfalls – extrem gut geraten bzw. voraus gesagt. Interessant bei dieser Wahl sind für mich eine Reihe von Punkten, vor allem aber diese drei:

    1. Die Linkspartei hat sich flächendeckend in NRW etabliert – sie hat inzwischen eine Stammwählerschaft – und diese funktioniert völllig unabhängig von den sogenannten Volksparteien.

    Es ist nicht so, dass mich das freut. Aber die Realitäten muss man anerkennen. Vielleicht gelingt es der NRW-Linken in den nächsten fünf Jahren sogar (5-Jahresplan!), mit ihren Politikvorstellungen realistischer zu werden.

    2. Hannelore Kraft ist eine schwache Kandidatin. Ihr gelang es nicht (genauer gesagt: kaum), Stammwählerschaften der SPD zurück zu erobern.

    3. In Köln hat die SPD – trotz eigentlich bester Voraussetzungen – gigantisch verkackt. Die Grünen blieben in Köln weit unter ihren Möglichkeiten. Dieses doppelte Versagen war – so könnte man es sehen – wahlentscheidend für NRW.

  • #17
    Arnold Voß

    Hellsichtig war/ist er schon, aber auch von einer übertriebenen Angst vor der Linken getragen. Gysi hatte gestern abend recht. Das 5 Parteiensystem ist jetzt etabliert, und wer sich daran nicht gewöhnen kann wird in Zukunft keine ernsthafte Politik betreiben können. Egal wie man zur Partei „die Linke“ steht.

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