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Naziaufmarsch in Dortmund: „Saltimbocca gegen Rassismus“

Kleine Pause von der nationale Erhebung: Nazis in Huckarde

Kleine Pause von der nationalen Erhebung: Nazis in Huckarde

Die Polizei und die Nazis waren die Gewinner des gestrigen Tages in Dortmund. Die Strategie der Polizei, jeden Protest im Keim zu ersticken ging auf, der Naziaufmarsch verlief störungsfrei. Die Dortmunder Nazi-Gegner erwiesen sich erneut als harmlos und unfähig.

Peter Bichsels Kurzgeschichte „Ein Tisch ist ein Tisch“ mochte ich schon als Grundschüler sehr gerne. In ihr fängt ein einsamer, trauriger, alter Mann an, den öden Gegenständen seines Alttags neue Namen zu geben: Er nennt sein Bett Bild, den Stuhl Wecker und den Tisch Teppich.   Das machte ihn fröhlich, bis er merkte, dass ihn nun niemand mehr verstand. Da war er wieder traurig.

Dortmund erinnerte mich gestern an den traurigen Mann aus Bichsels Geschichte. Zwar heißt dort  ein Tisch ein Tisch und eine Pizza Pizza – Besucher der Stadt müssen sich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen – aber ansonsten pflegt man einen kreativen Umgang mit der Sprache, der absonderlich ist: Da gibt es ein Bündnis von Nazi-Gegnern das sich Blockado nennt, aber dessen letzte erfolgreiche Blockade gefühlt in einer Zeit geschah, als Dinosaurier noch durch  die tropischen Wälder striffen, die später das Ruhrgebiet werden sollten.

Da gibt es 2500 angeblich gewaltbereite Autonome, die sich bei nähere Ansicht als zumeist harmlose Jugendliche erweisen, die mit Fistelstimme vor dem Künstlerhaus in der Nordstadt singen, sie seien die „Junge Garde des Proletariats“, ohne wahrscheinlich im Leben jemals einen Arbeiter aus der Nähe gesehen zu haben.

Da ist für Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) die Teilnahme am Koch-Event Dortmund á la Carte schon ein beeindruckendes Zeichen gegen rechts, wobei er die bei Sozialdemokraten beliebten Aktionsform „Bratwurst essen gegen Rechts“ nun offenbar auch um „Saltimbocca gegen Rassismus“ ergänzen möchte.

Und das ist ein Polizeipräsident Gregor Lange (SPD), der im Vorfeld der gestrigen Demonstration erklären lässt, der Schutz friedlichen Protesten gegen den Naziaufmarsch sei eine wichtige Aufgabe der Polizei um dann noch jedes demonstrierende Rentnergrüppchen die Strahler der Wasserwerfer zu richten.

Es wäre ehrlicher gewesen wenn Lange gesagt hätte: Wir haben die Nazis aus der Nordstadt rausgehalten und ihnen strenge Auflagen erteilt. Wir werden jetzt dafür sorgen, dass sie in Ruhe marschieren können, wenn sie kein Theater machen.

Über 4000 Beamte sicherten den Marsch der 1000 Nazis und erwiesen sich zu jedem Zeitpunkt als Herr der Lage: Bis auf kleinere Rangeleien blieb alles friedlich. Die Nazis marschierten mit 1000 Mann von Dorstfeld nach Huckarde und das ohne jede Störung. Die Nazi-Gegner sorgten für ein paar lustige Fotos mit silbernen Würfeln und waren ansonsten so erfolglos wie die deutschen Teilnehmer am Eurovision Song Contest der vergangenen Jahre. Dass sie am Ende wohl Polizeiwagen irgendwo in der Nordstadt attackierten, war nicht mehr als dümmliche Aggressivität, die über das eigene vollkommene Versagen hinwegtrösten sollte.

 

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29 Kommentare zu “Naziaufmarsch in Dortmund: „Saltimbocca gegen Rassismus“

  • #1
    JR

    Die normale Arbeitsteilung bei Nazi-Demos ist doch die: Nazis demonstrieren friedlich, die Gegendemonstranten legen sich mit der Polizei an und machen so die PR für die Nazis. Denn der daheimgebliebene Bundesbürger denkt sich "Hm, wenn die Nazis friedlich sind, und die Gegendemonstranten gewalttätig, wer genau sind dann die Bösen?"

    Deshalb ist es in Dortmund prima gelaufen, trotz vereinzelter Provokationsversuche der Berliner Polizisten, von denen die WAZ berichtet.

    Wenn man das Nazi-Pack einfach herumlaufen lässt, wird es sich irgendwann demaskieren und gewalttätig werden. Oder bedeutungslos.

  • #2
    kE

    Bei der gestrigen Demo hatte ich den Eindruck, dass politische Aussagen etc. vollkommen in den Hintergrund gerückt sind.
    Es ging um medienwirksame Aktionen und um das Filmchen für die sozialen Netzwerke.

    Aus meiner Sicht war es richtig von der Polizei, direkt einzuschreiten, wenn gegen Auflagen etc. verstoßen wurde. Das wurde in der Vergangenheit zu oft versäumt.
    Dass für so kleine Gruppen so viele Strassen und Verbindungen blockiert wurden, ist aber unverhältnismäßig. Dass diese Sperrungen nicht angekündigt waren, ist nicht nachvollziehbar.

    Eine Großstadt wie Dortmund muss diese doch eher kleinen Demos auch aushalten können, ohne dass so große Bereiche gesperrt werden.

    Das „Bratwurst essen gegen Rechts“ ist nur deshalb so wichtig, weil mit "abc gegen Rechts" auch die unwichtigste Aktion in die Medien kommt. Hier sind auch Journalisten gefragt, denn es muss nicht über alles berichtet werden. Stattdessen sollte hinterfragt werden, wieso unsere Politiker die alle den "Kampf gegen Rechts" als Schwerpunkt haben, bisher nichts erreicht haben.

  • #3
    Moritz

    Gestern haben fünf mal so viele Nazi-Gegner wie Nazis in Dortmund demonstriert. Der große Druck im Vorfeld und während der letzten Jahre hat außerdem verhindert, dass die Nazis an ihrem Wunschort aufmarschieren durften.

    Wenn Erfolg nur dann ist, wenn die Nazidemo komplett verhindert wird oder blockiert wird, haben die Gegner keinerlei Einfluss mehr auf Erfolg oder Misserfolg: im einen Fall entscheidet es ein Gericht, im anderen Fall faktisch die Polizei.

    Dann können wir ja nächstes Jahr besser zu hause bleiben, um uns nicht lächerlich zu machen.

  • #4
    Freigeist

    Der Kommentar ist leider zutreffend. Die Polizei stellt sich so dar, als hätte sie die Stadt durch ihren Einsatz gegen die angeblich gewaltbereiten marodierendrn Autonomen vor dem Untergang bewahrt. Tatsächlich handelte es sich bei diesen Grüppchen in der Tat zu 95 % um vollkommen harmlose Jugendliche. Schön, dass dies auch die Bevölkerung im Norden sah, die sie fort immer wieder Engekesselten aus den Fenstern ihrer Wohnungen mit Speis und Trank versorgten.

    Während aber friedlichen Drmonstranten-und dazu sind Blockado und Alerta etc auch zu zählen, an Demonstrationen hindert, gleichzeitig aber den Nazis vollkommen ungesichert den Zugang zum Demonstrationszug gewährt.hat versagt. Nachdem die Nazis von der Gleisböockade erfuhren, fuhren etliche mit der S4 aus Richtung Unna kommend nach Dorstfeld. Ich selbst sah mich auf dem Weg zur Arbeit und auch verschiedenen Demos in Dortmund Brackel plötzlich einer zusteigendein Horde von ca. 80 Nazis gegenüber. Von Polizei keine Spur-an der nächsten Haltestelle verließen zahlreiche andere Fahrgäste fluchtartig die Bahn. Danke, Herr Polizeipräsident Lange.

  • #5
    Hanno

    Naja, find ich jetzt etwas billig, so gegen die Dortmunder Nazi-Gegner zu ätzen. Zumal da sicher gestern nicht nur die Dortmunder Antifa auf den Beinen war. Umso blöder, dass die Blockade nicht geklappt hat, könnte man meinen, aber wenn 4000 Polizisten es schaffen, 1000 Nazis gegen den Willen von angeblich 2500 Autonomen marschieren zu lassen, ist das auch nicht wirklich überraschend. Zumal bei dem "Einsatzkonzept", die Route so lange wie möglich geheim zu halten. Was hätte sich denn der Autor mal abgesehen von noch mehr Gegendemonstranten von den Dortmunder Nazi-Gegnern gewünscht? Wilde Straßenschlachten und brennende Barrikaden?

  • #6
    Klaus Lohmann

    Zur Ergänzung zu #4: Diese "unheimliche Begegnung der Nazi-Art" mit div. Hohlkopfgrüppchen im ÖPNV (insb. S-Bahnen) ist gestern einer ganzen Reihe Leute zumindest aus meinem Bekanntenkreis widerfahren, die per S- oder Stadtbahn am späten Nachmittag/gegen Abend Richtung Westen wollten. Was das noch mit "Sicherheit für die Bürger" zu tun hat, sollte Präsi Lange bitte asap mal offiziell erklären.

  • #7
    Leon Niemand

    Kritik an denen zu äußern die versucht haben die Nazis zu blockieren ist hier vollkommen fehl am Platz. Das die Linke nicht in der Lage war mehr Leute nach Dortmund zu mobilisieren ist kritikwürdig. Wir waren nicht gewaltbereit genug? Jeder Funke Wiederstand wurde von der Polizei die uns Zahlenmäßig haushoch überlegen war mit wahllosen terrorisierenden und gewalttätigen Aktionen zurückgezahlt. Jeder der diesem Artikel zustimmt und an keiner Blockade beteiligt war sollte sich schämen. Ich und andere Genossen wurden nicht verprügelt und verhaftet um sich jetzt auch noch Kritik anhören zu müssen. Ich bin nicht den ganzen Tag in Dorstfeld und Huckharde durch die Gegend gerannt zwischen Nazis und Bullen um mir so ne Scheisse anhören zu müssen. Und das die Nordstadt nicht einfach ohne Verteidigung zurückgelassen werden konnte ist ja wohl klar. Kritik nicht an denen die es versucht haben, sondern an denen die nicht da waren.

  • #8
    Freigeist

    @Leon Niemand-ich denke nicht, dass sich diese Kritik gegen diejenigen richtet, die versuchten.zu blockieren. Die Kritik muss sich m.E. Vor allem gegen die Spaltung des Widerstandes gegen Rechts in " gute,"‘ dann eher bürgerliche und kirchliche Gruppierungen und in "böse" Drmonstranten-und aus dem autonomen Umfeld.

    Dadurch geht Effizienz und Schlagkraft verloren. OB Sierau bestärkt diese Trennung, in dem er der Polizei für Ihre Einkesselunhsstrategien gegen angeblich gewaltvereite.3000 Personen zählende autonome Deonstrierende dankt Das Bild der gewalttätigen linksradikalen autonomen Demonstrienenden wird somit weiter beteuert Tatsache ist, dass die absolute Minderheit auch der bei autonomen Gruppierungen Mitlaufenden wirklich militant und gewaltbereit sind. Und, das meint der Autor dann such, wenn er von harmlosen Jugendlichen spricht. Und-nebenbei ist das kein Vorwurf. Es ist nicht verwerflich, auch im linken autonomen Spektrum mitzuwirken und dennoch keine Gewalttalten auszuüben.
    Mir sind die autonomen Strukturen sympathisch.der Protest ist oft anders-kreativer,,auch lustig und bunt.

    Es wäre viel gewonnen, wenn die bürgerlichen Kräfte dies als Bereicherung und nicht als Auforderung zur Abgrenzung betrachten würden.

    Die Trennung des Protestes in guten und bösen ist erst eine Dummheit. Und, die Blockade einer Nazidemo sollte zum demokratischen Selbstverständnis gehören.

  • #9
    kE

    @8:
    Es gibt eine klare Grenze, und das ist Gewalt. Dabei geht es um Gewalt gegen Sachen und insbesondere gegen Gewalt gegen Menschen.

    Der bürgerliche Protest wird kleiner, wenn damit gerechnet werden muss, dass gewaltbereite Menschen eine Demo für ihre "Kämpfe" instrumentalisieren. Es ist es dann auch verständlich, wenn sich bürgerlicher Protest und Abenteuer-Demonstranten unterschiedliche Demos aussuchen und auf ihre Art demonstrieren.

    Alternativ gibt es dann noch die Gruppe, die ein paar Menschen einfach nicht beachtet und demonstrieren lässt. Dabei muss man sich dann auf die Polizei verlassen, dass die Aussagen während der Demo im gesetzlichen Rahmen bleiben. Die letzte Strategie ist aus meiner Sicht durchaus erfolgsversprechend.
    Marschieren, ein paar monotone Reden hören und das bei Regen oder ungemütlichen Temperaturen ist wenig motivieren, wenn man nicht beachtet wird.

  • #10
    Yilmaz

    @Leon Niemand: Selbstkritik der Dortmunder Antifa ist absolut überfällig. Es war doch Donnerstag/Freitag bekannt, dass die Nazis durch Huckarde marschieren, warum hat man sich nicht dort getroffen statt am Hafen ?!?

  • #11
    Katha

    Sich als Journalist aus allem heraushaushalten und dann über die herziehen, die mutig genug waren, sich den Nazis in den Weg zu stellen: Das ist leider nicht nur absolut hämisch, sondern auch gefährlich. In Zeiten wie diesen braucht es ein klares Bekenntnis gegen Rechts gerade von Seiten der Medien. Was ich hier lese, ist genau die Art von Zynismus und Passivität, die weitere Gewalt gegen Geflüchtete und Morde an Migrant*innen achselzuckend in Kauf nimmt.

  • #12
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Katha: Lern lesen. Ist auch praktisch wenn man wissen will wann der Bus kommt oder eine Pizza bestellen möchte.

  • #13
    Stephan

    Als Fan dieses Blogs, muss ich leider eingestehen selten so einen sinnlosen Beitrag gelesen zu haben. Mit Sicherheit wäre Kritik an dem ein oder andere sinnvoll und richtig, aber das Niveau dieses Beitrags ist schlicht weg 3.klassig. Gleichzeitig könnte man eine gewisse Arroganz in den Bericht/Artikel oder wie sich das nennen will, interpretieren, bei der sich die Frage stellt woher diese kommt und wo der Autor die vergangenen Jahre sich so rumgetrieben hat.
    Interessant wäre zu wissen, was der Autor geschrieben hätte, wäre das von der Polizei prophezeite Endzeit-Szenario eingetreten…
    Wäre dann auch alles nur dümmliche Aggressivität gewesen oder hätten sich die Autonomen dann wieder ein Platz im Herzen des Autoren erstritten?
    In Dortmund darf man sich nach dem letzten Wochenende fragen, ob wir jemals in den Genuss eines dann erscheinenden Artikels kommen werden…

    Danke für nichts.

  • #14
    Auswanderer

    @Stefan Laurin
    Was soll so ein Scheiss Kommentar zu Katha? Wenn Du keine Kritik erträgst, dann solltest Du keine Artikel schreiben.

    Was mir in er Diskussion fehlt ist die Frage nach der Rolle der Sozialdemokraten in diesem ganzen Spiel. Von Gauck angefangen faseln alle davon, dass der mündige Bürger sich den Idioten entgegen stellen soll, aber wehe es macht eine. Dann wird der mündige Bürger behindert, drangsaliert und notfalls kriminalisiert. Ganz besonders "schätze" ich in diesem Speil unseren Inneminister Jäger. Durch diese Typen wird den Rechten der Boden bereitet. Groß das Maul aufreissen und den Idioten dann den Weg frei prügeln.
    Ich bin mittlerweile an dem Punkt, an dem ich mich frage, wie lange ich in diesem (Bundes-) Land noch leben will.

  • #15
    Klaus Lohmann

    @Auswanderer: Die Rolle der Sozialdemokraten?

    "Da ist für Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) die Teilnahme am Koch-Event Dortmund á la Carte schon ein beeindruckendes Zeichen gegen rechts, wobei er die bei Sozialdemokraten beliebten Aktionsform „Bratwurst essen gegen Rechts“ nun offenbar auch um „Saltimbocca gegen Rassismus“ ergänzen möchte."

    Ich vermute wie bei Deinen Vorschreibern: erst gar nicht gelesen, sondern einfach nur irgendwas nullinhaltlich geranted und dahingerotzt.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Auswanderer: Wie man in den Wald ruft so schallt es heraus. Das Problem ist , dass sich keine prominenten Sozialdemokraten an Blockaden beteiligen, wie Thierse es in Dresden vorgemacht hat. Aber jemand wie Thierse ist in der SPD aus Überzeugung eingetreten, im Ruhrgebiet sind die Gründe für ein SPD-Parteibuch ja nicht unbedingt politisch. Viele, die hier in der SPD sind wären in Bayern in der CSU, in Baden-Württemberg heute bei den Grünen, in Thüringen bei den Linken oder in Hessen in der CDU. Den Typus des hier vorherrschenden sozialdemokratischen Nomenklaturkaders kann man mit einem Thierse, der den Mut hatte, sich gegen die Diktatur der SED zu wehren und auch bei den Neonazis stand, als es darauf ankam, nicht vergleichen. Das habe ich aber alles schon ein paar mal geschrieben. Bei dem Text ging es um gestern und da haben sich nun einmal Polizei und Nazis durchgesetzt und die Proteste waren ohne jeden Erfolg. Das habe ich geschrieben und das war auch so.

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  • #18
    Ricardo

    @Yilmaz: nun, es gab mindestens vier Punkte, an denen Großgruppen versucht haben nach Huckarde zu gehen bzw. den Anreisepunkt in Dorstfeld blockiert haben. Ohne Golem ist gegen 5.000 Cops und fünf Wasserwerfer leider nichts zu machen. Gegen den Willen von Stadtspitze, Polizeiführung – in Absprache mit den Nazis – die zwei Stadtteile zu "opfern", brauchst du wohl einen größeren Hebel als ein paar Hundert Antifas.

    Solange das sog. zivilgesellschaftliche Spektrum nicht den Vertrag mit der Polizei aufkündigt und sich auf das inszenierte Spielchen mit polizeilich zugewiesener Sicht- und Hörweite einlässt und zufrieden gibt, werden Nazis in Dortmund weiter in Ruhe marschieren. Die Aufkündigung wird erst dann passieren, wenn nicht alle das gleiche Parteibuch haben und sich einig sind links nichts hochkommen lassen wollen. Der Unmut – auch in den Stadteilen – wächst und das Vertauen in die Polizei hat mit der Desinformationskampagne Schaden genommen. Da wird echt alles gemacht, damit sich AkRechtsextremismus eitel selbst darstellen kann und der Naziaufmarsch durchgesetzt wird. Auch wenn dazu Gewalt, Spaltung und Desinformation notwendig ist.

    @stephan: Eine derartig große Mobilisierung gab es in Dortmund in der jüngeren Geschichte noch nicht. Es ist etwas schwierig Blockado vorzuwerfen, dass sie es nicht schaffen zu blockieren, wenn die Naziroute mit 5.000 Cops besetzt ist und sich in einem Areal befindet, dass baulich günstig ist. Die Versuche zu blockieren waren tapfer. Aber das ist auch kein Wunschkonzert.

    Lesenswert dazu http://antifalinkemuenster.blogsport.de/2016/06/05/immer-wieder-dortmund-ein-kommentar/

  • #19
    Davbub

    Ich stelle mir manchmal so vor, die tausend Nazis laufen allein begleitet von der Polizei durch Dortmund oder jede andere Stadt in D. Der Verkehr wird ein wenig behindert, aber sonst nimmt niemand Notiz von der bunten Truppe. Die Ü-Wagen rücken ohne Prügelbilder wieder ab ( es sei denn, die Medien engagieren wieder einige Asylbewerber, um etwas Rabatz zu machen), in der Presse ist im Nachgang von einer "kleineren Demonstration" unter Vermischtes zu lesen, und das war’s dann auch.
    Wie lange würden unsere rassigen Landsleute dieses Spiel wohl durchhalten?

  • #20
    JoS

    Ja, Stefan, dass Polizei und Nazis sich durchgesetzt haben, das war so. Und es ist auch wichtig, dass dieses ‚und‘ dort steht, und kein ’sowohl…als auch‘.

    Deine Kritik ist dennoch zumindest wohlfeil, wenn nicht, wie Andere bereits geschrieben, mit das dämlichste, was du je produziert hast (und da gibt es nennenswerte Konkurrenzartikel). Wenn selbst der WDR davon spricht, dass die Polizei eine Demo ‚beinahe überfällt‘, dann sollte man auflauschen. Die Bilder aus der Lokalzeit waren aber Kindergartenkram gegen die Attacke der Bullen in Dorstfeld, die im Vollsprint gegen Antifas angerannt sind, die gerade eine S-Bahn-Gleis verließen. Knüppel und Pfefferspray in einem Tunnel hält man nicht sehr lange stand, vor allem, wenn die Schläge gezielt auf den Kopf erfolgen? Hätten wir stehen bleiben müssen, bis es die ersten Schädel-Basis-Brüche gibt? Hätten wir in Dorstfeld stehen bleiben sollen, bis es so ein Schlag vielleicht tatsächlich jemanden umbringt? Oder müsste sich die autonome Szene der polizeilichen Gewalt anpassen und sagen: Okay, wenn ihr Tötungsdelikte in Kauf nehmt, dann machen wir das auch?
    Das kann doch nicht die Lösung sein! Waren es nicht Redakteure von euch, die des Platzes verwiesen wurden, als sie fragten, warum Auflagenverstöße nicht geahndet wurden. Warum habt ihr nicht bereits Strafanzeigen gegen die Einsatzhundertschaft vor Ort gestellt. Beihilfe zu einer Straftat oder sowas? Nö, lieber ein leise kläffenden Artikel schreiben, weil die Autonomen nicht militant genug sind, aber in gleicher Weise einen Steinwurf auf ein Polizeiauot als dümmliche Gewalt abtun.
    Es haben an dem Tag nicht nur Polizei und Nazis gewonnen, sondern auch Springerschreiblinge, die sich echauffieren, wenn Nazis maschieren, während sie über jeden herziehen, der und die sich dagegenstellt.

    Ihr habt gestern wieder einen echt guten Ticker gemacht, schade, dass dein Artikel das so konterkariert. Du hast hier einen guten Blog aufgebaut, aber vielleicht solltest du ernsthaft drüber nachdenken, den jetzt in die Hände der vielen guten Redakteur*innen hier zu legen. Du schadest mit so einem Stumpfsinn leider deinem eigenen Porjekt.

  • #21
    b

    U. Sirau wurde angeblich auch bei den Pfeiffen an der Kreuzung Rheinische/Wittener und auf dem Wilhelmsplatz gesehen.

  • #22
    thomas weigle

    @ Stefan Laurin Ich glaube nicht, dass es bei aller berechtigten Kritik an der SPD angebracht ist, von "sozialdemokratischer Nomenklatura" zu sprechen, "Nomenklatura war und ist eine ganz andere und schlimmere Liga.

  • #23
    Klaus Lohmann

    @#18 Davbub: Die tausend Nazis und mehr liefen schon einmal nur von ein paar hilflosen Polizisten und pro forma begleitet durch deutsche Städte, ohne demokratischen Widerstand und bejubelt von den naiv-dümmlichen Völkischen. Das war kein Spiel, wie wir heute eigentlich alle wissen sollten. Und ich will mir so etwas auch nicht als Spielerei vorstellen.

  • #24
    Moritz

    Stefan: "Bei dem Text ging es um gestern und da haben sich nun einmal Polizei und Nazis durchgesetzt und die Proteste waren ohne jeden Erfolg. Das habe ich geschrieben und das war auch so."

    Mit deiner subjektiven Definition von Erfolg redest du die Nazis gross — ausgerechnet, denn die haben damit am wenigsten zu tun — und den Protest klein. Es gibt auch andere Definitionen. Oder man betrachtet es einfach etwas differenzierter.

  • #25
    Davbub

    @ 23: Die Nazis von heute schaffen es aber nur wg. der "breiten bunten Bewegung aus Kirchen, Gewekschaften etc.blabla" sowie der Antifa und anderen in die Nachrichten, ansonsten würden die doch gar nicht wahrgenommen.
    Sie stellen die Geschichte falsch dar: Damals gab es eine durchaus schlagkräftige Linksextreme (Rotfrontkämpferbund), die sich vor allem mit der SA regelmäßig Straßenschlachten lieferte, mit m.W. durchaus unterschiedlichem Ausgang.
    Die Linke (KPD/USPD/SPD) hatte ein größeres Wählerpotential und bessere Wahlergebnisse (von knapp 45% 1919 fallend auf immer noch knapp 37% 1932) -also mehr als wahrscheinlich 2017 SPD & Die Linke vorm.SED haben werden. Die NSDAP war mit einer größeren Anzahl an Stimmen gewählt worden. Und ich gehe ganz stark davon aus, daß diese Stimmen nicht von der SA herbeigeprügelt worden waren, sondern die Menschen die NSDAP freiwillig wählten. Dieses Wahlergebnis machte doch die Machtergreifung mit Ermächtigungsgesetz etc. erst möglich.
    Indem die Antifa, Blockado u.A. ihre zur Selbstvergewisserung notwendiges, ritualisiertes Tanztheater mit der Nazifront immer auf’s Neue auffüheren, verschaffen sie diesen doch erst den medialen Raum, den die 2% Nazis bei uns doch sonst gar nicht hätten

  • #26
    karmen

    "Ohne jeden Erfolg..Tanztheater..bunte Bewegung…" was ich hier lese ist haarsträubend platt und saftlos. Blabla Presse.
    Und selbst schonmal stundenlang diskutiert, gestritten, gewählt, geredet..auch bei 30 Grad im Schatten? Politik machen+politik erleben auf den Straßen ist anstrengend woll. Im gekühlten Bequembüro Bratwurst oder sonstwas mampfen und dicke Lippe kritzeln..das ist billig.

  • #27
    Marek

    In seiner trockenen Analyse hat Stefan Laurin leider recht.
    Aber: Der überheblich herablassende Unterton wir dabei leider immer häufiger zum "Grundsound" seiner Beiträge – vielleicht sollte Herr Laurin mal Pause vom sozialdemokratischen Ruhrpott machen – zumindest was die Themen seiner Beiträge anbelangt. Da muss ich mich der Kritik von @JoS durchaus anschliessen, auch wenn mir die Drastik seiner Worte überambitioniert erscheint.
    Weshalb mich der Spruch vom "vollkommenen Versagen" und auch der ganze Ton des Kommentars nervt, ist die Tatsache, dass viele der jungen Menschen, die Stefan Laurin am Samstag (genauso wie ich älterer Sack) gesehen hat (statt der herbeifantasierten gewaltbereiten Antifas von Langes Gnaden), eben ihr politisches Engagement auf die Straße tragen. Und das ist erstmal aller Unterstützung wert und verdient nicht diesen selbstgefälligen Ton des Frustrierten.
    Wer sich allerdings hinterfragen sollte – da bin ich wiederum sehr bei @Ricardo, ist das zivilgesellschaftliche Spektrum, dass es als Erfolg verkaufen will, sich an einem 50 m langen Abschnitt den Nazis mit Trillerpfeifen präsentieren zu dürfen – eben nach Langes Gnaden.
    Das hat schon wirklich armselige Züge, weshalb ja auch der größte Teil der Leute im bürgerlichen Demozug schon lange vor Eintreffen der Nazi-Nasen wieder verschwunden war.
    Wo Stefan Laurin wiederum recht hat: Die Polizei und die Politik scheinen am liebsten einen Naziaufzug ohne Öffentlichkeit zu inszenieren. Nach dem Motto: Wenn es keine große Meldung wert ist, ist es auch kein Problem.
    Diese Haltung gehört attackiert, statt sich zum quasi willfährigen Teil derselben zu machen.

    @Klaus Lohmann
    Was soll der Ton in ihrer Erwiderung auf @Auswanderer? Das können Sie besser!

  • #28
    JoS

    Also erst wieder eingreifen, wenn, wie in Dresden 2011, 10.000 Nazis auf die Straße gehen? Oder bis wann muss gewartet werden?

  • #29
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @karmen: Ich war wie alle von uns den ganzen Tag vor Ort.

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